Mercedes CLA 220 CDI Shooting Brake: Test des Lifestyle-Kombis Rassig schönes Sternchen

09.05.2015

Der neue CLA Shooting Brake ist nicht Kombi und nicht Coupé – dafür aber ein echter Mercedes mit prallen Kurven und ausreichend Nutzwert. Test

Vergessen Sie für eine Weile die Vernunft. Verdrängen Sie alte Bewertungsmuster, nach denen nur Platz, Komfort oder Alltagsnutzen zählen. Und streichen Sie einmal die Begriffe „C-Klasse“, „T-Modell“ und vor allem „Kombi“ aus  Ihrem Auto-Wortschatz. Sie sind jetzt kein traditioneller Neuwagenkäufer mehr, begeistern sich eher für Mode, Design und Lifestyle und haben auch noch nie einen Mercedes besessen. Jetzt konzentrieren Sie sich bitte auf den neuen CLA Shooting Brake. Auf die dynamische Linie, die stimmigen Proportionen und das von allen Seiten spitz zulaufende Heck. Schick – nicht wahr? Sollte Ihnen das Experiment gelungen sein, haben Sie soeben durch die Augen derjenigen gesehen, für die dieses Auto gebaut wird.

 

Mercedes CLA 220 CDI Shooting Brake: sparsamer Antrieb, gute Fahrdynamik

Es ist genau jene Klientel, für die Mercedes seit Jahren die Segmentlücken wie kaum ein anderer Hersteller füllt. Ob CLS, CLA, GLA oder GLE – der Erfolg gibt den Schwaben recht. Der CLA Shooting Brake, der wie der CLA technisch von der A-Klasse abstammt, ist nun das fünfte Modell auf der Frontantriebs-Plattform. Gleich das Wichtigste vorweg: Auf der Rücksitzbank können im Gegensatz zum viertürigen Coupé nun endlich auch Erwachsene bequem Platz nehmen. Gründe sind die höhere Dachlinie und die um vier Zentimeter gewachsene Kopffreiheit. Ein Raumwunder ist aus dem immerhin 4,63 Meter langen Shooting Brake aber nicht geworden. Traditionalisten mit mehr Platzanspruch sollen im Sinne von Mercedes eben zur C-Klasse greifen.

Auf den zwei vorderen Plätzen gibt es aber auch im CLA keinen Grund zur Klage. Nur die dicken Türgriffe schränken die Bewegungsfreiheit vorn – wie auch hinten – etwas ein. Und der Controller auf der Mittelkonsole ist etwas nah am Oberschenkel des Fahrers montiert, sodass es hin und wieder zu ungewollten Berührungen oder gar zur Fehlbedienung von Navigationssystem oder Bordcomputer kommen kann.

Der Kofferraum des CLA Shooting Brake hält als Fünfsitzer beachtliche 495 Liter bereit. Allerdings ist die Heckklappe (elektrisch betätigt: 464 Euro) für sperrige Güter deutlich zu schmal und die Ladekante etwas hoch. Die Rücksitze lassen sich aber einfach zu einer ebenen Ladefläche umklappen und sorgen dann für einen fein mit dicken Dämmstoffen ausgeschlagenen Stauraum mit 1354 Litern.

Für 143 Euro extra bietet Mercedes das Laderaum-Paket an: Dafür gibt es nicht nur Netztaschen und einen Zwölf-Volt-Anschluss im Heck, sondern auch die Cargostellung der Fondsitzlehnen. Diese lassen sich dann in einer 15 Grad steileren Stellung arretieren und erweitern das Kofferraumvolumen auf 595 Liter – während man immer noch, wenn auch nicht besonders bequem, auf der Rückbank sitzen kann.

Überhaupt können sich Materialauswahl und Verarbeitungsqualität Daimler-typisch sehen lassen. Und die Sicherheitsausstattung setzt in dieser Klasse Maßstäbe. Notbremsassistent, Abstands- sowie Müdigkeitswarner, Reifendruckkontrolle und Notruftaste sind bereits beim Basismodell CLA 180 serienmäßig an Bord – Presafe (392 Euro), hintere Seitenairbags  (446 Euro), Bi-Xenonscheinwerfer mit variabler Lichtverteilung und Kurvenlicht (1666 Euro) sowie Spurwechsel- und -halteassistenten (beide 928 Euro) gibt es gegen Aufpreis.

 

CLA Shooting Brake: deutlich mehr Platz als im Coupé

Der 1,6-Liter-Benziner mit 122 PS ist ab 29.810 Euro zu haben. Damit kostet der Shooting Brake gerade 595 Euro mehr als das viertürige Coupé. Teuerstes Modell in der Palette ist der CLA 45 AMG mit Allradantrieb und 360 Turbo-PS für 57.269 Euro. Zum ersten ausführlichen Test haben wir den beliebten CLA 220 CDI (39.062 Euro) bestellt, den es nur mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe 7G-DCT (Double-Clutch-Transmission) gibt.

Mit seinen 177 PS bietet der fast 2,2 Liter große Turbodiesel ausreichend Kraft für sportliche Fahrleistungen. Aus dem Stand geht es bei Vollgas jedenfalls nach kurzem Scharren der Vorderräder beachtlich voran. In nur 7,9 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, und selbst die 220-km/h-Marke durchbricht der kompakte Kombi – pardon: Shooting Brake – mühelos.

Sicher hätte der Anfahrkomfort im ersten Gang des 7G-DCT noch sanfter abgestimmt werden können, und auch der Motor könnte unter Last bei niedrigen Drehzahlen und im Stand von außen weniger rau klingen. Doch sparsam ist dieser Antrieb allemal. Auf der Normrunde der AUTO ZEITUNG, zu der auch ein kleiner Volllast-Anteil auf der Autobahn gehört, verlangte der CLA 220 CDI nur 6,3 l/100 km.

Dabei geht der Komfort auf ebener Strecke mit den 17-Zoll-Rädern in Ordnung. Nur auf schlechten Pisten wünscht man sich eine etwas feinfühligere Vorderachse.  Traktionsschwächen offenbart der CLA dagegen nicht – trotz 350 Newtonmeter Drehmoment. Selbst das enge Pylonen-Geschlängel des Slalomparcours durcheilt der Schwabe wiesel ink. Hier und auf dem abgesperrten Handlingkurs gefallen zudem die sehr direkte Lenkung und die bissigen Bremsen. Nach einer Vollbremsung aus 100 km/h steht der 1,6 Tonnen schwere Shooting Brake sicher nach rund 34 Metern.

Und das mit den eher auf Komfort ausgelegten Michelin-Reifen. Die deutlich dynamischere Sportausstattung samt 18-Zoll-Conti-Sportbereifung gibt es beim CLA Shooting Brake nur mit dem 211 PS starken Turbobenziner und Allradantrieb im CLA 250 Sport 4Matic. Doch der ist mit 45.577 Euro deutlich teurer und bringt mit 350 Newtonmetern auch nicht mehr Drehmoment auf als der CLA 220 CDI. Dann doch lieber den sparsamen Diesel nehmen, denn auch den gibt es optional mit Allradantrieb 4Matic (2213 Euro extra).

TECHNIK
 

Mercedes CLA 220 CDI Shooting Brake
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel
Hubraum 2143 cm3
Leistung 130 kW/177 PS bei 3400 - 4000/min
Max. Drehmoment 350 Nm bei 1400 - 3400/min
Getriebe 7-Gang, Doppelkupplung
Fahrwerk vorn: McPherson-Federbeine, Querlenker, Stabilisator; hinten: Mehrfachlenkerachse, Federn, Dämpfer, Stabilisator; ESP
Bremse rundum innenbelüftete Scheiben; ABS, Bremsassistent
Reifen 225/45 R 17 W,
Michelin Primacy HP MO
Felge 7,5 x 17
L/B/H 4630/1777/1435 mm
Radstand 2699 mm
Leergewicht/Zuladung 1587 kg / 463 kg
Kofferraumvolumen 495 - 1354 l
Abgasnorm Euro 6
Typklassen HP 18/VK 24/TK 24
Messwerte 0-100 km/h in 7,9 s
Höchstgeschwindigkeit1 228 km/h
Bremsweg 100-0 km/h kalt/warm 34,1 m/33,7 m
Verbrauch 6,3 l D/100 km
EU-Verbrauch1 4,0 l D/100 km
CO2-Ausstoß1 105 g/km
Grundpreis 39.062 Euro
¹ Werksangaben

Unser Fazit

Auch wenn der neue CLA Shooting Brake bei ähnlich hohem Preis nicht ganz so viel Nutzwert bietet wie ein klassisches C-Klasse T-Modell, wird er für viele Kunden doch die bessere Wahl sein. Das schicke Design und der extravagante Auftritt sprechen für sich. Sicherheitsausstattung und Verarbeitungsqualität liegen Mercedes-typisch auf hohem Niveau. Mit starkem Dieselmotor allerdings auch der Preis.

Markus Schönfeld

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