Mercedes S 350, BMW 730d und Audi A8 3.0 TDI: Luxus-Limousinen Vergleich Luxus mal drei

20.05.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. UMWELT/KOSTEN
  5. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Die preiswerteste Möglichkeit, S-Klasse, 7er oder A8 zu fahren, sind die Dreiliter-Diesel. Verzicht oder Genuss ohne Reue? Vergleich

Die Einstiegsvariante in die automobile Luxusklasse ist bei Audi, BMW und Mercedes in Deutschland gleichzeitig die beliebteste Motorisierung. 258 Pferdestärken  leisten die Dreiliter-Turbodiesel und dürften die Temperamentsansprüche der meisten Fahrer zu Genüge befriedigen. Da sie unter Verbrauchsaspekten im Vergleich zu ihren Benzin-Brüdern zudem die deutlich günstigere Alternative sind, verwundert es kaum, dass der Großteil der Luxusdampfer mit den Selbstzündern unter der Haube über Deutschlands Autobahnen gleitet.

Der Mercedes S 350 BlueTEC ist mit einem Grundpreis von 80.920 Euro der Teuerste. Deutlich günstiger ist BMWs 730d Blue Performance für 76.290 Euro. Der einzige Allradler des Trios, der Audi A8 3.0 TDI clean diesel quattro, stellt mit 74.500 Euro das preiswerteste Angebot dar. Welche der drei Limousinen sich die Krone des deutschen Automobilbaus aufsetzen darf, klärt der Vergleichstest.

 

KAROSSERIE

Erlesene Materialqualitätbieten alle drei

Wer sich für eines der drei Luxusgefährte entscheidet, erwartet natürlich auch einiges für sein Geld. Edle Materialien und beste Verarbeitungsqualität beispielsweise. Und da enttäuscht keine der hier angetretenen Limousinen. Wer Platz nimmt, findet sich in einer Landschaft aus Leder und hochwertigen  Kunststoffen wieder, alles sehr akkurat zusammengefügt. Mit knappem Vorsprung kann sich in diesem Punkt allerdings der Audi an die Spitze setzen, der sich selbst bei genauestem Hinsehen keinerlei Blöße gibt, Mercedes und BMW folgen mit knappem Abstand.

Doch nicht nur das edle Ambiente, auch die üppigen Platzverhältnisse sorgen dafür, dass sich der Aufenthalt in den Limousinen sehr angenehm gestaltet. Während vorn Gleichstand herrscht, bieten BMW und Mercedes im Fond einen Tick mehr Platz als der Audi. In puncto Kofferraum liegt das Trio mit Ladevolumina von 490 (Audi) bis 510 Litern (Mercedes) nahezu gleichauf, bei der Variabilität herrscht ebenfalls Einigkeit: Mehr als eine optionale Durchreiche hat hier keiner zu bieten.

Größere Unterschiede treten auf, wenn man sich mit der Bedienung näher beschäftigt. Und dies ist besonders im Fall der S-Klasse notwendig. Im Bemühen, die Mittelkonsole von so vielen Tasten wie möglich zu befreien, sind die Stuttgarter speziell bei der Bedienung der Klimaanlage etwas über das Ziel hinausgeschossen. 

Um beispielsweise die Klimaanlage auszuschalten oder etwa die Luftverteilung zu ändern, muss man umständlich das Comand-System aufrufen und die Einstellung dort über den Dreh-Drücksteller ändern. Auch die Menüführung des Comand-Systems erfordert mehr Einarbeitung als das logischer strukturierte Bediensystem von Audi (MMI) und allen voran BMWs iDrive, das derzeit eindeutig die Benchmark in Sachen Bedienbarkeit ist. Während Audi und BMW mit einer Touchoberfläche zur  Zeicheneingabe ausgerüstet sind, bietet Mercedes seit Kurzem zumindest  optional  das  aus  der neuen C-Klasse bekannte Touchpad statt des Dreh-Drückstellers an – leider war der Testwagen nicht damit ausgestattet.

Dafür glänzt der Stuttgarter, wie es sich für einen Wagen mit dem Stern auf der Haube gehört, bei der Sicherheitausstattung: Nur die S-Klasse bietet ab Werk ein Kamerasystem, das neben einer Verkehrszeichenerkennung und einer Abstandswarnung auch eine Bremsfunktion umfasst, die bei Gefahr eine autonome Teilbremsung einleitet. Gegen Aufpreis gibt es ebenso wie für Audi und BMW einen radargestützten Abstandsregeltempomaten samt Notbremsassistenten.

MERCEDES S 350 BlueTEC BMW 730d Blue Performance AUDI A8 3.0 TDI clean diesel quattro
258 PS 258 PS 258 PS
0-100 km/h in 6,5 s 0-100 km/h in 6,0 s 0-100 km/h in 5,7 s
Hinterradantrieb Hinterradantrieb Allradantrieb
Spitze 250 km/h* Spitze 250 km/h* Spitze 250 km/h*
Grundpreis: 80.920 Euro Grundpreis: 76.290 Euro Grundpreis: 74.500 Euro
* elektr. begrenzt

 

FAHRKOMFORT

Komfort-König ist und bleibt die S-Klasse

Steigt man in die S-Klasse ein und schließt die Tür, bekommt man unweigerlich das Gefühl, in einer Art Tresor zu sitzen. Geräusche dringen nur ganz dezent zu den Insassen durch, egal ob man durch die Stadt cruist oder im flotten Galopp über die Autobahn fährt. Ist man dabei wie im Fall des Testwagens auf den hervorragenden Komfortsitzen (2023 Euro) gebettet, lässt die serienmäßige Luftfederung den Benz ab mittlerer Geschwindigkeit geradezu über den Asphalt schweben. Nur im Stadtverkehr rollt der S 350 BlueTEC mitunter etwas ungalant über Fahrbahnschäden hinweg.

Audi und BMW begeistern ebenfalls mit ausgezeichneten Komforteigenschaften, reichen aber nicht ganz an den Stuttgarter heran. Im 7er wirkt der Diesel unter Last und im Stadtverkehr präsenter, und dem A8 gelingt es auch im Komfort-Modus der Luftfederung nicht ganz so gut wie den beiden Konkurrenten, Fahrbahnunebenheiten auszubügeln.

Im Zuge des Facelifts hat der 7er in puncto Federungskomfort nochmals zugelegt. Speziell unter Ausnutzung der maximalen Zuladung wirkt er seitdem spürbar souveräner und neigt dank der jetzt serienmäßigen Luftfederung hinten samt Niveauregulierung auch nicht mehr zum Durchschlagen an der Hinterachse.

 

MOTOR/GETRIEBE

Die kräftigen Diesel schieben souverän an

Wer hier bei wem abgeschaut hat, lässt sich im Nachhinein nur schwer nachvollziehen. Mit 258 PS leisten die drei Selbstzünder exakt gleich viel, beim Drehmoment liegt der Mercedes-Selbstzünder mit 620 Nm jedoch vor Audi (580 Nm) und BMW (560 Nm). Mit derart viel Schmalz in der Hinterhand sind die drei Limousinen mehr als ausreichend motorisiert und setzen Beschleunigungswünsche unaufgeregt und souverän um. Den Sprint auf Tempo 100 bringt der A8 3.0 TDI in beeindruckenden 5,7 Sekunden hinter sich – dank Allradantrieb und des trotz der dadurch zusätzlichen Kilos niedrigsten Gewichts. Der 7er folgt mit 6,0 s, die S-Klasse, mit 2063 kg Schwerste dieses Trios, lässt sich eine halbe Sekunde länger Zeit.

Die überzeugendste Antriebseinheit steckt dabei unter dem BMW-Kleid. Der Reihensechser legt sich bei niedrigen Drehzahlen energischer ins Zeug als die beiden V-Motoren, reagiert am spontansten auf Gasbefehle und dreht am leichtfüßigsten hoch. Gleichzeitig erweist sich die ZF-Achtstufen-Automatik als idealer Partner, arbeitet hellwach und angenehm unaufgeregt.

Der TDI-Motor im A8 braucht etwas länger, ehe seine 580 Nm gefühlt erst knapp unter 2000 Touren parat stehen. Zudem erfolgt der Drehmomentaufbau etwas abrupter. Die Wandlerautomatik, die ebenfalls acht Fahrstufen hat, wechselt die Gänge mitunter nicht ganz so geschmeidig wie die des BMW und wirkt teils weniger souverän. Das Mercedes-Triebwerk überzeugt mit der besten Laufkultur und dem niedrigsten Testverbrauch von 7,5 l/100 km (7er: 7,7 l; A8: 8,3 l), Drehzahlen jenseits der 3500er-Marke steht es aber weniger aufgeschlossen gegenüber. Dafür entschädigt der Siebenstufen-Automat mit großer Gelassenheit und trägt seinen Teil zum entspannten Fahrgefühl bei.


FAHRDYNAMIK

Der A8 ist top, Mercedes hat mächtig aufgeholt

Mit dem aktuellen Modell hat Mercedes fahrdynamisch einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht. Ließ sich das Vorgängermodell eher widerwillig über die Handlingstrecke scheuchen, nimmt sie diese nun mit viel Verve unter die Räder. Der große Benz lenkt zackig ein, ist ungemein fahrsicher, gleichzeitig tritt das fein regelnde ESP nun erst dann ein, wenn der Fahrer die Kurve deutlich zu optimistisch angegangen ist.

Zumindest den 7er kann die S-Klasse bei der Hatz nach den besten Zeiten auf der Handlingstrecke sowie im Slalomparcours knapp hinter sich lassen. Dass sie in diesem Kapitel dennoch nur Dritte wird, liegt an den absolut gesehen sehr guten, im direkten Vergleich aber etwas längeren Bremswegen.

Am Audi führt hier kein Weg vorbei. Beste Traktion dank quattro-Antrieb, die kürzesten Bremswege, eine nahezu unerschütterliche Fahrsicherheit und Bestwerte bei Handling  sowie  Slalom  sichern ihm  den  Kapitelsieg  mit  deutlichem Vorsprung.

 

UMWELT/KOSTEN

Audi trotz serienmäßigen Allrads der Günstigste

74.500 Euro verlangt Audi für den A8 3.0 TDI clean diesel quattro. Ihn gibt es ebenso wie den S 350 BlueTEC nur als Euro-6-Auto, während man bei BMW für die Blue Performance-Variante mit 1190 Euro zu Kasse gebeten wird. Im Gegenzug punktet der 7er mit den geringsten Werkstattkosten, da BMW so generös ist und die Inspektionskosten für die ersten fünf Jahre bis 100.000 km übernimmt.

Demgegenüber steht die kürzeste Mobilitätsgarantie (5 Jahre). Die S-Klasse trumpft mit einem serienmäßigen Navisystem auf.


FAZIT

Egal für welche der drei Luxus-Limousinen man sich entscheidet, man trifft in jedem Fall eine ausgezeichnete Wahl. Die drehmomentstarken Basisdiesel wischen etwaige Bedenken, untermotorisiert zu sein, ansatzlos beiseite.

Am Ende kann sich der frisch überarbeitete Audi A8 3.0 TDI quattro durchsetzen. Den Sieg verdankt er in erster Linie seiner glänzenden Vorstellung im Kapitel Fahrdynamik, die Verarbeitung setzt Maßstäbe. Allerdings verbraucht der A8 am meisten, und der Federungskomfort reicht nicht ganz an den der Konkurrenz heran.

Rang zwei geht an den Mercedes S 350 BlueTEC. Der Stuttgarter ist das harmonischste Auto, die Komforteigenschaften sind herausragend, zudem hat sich die S-Klasse fahrdynamisch enorm entwickelt. Platz drei belegt mit nur knappem Rückstand der immer noch frische BMW 730d, der mit der besten Antriebseinheit  und dem gelungensten Bedienkonzept punktet.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Alexander Lidl

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