Mercedes ML 350 BlueTEC im Vergleichstest Hyundai ix55, Mercedes ML und Land Rover Discovery

06.07.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dezenten optischen Retuschen und umweltfreundlichem SCR-Katalysator tritt der Mercedes ML 350 BlueTEC gegen den Debütanten Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi und den überarbeiteten Land Rover Discovery 3.0 TDV6 an

Der Erfolg der Mercedes M-Klasse ist unstrittig: Weltweit wurden schon über eine Million ausgeliefert. Für neue Kaufanreize soll der BlueTEC-Diesel mit SCR-Katalysator samt Harnstoff-Einspritzung und 211 PS sorgen. Eine dezent aufgefrischte Optik gibt’s noch dazu.

Aber die Konkurrenz schläft nicht: Land Rover hat nicht nur das polarisierende Design des Allrad-Alleskönners Land Rover Discovery stark überarbeitet und die Technik in fast allen wichtigen Punkten kräftig aufgemotzt, sondern bietet mit dem 3.0 TDV6 neuerdings auch noch einen erheblich stärkeren (245 PS) und kultivierteren Selbstzünder an.

Genau wie Hyundai. Die Koreaner haben eigens für das neue Oberklasse-SUV Hyundai ix55, das in Amerika unter dem Pseudonym Veracruz läuft, einen viel versprechenden V6-Diesel mit 239 PS entwickelt.

 

Karosserie

Angesichts der ausladenden Karosserien verlieren die PS-Zahlen rasch an Wucht. Aufrecht, solide und vor allem groß – so sieht der klassische Fullsize-Offroader aus. Auch die drei Testkandidaten erfüllen dieses Klischee, wobei der Mercedes und der Hyundai sich weit mehr um gefällige Rundungen und optische „Schlankmacher“ bemühen als der Land Rover mit seiner unverhohlen kubischen Silhouette.

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Dank der Design-Korrektur wirkt er jedoch weniger kantig als bislang, ohne dafür beim Raumangebot nachzugeben. Man sitzt erhaben über dem Verkehrsgeschehen, hat reichlich Bewegungsfreiheit und genießt die gelungene Rundumsicht. Der Kofferraum ist riesig und lässt sich zudem variabel nutzen. Selbst die optionale dritte Sitzreihe reicht für zwei Erwachsene.

Eine Zuladung von gut zwölf Zentnern und eine Anhängelast von satten 3,5 Tonnen – DSC mit Gespannstabilisierung ist serienmäßig – komplettieren die praktischen Tugenden. Die gut sortierte Sicherheitsausstattung und die merklich verbesserte Materialauswahl verdienen ebenfalls ein Lob.

Ähnlich adrett präsentiert sich das Interieur des ML, während der ix55 zwar mit schicken Oberflächen lockt, doch die Kunststoffe wirken bei näherer Betrachtung eine Klasse preiswerter. Außerdem weist die Liste seiner Sicherheitsdetails einige Lücken auf, wohingegen der Mercedes die umfangreichsten Schutzmaßnahmen bietet. Ferner gewährt er Fahrer und Mitfahrern den meisten Freiraum. Anhängelast? 3,5 Tonnen. Bei der Variabilität hapert es jedoch.

Hier punktet der Hyundai mit sieben Sitzen serienmäßig und gleicht damit die Abzüge wegen begrenzter Übersichtlichkeit und geringer Innenhöhe vorn teilweise aus. Das Schiebedach mindert die Kopffreiheit des Testwagens um fast zehn Zentimeter – ein verzichtbares Extra. Ein Muss für diese Fahrzeug- Gattung ist indes die Anhängerkupplung, die Hyundai aber nicht ab Werk montiert. Außerdem fällt die erlaubte Anhängelast von 2,5 Tonnen zu bescheiden aus.

KarosserieMax. PunkteMercedes ML 350 BlueTECLand Rover Discovery 3.0 TDV6Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi
Raumangebot vorn100908882
Raumangebot hinten100898890
Übersichtlichkeit70546051
Bedienung/ Funktion100889082
Kofferraumvolumen100637565
Variabilität100435563
Zuladung/ Anhängelast80626350
Sicherheit15011610581
Qualität/ Verarbeitung200176179171
Kapitelbewertung1000781803735

 

Fahrkomfort

Regelrecht aufdringlich erscheinen hingegen die aktiven Kopfstützen des Hyundai ix55 an Fahrer- und Beifahrersitz, die sich dem Nacken (zu) weit entgegenrecken. Außerdem sitzt man zu hoch im Auto, während man im Land Rover Discovery zwar noch höher positioniert ist, aber dort eine äußerst entspannte Haltung einnimmt.

Der Mercedes ML erinnert am ehesten an das Sitzgefühl in einer großen Limousine, was die Qualität seiner Sitze keineswegs schmälert. Auf der Rückbank beginnen die Passagiere im Disco zuerst zu maulen. Die Einzelsitze der getesteten Siebensitzer- Version drücken etwas, weil sie recht klein bemessen sind. Die wie im Theater ansteigend angeordneten Sitzreihen gewähren dafür selbst in Reihe drei noch eine gute Aussicht.

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Große, praktische Ablagen, perfekt überschaubare Instrumente und die niedrigsten Geräuschpegel bescheren dem Briten weitere Zähler. Der Motor des Koreaners läuft zwar ähnlich leise, doch seine Windgeräusche nerven auf Dauer. Außerdem muss sich das Schluckvermögen der konventionellen Schraubenfedern des ix55 den Luftfeder-Fahrwerken von Land Rover (Serie) und Mercedes (Option) geschlagen geben. Wobei der ML besonders sensibel anspricht und der Discovery über erstaunliche Reserven verfügt.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes ML 350 BlueTECLand Rover Discovery 3.0 TDV6Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi
Sitzkomfort vorn150122124103
Sitzkomfort hinten100776670
Ergonomie150120134117
Innengeräusche50394537
Geräuscheindruck100626460
Klimatisierung50424241
Federung leer200148144132
Federung beladen200142144129
Kapitelbewertung1000752763689

 

Motor und Getriebe

Auch die Leistungsdaten des Briten lassen auf Reserven schließen: 245 PS, 600 Nm – den beiden Turboladern dürfte so schnell nicht die Puste ausgehen. Tatsächlich sprintet der gut 2,6 Tonnen schwere Landy am fl ottesten auf Tempo 100, doch ab 140 km/h ziehen die Rivalen an ihm vorbei, bei 180 km/h ist Schluss. Der Hyundai läuft mit 239 PS (451 Nm, 2,2 Tonnen) glatte 200 km/h, der Mercedes schafft trotz verhaltener 211 PS (540 Nm, 2,3 Tonnen) sogar 210 km/h – allesamt abgeregelt.

Der ML soll weniger mit Temperament, sondern vielmehr mit Sparsamkeit und sauberem Abgas brillieren. Mit Hilfe der Harnstoffeinspritzung (AdBlue) werden die Stickoxide im SCR-Kat soweit reduziert, dass die Euro-6-Limits eingehalten werden. Der Testverbrauch von 10,3 Liter Diesel ist respektabel und entschuldigt das etwas rauere Motorengeräusch.

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Wesentlich kultivierter, aber genauso sparsam arbeitet der neue TDV6 im Land Rover, der sich ebenfalls mit 10,3 Litern begnügt. Seine Sechsstufenautomatik begeistert zudem mit einem absolut präzisen Timing. Sie schaltet ebenso weich wie fix und überbrückt den Drehmomentwandler so früh es geht. Dieser Antrieb ist ein Genuss – und voll offroad-tauglich. Der Motor im Hyundai glänzt mit sehr guten Manieren und einer harmonischen Leistungsentfaltung. Jedoch fiel der Testverbrauch mit 10,9 Litern wesentlich höher aus als im ersten Test (Heft 18/2009), wo sich ein baugleiches Fahrzeug mit nur 9,6 Litern zufrieden gab.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes ML 350 BlueTECLand Rover Discovery 3.0 TDV6Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi
Beschleunigung150108109105
Elastizität100000
Höchstgeschwindigkeit150603853
Getriebeabstufung100879379
Kraftentfaltung50323835
Laufkultur100778280
Verbrauch325186186174
Reichweite25181613
Kapitelbewertung1000568562539

 

Fahrdynamik

Auch beim Ausloten des Grenzbereichs hinterlässt der ursprünglich für Amerika konzipierte Hyundai ix55 keinen wirklich perfekten Eindruck. Zwar folgt er Lenkbefehlen mit einer angesichts seiner Größe überraschenden Agilität, aber seine kräftigen Lastwechselreaktionen, die ungleichmäßig ansprechende Lenkung und die bedenklich langen Bremswege (kalt: 44,5 Meter) enttäuschen.

Der Discovery ist ebenfalls kein Ausbund an Fahrdynamik, gefällt aber mit seiner sehr präzise und gefühlvoll operierenden Lenkung. Sein Fahrverhalten ist ruhig und ohne jede Tücke. Glatte 40 Meter (kalt) Bremsweg sind jedoch kein Ruhmesblatt. Schuld daran tragen auch die Ganzjahres-Reifen, die werksseitig verbaut werden. Andererseits erhöhen sie den Grip im Gelände. Und Geländegängigkeit spielt bei Land Rover traditionell eine wichtige Rolle. Entsprechend überlegen tritt der Disco abseits der Straße auf, wohin ihm weder der Hyundai noch der Mercedes ernsthaft folgen können.

Auf befestigten Straßen hat dafür der ML 350 BlueTEC die Nase vorn – weit vorn. Obwohl seine Lenkung wenig Rückmeldung bietet und der Mercedes mit ausgeprägtem Untersteuern hadert, markiert er klar die Bestzeiten. Das Auto lenkt bereitwilliger ein und erlaubt höhere Kurvengeschwindigkeiten – das ist auch ein wichtiges Sicherheitsplus. Fahrspaß vermittelt der Benz zwar nicht unbedingt, aber sein rigide eingreifendes ESP sorgt jederzeit für ein Höchstmaß an Fahrstabilität. Die kurzen Bremswege (37,9 kalt/35,8 warm) sind in diesem Test konkurrenzlos, was nicht nur ein Verdienst der montierten Straßenreifen ist.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes ML 350 BlueTECLand Rover Discovery 3.0 TDV6Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi
Handling150544442
Slalom100433236
Lenkung100809077
Geradeauslauf50464541
Bremsdosierung30172018
Bremsweg kalt15072516
Bremsweg warm150926428
Traktion100859383
Fahrsicherheit150133128118
Wendekreis20873
Kapitelbewertung1000630574452

 

Umwelt und Kosten

Wer möglichst viel Auto fürs Geld sucht, kommt am Hyundai-Showroom nicht vorbei. Der Basispreis von 42 290 Euro liegt gut 15 000 Euro unter dem Minimalpreis für den Mercedes mit BlueTECMotor. Auch der damit einhergehende Wertverlust nach vier Jahren fällt beim ix55 um über 4000 Euro günstiger aus. Die moderaten Aufpreise für die wenigen verfügbaren Extras sowie die niedrigsten Werkstattkosten sprechen ebenfalls für ihn.

Der Land Rover punktet mit den niedrigsten Kasko-Beiträgen, setzt aber ansonsten keine Bestwerte. Dennoch überzeugt er – wie der Hyundai – mit günstigen Unterhaltskosten. Seine Treibstoffkosten liegen gleichauf mit denen des Mercedes. Trotz umfassender Garantien, den saubersten Abgaswerten und der niedrigsten Steuer erweist sich der ML unterm Strich als das teuerste Fahrzeug.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes ML 350 BlueTECLand Rover Discovery 3.0 TDV6Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi
Bewerteter Preis67598109137
Wertverlust50101112
Ausstattung25151617
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272223
Werkstattkosten20111212
Steuer10555
Versicherung40253126
Kraftstoff55323230
Emissionswerte25837965
Kapitelbewertung1000306317327

 

Fazit

Einmal mehr stellt der Mercedes ML als Testsieger die Ausgewogenheit seines Konzepts unter Beweis. Der Verzicht auf maximale Geländegängigkeit verhilft ihm zu mehr Fahrsicherheit, Effi zienz und Agilität. Der Motor des 350 BlueTEC vereint überdies gelungen Kraft und Sparsamkeit.

Mehr Offroad-Charisma, das üppigere Ladevolumen und den besseren Komfort bringen den stark überarbeiteten Land Rover Discovery, dessen 3.0 TDV6 voll überzeugt, in Schlagdistanz zum Benz. Der Hyundai ix55 hingegen zeigt Schwächen im Detail – und beim Bremsen. Aber: Sein V6- Diesel ist ein echtes Filetstück und der Preis für so ein großes SUV unschlagbar günstig.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes ML 350 BlueTECLand Rover Discovery 3.0 TDV6Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi
Summe5000303730192742
Platzierung123

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