Mercedes ML 63 AMG vs. Porsche Cayenne Turbo S On the rocks

09.01.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mercedes ML 63 AMG und Porsche Cayenne Turbo S: Kraft ihrer fulminanten Motorleistung von deutlich über 500 PS markieren die beiden modellgepflegten Power-SUV eine herausragende Stellung. Wo wir sind, ist oben!

Ab sofort treten die beiden Ausnahme-Athleten Mercedes ML 63 AMG und Porsche Cayenne Turbo S rundum gestärkt und erfrischt zum Kräftemessen an. Dem bereits letztes Jahr tiefgreifend überarbeiteten Gelände-Porsche setzen seine Entwickler mit dem aktuellen Turbo S die Leistungskrone auf: 550 PS und ein maximales Drehmoment von 750 Nm. Noch Fragen? Sein einziger Rivale, der ML im AMG-Trimm, wurde gerade im Rahmen des allgemeinen M-Klasse-Facelifts optisch aufpoliert: Neue Stoßfänger mit größerem zentralen Lufteinlass vorn, neue Leuchten (hinten mit LED-Technik) und ein anderes Lenkrad mit kleinerem Pralltopf sowie massiven Alu-Schaltpaddeln werten sein Ansehen auf. Technisch vertraut er weiterhin auf seinen 6,2-Liter-V8 mit 510 PS und maximal 630 Nm. Ein Duell der Giganten.

 

Karosserie

Sicherlich ließe sich lang und ausführlich über Sinn und Unsinn solcher Fahrzeug-Konzepte fabulieren. Wer braucht schon Autos, die mehr als 100000 Euro kosten und über 500 PS leisten? Doch zum einen lohnt sich angesichts der verschwindend geringen Stückzahlen die Mühe nicht, und zum anderen müssen selbst scharfe Kritiker diesen Kolossen etliche praktische Tugenden zugestehen: Das Platzangebot ist großzügig bemessen, der Stauraum ebenfalls. Zudem können die Kandidaten Anhänger mit einer Masse von bis zu 3,5 Tonnen ziehen – und diese Übung dürfte ihnen kaum Mühe bereiten.

Ferner sammeln die zwei Topmodelle eifrig Punkte bei der Addition ihrer Sicherheits-Features: Sechs Airbags, Kurvenlicht mit Bi-Xenon-Technik und Reifenpannenanzeigen sind Standard. Der ML führt zusätzlich noch die Positionen Seiten-Airbags im Fond (399 Euro), Presafe-Sensorik, automatisch abblendbare Spiegel und Abstandsradar (1845 Euro) in seiner Ausstattungsliste auf. Eine sauber verarbeitete, verwindungssteife und wertig ausstaffierte Karosserie besitzen die beiden Kraft-Bolzen ohnehin. Allerdings bleiben die vereinzelt billig anmutenden Kunststoffteile im Interieur des Porsche trotz allen Zierrats aus Leder, Alcantara und Karbon hinter den Erwartungen in dieser Preisklasse zurück.

KarosserieMax. PunkteMercedes ML 63 AMGPorsche Cayenne Turbo S
Raumangebot vorn1009084
Raumangebot hinten1008981
Übersichtlichkeit705552
Bedienung/ Funktion1008881
Kofferraumvolumen1006358
Variabilität1004045
Zuladung/ Anhängelast805464
Sicherheit150108102
Qualität/ Verarbeitung200175165
Kapitelbewertung1000762732

 

Fahrkomfort

Ein weiteres Argument, das allen Anfeindungen zum Trotz für diese Fahrzeuge spricht, ist deren hohes Maß an Fahrkomfort. Ungeachtet ihrer extrem sportlichen Charaktere offerieren die zwei Offroader dank adaptiv gedämpfter Luftfederfahrwerke und hervorragender Sportsitze eine erstaunlich gute Langstreckeneignung. Nicht einmal die riesigen 21-Zoll-Räder der Testwagen (Mercedes: 952 Euro, Porsche: Serie) verschlechtern denAbrollkomfort nachhaltig. Vorausgesetzt, der Fahrer wählt nicht den Sport-Modus im Fahrwerks-Set-up. Als auf Dauer angenehm entpuppen sich auch die Hochleistungstriebwerke, dank derer die beiden SUV völlig unkapriziös im alltäglichen Verkehrsgeschehen mitschwimmen. Laufruhig und bei Teillast nur verhalten grummelnd verrichten die V8 ihre Arbeit.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes ML 63 AMGPorsche Cayenne Turbo S
Sitzkomfort vorn150135133
Sitzkomfort hinten1007776
Ergonomie150118117
Innengeräusche504033
Geräuscheindruck1007464
Klimatisierung504142
Federung leer200118113
Federung beladen200118111
Kapitelbewertung1000721689

 

Motor und Getriebe

Wer indes beherzter auf das Gaspedal des ML tritt, wird nicht nur mit überbordender Kraft versorgt, sondern schwelgt zudem im herrlich hemdsärmeligen Klang des bulligen V8. Blubbern, Grollen, Brüllen – alle Spielarten sind möglich. Der 4,8 Liter große Direkteinspritzer im Porsche hingegen klingt weit weniger spektakulär. Seine beiden Turbolader verleihen ihm zwar Bärenkräfte, hemmen aber die Geräuschentwicklung. Der 4,8-Liter-Sauger im Cayenne GTS klingt deutlich aggressiver. Wichtiger ist jedoch, dass der Turbo S noch besser am Gas zu hängen scheint als der 500 PS starke Cayenne Turbo, der prinzipiell über denselben Motor verfügt. Die direkte Gasannahme verdankt der V8 nicht zuletzt der VarioCam Plus genannten Technik, die es gestattet, Steuerzeiten und Hub der Einlassventile variabel zu regeln. Die zusätzlichen 50 PS kitzeln eine geänderte Steuerungselektronik und eine eigenständige Ansauganlage heraus. Karbon-Kappen auf der Drosselklappenabdeckung sowie Karbon-Einlagen auf den titanfarbigen Ansaugrohren und eine Aluminium-Plakette verschärfen die Optik.
 
Das Leistungsdefizit von 40 PS erklärt die etwas schwächeren Fahrleistungen des ML, der seinerseits jedoch gleichermaßen mit Drehfreude und bissiger Gasannahme begeistert. Seine siebenstufige Automatik, die sich neuerdings auch über Schaltpaddel hinter dem Lenkrad betätigen lässt, harmoniert bestens mit dem 63er-Motor und erlaubt rasante Zwischenspurts wie auch souveränes Dahinbummeln: Bei Tempo 100 in Stufe Sieben liegen lediglich 1750 Touren an. Obwohl nur sechsstufig, genügen dem Porsche dazu sogar 1600 Umdrehungen. Aber im D-Modus schaltet der Automat im Cayenne viel zu träge hoch. Selbst bei ruhiger Fahrweise verharrt das Getriebe oft unnötig lang in den unteren Gängen und schaltet bei Beschleunigungen sehr früh zurück. Das nervt und steigert den Verbrauch.Wer sparsamer fahren will, muss also manuell schalten, aber auch dann sind im Schnitt 19,4 Liter Super Plus fällig. Vollgas auf der Autobahn treibt diesen Wert scheinbar endlos nach oben. Gleiches gilt für den AMG, der sich im Mittel mit 17,1 Litern begnügt.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes ML 63 AMGPorsche Cayenne Turbo S
Beschleunigung150181187
Elastizität1000
Höchstgeschwindigkeit150133150
Getriebeabstufung1009186
Kraftentfaltung504641
Laufkultur1007774
Verbrauch3257445
Reichweite2598
Kapitelbewertung1000611591

 

Fahrdynamik

Bei unseren Messfahrten haben die zwei Boliden zwar erheblich mehr Sprit verfeuert, aber dafür auch eine absolute Ausnahme-Performance hingelegt. Der traktionsstarke Allradantrieb mit hecklastiger Momentenaufteilung (Mercedes: 60 Prozent, Porsche: 62 Prozent), aktiv geregelte Fahrwerke und gigantische Räder im Format 295/35 R 21 verhelfen den rund 2,5 Tonnen schweren Brocken zu einer schier unglaublichen Dynamik. Versierte Fahrer werden dabei den Turbo S bevorzugen, da er bei abgeschalteter Regelelektronik sogar provoziertes Übersteuern zulässt und mit den optionalen Keramik-Bremsen atemberaubende Verzögerungen erreicht.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes ML 63 AMGPorsche Cayenne Turbo S
Handling15089102
Slalom1003459
Lenkung1009295
Geradeauslauf503948
Bremsdosierung301920
Bremsweg kalt1508498
Bremsweg warm1507397
Traktion1008095
Fahrsicherheit150130130
Wendekreis2089
Kapitelbewertung1000648753

 

Umwelt und Kosten

Ob die horrenden Neupreise dieser Fahrzeuge gerechtfertigt sind oder nicht, mag ein jeder für sich beantworten. Dieses Maß an Exklusivität und Leistung sowie die geräumigen Karosserien und die aufwendige Antriebstechnik gibt es halt nicht umsonst. Der Mercedes ist in jedem Fall das preisgünstigere Auto. Doch auch der Porsche Turbo S darf als Angebot gelten – wenn man einen normalen Turbo vergleichbar aufrüstet: Mit Werkstuning (540 PS, 750 Nm) und ausstattungsbereinigt (außer Schriftzüge und Bi-Color-Leder) kostet er nämlich 6831 Euro mehr als der Turbo S. Und: Die Höchstgeschwindigkeit ist um exakt ein km/h langsamer.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes ML 63 AMGPorsche Cayenne Turbo S
Bewerteter Preis6754120
Wertverlust5041
Ausstattung251525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50277
Werkstattkosten20910
Steuer1067
Versicherung40110
Kraftstoff55126
Emissionswerte257878
Kapitelbewertung1000203154

 

Fazit

Auch wenn der Mercedes ML 63 AMG ein sündhaft teures Auto ist, ist er zumindest günstiger als der Porsche. Zudem erweist er sich als praktischer, komfortabler und gefällt mit der insgesamt überzeugenderen Antriebseinheit. Gute Gründe also, die seinen Sieg in diesem Vergleichstest untermauern. Der Porsche Cayenne Turbo S hingegen verlegt sich voll auf eine höchstmögliche Dynamik. Er reizt nicht nur mit der martialischen Kraft seines Biturbo-Direkteinspritzer-V8 und den bissigen Keramik-Bremsen, sondern auch mit einem Referenz-Fahrwerk im SUV-Segment. Überdies versieht auch er seine Aufgaben als Transporter, Zugfahrzeug und Reisebegleiter tadellos. Und wer es wissen will: Der bessere Geländewagen ist er außerdem.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes ML 63 AMGPorsche Cayenne Turbo S
Summe500029452919
Platzierung12

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