Mercedes CLS 400: Mit dem gefacelifteten Coupé durch London London calling

10.01.2017

Mehr Fashion, mehr Dampf, mehr Moderne. Wir erobern die englische Hauptstadt im neuen Mercedes CLS 400

Mit dem CLS hat Mercedes ja schon immer alles richtig gemacht: Glamouröses Design mischte sich mit einem guten Schuss Verwegenheit, wurde derweil von fühlbarer Anfass-Qualität  komplimentiert, und unter der Haube prunkten nur die besten Stücke aus der Untertürkheimer Motoren-Kollektion: druckvoll, geschmeidig, sauber. Ermutigt vom durchschlagenden Erfolg der ersten Generation ab 2004 wurde in der zweiten Auflage 2011 dann ein radikaler Shooting Brake nachgelegt – und mit dem nun vorgestellten Facelift gehen die Schwaben weiter an die Grenzen des Konzepts.

 

Mercedes CLS 400 in London: Facelift und neuer Biturbo-V6

Das Design wird um entscheidende Prisen frischer, muskulöser und strahlender, im Interieur wechselt man neben dezenten Detail-Überarbeitungen auf die neue Hauslinie mit freistehendem Acht-Zoll-Multimedia-Monitor. Mercedes-Chefdesigner Gorden Wagener soll ein ausgesprochener Fan dieser Lösung sein.

Hier dürfen aber nicht nur die überarbeiteten Navigations-Grafiken glänzen, sondern vor allem rückt die zunehmende Vernetzung des neuen CLS ins Rampenlicht: Internet, Wetter- und Service-Apps, Facebook, Google oder der Mercedes-eigene Kunden-Dienst connect.me – hier ist alles möglich, selbst der schnelle Füllstand-Check des CLS-Tanks per Smartphone vom Wohnzimmersofa aus.

Die neue CLS-Generation wird darüber hinaus auch mit den aktuellsten Sicherheits-Zutaten aus der S-Klasse aufgerüstet, ein sattes Pfund an Assistenzsystemen lässt den CLS mit hellwachen Radaraugen durch die City stromern oder über die Autobahn gleiten. Im Ernstfall bremst der neue CLS bei plötzlichen Hindernissen oder Auffahrgefahr selbsttätig – diese Technologie (Collision Prevention Assist Plus) ist sogar serienmäßig an Bord.

Während wir auf der M25, Londons notorisch überfüllter Ringautobahn, dahinströmen, scheinen solche Features an Bedeutung zu verlieren. Sobald der CLS aber an einem der unzähligen Knotenpunkte in den nächsten Stau rollt, ändert sich unsere Perspektive blitzschnell: Im zähfließenden Verkehr bremst die Spur neben uns abrupt bis zum Stillstand, und natürlich hat wieder ein armer Teufel ausgerechnet in diesem Moment nicht aufgepasst.

Es rummst dumpf, im Rückspiegel sehen wir noch, wie die haareraufende  Begutachtung des Schadens ihren Lauf nimmt. Gut, dass der CLS hier mit aufpasst, denn: Who’s perfect! Wer ist schon perfekt? Und gut auch, dass wir es noch rechtzeitig von der Bahn geschafft haben – Londons Dauer-Verstopfung verwandelt sich nun hinter uns in eine ausgewachsene Blockade. Nichts geht mehr.

Summend fliegt der CLS 400 stadteinwärts, die Laufkultur des neuen Biturbo-V6 ist bestechend, und seine lässige Durchzugskraft macht richtig Freude. Genau diesen Motor haben wir uns von Mercedes gewünscht, er passt perfekt zur Markenphilosophie: luxuriöser Charakter mit souveräner Leistung und seidigem Komfort, wohldosierte Sportlichkeit, die nie ins Hektische oder Aggressive abdriftet.

Der CLS 400 haucht mit sanftem Motor-Bass dahin, kurze Zwischensprints erledigt er auf sattem Drehmoment surfend: Einmal Spurwechsel im drängenden Londoner-Rhythmus gewünscht? Kein Problem, der CLS 400 katapultiert sich entspannt in die nächste offene Lücke. Die Siebenstufen-Automatik kommt in diesem Spiel dabei kaum einmal zum Herunterschalten. Sehr cool!

Dann haben wir es in die inneren Stadtbezirke geschafft, das Navigationssystem lotst uns herunter von den Hauptschlagadern, und wir landen vor der ersten Ampel. Stillstand, die Start-Stopp-Automatik stellt den Motor ab. Draußen lärmen Autoradios aus offenen Fenstern, wummern Lkw-Motoren, aber hier drinnen herrscht Ruhe.

 

DER NEUE BITURBO-V6 IST BESTECHEND

Auch das hat der CLS immer schon gut hinbekommen: Obwohl er ein so dynamisches Coupé ist, lebt er auch von den kultivierten Mercedes-Genen, die nicht einmal nur etwas mit ausgeprägtem Komfort zu tun haben, sondern mit der Summe angenehmer Einzel-Phänomene. In Kurzfassung: Im perfekt geschnittenen CLS-Interieur hält man sich einfach gern auf.

Wenige Sekunden später rollt die Blechlawine wieder, und während aus den Gesichtern ringsum die Langeweile oder Entnervung spricht, haben wir den nächsten Genuss-Level erreicht. Beim Mercedes CLS verbindet sich die  Eleganz der fließend geschnittenen Maschine mit dem tatsächlichen Fahrverhalten: Komprimiert, direkt ansprechend und energisch, aber auch völlig unaufgeregt kurvt das viertürige Coupé durch die Stadt. Stop-and-go, Schritt, Trab oder Galopp, irgendwie macht hier alles Freude.

Und der CLS ist eine Erscheinung. Er ist nicht aufdringlich oder laut, aber er ist auch keineswegs gewöhnlich. Irgendwie ahnt man, dass die Leute diesem Auto gern hinterhersehen. Möglicherweise ohne sich später bewusst an etwas erinnern zu können, aber mit dem Gefühl, etwas Angenehmes beobachtet zu haben. Wie eben ein Gentleman-Coupé gemacht sein sollte.

Irgendwann haben wir alles gesehen: Das grau und träge dahinwalzende Wasser der Themse, die stolzen Türme des Westminster-Palace, wir haben eine Runde auf dem Kopfsteinpflaster rund um die Royal Albert Hall gedreht – und deshalb geht es jetzt ein letztes Mal über die Tower Bridge. Dann verlassen wir die Stadt in südöstlicher Richtung.

Ab auf die A3, und hinter Haslemere nehmen wir sowieso die kleinen Hohlwege und Alleenstraßen, die runter bis ans Meer führen. Der 333-PS-V6 schiebt schnaubend an, der CLS powert ganz energiegeladen dahin. Wie das eben die richtig guten Coupés so machen.

Johannes Riegsinger

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