Mercedes G, BMW G und Yamaha Rhino im Offroad-Test Mercedes G, BMW G und Yamaha Rhino

07.12.2009

Mercedes G 280 Edition Pur, BMW G 450 X und Yamaha Rhino 700 – drei Exemplare der Gattung Offroad-Spezialisten. Ein Tag in Freiheit

Es gibt Fahrzeuge, die teilen das gleiche Schicksal, das wilde Tiere in Gefangenschaft erleiden. Eine wenig artgerechte Haltung. Zumindest gilt das für Mercedes G 280 Edition Pur, BMW G 450 X und Yamaha Rhino 700. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass Damen feiner Vororte den laut Mercedes besten Geländewagen der Welt als übergroßen Einkaufswagen domestizieren.

Auch vermeintliche Motocross- Fans gönnen sich zuweilen eine wettbewerbsfähige 450er-BMW. Aber nicht, um sie über Stock und Stein zu jagen, sondern um auf ihren grobstolligen Pneus samstags zur Eisdiele zu rubbeln. Und der Rhino, ein All-Terrain-Vehicle (ATV) der Side-by-Side- Klasse, fristet sein Dasein meist als Gerätetransporter in Gärtnereien und Forst oder auf düsteren Friedhöfen. Sein komplexer Allradantrieb darf höchstens mal im Winter auf verschneiten Wegen in Aktion treten.

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Derlei Missbrauch lässt unsere Herzen bluten. Darum haben wir die drei Offroader von der Straße geholt und wenigstens für einen Tag zurück in ihren angestammten Lebensraum gebracht: nach Gaggenau auf den Sauberg, dem Unimog-Testgelände.

DIE MERCEDES G-KLASSE HAT DREI SPERREN
Hier ist der G 280 Edition Pur, die robuste, von der Militärversion „Wolf“ abgeleitete Sonderserie zum 30. Geburtstag des Mercedes- Geländewagens, in seinem Element. Drei Differenzialsperren und eine Geländeübersetzung machen es dem Fahrer leicht, die steilen Hänge und tiefen Furchen im felsigen Gelände zu erklimmen. Seine straffen Federn, die auf normalen Straßen mitunter ungelenk wirken, geraten hier endlich in Bewegung. Und zwar so sehr, dass die Verschränkung der beiden Starrachsen mitunter nicht ausreicht und der Mercedes-Offroader ein Rad vom Boden hebt.

Aber selbst dann bricht der Vortrieb des G nicht zusammen. Um die notwendige Traktion kümmern sich neben dem permanenten Allradantrieb drei Differenzialsperren, die per Tastendruck vorgewählt werden können. Sobald es einem Rad am notwendigen Grip mangelt, rücken Mittel-, Hinterachs- und Vorderachsdifferenzial elektrohydraulisch gesteuert selbsttätig ein. Eine Hand am Lenkrad und ein sanfter Gasfuß reichen, um den 2,5 Tonnen schweren Koloss dank Automatik und der Kraft des Turbodiesels von 400 Nm souverän durchs Gelände zu manövrieren.

Sogar die 110 Prozent steile Steigung erklimmt der G ohne Mühe. Aber auch für ihn gibt’s Grenzen: Die Kuppe am Ende der Steigung lässt Schweller und Auspuff auf Grund laufen – der lange Radstand setzt das Limit.

OFFROADTIPP: YAMAHA RHINO 700
Anders der Rhino 700 von Yamaha. Er folgt dem G auf Schritt und Tritt und kraxelt locker über die Kuppen, an denen der G scheitert. Knapp einen Meter weniger Radstand und sieben Zentimeter mehr Bodenfreiheit prädestinieren den Rhino zum ultimativen Allesüberwinder. Und das mit einer Entschlossenheit, die man dem braven Friedhofsmitarbeiter nicht zugetraut hätte.

Sein Einzylinder mit 41 PS hängt gierig am Gas, und die stufenlose Automatik arbeitet erstaunlich spontan. Anders als bei den meisten ATVs sitzt man im Side-dy-Side gewichtsoptimiert im Zentrum des Fahrzeugs nebeneinander und steuert per Lenkrad, nicht per Lenkstange – der Rhino ist mehr Auto als Motorrad.

Und ein äußerst talentierter Offroader dank Kriechgang, zuschaltbarem Allrad und sperrbarem Vorderachs-Differenzial – das hintere Differenzial arbeitet ohnehin mit starrer Kraftverteilung. Lange Federwege und eine Einzelradaufhängung rundum halten die Räder verlässlich am Boden. Das Einlegen des Allradantriebs oder der Sperre ist nur selten nötig.

Zudem steckt das robuste Chassis mit massiv verkleidetem Unterboden harte Grundkontakte ungerührt weg. Der Rhino ist der Geheimtipp für alle, die einen unerschrockenen Freizeitbegleiter für zünftige Besuche im Offroad-Park suchen und ohne Straßenzulassung auskommen.

Deutlich anstrengender als der Geländeausflug mit G und Rhino ist der Ritt auf der BMW G 450 X. Zwei statt vier Räder erfordern viel mehr Konzentration und Kondition. Die X ist keine weichgespülte Enduro, sondern ein echter Vollcrosser. Mit langen Federwegen (vorn 300 mm, hinten: 320 mm), aggressiven 41 PS aus einem 450er-Einzylinder und nur 121 kg Gewicht passt sie perfekt auf den Sauberg.

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Während G und Rhino ihre Fahrer zwar kräftig durchschütteln, aber mit Gurten fest an sich binden, besteht bei der BMW stets die Gefahr, abgeworfen zu werden.

Die G 450 X ist nichts für Anfänger. Die dank langer Schwinge satte Traktion, der tiefe Schwerpunkt und der gut dosierbare Einzylinder erleichtern routinierten Fahrern aber den Job. Die richtige Gewichtsverlagerung, ein harmonisiertes Spiel zwischen Kupplung, Gas und Bremse sowie ein gehöriges Maß an Mut treiben die 450er über fast jedes Hindernis – sofern die Geschwindigkeit ausreicht.

Denn während sich die vierrädrigen Kollegen in extremen Passagen langsam vortasten, enden allzu zaghafte Versuche auf zwei Rädern meistens unsanft.

Wer Mercedes G 280 Edition Pur, Yamaha Rhino 700 und BMW G 450 X im Gelände erlebt hat, ahnt, wie unwohl sich die drei Offroader auf Asphalt fühlen – und was sie in Freiheit leisten können. Michael Godde

Fazit

Technische Daten
Motor 
ZylinderEinzylinder- Viertakter, Einspritzung
Hubraum686
Leistung
kW/PS
1/Min

30/41
6000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
59
4500 U/min
Kraftübertragung 
GetriebeStufenlose Automatik
Fahrwerk 
Bremsenv: Scheiben
h: Scheiben
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)510
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)80
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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