Mercedes F 125 mit Elektro-Allrad-Antrieb e4MATIC im Fahrbericht Reiner Luxus

22.11.2011

Das Auto ist nicht nur Fahr-Zeug, sondern auch Statussymbol und Wohlfühlobjekt . Der Mercedes F 125 zeigt, wie sauber wir morgen reisen können

Seit ein paar Tagen ist es amtlich: Es leben sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Es stellt sich einmal mehr die Frage nach der Zukunft. Die Weltbevölkerung wächst, natürliche Ressourcen schwinden – und wir wollen weiter Auto fahren. Geht das überhaupt? Und was erwartet denjenigen, der nicht in einem Elektroscooter durch die Innenstadt zuckeln will, sondern eine etwas anspruchsvollere Art der Fortbewegung schätzt, etwa weil er beruflich den lieben langen Tag auf der Autobahn klebt? Einen Entwurf für den Luxus von morgen stellt der Mercedes F 125 dar, das neueste Forschungsfahrzeug aus der Vorausdenkabteilung von Thomas Weber, Vorstand der Daimler-Konzernforschung und Entwicklung von Mercedes-Benz Personenwagen. Das Probiermodell mit der Startnummer Eins-Zwo-Fünf wurde komplett von Hand gebaut, ist etliche Millionen Euro teuer und ein absolutes Einzelstück. Wir haben den Star der jüngsten IAA aus seinem Elfenbeinturm hinaus ans Tageslicht geholt – herunter vom schmeichelnden Teppichflor und rauf auf die harten Betonplatten der realen Welt.

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„Mit dem F 125 wollen wir zeigen, dass große, komfortable und sichere Limousinen eine glänzende Zukunft haben, unter anderem weil sie emissionsfrei fahren können“, sagt Thomas Weber und ergänzt: „Der Mythos S-Klasse wird durch intelligente, am Kundennutzen orientierte Lösungen in die Zukunft überführt.“

ELEKTRISCHER ALLRADANTRIEB e4MATIC
Der exakt 4990 Millimeter lange und mit einem fürstlichen Radstand von 3333 Millimetern gesegnete Luxusliner funkelt in der Sonne. Emissionsfrei soll der F 125 wegen seines aufwändigen Antriebskonzepts rollen, das Mercedes mit Brennstoffzellen-Plug-in-Hybrid beschreibt. Genau genommen ist der Mercedes F 125 kein waschechter Hybrid, da der Antrieb stets über vier radnah verbaute Elektromotoren erfolgt. Einen klassischen Verbrennungsmotor sucht man vergebens. Ihren Lebenssaft zapfen die zu einer Dauerleistung von 170 kW (231 PS) fähigen E-Motoren aus einer zehn kWh speichernden Batterie. Für einen möglichen Serieneinsatz baut Mercedes auf die Lithium-Schwefel-Technologie und Induktivladung. Forschungschef Weber: „Stand heutiger Technik liefert die Lithium-Ionen-Technologie alle Voraussetzungen, um Elektromobilität alltagstauglich zu machen. Für die Zeit nach 2020 halten wir Lithium-Schwefel- und Lithium-Luft Technologien für sehr viel versprechend. Sie befinden sich jedoch noch in der Grundlagenforschung.“

BIS ZU 1000 KILOMETER REICHWEITE OHNE ABGAS
Immerhin 50 Kilometer weit soll das Probiermodell elektrisch fahren können, ohne dass die an Bord befindliche Brennstoffzelle aktiv werden muss. Sie lädt den Stromspeicher danach wieder auf und soll mit nur 0,79 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer auskommen, was einem Dieseläquivalent von rund 2,7 Litern entspricht. Mit dem in einem so genannten strukturintegrierten Wasserstoff-Verbundspeicher untergebrachten Vorrat von 7,5 Kilo Wasserstoff kann der Mercedes F 125 Strecken von bis zu 1000 Kilometern bewältigen. „Der Verbundspeicher besteht aus porösen, metallischen Verbindungen mit extrem großen inneren Oberflächen. Genau diese ermöglichen die Speicherung von großen Wasserstoffmengen bei relativ niedrigen Drücken“, beschreibt Thomas Weber die neuartige Bevorratungstechnik. „Ziel ist es, den Feststoffspeicher flexibel in die Karosseriestruktur zu integrieren.“

Und wie fühlt sich das Ganze an? Das Prädikat „außerirdisch“ beschreibt es am besten. Schon der Einstieg beeindruckt: „Natural Handling“ nennen die Daimler-Forscher ihr Bediensystem, bei dem Sprachbefehle, Gesten und sanfte Berührungen verschiedenste Aktionen in Gang setzen. Ein Wink mit der flachen Hand etwa genügt, und die enorm breite Flügeltür schwebt nach oben. Vorn wie hinten steht sehr viel Platz zur Verfügung. Weil der Mercedes F 125 wegen der radnah montierten E-Motoren keinen Kardantunnel braucht, ist der Boden absolut eben.

Die erste flotte Runde in Untertürkheim zerstreut die Annahme, der Hundertfünfundzwanziger sei ein fragiles Konstrukt. Die E-Motoren surren zwar leise, schieben aber mit unverhohlenem Druck an. Der aus faserverstärkten Kunststoffen, Karbonfaser und Aluminium gefertigten Karosserie ist kein Knarzen zu entlocken – ungewöhnlich für ein Konzeptauto. Nächste Runde: Die speziell gebackenen Michelin-Reifen der Dimension 245/35 ZR 23 geben ihr Bestes, während die Fahr-Informationen über ein großes, hochauflösendes 3D-Display angezeigt werden. Richtungsbefehle erfolgen klassisch durch ein griffiges Lenkrad mit besonders tiefer Nabe. Ein kupferfarbener Stern erinnert daran, dass wir in einem erdgebundenen Kraftwagen unterwegs sind und nicht in einem Flugsimulator. Zugegeben, in Flugzeugen gibt es deutlich mehr Schalter, Tasten und Hebel. Genau diesen Knopf-Salat haben die Mercedes-Entwickler erst gar nicht an Bord gelassen. Touchpads und Sprachsteuerung regeln die Bedienung. Ein bislang unbekanntes Detail schlummert im Heck des Mercedes F 125. Es ist ein Koffer aus der Zeit von Bertha Benz berühmter Jungfernfahrt vor 125 Jahren. Beim Blick nach vorn kann die Erinnerung an gestern nicht schaden.
Stefan Miete

AUTO ZEITUNG

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