Mercedes S-Klasse Coupe, Cadillac Elmiraj & Volvo Concept Die Rückkehr der Grand Coupés

24.10.2013

Um sich die Zukunft auszumalen, werfen Automobildesigner gern einen Blick in die Vergangenheit. Diese drei Concept Cars in Sachen Grand Coupés sind der Beweis

Mit gut fünf Meter Länge und einem Gewicht von zwei Tonnen stellt man etwas dar. Das war schon vor 76 Millionen Jahren so, als ein Hornsaurier namens Nasutoceratops über die Erde stapfte – den entdeckten Wissenschaftler vor Kurzem in Nordamerika. Und das ist auch heute noch so, wie jüngste Funde auf der Frankfurter IAA belegen. Mit dem Unterschied, dass es sich bei diesen Schwergewichten um bildschöne Automobile handelt, die nur noch ganz entfernt an ihre Vorfahren aus vergangenen Tagen erinnern. Es geht um Luxus-Coupés, genauer gesagt. Und sie sind quicklebendig.

Beispiel Cadillac: Im Kreis der amerikanischen Spezies wurde mit dem Cadillac Elmiraj ein stattlicher 5,20 Meter langer Zweitürer gesichtet. Er besitzt alle Eigenschaften, die eine automobile Art braucht, um potenziellen Wettbewerbern Respekt einzuflößen. Von vorn zum Beispiel blickt man in ein entschlossenes Gesicht mit markanten senkrechten Lichtleisten. Von der Seite betrachtet, imponiert das Grand Coupé mit kuppelförmig gespannter Dachlinie und aus der Flanke herauswachsenden Muskeln. 22 Zoll große Räder signalisieren schon von Weitem, was das Kraftwerk unter der langen Haube zu leisten imstande ist. Und wenn dieses Alphatier dann vorübergezogen ist, sieht man ihm paralysiert hinterher, wie es mit seinen stromlinienförmigen, aber dennoch breiten Schultern entschwindet. Wer entweder alt genug ist oder Paläontologe mit Zusatzfach Automobilgeschichte, dem wird dieses Umfrage: Welches IAA-Concept Car ist das beste 2013? irgendwie bekannt vorkommen. Ein Fotovergleich liefert dann Gewissheit: Die Front ähnelt stark der eines gewissen Eldorado. Jenes Coupé von 1967 mit hinter beweglichen Blenden versteckten Scheinwerfern bewegte sich einst imposant über die Highways des nordamerikanischen Kontinents. Sein gewaltiger 8,2-Liter-V8, wir erinnern uns, war lange Zeit der hubraumstärkste Pkw-Serienmotor der Welt.

 

Alte DNA dient als Vorlage für neues Coupé-Design

Spätestens jetzt erinnern wir uns auch an den Blockbuster Jurassic Park. Da erweckt ein genialer Forscher längst untergegangene Dinosaurier mit Hilfe von konservierter DNA wieder zum Leben. Und wer den Film gesehen hat, weiß: Eine wiederbelebte Art kommt selten allein.

In der Tat hat auch der schwedische Hersteller Volvo noch einmal sein Erbgut unters Mikroskop gelegt. Dabei entdeckte man offensichtlich ein gut erhaltenes Exemplar des legendären P1800, dessen Kombi-Coupé-Variante P1800 ES als Schneewittchensarg große Erfolge feierte. Ein Indiz für diese These ist das nun in Frankfurt präsentierte Concept Coupé mit in den Türen verspringender Seitenlinie und zum Heck kantig auslaufenden Flanken. Den Charakter der Front bestimmen Tagfahrlichter in der Form eines auf der Seite liegenden T.

Schon vor der IAA hatten wir an dieser Stelle erste Bilder von der Entdeckung des 5,05 Meter langen Mercedes S-Class Coupé Concept gezeigt. Auch bei diesem Auto genügt ein Blick auf das Design der Rücklichter, und vor dem geistigen Auge taucht verschwommen ein berühmter Vorfahre auf: das Coupé 220 SEb aus der Baureihe W111. Diese Autos erfreuten sich in Deutschland einst großer Beliebtheit unter dem Namen „Große Heckflosse“.

Kein Zweifel also: Im Luxus-Segment erleben wir gerade eine ganz spezielle Form der Evolution – nämlich die Rückkehr der Grand Coupés aus den 60ern. Damit einher geht die Verwendung einer eigentümlichen Sprache. Es ist die Sprache der Designer und Marketingstrategen. Statt von Lüftungsdüsen reden sie von luftleitenden Finnen, die ein Langloch umgeben. Und wenn sie die Form eines Vordersitzes beschreiben, wecken sie Assoziationen mit Figurinen (die Kostümentwürfe der Haute Couture-Schneider). Die gute Nachricht: Trotz derartiger Verbalakrobatik haben auch die neuen Grand Coupés noch Lüftungsdüsen und Vordersitze, wie wir sie gewohnt sind. Wenn auch in besonders liebevoll gestalteter Form.

Verabschieden hingegen dürfen wir uns wohl vom überlieferten Begriff des Armaturenbretts. Denn das, was Cadillac, Volvo und Mercedes da präsentieren, hat in der Tat fast nichts mehr mit analogen Uhren, Ziffern und Zeigern zu tun. Vorhang auf für die Instrumententafel von morgen: Im Mercedes blicken wir auf eine skulpturale, sinnliche Landschaft im „Wrap-around-Design“ (O-Ton). Die aus der S-Klasse bekannten Bildschirme im Format 8:3 sind komplett verglast und scheinen frei zu schweben. Fixpunkt in der Mittelkonsole darunter ist ein Touchdisplay mit vier Weltzeituhren. Welche Uhren abgebildet werden, können wir uns natürlich selbst aussuchen, indem wir auf einem Globus scrollen. Derweil spannt sich über unserem Kopf ein Dachhimmel aus von Hand gewobener Seide.

Nicht weniger beeindruckend wirkt das Interieur des Der Cadillac Elmiraj auf der IAA 2013. Hinterleuchtete Titanleisten teilen den mit Kamelleder bezogenen oberen Teil der Türen in Brusthöhe vom unteren Teil in Rio-Palisander-Holz. Tacho und Drehzahlmesser sind zwar von analoger Natur, aber transparent gehalten, sodass man den dahinterliegenden Bildschirm erkennen kann. Er zeigt Fahrinformationen an und dient als Monitor für eine in die Fahrzeugfront montierte Kamera.

 

Riesige Touchscreens, aber nur ganz wenige Schalter

Im Volvo Coupé Concept wiederum erblicken wir unter der Frontscheibe einen Touchscreen mit Ausmaßen, wie wir sie bislang nur aus dem Tesla Model S kannten. Dahinter steckt ein radikales Konzept – weg von der Vollausstattung mit 60 bis 70 Knöpfen und Schaltern. Die Bedienung wurde reduziert auf zehn Schalter in Kombination mit einem zentralen Drehknopf. Einige Funktionen können vom Fahrer selbst konfiguriert werden, zum Beispiel Dienste wie Spotify oder die Beheizung der Sitze. Vieles von dem wird es schon im neuen XC 90 geben. Ob das Coupé selbst allerdings je gebaut wird? Volvo will erst einmal Erfolg im Kerngeschäft. Nur wenn dann noch Luft ist für ein emotionaleres Auto, könnte der elegante Nachfahre des P1800 in Serie gehen.

Beim Antrieb setzt Volvo auf einen besonders effizienten Plug-in-Hybrid, bestehend aus einem Zwei-Liter-Vierzylinder-Diesel mit Kompressor und Turboaufladung in Kombination mit einem Elektromotor an der Hinterachse. Die Systemleistung soll bei etwa 400 PS liegen mit 600 Nm Drehmoment. Noch mehr Power bieten Mercedes und Cadillac, die jeweils V8-Maschinen verbauen. Im Fall des S-Class Coupé Concept mit Bi-Turbo sind es 455 PS. Das Cadillac Coupé kommt, ebenfalls mit Turbolader, sogar auf 500 PS. Anders als der Volvo, von dem in Frankfurt nur eine Hülle ohne Antrieb stand, sind Mercedes und Cadillac bereits fahrfertig. Somit steht einer Rückkehr der Grand Coupés nichts mehr im Wege – es sei denn, ein Forscher lässt die Petrischale mit dem Erbgut fallen.

Gerrit Reichel

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