Mercedes-AMG SL 63 / AMG SLS Roadster: Vergleich Starke Mercedes-Roadster im Vergleich

07.02.2017
Inhalt
  1. AMG SL 63 gegen SLS Roadster: Karosserie
  2. Fahrkomfort im Vergleich SL 63 gegen SLS
  3. Motoren und Getriebe von SL und SLS
  4. Fahrdynamik im Vergleich
  5. Umwelt und Kosten der Roadster
  6. Vergleichs-Fazit
  7. Gesamtbewertung SL 63 & SLS Roadster

Luxus-Roadster im Vergleich: Konkurrenz belebt das Geschäft, vor allem bei Produkten aus demselben Konzern. Im Vergleich der Mercedes SLS AMG Roadster und der Mercedes SL 63 AMG.

Eigentlich hat Mercedes die SL-Geschichte über 60 Jahre Kapitel für Kapitel mit stoischer Konsequenz fortgeschrieben - vom Flügeltürer bis zum aktuellen SL. Doch mit dem Erscheinen des neuen Flügeltürers, dem SLS AMG Coupé, vollzogen die Stuttgarter eine aufregende Wende in der erfolgreichen Story. Denn erst der SLS ist der wahre Erbe des legendären 300 SL Flügeltürers. Nicht einfach nur eine schicke Hülle über bekannter Großserientechnik, sondern ein reinrassiger Supersportwagen mit Frontmittelmotor, Doppelkupplungsgetriebe in Transaxle-Bauweise an der Hinterachse, einem Kardantunnel aus Aluminium und einem über sechs Liter großen Achtzylinder. Und seit 2011 ist der SLS auch als Roadster zu haben. Damit macht es Mercedes seinen Kunden noch schwerer, dem komfortbetonten SL die Treue zu halten. Wir vergleichen den SLS AMG Roadster mit dem dank AMG Performance Package fast gleich starken Mercedes SL 63 AMG.

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AMG SL 63 gegen SLS Roadster: Karosserie

Auch wenn die Größenunterschiede von außen nur kleine Differenzen im Innenraum vermuten lassen, sind sie dennoch vorhanden. Und obwohl der SL gut zwei Zentimeter kürzer ist, bietet er trotzdem mehr Bewegungsfreiheit. Beim SLS benötigt die Technik den Raum: Der Motor sitzt weit hinten im Chassis, und das Getriebe den Fahrer ist ein schmaler Schacht weit außen dicht an den Türen vorgesehen. Die Ergonomie überzeugt, und die Bewegungsfreiheit ist ordentlich, doch der SL 63 AMG gibt sich großzügiger. Dafür liegen beide in puncto Bedienung auf einem Niveau - allerdings verwendet Mercedes beim SL die neueren Systeme. Das gilt vor allem für das Comand-Online-Navigationssystem des SL, das gegenüber dem einfacheren Comand APS des SLS nicht nur einen Internetzugang bereithält, sondern auch sicherheitsrelevante Features wie zum Beispiel die kamerabasierte  Verkehrsschilderkennung und die Notruf-Funktion. Ohnehin müssen SLS-Besitzer bei der Sicherheitsausstattung Verzicht üben. In der Preisliste finden sich weder eine Isofix-Befestigung oder eine aktive Geschwindigkeitsregelung noch ein hilfreiches Kurvenlicht. Besser sieht es da für den Roadster bei der Verarbeitung aus. Hier liegt er mit dem SL 63 AMG auf Augenhöhe, auch wenn der SL im Detail mit den feineren Materialien aufwartet. Für den SLS spricht seine Stoffkapuze. Sie faltet sich in nur elf Sekunden akkurat hinter die Sitze, während das aufwändige Leichtmetall-Klappdach des SL ganze 20 Sekunden benötigt, um im Gepäckraum zu verschwinden. Zwar schränkt sich dadurch das Kofferraumvolumen des SL ein, es fällt aber selbst dann noch üppiger aus als das des SLS.

KarosserieMax. PunkteMercedes SL 63 AMGMercedes SLS AMG Roadster
Raumangebot vorn1007269
Raumangebot hinten10000
Übersichtlichkeit703537
Bedienung/ Funktion1008383
Kofferraumvolumen100273
Variabilität100100
Zuladung/ Anhängelast80176
Sicherheit1509358
Qualität/ Verarbeitung200180178
Kapitelbewertung1000517434

Fahrbericht Mercedes SLS AMG Roadster - Seitenansicht
Mercedes SLS AMG Roadster im Fahrbericht  

Mercedes SLS AMG Roadster

 

Fahrkomfort im Vergleich SL 63 gegen SLS

Dass der SLS für die Rennstrecke gemacht ist, dokumentierten die bisherigen Testfahrzeuge des Flügeltürers mit recht harter Abstimmung. Der Roadster spricht jedoch eine sanftere Sprache. Insbesondere die Hinterachse, die beim SLS Coupé recht rüde die Bandscheiben der beiden Insassen malträtiert, zeigt bei der offenen Version ein angenehm feines Ansprechverhalten. Das AMG Ride Control-Sportfahrwerk mit einstellbaren Dämpfern sorgt zusätzlich für mehr Komfort. Beim SL 63 AMG verhält es sich generell ein wenig anders - er steht besonders für gediegenen Komfort. Mit AMG Performance-Fahrwerk (1785 Euro) trifft das allerdings nicht mehr ganz zu, vor allem, wenn der Klappdach-Roadster mit langsamen Tempo über Landstraßen gleitet. Dann dringen Unebenheiten stärker in den Innenraum durch, als es in einem normalen SL der Fall ist. Auf der Autobahn hingegen gefällt der SL mit stoischer Ruhe. Hier ist der SLS - angeregt durch Bodenwellen - stets etwas mehr in Bewegung. Extrem passgenau schmiegen sich die aktiven Multikontursitze (821 Euro) des SL an Fahrer und Beifahrer - komfortabel auf langen Reisen oder mit viel Seitenhalt in schnellen Kurven. Die engeren Sitze des SLS AMG meistern diesen Spagat nicht ganz so gekonnt. Deutlich besser gelungen ist die Klangkulisse des V8-Saugmotors des SLS. Nur auf langen Etappen dürfte das Triebwerk ein wenig dezenter sein. Der SL hingegen erreicht auch hier einen guten Mix aus kerniger Ansprache und leisen Tönen. Zudem sind die Wind- und Fahrwerksgeräusche im Vergleich deutlich leiser.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes SL 63 AMGMercedes SLS AMG Roadster
Sitzkomfort vorn150140129
Sitzkomfort hinten10000
Ergonomie150127125
Innengeräusche503014
Geräuscheindruck1006052
Klimatisierung503837
Federung leer200137134
Federung beladen200137134
Kapitelbewertung1000669625
 

Motoren und Getriebe von SL und SLS

Der Blick auf die Typenbezeichnung des SL 63 AMG verzerrt die Realität: Unter der Haube stampft nicht der geniale, über 6,2 Liter große V8-Hochdrehzahlmotor des SLS sein betörendes Stakkato durch die Auspuffanlage, sondern ein 5,5-Liter-Biturbo-V8. Dank des AMG Performance Packages leistet der Triebsatz jedoch satte 564 PS - nur sieben PS weniger als der des SLS. Das Drehmoment steigert sich sogar auf 900 Newtonmeter. Downsizing heißt also zumindest bei Mercedes nicht auch gleich Verzicht. Allerdings ist der Drehzahlbereich, in dem die 900 Nm erbarmungslos losschlagen, schmal. Der Einsatz der mit Druck aus den Turbos aufgebauten brachialen Leistungsexplosion lässt sich nur schwer dosieren. Auch der Siebenstufen-Automatik macht der plötzliche Kraftausbruch mitunter zu schaffen. Dann baut die Elektronik kleine Verschnaufpausen in die Schaltbefehle ein. Das Aggregat des SLS AMG hingegen reagiert extrem feinfühlig und ohne Verzögerung auf jeden kleinen Gasbefehl. Der Saugmotor  entwickelt schon knapp über Leerlaufdrehzahl einen satten Punch und reißt bei knapp 7000 Touren mit gewaltigen 571 PS an den Hinterrädern. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist in diesem Vergleich über jeden Zweifel erhaben: passende Übersetzungen, atemberaubend schnelle Schaltzeiten und bei Bedarf gelassen im Automatikmodus - schlicht perfekt. Auf dem Papier sind die Unterschiede jedoch geringer, zumindest bei den Fahrleistungen. Beim Verbrauch zeigt der kleinere Biturbomotor aber, dass er effizienter mit dem Treibstoff umgeht: 1,8 Liter weniger Sprit auf 100 km sind auch in dieser Klasse ein Wort.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes SL 63 AMGMercedes SLS AMG Roadster
Beschleunigung150135137
Elastizität100  
Höchstgeschwindigkeit150128140
Getriebeabstufung1008891
Kraftentfaltung504641
Laufkultur1008279
Verbrauch3259460
Reichweite2578
Kapitelbewertung1000580556

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Fahrdynamik im Vergleich

Wenn es eine Disziplin gibt, die der SLS beherrscht, dann ist es die Fahrdynamik. Auch wenn Mercedes den SL in Form des 63 AMG mit AMG Performance Package und Performance-Fahrwerk auf maximale Fahrdynamik trimmt, zieht ihm der SLS leichtfüßig davon. Der SLS ist Sportwagen pur, auch als Roadster. Er verlangt zwar nahe am Grenzbereich viel Fingerspitzengefühl, doch wer sich bemüht, den SLS sauber über die Piste zu führen, wird mit beeindruckender Dynamik belohnt. Bestechend präzise setzt die Vorderachse jeden Lenkbefehl um. Dabei gibt der Roadster dem Fahrer extrem detaillierte Rückmeldungen. Gepaart mit dem hohen mechanischen Grip, den die Hinterachse generiert, wird man schnell eins mit dem SLS. Die lebhaften Lastwechselreaktion bei ausgeschaltetem ESP benötigen jedoch eine erfahrene Hand. Der Mercedes SL 63 AMG zeigt einen völlig anderen Charakter. Seiner Lenkung fehlt es im direkten Vergleich an Rückmeldung. Zudem  entkoppelt sein ABC-Fahrwerk mit aktivem Wank- und Nickausgleich den Fahrer deutlich stärker vom Asphalt als der sehr verbindliche SLS. Der irrsinnige Druck der schwer dosierbaren 900 Newtonmeter überfordert im Grenzbereich recht früh die Hinterräder - schnelle Rundenzeiten lassen sich daher nicht so spielerisch hinzaubern wie mit dem SLS. Beiden gemeinsam sind die standfesten Karbon-Keramik-Bremsen (11.424 Euro), bei denen lediglich die Dosierbarkeit noch einen Hauch besser ausfallen dürfte.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes SL 63 AMGMercedes SLS AMG Roadster
Handling150104111
Slalom1007481
Lenkung1008090
Geradeauslauf504343
Bremsdosierung302020
Bremsweg kalt150104104
Bremsweg warm150116114
Traktion1003840
Fahrsicherheit150126126
Wendekreis20128
Kapitelbewertung1000717737
 

Umwelt und Kosten der Roadster

Die Fahrfreude, die der Mercedes SLS AMG Roadster vermittelt, lässt sich nicht in Euro ausdrücken. Der Grundpreis von 195.160 Euro ist somit nur ein Wert, den die überaus solvente Kundschaft gern bezahlt. Das gilt im gleichen Maße für den SL 63 AMG, der inklusive AMG Performance Package 171.955 Euro kostet. Extrawünsche lassen die Preise problemlos auf über 200.000 Euro steigen. Die Finanzen spielen in diesem Vergleich ohnehin eine eher untergeordnete Rolle. Der Vollständigkeit halber sei aber gesagt, dass man für den SL deutlich mehr Ausstattungsdetails ordern kann als für den SLS, zumindest aus der Standard-Preisliste. Denn für Sonderwünsche ist AMG stets offen - gegen entsprechendes Honorar.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes SL 63 AMGMercedes SLS AMG Roadster
Bewerteter Preis67540
Wertverlust5000
Ausstattung252222
Multimedia503829
Garantie/Gewährleistung502727
Werkstattkosten2098
Steuer1065
Versicherung40244
Kraftstoff55159
Emissionswerte252120
Kapitelbewertung1000166124

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Vergleichs-Fazit

Dass der SL 63 AMG dieses interne Kräftemessen für sich entscheidet, war abzusehen. Er ist der komfortablere, sparsamere, günstigere und auch besser ausgestattete offene Mercedes. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn die Fahrdynamik-Krone gebührt dem SLS. Könnte man Fahrfreude in Zahlen ausdrücken oder die Faszination der filigranen Technik mit Punkten bewerten, würde der SLS AMG Roadster ganz klar als Sieger die Strecke verlassen.

 

Gesamtbewertung SL 63 & SLS Roadster

 Max. PunkteMercedes SL 63 AMGMercedes SLS AMG Roadster
Summe500026492476
Platzierung 12

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