Auto Vergleichstest Technik-Reigen
Mercedes S500, BMW 750, Lexus LS 600
Aus AUTO ZEITUNG 20 / 2007
Das stärkste Hybrid-System, kombiniert mit variablem Allradantrieb, ergänzt durch zahlreiche Komfort- und Assistenzsysteme – der neue Lexus LS 600h dürfte im Moment das am höchsten technisierte Serienfahrzeug der Welt sein. Zur Hightech-Orgie baten wir zudem die beiden deutschen Stars BMW 750i und Mercedes S 500
Bereits die Vorankündigungen und die ersten Fahrberichte dürften den deutschen Cheftechnikern einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. Was die Lexus-Ingenieure da alles in ihr neues Topmodell LS 600h eingebaut haben, liest sich wie ein nicht enden wollendes Hightech-Register, gespickt mit einer für ein Serienfahrzeug bislang einzigartigen Fülle an Innovationen. Kernstück ist der überaus kräftige Hybridantrieb, der seine Systemleistung von 445 Pferdestärken variabel über alle vier Räder auf die Straße entlässt. Hinzu kommen zahlreiche Sicherheits- und Komfort-Systeme, über die wir bereits berichtet haben. Hier stellt sich nun die Frage, was der immerhin 99850 Euro teure Luxusliner von Lexus in der Praxis taugt. Als Messlatte dienen die prominenten deutschen Konkurrenten BMW 750i (367 PS, 81500 Euro) und Mercedes S 500 (388 PS, 92820 Euro). Beide haben ihre Qualitäten bereits in zahlreichen Tests unter Beweis gestellt und sind wahrlich keine einfach gestrickten Low-Budget-Produkte. Ob das deutsche Luxus-Duo aber gegen die konzentrierte japanische Technik-Offensive im LS 600h bestehen kann, wird sich in diesem Vergleich zeigen.
Karosserie
Wer es in die Luxus-Liga geschafft hat, muss sich nur wenig Sorgen um die Platzverhältnisse für sich und seine Passagiere machen. Fahrer und Beifahrer genießen im Mercedes die größte Raumfülle, im Fond Mitreisende schätzen die besonders üppige Kniefreiheit des Lexus. Bedeutend größer fallen die Unterschiede der Gepäckabteile aus. Da sich hinter der Rückbank des Lexus der Nickel-Metallhydrid-Akku für den Elektroantrieb breit macht, schrumpft das Ladevolumen auf magere 325 Liter. Das ist gerade mal unteres Kompaktklasse-Niveau und für ein Luxusauto schlicht inakzeptabel. Standesgemäße 500 Liter bietet der BMW, und das 560-Liter-Abteil der S-Klasse taugt sogar für das ganz große Reisegepäck. Noch ein gewichtiger Hinweis für Fernreisende: Für den Anhängerbetrieb ist der Lexus nicht geeignet, und auch die magere Zuladung des Testwagens von nur 281 Kilo schränkt die Alltagstauglichkeit des LS 600h stark ein.
Von seinem Fahrer fordert der Lexus eine gewisse Lernfähigkeit. Eine nahezu unüberschaubare Flut von Tasten, Schaltern und Displays im Cockpit verlangt nach einer gründlichen Einweisung. Ohne einen Trockenlauf im Stand sollte sich der frisch gebackene Lexus-Eigner nicht auf die Straße trauen. Aber erst nach vielen Kilometern hat man schließlich die Strukturierung des Touchscreen-Bediensystems und die zusätzlichen Funktionselemente einigermaßen begriffen. Um der Inflation der Knöpfchen, Tasten und Schalter Herr zu werden, setzen BMW und Mercedes auf integrierte Bediensysteme für Navi, HiFi, Telefon und sonstige Funktionen, menügesteuert aktiviert über einen zentralen Drück-/Drehknopf. Auch das will erst mal gelernt sein, braucht aber weniger Übung als im Lexus. Zudem sind die Zentralbildschirme im 7er und in der S-Klasse höher positioniert und liegen damit besser im Blickfeld des Fahrers.
Was an Sicherheits- und Assistenzsystemen derzeit machbar ist, demonstrieren alle drei Konkurrenten. Neben den obligatorischen Fahrdynamikhilfen und Rückhaltesystemen trumpft der Mercedes mit seinem Presafe-System auf, das einen drohenden Crash erkennt und vorsorglich die Gurte strafft und den Sitz in eine optimale Position fährt. Ein ähnliches System (Pre Crash) kostet bei Lexus 3500 Euro extra – inklusive radargesteuertem Abstandsregeltempomat. Die beiden Knieairbags vorn sind dagegen nur beim Japaner zu finden (Serie). Unverständlich: Die hinteren Seitenairbags (Serie bei BMW und Mercedes) gibt es nur in der Super-Luxus-Ausstattung Ambience – Aufpreis: 16400 Euro. Darüber hinaus lassen sich die Flaggschiffe auf Wunsch mit zahlreichen Ex-tras wie Nachtsichtassistent (BMW, Mercedes) oder Gesichtsfeldüberwachung und Notfall-Lenkassistent (Lexus) aufrüsten.
Noch ein paar Worte zur gebotenen Qualität: Der Lexus enttäuscht auf Holperstrecken mit einem zittrigen, knisternden Armaturenträger sowie Poltergeräuschen, und auch die Qualität der Kunststoffe im Innenraum könnte besser sein. Letzteres gilt auch für den BMW, der sich aber ansonsten so solide anfühlt wie der Mercedes.
| karosserie | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Max. Punkte | Mercedes S-Klasse 500 | BMW 750 i | |||||||
| Raumangebot vorn | 100 | 94 | 92 | ||||||
| Raumangebot hinten | 100 | 95 | 95 | ||||||
| Übersichtlichkeit | 70 | 38 | 36 | ||||||
| Bedienung/ Funktion | 100 | 80 | 80 | ||||||
| Kofferraumvolumen | 100 | 48 | 41 | ||||||
| Variabilität | 100 | 3 | 3 | ||||||
| Zuladung/ Anhängelast | 80 | 40 | 33 | ||||||
| Sicherheit | 150 | 118 | 112 | ||||||
| Qualität/ Verarbeitung | 200 | 194 | 191 | ||||||
| Kapitelbewertung | 1000 | 710 | 683 | ||||||
Autos im Test
Mercedes S-Klasse 500
BMW 750 i
Lexus LS 600h
PS/KW 445/327
0-100 km/h in 6.60s,
Allradantrieb, permanent, Stufenlose Automatik
Spitze 250 km/h
Preis 100850 €
mehr
0-100 km/h in 6.60s,
Allradantrieb, permanent, Stufenlose Automatik
Spitze 250 km/h
Preis 100850 €
mehr
























































