Mercedes S 500 vs. BMW 750Li: Vergleichstest Luxuslimousinen Machtkampf im Oberhaus

17.10.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die neue S-Klasse soll Mercedes wieder zum Alleinherrscher in der Luxusklasse küren. Der erste Vergleichstest des S 500 mit langem Radstand gegen den BMW 750Li klärt die neuen Machtverhältnisse

An Selbstbewusstsein mangelt es in Stuttgart nicht. Mercedes bezeichnet die neue S-Klasse – wie schon die Vorgängergenerationen – schlicht als „das beste Automobil der Welt“. Ob der Mercedes S 500 Lang diesem Anspruch gerecht wird, zeigt der Test gegen den BMW 750Li.

 

Karosserie

Das große L beim BMW und das simple Lang in der Typenbezeichnung der S-Klasse versprechen üppige Platzverhältnisse. In den beiden Luxuslimousinen herrscht daher großzügige Bewegungsfreiheit. Das gilt natürlich für Fahrer und Beifahrer, aber vor allem für die Fondpassagiere. Der beim 7er um 14 Zentimeter und beim Mercedes um 13 Zentimeter gestreckte Radstand ermöglicht den Passagieren auf langen Strecken, auch mal die Beine entspannt auszustrecken. Das Chauffeur-Paket (1012 Euro) der Mercedes S-Klasse, das den Beifahrersitz dicht an den Armaturenträger rücken lässt, schafft im Vergleich zum alles andere als engen BMW aber das Quäntchen mehr Beinraum. Ein erster, wenn auch kleiner Vorteil für den S 500. Den verspielt der Stuttgarter aber bereits bei der Bedienung. Während im 7er Schalter und Tasten zu logischen Gruppen zusammengefasst sind und der Großteil der einfach aufgebauten Menüstruktur über das intuitive iDrive-Bediensystem gesteuert werden kann, verlangt die S-Klasse mehr Einarbeitung. So kann die Luftverteilung nicht über die mit elf Tasten ausgesprochen breite Schalterleiste der Klimaanlage direkt angesteuert werden. Erst eine tiefere Systemebene, die über den Dreh-/Drückregler auf der Mittelkonsole aufgesucht werden muss, löst dieses Problem. Zudem heben sich die weißen Symbole nicht kontrastreich genug von den silbernen Oberflächen der Lenkradtasten ab.

Vorbildlich ist dagegen die umfangreiche Sicherheitsausstattung des S 500. Ein Notbremsassistent und hintere Seintenairbags zählen bereits zum Serienumfang, für den BMW ist beides nicht erhältlich. Auch wenn sich die meisten Assistenzsysteme nahezu im gleichen Umfang in den Aufpreislisten der beiden Hersteller finden, hat Mercedes noch das ein oder andere Ass im Ärmel. So beinhaltet das Fahrassistenzpaket Plus nicht nur einen Kreuzungsassistenten, der hilft, Kollisionen mit querendem Verkehr zu vermeiden, sondern auch einen Abstandsregeltempomaten mit Lenk-Assistent und Stop-&-Go-Pilot. Staufolgefahrten übernimmt die S-Klasse so nahezu selbstständig. Die Gefahr eines Auffahrunfalls durch Unaufmerksamkeit reduziert sich deutlich. Selbst teilautonomes Fahren bei höherem Tempo ist möglich, allerdings nur für einige Sekunden. Dann wird der Fahrer aufgefordert, seine Hände wieder ans Lenkrad zu nehmen. Die Verantwortung bleibt also beim Piloten.

Weniger intensiv scheinen sich die Ingenieure der Verarbeitung gewidmet zu haben – zumindest gilt das für unseren Testwagen. Zwar zeigt die Auswahl der Materialien den hohen Anspruch der Schwaben, die schlechten Passungen am Übergang des Armaturenträgers zur Tür und an Kühlermaske sowie Heckdeckel passen aber nicht ins Bild des „besten Autos der Welt“. Hier versprüht die grundsolide Karosseriestruktur des 7er spürbar mehr Solidität. Kein Knarzen schlecht eingepasster Bauteile stört beim Bayer das luxuriöse Ambiente. Hier ist der große BMW über die Jahre und vor allem nach dem letzten großen Facelift in vielen Bereichen deutlich gereift.

KarosserieMax. PunkteMercedes S 500 LangBMW 750Li
Raumangebot vorn1009494
Raumangebot hinten1009695
Übersichtlichkeit703938
Bedienung/ Funktion1008085
Kofferraumvolumen1004441
Variabilität10033
Zuladung/ Anhängelast803941
Sicherheit150111101
Qualität/ Verarbeitung200183190
Kapitelbewertung1000689688

 

Fahrkomfort

Wie beim Thema Sicherheit will Mercedes mit der neuen S-Klasse auch beim Federungskomfort den Maßstab markieren. Neben dem serienmäßigen Fahrwerk mit Luftfederung bieten die Stuttgarter das neue Magic Body Control-Fahrwerk (5058 Euro) an. Die dann verwendeten Stahlfederbeine sind mit hydraulischen Stellzylindern, so genannten Pluggern, ausgestattet. Dieses System kompensiert Wank-, Nick- und Hubbewegungen der Karosserie. Neu an diesem Fahrwerk ist die kameragestützte Funktionsweise. Bodenwellen und andere Unebenheiten werden erkannt, bevor die Räder die Unwegsamkeiten überfahren. Das System bereitet sowohl die Dämpfung als auch die Federvorspannung auf die bevorstehende Beanspruchung vor. Und das System verblüfft: Insbesondere lange Bodenwellen werden gänzlich eliminiert. Dort, wo der BMW mit seichten Auf- und Abbewegungen ausgefahrene Pisten durchaus gefühlvoll meistert, sind sie im Mercedes schlicht nicht spürbar. Die Karosserie scheint über die Straße zu schweben. Lediglich Querfugen und andere hervorstehende Kanten kommentiert der S 500 stellenweise deutlich steifbeiniger. Feinfühliger, aber im Ganzen straffer agiert der BMW auf schlechten Pisten. Erst unter Beladung kommt er an seine Granzen. Dass der Vorsprung des Mercedes wegen der Fahrwerks-Technologie, die allerdings nur bis Tempo 130 funktioniert, nicht größer ausfällt, liegt daran, dass das System bei Regen und Dunkelheit blind ist. Die Stereokameras können dann die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten nicht mehr erkennen.

Die Komfortsitze der neuen S-Klasse überzeugen hingegen zu 100 Prozent. Aktive Seitenwangen geben Halt in Kurven, es gibt für langen Strecken viel Bewegungsfreiheit, und eine Massagefunktion verwöhnt gestresste Rücken. Das gilt sowohl für die beiden vorderen Sitze als auch für den Fond. Insbesondere hinten lässt sich der Sitzkomfort durch den First-Class-Fond und den Executive-Sitz mit Liegefunktion zusätzlich steigern. Der Luxus hat jedoch seinen Preis. Sämtliche Komfortfunktionen der Sitze summieren sich bei unserem Testwagen auf fast 9000 Euro.

Auch beim BMW müssen für die Komfortsitze vorn und hinten fast 5000 Euro zusätzlich bezahlt werden. Den Komfort des Mercedes erreicht der 7er aber selbst dann nicht. Das gilt auch für das Geräuschniveau. Der S 500 Lang ist extrem leise. Insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten wird der Unterschied zum grundsätzlich geräuscharmen BMW deutlich. Nur die vereinzelten Fahrwerksgeräusche stören die ansonsten vorbildliche Ruhe in der S-Klasse.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes S 500 LangBMW 750Li
Sitzkomfort vorn150143138
Sitzkomfort hinten1009790
Ergonomie150122124
Innengeräusche504842
Geräuscheindruck1009390
Klimatisierung504545
Federung leer200184180
Federung beladen200184178
Kapitelbewertung1000916887

 

Motor und Getriebe

Die Eckdaten der beiden Luxusliner weichen nur gering voneinander ab. Die Unterschiede liegen im Detail. Der Achtzylinder unter der Haube des S 500 verrichtet seinen Job extrem kultiviert. Bei normaler Fahrt ist er kaum zu hören, was im hohen Maß zum guten allgemeinen Geräuschkomfort beiträgt. Auch wenn die 455 PS gefordert werden, agiert der aufgeladene Direkteinspritzer des 500er ausgesprochen leichtfüßig. Der etwas schwächere V8 des BMW 750Li ist im Vergleich durchaus hörbar. Aufdringlich oder störend ist das feine V8-Wummern unter Last aber nicht. Zudem generiert der BMW die besseren Fahrleistungen und bietet eine sensiblere Gasannahme. Die Achtstufen-Automatik von ZF rundet das gute Ansprechverhalten mit sanften und stets passenden Schaltvorgängen perfekt ab.

Die 700 Newtonmeter des Mercedes lassen sich nicht so feinfühlig dosieren, und die Automatik der S-Klasse reagiert auf Kickdown-Befehle verzögerter als das ultrapräzise Getriebe des BMW. Aber der Unterschied ist gering und fällt im Alltag kaum ins Gewicht. Viel bedeutender ist der günstige Verbrauch des Mercedes. Die S-Klasse benötigt auf 100 Kilometern 1,4 Liter weniger als der 7er, obwohl sie 120 kg schwerer ist. Die gute Aerodynamik der S-Klasse (cW 0,24) kommt hier im Vergleich zum 7er (cW 0,28) zum Tragen.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes S 500 LangBMW 750Li
Beschleunigung150133136
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1509090
Getriebeabstufung1009093
Kraftentfaltung504446
Laufkultur1009290
Verbrauch325152125
Reichweite251210
Kapitelbewertung1000613590

 

Fahrdynamik

Schon in der Vergangenheit zeigten die großen S-Klasse-Modelle eine beeindruckende Performance auf kurvigen Strecken. Auch der neue Mercedes S 500 Lang macht da keine Ausnahme. Das aktive Fahrwerk reduziert Wank- und Nickbewegungen auf ein Minimum. Die neue, nun elektro-mechanische Lenkung arbeitet präzise, frei von störenden Einflüssen und mit ausgesprochen geringen Lenkwinkeln. Was der S-Klasse auch in der aktuellen Generation fehlt, ist Rückmeldung. Der Übergang der Vorderräder ins Untersteuern ist für den Fahrer der S-Klasse kaum spürbar. Auch der gewaltige Punch der 700 Nm lässt sich nur schwer dosieren. Im Grenzbereich bringt die mangelnde Rückmeldung etwas Unruhe in die S-Klasse. Resultat: Das ESP greift mitunter rigoros ein. Mit viel Gefühl und Ruhe lassen sich aber enorme Kurvengeschwindigkeiten erzielen. So umrundet der Mercedes die Teststrecke einen Wimpernschlag schneller als der BMW.

Der 750Li ist aber das gefühlvollere Auto. Seine variable Integral-Aktivlenkung, die auch ein Mitlenken der Hinterachse ermöglicht, arbeitet ausgesprochen präzise und setzt Lenkbefehle zielgenau um. Zudem spricht sie aus der Mittellage heraus deutlich sensibler an. Sehr neutral umrundet der 7er, der ebenfalls mit einem aktiven Wankausgleich ausgestattet ist, den Parcours und begeistert mit seinem spielerischen Handling. Am Limit bewegt, drückt das lange Heck dezent nach außen. Zu viel Übersteuern korrigiert das feinfühlige DSC äußerst souverän. Wie leichtfüßig der Münchener agiert, dokumentiert die hohe Geschwindigkeit beim Slalom. Der kleine Vorsprung, den der Mercedes hingegen auf der Ziellinie des Handlingkurses verbuchen kann, liegt nicht zuletzt an dem leicht wandernden Druckpunkt der ansonsten guten BMW-Bremse.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes S 500 LangBMW 750Li
Handling1509493
Slalom1003853
Lenkung1008084
Geradeauslauf504644
Bremsdosierung302018
Bremsweg kalt1509594
Bremsweg warm15010099
Traktion1004045
Fahrsicherheit150135135
Wendekreis2065
Kapitelbewertung1000654670

 

Umwelt und Kosten

Beide Luxusliner überschreiten die 100.000-Euro-Marke. Der BMW ist jedoch gut 7000 Euro günstiger als die neue S-Klasse im Langformat. Eine umfangreiche Ausstattung darf man für solche Preise natürlich erwarten. Allerdings war das in der Vergangenheit nicht immer so. Umso erfreulicher, dass alle Modelle der S-Klasse bereits in der Serienausstattung über das Comand-Online-System verfügen, das Navi, Hotspot-Funktion, integrierte Online-Anbindung, Festplattenspeicher, Videofunktion und zahlreiche weitere Entertainment- sowie Kommunikationsfeatures integriert. Das gilt zum größten Teil auch für den BMW. Die Einbindung in die Online-Welt, Festplattenspeicher und einige andere Features kosten jedoch extra. Am Ende trennen aber beide nur drei Punkte im Kostenkapitel.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes S 500 LangBMW 750Li
Bewerteter Preis6753543
Wertverlust5033
Ausstattung252523
Multimedia504439
Garantie/Gewährleistung502720
Werkstattkosten201017
Steuer1077
Versicherung402524
Kraftstoff552622
Emissionswerte252021
Kapitelbewertung1000222219

 

Fazit

Die neue Mercedes S-Klasse gewinnt diesen Vergleichstest wegen des über weite Strecken überlegenen Federungskomforts, des sparsamen, kultivierten Antriebs und nicht zuletzt dank der vorbildlichen Sicherheitsausstattung. Die Schwächen bei der Verarbeitungsqualität sollten die Stuttgarter allerdings schnell abstellen. Auch das teilweise steifbeinige Ansprechverhalten der Federbeine verlangt Detailarbeit.

Der bereits seit 2008 angebotene BMW 7er hält nämlich immer noch den Anschluss an die neue S-Klasse. Sowohl der Federungskomfort und die Qualitäten seiner Karosserie als auch das leichtfüßige Handling überzeugen nach wie vor.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes S 500 LangBMW 750Li
Summe500030943054
Platzierung12

Tags:
Diagnosegerät
UVP: EUR 9,99
Preis: EUR 8,99 Prime-Versand
Sie sparen: 1,00 EUR (10%)
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
SONAX AntiFrost KlarSicht
UVP: EUR 18,48
Preis: EUR 13,50 Prime-Versand
Sie sparen: 4,98 EUR (27%)
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.