Neuheiten von Mercedes und VW: Duelle in allen Klassen Wolfsburg will aufsteigen

02.09.2014

VW gegen Mercedes? Unvorstellbar? Nein, die Wolfsburger wollen jetzt endgültig höher hinaus – nicht nur mit dem neuen Passat. In fast allen Klassen greifen sie die feine Marke mit dem Stern direkt an

Beim Rennen um die weltweite Marktführerschaft liegen die Wolfsburger in Schlagdistanz zum japanischen Branchenriesen Toyota. Rund 4,97 Mio. Fahrzeuge hat der VW-Konzern (ohne Scania und MAN) im ersten Halbjahr weltweit verkauft, Toyota lag mit 5,1 Mio. nur knapp vorn. Doch die Umsatzrendite schwächelt. Während Toyotas Pkw-Sparte auf eine Gewinnmarge von 9,9 Prozent kommt, dümpelt die Wolfsburger Stammmarke VW bei 2,1 Prozent. Dabei zeigt Konzerntochter Audi (10 Prozent), dass es mit zum Teil ähnlicher Basistechnik und gleichen Motoren lukrativer geht.

 

VW vs. Mercedes: Wolfsburg greift nach den Sternen

Fest steht: VW bremsen nicht nur zu hohe Produktions- und Vertriebs-kosten, sondern auch das eigene Image. Das soll sich ändern, zuerst mit dem neuen Passat. „Ein Auto mit Premium-Anspruch, aber ohne Premium-Kosten“, postuliert VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Premium, das Zauberwort. Alle Neuen sollen feiner werden und mit reizvollen Extras mehr Geld in die Kasse spülen.

Dabei haben die Wolfsburger speziell Mercedes im Visier: Künftige VW sollen mit den Modellen der Stuttgarter konkurrieren. Eine Herausforderung, denn Mercedes selbst ist gerade mit neuen Highlights auf der Überholspur. VW contra Mercedes: Wir zeigen die aktuellen und kommenden Rivalen der wichtigen Klassen.

Bei den kleinen City-Flitzern hat Mercedes frische Ware: Im November starten die ganz neuen Smart-Modelle, die in Kooperation mit Renault (Twingo) entstanden. Im Stil nicht dramatisch verändert, aber komplett modernisiert. Der 2,69 Meter lange, jetzt üppige 1,66 m breite Zweitürer Fortwo und der größere Viertürer Forfour (3,49 m) offerieren mehr Platz als der knuffige Einheitsvorgänger, für Fahrverhalten und Federung verspricht Mutter Mercedes große Fortschritte.

Im Heck summen ausschließlich Dreizylinder-Benziner mit 71 PS (60 PS später) sowie ein 90-PS-Turbo, der Diesel ist wegrationalisiert. Und die Preise: Einstieg bei 10.885 (2-Türer) oder 11.555 Euro (4-Türer). 2016 folgen die Elektroversionen, der Zweisitzer soll 160 km Reichweite bieten, der Viersitzer mit einer größeren Batterie noch mehr.

VW kontert mit dem 3,54-Meter-Bestseller Up, der als Zweitürer mit 60 PS schon ab  9975 Euro kostet (75 PS 11.375 Euro; 480 Euro Aufpreis für den Viertürer). Beim Standard-Ladevolumen ist der zweisitzige Smart besser: 260 Liter schlagen 213 Liter. Anders der Maximalwert:350 zu 951 Liter. Und der Up offeriert mehr Vielfalt.

Es gibt ihn auch mit 68-PS-Erdgasmotor (Eco Up, ab 12.950 Euro), als 26.900 teures Elektromobil (e-Up, bis 160 km Reichweite) sowie als höhergelegten, rustikalen Cross Up (ab 13.950 Euro). Und 2016 folgt noch eine 90 PS starke Turbo-Version (TSI) des Einliter-Dreizylinders. Vorteil VW. Der gerade mit neuen Sparmotoren und Multimedia-Highlights aufgefrischte VW Polo wiederum ist die Alternative zum viertürigen Smart. Der komfortable Wolfsburger offeriert mit sechs Motoren, darunter gleich drei Diesel (75, 90, 105 PS), das klar größere Angebot, zumal es auch hier eine Cross-Version gibt.

Tschüs Van, hallo Kompaktlimousine: Seitdem die neue, optisch scharfe A-Klasse auf dem Markt ist, hat der Golf einen neuen Rivalen. Doch der Bestseller ist fein genug für die Premium-Konkurrenz, und außerdem wird der VW Golf VIII, der erst Ende 2018 (großes Facelift Sommer 2016) kommt, noch edler und optisch dynamischer mit noch kürzeren Karosserieüberhängen (ergo mehr Platz).

Dazu einen Tick breiter und flacher. Die neuen Motoren: Einliter-Dreizylinder-Turbo mit 90 und 110 PS sowie die neuen 1,4-Liter-Alu-Dreizylinderdiesel mit 90 und 110 PS. Der flotte GTD legt von 184 auf 190 PS zu. Und erstmals dürfte ein extrem sportlicher RD starten – mit dem neuen, 240 PS starken Zweiliter-Biturbodiesel des Hauses.

Dazu kommt neue Multimedia-Technik: Auch der Golf erhält das digitale Zentraldisplay, das es schon im Audi TT und im Passat gibt, sowie Apples CarPlay-System für die problemlose iPhone-Integration. Und noch etwas Aktuelles: Im November startet der erste Plug-in-Hybrid-Golf, der bis zu 50 km rein elektrisch fährt.

Und die A-Klasse? Im zweiten Halbjahr 2018 rollt die Nachfolge-Generation an, die sportlich-flache Linie wird hier nochmal verschärft. Das Auto wächst in der Länge nur um wenige Millimeter, soll aber dank größerem Radstand mehr Platz in der zweiten Reihe bieten – auch der kritisierte unbequeme Einstieg in den Fond verbessert sich. Und es gibt neue Vierzylinder-Turbos mit nur 1,2 Liter Hubraum. Später folgt ein Plug-in-Hybrid-Modell mit neuer leistungsstarker Akku-Generation (50 km Reichweite).

Die AMG-Version soll 420 PS leisten. Große Sprünge machen auch die Fahrerhelfer – die A-Klasse übernimmt alle Top-Systeme der C-Klasse (inklusive Stereokamera). Möglich wird das teilautonome Fahren bis 30 oder 60 km/h. Dazu kommen neue Multimedia- und Telematik-Extras, Android- und Apple-Smartphones werden automatisch erkannt. Übrigens: Schon zum Facelift (Ende 2015) gibt es für die A-Klasse mehr Federungskomfort und ein adaptives Fahrwerk mit verstellbaren Dämpfern.

Kommen wir zu den Vans. Hier stellt VW jetzt einen Top-Rivalen gegen die Mercedes B-Klasse – den neuen Golf Sportsvan. Fein verarbeitet, satte 500 bis 1520 Liter Ladevolumen, verschiebbare Rückbank, variable Fondlehnen, surfbretttaugliche Ladelänge (bis 2,50 m) bei Preisen ab 19.625 Euro. News: neue 1,0-Liter-Turbodreizylinder mit 90 und 110 PS als Einsteiger, dazu neue 1,4-Liter-Alu-Diesel (90/105  PS).  Ein Hybrid à la Golf ist avisiert, hat aber noch kein grünes Licht.

Die B-Klasse hingegen offeriert 488 bis 1547 Liter Ladevolumen, eine verschiebbare Rückbank gibt es gegen Aufpreis. Motoren: von 90 bis 211 PS, im November kommt die Elektroversion mit bis zu 200 km Reichweite. Doch der Preis ist heftig: Einstieg erst ab 26.835 Euro. Mit dem neuen Passat, speziell mit dem Kombi-Hit Variant, rücken die Wolfsburger dem T-Modell der Mercedes C-Klasse auf die Pelle – der VW spielt voll auf der Premium-Klaviatur: scharfes Design, viel Chrom, massive Präsenz, penible Verarbeitung, 650 bis 1780 Liter Laderaum und das schon erwähnte riesige Zentraldisplay (12,3 Zoll), das eine neue Info-Dimension eröffnet. Dazu völlig neue Assistenten – etwa die Einparkautomatik fürs Fahren mit Anhänger. Motoren: 125 bis 240 PS (neuer Zweiliter-Biturbo-TDI), Preise: ab 26.950 Euro.

Im Frühjahr 2015 folgt der extrem sparsame Plug-in-Hybrid mit 211 PS Systemleistung, der bis zu 50 km weit rein elektrisch fährt. Und die C-Klasse? Nur 490 bis 1510 Liter Volumen, wie der Passat eine Rücklehnenteilung von 40:20:40, aber sogar eine Luftfederung (1416 Euro). Motoren ab 156 PS, später folgt im C 63 AMG ein fast 500 starker Biturbo-V8. Dazu gibt es Multimedia-Features und Apps (COMAND online). Preis: nicht unter 35.224 Euro.

Zur Luxus-Kategorie. „Das Beste oder nichts“, rufen hier die Schwaben. Gegen die neue Mercedes S-Klasse, die es nun für 108.945 Euro auch als 325-kW-Plug-in-Hybrid gibt, sei kein Kraut gewachsen, aber VW will im Frühjahr 2016 mit dem neuen Phaeton zeigen, dass man auch Luxus perfekt kann. Dabei bleibt die große Stufenhecklimousine im Design klassisch, sie soll aber sensationellen Langstreckenkomfort bieten und sich vom neuen Audi A8 absetzen, mit dem sie gemeinsam auf dem Modularen Längsbaukasten (MLB) entsteht.

Die Front wird eleganter, alle Linien sind verschärft, und auch eine Langversion ist zu haben. Motoren: Gleich zum Start ein Plug-in-Hybrid, dazu V6- und V8-Turbobenziner. Bei den Dieseln kommt Audis neuer V6 e-TDI mit einem oder zwei Abgasturboladern und elektrischem Verdichter – etwa 325 und 385 PS. Erstmals gibt es ein 10-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Die Rücksitze sind nicht umklappbar, bieten aber eine Durchreiche mit Skisack. Laserlicht wird diskutiert, und auch der 3D-Sound von Bang&Olufsen steht in Aussicht.

Bei den luxuriösen SUV will VW ebenfalls kräftiger auftrumpfen – besonders mit dem neuen Touareg, der im ersten Quartal 2017 startet. Er bleibt ein Fünfsitzer, wächst nur wenig in der Länge und startet auch als Plug-in-Hybrid. Der größere Radstand und kürzere Überhänge bringen mehr Platz für Passagiere und Gepäck, und hier zieht ebenfalls die digitale Welt ins Cockpit ein, Premiere haben diverse neue elektronische Fahrerhelfer. Eine Coupéversion ist nicht geplant, das übernimmt bei Audi ein Q8.

Der neue Mercedes ML kommt hingegen erst 2019, vorher aber gibt es 2015 ein Facelift, das richtig ins Blech geht: neue Front, neues Interieur, Plug-in-Hybridantrieb à la S-Klasse. Und schon im nächsten Frühjahr startet die scharfe Coupévariante der M-Klasse: der MLC, der so aufregend wie die Studie (siehe Fotos) aussehen und in der AMG-Version mit 570 PS powern soll – mit Luftfederung vorn und hinten. Schon der MLC 400 mit rund 330 PS (V6-Biturbo) soll sich sehr aufregend fahren.

Eine gute Klasse tiefer tritt Ende 2015 der auf 4,48 m wachsende Tiguan-Nachfolger gegen Mercedes GLA und GLK an. Für Tiguan und GLK kommen auch schneidige Coupé-Versionen – siehe Fotos. Und den neuen Tiguan gibt es dann erstmals in einer siebensitzigen 4,78-m-Langversion, die Mitte 2016 startet. Ganz oben duellieren sich künftig der Mercedes GL und VWs 4,99 Meter langes XXL-SUV CrossBlue, das aber nur in den USA und China startet.

Wolfgang Eschment, Volker Koerdt

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