Mercedes ML 350 BlueTEC im Dauertest: Fazit, Bilder und technische Daten Durchwachsene Bilanz

04.12.2014

Der Mercedes ML 350 BlueTEC hat im AUTO ZEITUNG-Dauertest 100.000 Kilometer absolviert. Der Abschlussbericht zeigt, dass beim SUV nicht immer alles glatt lief

Ein bequemer Reisewagen, der auch im leichten Gelände nicht die Contenance verliert, dazu ein üppiger Kofferraum und eine Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen. Was will man mehr? Auch die Redakteure und Fotografen der AUTO ZEITUNG fühlten sich mit dem Mercedes ML 350 BlueTEC 4MATIC für alle Eventualitäten einer Dienstreise gut gerüstet. Und so war unser neuer Dauertestwagen schon für Wochen ausgebucht, bevor er überhaupt das erste Mal auf den Parkplatz in Köln-Niehl gerollt war. Um es vorwegzunehmen: Der schwäbische Allradler hat in 18 Monaten 100.000 Kilometer ohne sichtbaren Verschleiß abgespult und sah danach im Innenraum noch aus wie neu. Ganz störungsfrei verlief der Test aber nicht.

 

Dauertest Mercedes ML 350 BlueTEC: Angenehmer Reisewagen

Wie es sich für einen Mercedes gehört, trat der ML 350 den Redaktionsdienst in luxuriöser Ausstattung an: schwarze Lederpolster (2559 Euro), Sitzklimatisierung vorn (1285 Euro), Panorama-Schiebedach (2083 Euro) , Multimedia-Navi Comand Online mit DVD-Wechsler (3551 Euro), TV-Tuner (1178 Euro) und digitales Radio DAB (488 Euro), um nur einige exklusive Extras zu nennen.

Selbstverständlich kamen auch das Fahrassistenz-Paket Plus (2678 Euro), unter anderem mit adaptivem Tempomaten Distronic Plus, sowie Spurhalte- und Totwinkelassistenten sowie das Airmatic-Paket (2023 Euro) mit Luftfederung plus adaptiven Dämpfern an Bord. So erhöhte sich der Kaufpreis für das SUV von 58.731 Euro für die schon nicht schlecht ausgestattete Basisversion auf 86.687 Euro. Dafür wird allen Insassen im ML aber auch viel geboten. „Auch nach einer 500 Kilometer langen Fahrt steigt man völlig entspannt aus dem Mercedes,“ notierte beispielsweise Art Director Andreas Schulz. Autor Karsten Rehmann lobte den gut beladbaren Kofferraum, die bequemen Sitze und das niedrige Geräuschniveau im Innenraum.

„Das ist besonders auf Langstrecken sehr angenehm.“ Zwei-Meter-Mann Michael Godde hob positiv den großen Einstellbereich der elektrisch justierbaren Sitze hervor. „Da findet jeder eine für ihn angenehme Sitzposition,“ hielt der stellvertretende Testchef im Fahrtenbuch fest. Dem geschäftsführenden Redakteur Stefan Miete behagte besonders das mit sehr angenehmem Leder bezogene Gestühl des ML – gerade in Verbindung mit der aufpreispflichtigen Sitzklimatisierung.

„Verschwitzte Hemden nach langen Reisen gehören der Vergangenheit an.“ Und der stellvertretende Chefredakteur Klaus Uckrow freute sich über die 428 Euro teure Sitzheizung: „Sie lässt sich einfach bedienen und spricht ganz schnell an.“ Auch  das Große Panorama-Glasschiebedach fand Gefallen. Anders als in manchen flacheren Limousinen schränkt es im Mercedes keinesfalls die Kopffreiheit ein, lässt sich aber schnell öffnen und bringt auch an trüben Tagen viel Licht in den ML.

Das komfortable Fahrwerk war hingegen nicht jedermanns Sache. „Der ML ist auf welligen Autobahnen ganz schön schaukelig“, schrieb der stellvertretende Chefredakteur Wolfgang Eschment. Dank der optionalen Luftfederung mit einstellbaren Dämpfern ließ sich aber problemlos auch eine härtere Gangart wählen. Trotzdem sorgte das geräumige SUV bald für Verdruss. Schon bei Kilometerstand 5614 schaltete sich zum ersten Mal die Warnlampe „Motordiagnose“ ein.

Nach dem Neustart verlosch das rote Licht zwar, tauchte aber immer wieder sporadisch auf. Ein Check in der Mercedes-Niederlassung brachte kein konkretes Ergebnis – aber das Warnlicht blieb ab sofort aus. Dafür zeigte sich von nun an regelmäßig eine andere Information auf dem Zentraldisplay zwischen den Instrumenten: „Beim nächsten Tankstopp Motorölstand überprüfen!“

Doch leichter angezeigt als getan: Der sehr lange, sehr flexible Ölmessstab lässt sich nur schwer in die für ihn vorgesehene schlecht platzierte Kontrollöffnung zwischen Motor und Spritzwand einführen. „Als wollte man eine weichgekochte Spaghetti durch ein Knopfloch schieben“, bemerkte treffend Technik-Redakteur Holger Ippen. Auch viele andere Testfahrer mühten sich mit dem unpraktischen Messstab ab – und mit Öldosen beim Nachfüllen.

Besonders auf schnell gefahrenen Autobahnstrecken bediente sich der Mercedes nämlich ungeniert bei den Ölvorräten. Das hatte wenigstens den Vorteil, dass sich die Anschaffung größerer Mengen des Leichtlauföls 5W-30 lohnte, was den durchschnittlichen Literpreis drückte. Nach etwa 30.000 km normalisierte sich der Öldurst des Mercedes ML seltsamerweise – er verlangte nur noch gelegentlich nach mehr.

Durst verspürte der Daimler auch nach der Harnstofflösung AdBlue. Mit seinem serienmäßigen SCR-Kat und AdBlue-Einspritzung zur Stickoxid-Reduzierung erreicht der Mercedes die kommende Euro-6-Norm, was unserem Testwagen eine Steuerersparnis von 150 Euro (bis 31.12.2013) bescherte. Doch öfter als gedacht – und nicht nur bei der Inspektion – verlangte der ML nach AdBlue, das in einen separaten Stutzen unter der Tankklappe eingefüllt werden muss.

Mit einem an Tankstellen erhältlichen Zehn-Liter-Kanister samt  flexiblem Schlauch ist das Befüllen kein Kinderspiel – „eine Zumutung“, schimpfte Michael Godde. Er weiß jetzt, dass auch schwedische Tankstellen auf Nachfrage AdBlue bereithalten – zum moderaten Preis von 177 Kronen, was ungefähr 18 Euro entspricht. Insgesamt mussten wir 30 Liter AdBlue nachgießen. Übrigens: Ohne eine Befüllung wäre der Motor zwar nicht beschädigt worden, doch die Abgaswerte hätten sich kurzfristig verschlechtert.

Zum Thema Durst gehört auch der Dieselverbrauch des ML: Mit durchschnittlich elf Litern auf – zugegebenermaßen flott gefahrenen – 100.000 Kilometern hat er sich nicht gerade als Kostverächter erweisen. Von der Kombination aus V6-Diesel, 2,4 Tonnen Leergewicht, 224 km/h Spitze, hoher Bauweise und vieler vollgasfester Fahrer lässt sich nichts anderes erwarten – zumal der V6 und die serienmäßige Siebenstufen-Automatik keinesfalls Spaßbremsen sind: Der kräftige Turbodiesel mit drei Liter Hubraum und 620 Newtonmeter Drehmoment treibt das SUV sehr energisch voran.

Unterstützt wird er dabei von der Automatik mit sehr sanften Schaltvorgängen. Dass es wesentlich sparsamer geht, bewies der Mercedes auf einer längeren Etappe in Schweden, wo er sich mit nur 6,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer begnügte. „Ein fantastischer Wert“, hielt Testredakteur Michael Godde im Bordbuch fest. Für weniger Begeisterung sorgte das zuschaltbare Start-Stopp-System für den Motor: „Schon beim Rangieren und Einparken schaltet sich ständig der Motor aus – das nervt“, befand zum Beispiel Wolfgang Eschment.

Die kräftige Antriebseinheit des Stuttgarters bewährte sich aber immer wieder im  Anhängerbetrieb. Der ab Werk mit einer einklappbaren Anhängerkupplung (1083  Euro) ausgerüstete Allradler darf bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen. Praktisch: Die Anhängervorrichtung lässt sich mit Hilfe eines Schalters an der Heckklappe elektrisch entriegeln und  ausfahren. Zum Ausstattungspaket für Zugfahrzeuge gehört übrigens auch ein ESP zur Anhängerstabilisierung.

Schon nach gut zwei Monaten respektive knapp 19.000 km machte sich erneut ein Defekt bemerkbar – diesmal in Form eines kräftigen Polterns an der Vorderachse auf schlechten Straßenbelägen. In der Mercedes-Niederlassung Köln wurden die Koppelstangen an den vorderen Stabilisatoren auf Garantie ausgetauscht. Ein Einzelfall, wie es hieß. Ansonsten wurde der Mercedes aber den Erwartungen gerecht. Besonders die hohe Sitzposition und die zahlreichen zuverlässig arbeitenden Assistenzsysteme sorgten für ein Gefühl der Sicherheit.

Völlig problemlos ließen sich Smartphones per Bluetooth mit Freisprecheinrichtung und Musikanlage koppeln. Der stellvertretende Chefredakteur Wolfgang Eschment monierte aber immer wieder Lautstärkeschwankungen beim Telefonieren. „Mal wurde der Gesprächspartner sehr leise, dann verschwand er sogar ganz.“ Art Director Andreas Schulz kritisierte die Auflösung der Einparkkamera. „Besonders bei Dunkelheit ist das Bild sehr verschwommen.“

Wogegen speziell die kamerabasierte Verkehrszeichenerkennung des ML in höchsten Tönen gelobt wurde. „Die arbeitet sehr genau“, hielt Technikredakteur Holger Ippen fest. Kritik gab es hingegen immer wieder für das Navigationssystem des Comand Online. Zwar waren die Karten dank eines für drei Jahre kostenlosen Updates meist auf aktuellem Stand, die Stauumfahrungen klappten aber nicht immer. „Die Sperrung wurde vom Navi zwar angezeigt, aber nicht umfahren“, ärgerte sich Michael Godde.

Andere Staus meldete das System gar nicht, obwohl für drei Jahre Live Traffic Informationen in Echtzeit kostenlos genutzt werden dürfen. Holger Ippen bemängelte zudem den kleinen Sieben-Zoll-Monitor und die umständliche Sprachsteuerung des Systems. Ausdrücklich lobte der Elektronik-Experte dafür den Einparkassistenten des Park-Pakets (1654 Euro), der den Mercedes zuverlässig in Buchten längs der Fahrbahn bugsiert.

Die letzten 80.000 Kilometer spulte der ML zuverlässig wie ein Uhrwerk ab. Eine spürbare Verbesserung des Kurvenverhaltens brachte der Austausch der Sommerreifen nach 78.880 Kilometern: Mit den neuen Dunlop Quattromaxx lenkte das SUV williger ein und hielt zuverlässiger die Spur als mit den Continental ContiSportContact 5 der Erstausrüstung.

Mit 104.284 km auf dem Tacho verließ der Mercedes ML 350 BlueTEC 4 MATIC die Redaktion. Ein komfortabler und insgesamt zuverlässiger Begleiter, der allerdings auch seinen Preis hat – sowohl bei der Anschaffung als auch im Unterhalt: einen Kaufpreis von 86.687 Euro und einen Wertverlust von knapp 50.000 Euro.

Aber auch die übrigen Unterhaltskosten , insbesondere der Verbrauch, sind recht hoch, was zu Kilometerkosten von 21 Cent führt. Zum Vergleich: Ein BMW X3 mit allerdings nur 184 PS starkem Vierzylinder-Diesel landete nach Abschluss der 100.000 Kilometer bei 18 Cent. Der Beste im Dauertest-Ranking,  ein 170 PS starker VW Passat Variant 2.0 TDI, kam auf 14 Cent.

TECHNIK
 

MERCEDES ML 350 BLUETEC 4MATIC
Motor V6-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, Partikelfilter, Start-Stopp-System
Hubraum 2987 cm³
Leistung
bei
190 kW / 258 PS
3600 /min
Max. Drehmoment
bei
620 Nm
1600 - 2400 /min
Getriebe 7-Stufen-Automatik
Antrieb permanenter Allradantrieb
Fahrwerk vorn: Doppelquerlenker;
hinten: Mehrfachlenkerachse;
rundum: Luftfederung und adapt. Dämpfer (opt.), Stabi.; ESP
Bremsen rundum: innenbel. Scheiben, ABS, Bremsassistent
Bereifung rundum:
255/50 R 19;
Dunlop Quattromaxx XL
Felgen rundum: 8 x 19
L / B / H 4804 / 1926 / 1796 mm
Radstand 2915 mm
Leergewicht / Zuladung² 2382 / 568 kg
Kofferraumvol. 690 – 2010 Liter
Abgasnorm Euro 6
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
 
0-100 km/h1 7,4 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 224 km/h
EU-Verbrauch¹ 6,8 l D / 100 km
CO2-Ausstoß 179 g/km
AZ-Normrunde² 10,0 l D / 100 km
Dauertest-Verbrauch² 11,0 l D / 100 km
¹ Werksangaben; ² Messwert

KOSTEN & REIFEN
 
Neupreis Testwagen1 86.687 Euro
Schätzpreis nach 100.000 km² 36.704 Euro
Neuwagenpreis heute 88.586 Euro
  FIXKOSTEN PRO JAHR
Steuer 423 Euro
Haftpflichtversicherung (HP 22) 618 Euro
Vollkasko (VK 28) 1549 Euro
Teilkasko (TK 29) 510 Euro
  TESTBETRIEBSKOSTEN
Kraftstoff: 11.261 Liter Diesel
Durchschnittspreis: 1,41 Euro / Liter
15.934 Euro
Ölverbrauch: 7,0 Liter
(ca. 15,49 Euro / Liter)
108,43 Euro
AdBlue: 30 Liter ca. 60 Euro
Wartung, Ölservice,
Verschleißteile, Reifen
4.981,48 Euro
Reparaturen 0 Euro (Garantie)
Wertverlust 49.983 Euro
Kosten pro km ohne Wertverlust 0,21 Euro
Kosten pro km mit Wertverlust 0,70 Euro
¹ Werksangabe April 2013; ² Messwerte

Unser Fazit

Mit zwei außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten gleich zu Beginn des Dauertests hat sich der große Mercedes ML 350 BlueTEC neun Punkte Abzug eingehandelt. Und in Verbindung mit dem recht hohen Verbrauch ist mehr als eine Platzierung im Mittelfeld unseres Dauertest-Rankings deshalb nicht möglich. Der Stuttgarter hat sich über die 100.000 km lange Distanz aber wacker geschlagen und sich als zuverlässiger, komfortabler und schneller Begleiter auf langen Strecken erwiesen. Und als Zugfahrzeug legte der Schwabe besondere Qualitäten an den Tag. Insgesamt wirkt der Mercedes ML am Testende immer noch wie ein Neuwagen.

Klaus Uckrow

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