Mercedes E Cabrio und 280 SE 3.5 Cabrio Mercedes E Cabrio und 280 SE 3.5 Cabrio

03.09.2010

Zwei viersitzige Mercedes-Cabrios räkeln sich in der mallorquinischen Abendsonne – eine Zeitreise mit vier und acht Zylindern

Nein, auch wenn er acht Zylinder hat, dieser Mercedes ballert nicht. Mit nur etwas mehr als Standgas säuselt der große Wagen über die abendlichen Inselstraßen. Mit vollem Namen heißt er Mercedes-Benz 280 SE 3.5 Cabriolet. Er ist die letzte Evolutionsstufe des Heckflossen-Cabrios, hört auf den internen Namen W111 und stellt – in sehr gutem Zustand – einen Gegenwert von gut 120.000 Euro dar.

Dagegen verblasst das neue Mercedes-Oberklasse-Cabriolet ein wenig, auch wenn es seinem rund 40 Jahre älteren Vorgänger sonst in jeder Disziplin überlegen ist. Doch so weit sind wir noch nicht. Noch schreiben wir das Jahr 1968. Im Herbst zeigt Mercedes ein Auto, das damals schon auf seine Zeitgenossen wie der Abgesang auf eine Ära wirkt. Coupé und Cabriolet der W111-Baureihe erhalten einen 3,5 Liter großen Achtzylinder, der mit elektronischer Einspritzung, Transistorzündung und obenliegenden Nockenwellen weit in die Mercedes-Zukunft zeigt.

DAS LETZTE S-KLASSE-CABRIO
Blech und Fahrwerk hingegen wirken zu Zeiten der heraufdämmernden Brandt-Ära so vorgestrig wie ein Nierentisch oder ein Peter Kraus-Film. Das dürfte die Kundschaft der Sindelfinger Nobelmarke nicht sehr gestört haben. Der offene 280 SE mit V8 ist so ungefähr das Teuerste und Edelste, was man in Deutschland diesseits des Mercedes 600 auf die Räder stellt. Unser Fotomodell hat Automatik und Klimaanlage, ein Becker-Radio sowie vier elektrische Fensterheber. Das Verdeck will manuell zusammengefaltet werden. Es verschwindet nur halb hinter der Rücksitzbank, weshalb der unschöne Berg aus diversen Gestängen und mehreren Lagen gefüttertem Stoff mit einer Persenning abgedeckt werden muss. Das ist ein langwieriger Vorgang, und es ist einer der Momente, in denen man den Fortschritt schätzen lernt.

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Das E 250 CDI BlueEFFICIENCY Cabriolet erledigt diese Aufgabe in ein paar Sekunden. Das Verdeck faltet sich, begleitet vom Summen diverser Motörchen, säuberlich zusammen und verbirgt sich für den Rest der Fahrt unter einer elegant geformten Abdeckung. Wie sein Coupé-Pendant ist das E-Cabrio trotz seines Namens im Grunde seiner Bodengruppe eine C-Klasse. Und damit nicht nur 40 Jahre, sondern auch zwei Klassen entfernt vom 280 SE 3.5. Der W111 hieß zwar nicht so, er war aber die S-Klasse seiner Epoche. Ein S-Klasse-Cabrio hat es seither nicht mehr gegeben, wenn man von der Designstudie Ocean Drive von 2007 absieht.

Was man nach wenigen Metern Fahrt im 280 SE durchaus bedauern kann. Jedenfalls sobald man sich nicht mehr über das erstaunlich knappe Platzangebot im offenen W 111 wundert. Die fülligen Fauteuils lassen sich nicht sehr weit nach hinten schieben, das große Lenkrad und der Kasten der Klimaanlage schränken den Spielraum zudem ein. Unser Exemplar verfügt über die aufpreispflichtige Viergangautomatik, der bleistiftdürre Wählhebel ragt aus der Mittelkonsole. Wenn er in der Stellung D einrastet, geht ein Ruck durch den großen Wagen. Für den normalen Inselverkehr reicht das Säuseln im Standgas. Wenn er aber auf den bergigen Straßen im Norden der Insel versucht, seinem modernen Markenkollegen zu folgen, muss der Achtzylinder doch ein wenig ballern. Und hat dennoch nicht den Hauch einer Chance, dem E 250 CDI zu folgen.

SO FÄHRT DER GROSSE WAGEN
Der hat nicht nur das modernere Fahrwerk, bessere Bremsen, die exaktere Lenkung und haftungswilligere Reifen. Er hat vor allem einen knapp 2,2 Liter großen Common-Rail-Diesel unter der Haube, der zwar kaum mehr Leistung abwirft, dafür aber fast das Doppelte des maximalen Drehmoments aufbieten kann. Unspektakulär schiebt er über seine – ebenfalls aufpreispflichtige – Fünfstufenautomatik das E-Cabrio nach vorn. Und falls immer noch jemand Zweifel am automobilen Fortschritt hat: Der CDI benötigt dafür im Drittelmix nur 5,8 Liter Dieseltreibstoff. Die rund dreifache Menge Super Plus will der V8 im 280 SE für nicht ganz so gute Fahrleistungen. Ein identisch motorisierter 280 SE, der 1971 das Testprogramm der AUTO ZEITUNG durchlief, verzeichnete etwa einen Testverbrauch von 16,9 Litern.

Und der Neue ist nicht nur an der Tankstelle eine Wohltat. Man sitzt besser, kann die Vorzüge von Airscarf und Aircap genießen, hat eine effektive Klimaanlage und Sitzheizung. Ob er deswegen die Spaß-Wertung gegen den Alten gewinnt? Das ist Ansichtssache. Verglichen mit dem 280 SE wieselt der E 250 geradezu um Kurven, lenkt sauber und zielgenau ein, verzögert auf den Punkt und wirkt in allen Lebenslagen narrensicher. Im alten Mercedes stellt sich ein ganz anderes Fahrgefühl ein.

Das riesige, weiße Lenkrad und die Vorderräder scheinen nicht wirklich direkt miteinander verbunden zu sein, die Reifen quietschen schon bei minimaler Querbeschleunigung, und die Bremsen – nun ja – sie bremsen. Gerade deswegen wird der 280 SE zur Zeitmaschine. Er fährt sich wie der sprichwörtlich große Wagen, so als würde Andreas Baader ihn statt eines Iso Rivolta klauen. So wie man sich als kleiner Junge einen Mercedes vorstellt. Die Luft weht ungefiltert ins Interieur, und das Leder auf den Sitzen ist so dick, dass man daraus Reitstiefel schustern könnte. So hat man damals Autos gebaut, bei Mercedes in Sindelfingen.
Heinrich Linger

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8-Zylinder, 2-Ventiler
Hubraum2499
Leistung
kW/PS
1/Min

149/203
5800 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
286
4000 U/min
Kraftübertragung 
Fahrwerk 
Bremsenv: Scheiben
h: Scheiben
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1750
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)10
Höchstgeschwindigkeit (km/h)210
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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