Mercedes GLC 250 d 4Matic/BMW X4 xDrive20d: Test GLC und X4 im Eins gegen Eins

10.01.2017
Inhalt
  1. Test: Mercedes GLC und BMW X4
  2. Beide Autos bieten ein hohes Maß an Praktikabilität
  3. GLC mit besserem Federungskomfort
  4. Der Mercedes ist fahrdynamischer
  5. BMW X4 günstiger bei den laufenden Kosten

Mercedes baut mit dem aussdrucksstarken GLC Coupé sein Portfolio weiter aus und drängt in eine von den Schwaben bis dato unbesetzte Nische. Dort wartet der eigenständige BMW X4 auf das erste Duell. Vergleichstest!

Bislang fristete der BMW X4 ein relativ bequemes Dasein. Als einziges Mittelklasse-Fließheck-SUV am Markt kannte er keinen Konkurrenzdruck. Dies ändert sich nun mit dem Verkaufsstart des Mercedes GLC Coupés schlagartig. Der noble Schwabe schickt sich an, mit ausdrucksstarkem Design, komfortablen Fahreigenschaften und umfangreicher Sicherheitstechnik, dem Platzhirsch das Revier streitig zu machen. Im Vergleichstest tritt das 204 PS starke GLC 250 d 4Matic Coupé gegen den BMW X4 xDrive20d mit 190 PS an. Welcher der beiden stylischen Allradler bietet das bessere Gesamtpaket? Auch wenn eine großfamilientaugliche Raumausnutzung bei diesen Designerstücken sicherlich nicht ganz oben im Lastenheft stand, bringen sowohl der BMW X4 als auch das neue Mercedes GLC Coupé ein hohes Maß an Praktikabilität mit. Auf den vorderen Plätzen genießen selbst großgewachsene Personen jede Menge Raum zur freien Entfaltung – mit leichten Vorteilen für den Mercedes, der hier mehr Kopffreiheit zur Verfügung stellt. Und auch für Gepäck lassen beide exakt gleich viel Platz: 500 bis 1400 Liter. Zudem entspricht die Variabilität weitgehend jener konventioneller SUV.


Das Mercedes GLC Coupé im Video:

 

 

Test: Mercedes GLC und BMW X4

Als echter Verwandlungskünstler outet sich aber weder der BMW noch der Daimler. Mehr als eine dreiteilig umlegbare Rücksitzlehne haben sie nicht zu bieten. Immerhin: Beide Schrägheck-SUV verfügen serienmäßig bereits über eine elektrisch öffnende sowie schließende Heckklappe. Das gestalterische Konzept mit den coupéhaft abfallenden Dachlinien macht sich allerdings auf den Rückbänken recht deutlich bemerkbar – und zwar im negativen Sinne. Hier geizen der BMW und der Mercedes gegenüber ihren Steilheck-Brüdern merklich mit Kopffreiheit. Personen bis etwa 1,80 Meter lassen sich aber dennoch auch auf längeren Strecken problemlos unterbringen –zumal die Beinfreiheit in beiden Fällen recht üppig ausfällt. Apropos üppig: Dieses Attribut trifft auch auf die Sicherheitsausstattung im Mercedes GLC zu. Assistenzsysteme wie etwa eine Auffahrwarnung, eine autonome Notbremse oder auch eine Rückfahrkamera sind bei ihm werksseitig an Bord. Der BMW kontert mit serienmäßigen Xenon-Scheinwerfern und einer Bergabfahrkontrolle. Weitere Helferlein, zum Beispiel Abstandsregelung, Totwinkel-Warner, Spurhaltesysteme, adaptive LED-Scheinwerfer, Umgebungskameras oder Head-up-Display, kosten indes hier wie dort extra.

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Beide Autos bieten ein hohes Maß an Praktikabilität

Das Abspulen langer Etappen ist im Mercedes GLC eher Lust als Last. Verantwortlich dafür ist der sämige Federungskomfort, den das aufpreispflichtige Air Body Control-Fahrwerk (2261 Euro) ermöglicht. Lange Wellen bügelt das mit adaptiven Dämpfern und Luftfederung ausgerüstete Set-up kompetent aus, sodass der Daimler auf beinahe jedem Untergrund satt und ruhig auf der Straße liegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man ganz allein im Auto sitzt oder das maximal zulässige Gewicht von 2520 Kilogramm ausnutzt. Ganz anders der BMW: Auch wenn der X4 durchaus sensibel anfedert, ist er insgesamt doch zu straff abgestimmt, um dem GLC ernsthaft Paroli zu bieten. Selbst auf der Autobahn ist sein Aufbau im Komfort- und Sportmodus der adaptiven Dämpfer (1100 Euro) stets leicht in Bewegung. Erschwerend kommt hinzu, dass die Federwegsreserven des Bayern bei voller Beladung viel früher aufgebraucht sind. Darüber hinaus nervt unser Testwagen auf schlechten Untergründen mit unschönen, da deutlich vernehmbaren Klappergeräuschen an der Vorderachse.

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GLC mit besserem Federungskomfort

Zur sportlich straffen Attitüde des BMW passen die optionalen Sportsitze. Sie erweisen sich auch auf langen Strecken als sehr bequem und begeistern beim schnellen Kurvenfahren mit wirkungsvoller Seitenabstützung. Allerdings sind sie im unteren Rückenbereich recht schmal geschnitten. Der Zweiliter-Turbodiesel unter der Haube des X4 ist eine Allzweckwaffe, die in vielen verschiedenen BMW-Modellen gute Dienste leistet. In diesem Umfeld tut sich das 190-PS-Aggregat jedoch überraschend schwer. Zwar schiebt der Direkteinspritzer den 1849 Kilogramm schweren Allradler aus dem Drehzahlkeller recht wuchtig an, bei höheren Geschwindigkeiten geht dem Vierzylinder jedoch etwas die Puste aus. Nichts zu mäkeln gibt es hingegen an der gewohnt perfekt agierenden, 2300 Euro teuren Achtstufen-Automatik, die die Übersetzungen passend und schnell den jeweiligen Erfordernissen anpasst. Und auch der Verbrauch von 7,8 Liter je 100 Kilometer geht in Ordnung. Der GLC konsumiert im Schnitt nur 0,1 Liter Kraftstoff mehr, hinterlässt allerdings speziell bei höheren Geschwindigkeiten den spritzigeren Eindruck, was auch die Beschleunigungsmessungen belegen.

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Der Mercedes ist fahrdynamischer

Nominell nur 14 PS stärker, dabei aber rund 100 Kilogramm schwerer, nimmt der Daimler seinem Widersacher bis 140 km/h fast zwei Sekunden ab. Darüber hinaus wirkt das Biturbo-Triebwerk besser gedämmt als der etwas knurrige BMW-Motor. Die serienmäßige Neunstufen-Automatik arbeitet jedoch nicht so spontan wie das von ZF zugelieferte Getriebe im X4. Auch wenn sich der BMW dank seiner überaus direkt ansprechenden variablen Sportlenkung (Serie) und des geringeren Gewichts agiler anfühlt, ist es der gleichfalls serienmäßig mit einer variablen Lenkung ausgerüstete Mercedes GLC, der in den fahrdynamischen Disziplinen den Ton angibt. Dies gilt sowohl auf dem Handlingkurs, den der Schwabe fast zwei Sekunden schneller umrundet, als auch für die Pylonengasse, die er mit etwas mehr Verve durchwedelt. Begünstigt durch die haftstarke Hankook-Bereifung durcheilt der Daimler schnelle Kurven mit größerer Neutralität als der zuweilen stark untersteuernde BMW. Eine Lehrstunde erteilt der GLC seinem Kontrahenten zudem beim Bremsen. Lediglich 32,9 Meter (kalt) benötigt der Schwabe, um nach erfolgter Vollbremsung aus 100 km/h wieder zum Stehen zu kommen – Chapeau!

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BMW X4 günstiger bei den laufenden Kosten

Einen besonderen Geschmack zu haben, geht bekanntlich oft ins Geld. So auch in diesem Fall: Nicht nur die Grundpreise der beiden Allradler sind saftig. Die vielen verführerischen Extras sind ebenfalls teuer. So stehen unsere verschwenderisch, aber keineswegs voll ausgestatteten Testwagen für rund 65.000 (BMW) beziehungsweise 76.000 Euro (Mercedes) in der jeweiligen Preisliste. Bei den laufenden Kosten hat der X4 indes leicht die Nieren vorn. Er schont die Haushaltskasse aufgrund der günstigeren Vollkasko-Versicherungseinstufung sowie der niedrigeren Wartungsaufwendungen etwas mehr als der Benz, der sich dank der besseren Garantieleistungen trotzdem den Kapitelsieg holt.


Technische DatenMercedes GLE 250 d 4Matic CoupéBMW X4 xDrive20d
Zylinder/Ventile p.Z.4/4; Biturbodiesel4/4; Turbodiesel
NockenwellenantriebKetteKette
Hubraum2143 cm³1995 cm³
Leistung
bei
150 kW/204 PS
3800 /min
140 kW/190 PS
4000 /min
Max. Drehmoment
bei
500 Nm
1600 - 1800 /min
400 Nm
1750 – 2500 /min
Getriebe9-Stufen-
Automatik
8-Stufen-
Automatik (opt.)
AntriebAllrad, permanentAllrad, permanent
L/B/H in mm47320/1890/16024671/1881/1624
Kofferraum500 – 1400 l500 – 1400 l
0-100 km/h8,0 s8,5 s
Höchstgeschw.222 km/h212 km/h
100-0 km/h
kalt/warm
32,9 / 33,0 m34,8 / 35,3 m
Testverbrauch7,9 l D/100 km7,8 l D/100 km
Grundpreis51.289 Euro48.200 Euro
Platzierung12



Unser Fazit

Mit seinem überlegenen Fahrkomfort, kraftvollem Vortrieb sowie herausragender Bremsleistung hält das neue Mercedes GLC 250 d 4Matic Coupé seinen Verfolger auf Distanz und fährt einen ungefährdeten Gesamtsieg ein. Fünf von fünf Kapiteln gehen an den edlen Schwaben – ein Einstand nach Maß! Allerdings hat auch der BMW X4 xDrive20d einige spezifische Stärken vorzuweisen. Markentypisch leichtfüßig im Handling, spricht er vor allem sportlich ambitionierte SUV-Fans an. Außerdem ist er im Grundpreis und auch in puncto Unterhalt etwas günstiger. Grundsätzlich aber gilt: Die beiden schicken Fließheck-SUV verlangen gegenüber ihren Verwandten mit klassischem Steilheck einen saftigen Designzuschlag.

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