Mercedes CLA 2015 Sport, Citroen DS5, Mini JCW & VW Beetle: Vergleich Keine Hausmannskost

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor / Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt / Kosten
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Wir haben vier bezahlbare Autos gesucht, die das Design weit vor den Nutzwert stellen – und gefunden: Citroën DS5, Mercedes CLA, Mini Paceman und VW Beetle brechen mit den gängigen Konventionen und bringen Farbe ins automobile Grau-in-Grau. Vergleichstest

Schön, dass es sie gibt. Die Dinge im Leben, die wir nicht aus purer Vernunft kaufen, sondern schlicht und einfach, weil sie uns gefallen und wir endlich wieder unvernünftig sein können! Klar ist ein VW Golf ein nahezu perfektes Auto, doch ob wir auch nach Jahren noch mit einem Lächeln auf den Lippen einsteigen?

Wohl eher nicht. Aber es gibt sie, die Typen, an denen unser Auge einfach hängen bleibt und man unweigerlich mit der Hand über das Blech streichen möchte. Citroën DS5, Mercedes CLA, Minis Paceman und der Beetle von VW sind genau solche Typen. Ob sie einem gefallen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Schönheit liegt nun einmal im Auge des Betrachters. Ob sie aber ausschließlich den Lifestyle beherrschen oder im Alltag gar negativ auffallen, das wollten wir genau wissen.

 

Karosserie

Keine Frage, bei der Gestaltung der Karosserien der vier Schönlinge folgte die Funktion ganz eindeutig dem Design. Die Folge: In puncto Raumangebot und Rundumsicht muss man teils ganz schön leidensfähig sein. Dies gilt besonders für die Fondinsassen von Mercedes und Beetle. Während Mitfahrer im CLA ab 1,80 Meter Körpergröße Kontakt mit dem Fahrzeughimmel aufnehmen, mangelt es im Beetle vorrangig an Beinfreiheit. Überm Scheitel ist dank der klug ausgeformten Kofferraumklappe zwar erstaunlich viel Luft, doch wehe, wenn man den Kopf zur Seite bewegt. Dann nimmt man entweder schmerzhaften Kontakt mit dem Beisitzer auf oder aber mit der harten Verkleidung der C-Säule, die dem Kopf gefährlich nahe kommt. In Mini und DS5 geht es eine ganze Ecke entspannter zu.

In der ersten Reihe gibt es bei allen vieren wenig Grund zur Klage, Unterschiede aber sehr wohl. Im französischen Avantgardisten drückt die flache Karosserielinie Großgewachsenen aufs Haupt, besonders, wenn wie im Fall des Testwagens das optionale Glasdach an Bord ist. Zudem schränkt der hoch aufragende Mitteltunnel das Raumgefühl ein. Den dunklen CLA-Innenraum lässt die hohe Fensterlinie kleiner wirken als er tatsächlich ist. Darunter leidet auch die Rundumsicht. Unübersichtlicher ist nur noch der Citroën, dessen Abmessungen sich nur schwer abschätzen lassen. Am besten lässt sich noch der Paceman rangieren, während die stark abfallende Beetle-Motorhaube für den Fahrer nicht einsehbar ist.

Beim Blick auf die Sicherheitsausstattung wird schnell klar, dass der Stuttgarter das umfangreichste Schutzpaket für die Insassen schnürt: Abstands- und Müdigkeitswarner sind serienmäßig an Bord, Helferlein wie einen Abstandsregeltempomaten samt Notbremsassistenten, Totwinkelwarner, Verkehrszeichenerkennung oder gar hintere Seitenairbags sind nur für den noch recht frischen CLA erhältlich. Besonders Mini und VW müssen bei der Abfrage nach den gängigsten Assistenzsystem auffallend oft passen, für den Citroën sind immerhin ein Spurhalte- sowie ein Fernlichtassistent optional zu haben. Auch bei der Qualitätsanmutung hat der Stern in diesem Quartett die Nase vorn: Der CLA ist nicht nur gut verarbeitet, besonders der Innenraum macht einen edlen Eindruck.

Ein Lob verdient auch der Citroën, bei dem das Bemühen der Franzosen, den DS5 im Premium-Segment zu positionieren, anseh- und spürbar ist. Mini und VW können nicht ganz mithalten. Der Paceman kann die Erwartungen, die an ein derart kostspieliges Premium-SUV gestellt werden, bei näherer Betrachtung nicht ganz erfüllen. Der Beetle ist zwar penibel verarbeitet, doch kommt im gesamten Cockpitbereich kein geschäumter Kunststoff zum Einsatz.

 

Fahrkomfort

Obwohl nur der DS5 Hybrid ohne Sportfahrwerk zum Test antrat, sammelt er beim Federungskomfort die wenigsten Zähler. Dafür verantwortlich ist neben der großen 19-Zoll-Optionsbereifung das verbesserungswürdige Ansprechverhalten der Federelemente. Unebenheiten werden nicht nur zu direkt weitergegeben, was sich unter hoher Zuladung noch verschlechtert.

Das Ganze wird auch noch von lauten Fahrwerksgeräuschen begleitet. Wie es besser geht, zeigt vor allem der CLA 250 Sport. Trotz der bei diesem Modell serienmäßigen Tieferlegung werden Fahrbahnschäden sauber verarbeitet. Einzig bei kurzen und tiefen Bodenwellen zeigt er Schwächen – hier mangelt es ihm schlicht an Federweg. Der Beetle 2.0 TSI in der Sport-Ausführung ist ebenfalls recht straff abgestimmt, die Insassen sind aber stets stärker in Bewegung als im CLA. Obwohl es sich beim John Cooper Works um die schärfste Paceman-Version handelt, lässt es sich mit dem Federungskomfort durchaus leben.

Der Mini profi tiert hier von den üppigeren Federwegen seines Fahrwerks. Dafür muss das SUV-Coupé in Sachen Geräuschkomfort einige Federn lassen: Nicht nur die Messwerte outen den Briten als das lauteste Auto, auch das subjektive Empfinden lässt daran keinen Zweifel aufkommen. Und auch wenn CLA und Beetle hier als Sportvarianten antreten, dürften viele den kräftige Basston der Sportauspuffanlagen selbst bei gemächlicher Fahrt auf Dauer als störend empfinden, zumal sich der kräftige Klang nicht abstellen lässt. Den besten Geräuschkomfort sowie die bequemsten Sitze vorn wie hinten bringen dem DS5 den Kapitelsieg – mit hauchdünnem Vorsprung vor dem Mercedes CLA.

 

Motor / Getriebe

Leistungsmäßig liegen die vier Designer-Stücke eng zusammen. An der Spitze rangiert der Paceman JCW, der aus seinem 1,6-Liter- Turbobenziner satte 218 PS holt. Doch trotz des leichten PS-Vorteils muss er sich beim Sprint auf Tempo 100 CLA und Beetle, die aus zwei Liter Hubraum 211 beziehungsweise 210 PS schöpfen, geschlagen geben. Obwohl der VW im Gegensatz zum CLA 250 Sport 4Matic die Kraft nur über die Vorderräder auf die Straße bringt, kann er den Benz um zwei Zehntel distanzieren.

Verantwortlich dafür ist neben dem offensichtlich sehr gut im Futter stehenden Turbomotor das sehr schnell schaltende Doppelkupplungsgetriebe, das die Gänge ruckfrei wechselt. Der CLA hat ebenfalls ein Doppelkupplungsgetriebe, allerdings schaltet es nicht ganz so zackig hoch wie das Beetle-DSG. Dafür senkt der zusätzliche siebte Gang die Drehzahlen im oberen Geschwindigkeitsbereich. Als einziger setzt der Mini hier auf ein Schaltgetriebe – und das ist keinesfalls von Nachteil.

Die Kupplung lässt sich perfekt dosieren, die sechs Gänge rasten auf kurzen Wegen exakt ein - viel besser geht es nicht. Vollkommen andere Wege bestreitet der DS5 HYbrid4. Unter der Motorhaube treibt ein 163 PS leistender Zweiliter-Turbodiesel die Vorderräder an, auf die Hinterräder wirkt ein E-Motor mit 37 PS – ergibt in der Summe 200 PS. Verwaltet wird die Kraft von einem automatisierten Schaltgetriebe. Doch Vorsicht: Auch wenn Sie imGeiste schon mit dem Kopf nach vorn wippen, sei gesagt, dass die Schaltvorgänge hier kaum zu spüren sind – zumindest bei gemächlicher Fahrt.

Während der Schaltpausen powert nämlich komfortfördernd der E-Antrieb und verhindert somit das unschöne „Headbangen“. Das gibt es nur bei vollem Leistungseinsatz, wenn das Getriebe nach einer gewissen Verzögerung herunterschaltet und den Gang erst nach einer gefühlten Ewigkeit einlegt. Auch die Fahrleistungen leiden unter den trägen Schaltvorgängen: Mit 8,9 s ist der Citroën knapp zwei Sekunden langsamer als der Paceman, auch die Höchstgeschwindigkeit ist mit 211 km/h die niedrigste. Vollkommen entlarvt wird das Hybridkonzept dann auf der Verbrauchsrunde: Mit 7,4 l/100 km ist der DS5 nur 1,2 Liter sparsamer als der VW Beetle und meilenweit entfernt von der vollkommen realitätsfernen Herstellerangabe von 3,3 l/100 km.

 

Fahrdynamik

In diesem Kapitel zahlt es sich für den CLA 250 aus, dass er als Allradler in der Sport-Ausführung zum Vergleichstest antritt. Er begeistert mit seinem agilen Fahrverhalten und fährt den Konkurrenten sowohl im Slalom als auch bei der Hatz nach der besten Rundenzeit auf und davon. Der CLA lenkt spontan ein, bleibt im Kurvenverlauf lange neutral und lenkt beim Gaswegnehmen sanft und gut kontrollierbar mit dem Heck ein.

Am nächsten kommt ihm noch der ebenfalls sehr fahraktive Mini Paceman. Trotz des Nachteils des höheren Aufbaus und des damit verbundenen höheren Schwerpunkts brennt er sowohl beim Slalom als auch bei der Rundenzeit den zweitbesten Wert auf den Asphalt. Großen Anteil an seinem handlichen Wesen hat die extrem direkte Lenkung, die selbst dem im Vergleich zum Standard-Mini gewichtigen Paceman einen Hauch von Gokart-Feeling verleiht.

Wer den Mini treibt und etwa das ESP deaktiviert, sollte gewarnt sein. Er drückt am stärksten mit dem Heck und fordert schnelle Reaktionen vom Fahrer, soll ein provozierter oder ungewollter Lastwechsel nicht in einem Dreher enden. Davon sind VW und Citroën weit entfernt, sie sind sichere Untersteuerer, wobei der Beetle deutlich mehr Spaß macht. Seine Lenkung kommuniziert toll mit dem Fahrer, und die Traktion ist für einen derart leistungsstarken Fronttriebler erstaunlich gut. Der DS5 hat mit übertriebenem Sportsgeist wenig am Hut, die gefühllose und indirekte Servolenkung erstickt sportliche Ambitionen bereits im Keim.

 

Umwelt / Kosten

Mit 42.781 Euro ist der CLA 250 Sport der mit Abstand Teuerste des Quartetts. In Anbetracht der aufwändigen Hybridtechnik kommt der DS5 mit 38.860 Euro gar nicht so teuer. Mini verlangt für den Über-Paceman 36.050 Euro, während der Beetle 2.0 TSI mit 26.300 Euro beinahe schon als Sonderangebot durchgeht und das Kapitel mit klarem Vorsprung für sich entscheiden kann.

Die umfangreichste Serienausstattung bringt der Citroën mit: Eine Klimaautomatik hat nur er ab Werk, und auch Bluetooth-Freisprecheinrichtung samt USB-Anschluss, Tempomat sowie Licht- und Regensensor sind schon dabei.

 

FAZIT

Allen vier Kandidaten sagen wir Danke: Dafür, dass sie einfach anders sind als der automobile Einheitsbrei. Das Rennen unter den vier Lifestyle-Autos macht der Mercedes CLA. Die coupéhafte Limousine bereitet in der Sport-Ausführung den größten Fahrspaß und punktet mit der umfangreichsten Sicherheitsausstattung, der Preis ist aber heftig.

Auf Rang zwei folgt der Beetle 2.0 TSI. Der Retro-VW ist nicht nur der Günstigste, er leistet sich mit Ausnahme des engen Fonds auch kaum Schwächen. Hauchdünn dahinter rangiert die Mischung aus SUV und Coupé, der Mini Paceman. Auch er ist ein echter Spaßbringer und bereitet mit seinem agilen Handling und der tollen Motor-Getriebe-Einheit Laune. Platz vier belegt der extravagante Citroën DS5 Hybrid, dessen Antriebskonzept aber nicht richtig aufgeht.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

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