Mercedes C-Klasse und Peugeot 508 gegen drei Konkurrenten Neue Mittelklasse - Vergleichstest

01.08.2011

Der neue Peugeot 508 und das jüngste Facelift der Mercedes C-Klasse unterstreichen nachdrücklich, wie bunt es in der Mittelklasse zugeht: Hier findet jede Auto-Leidenschaft ihre passende Ergänzung

Was noch vor wenigen Jahren als Schreckgespenst gefürchtet war – das fade, austauschbare Allerweltsauto – scheint immer unwahrscheinlicher zu werden. Gerade in der Mittelklasse legen die Autohersteller ein hohes Tempo und viel Phantasie vor, hier duelliert man sich von der Alltags- Basis bis hin zur Premium-Topvariante. Aktueller Stand: Nachdem erst vor kurzem der Topseller VW Passat rundum erneuert wurde, legt nun der französische Rivale Peugeot mit einem völlig neuen Weltpremiere in Paris: Der neue Peugeot 508 nach. Und auch Mercedes trägt mit der gründlich renovierten C-Klasse zur Vielfalt im Segment bei.

IDEAL PROPORTIONIERT UND KNACKIG: DER AUDI A4
An einem Kontrahenten kommt in dieser Klasse allerdings niemand vorbei: Mit dem Audi A4 haben die erfolgsverwöhnten Ingolstädter substanziell vorgelegt. Der A4 besitzt eine nahezu geniale Größe – nicht so überbordend wie ein Passat, nicht so eng wie ein Dreier-BMW – und spielt darüber hinaus das typische Audi-Design in Perfektion.

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Der A4 trägt eine fast ikonenhaft reduziert-sportive Eleganz vor – präzise Linien, muskulöser Körper, gekonnt ausbalancierte Emotion. Ob dieses Rezept in geringfügiger Evolution immer weiter fortgeführt werden kann, dürfte Bestandteil einer anderen Diskussion sein. Beim A4 funktioniert es jedenfalls hervorragend.

Im Innenraum setzt der Audi weitere Maßstäbe: Die Insassen können sich über ein großzügiges Platzangebot freuen, das selbst Großgewachsenen Luft lässt und trotzdem stets sportlich wirkt. Dies kombiniert Audi mit einem Interieur, das beim gesamten Wettbewerb immer wieder eine Frage aufwerfen dürfte: Wie bezahlen die das?

Selbst die Basis wirkt edel und ohne Ausnahme gut verarbeitet, die Stoffe sind schick, die Kunststoffe solide – bis hinauf zu den Top-Austattungen lässt man dann keine Gelegenheit aus, weiter in Sachen Leder, Alcantara, Hölzer zu schwelgen. Eine ähnliche Palette ist bei Ausstattung und Motoren zu vermelden: Als Basis gibt es „Auto pur“ – bis zum Ende der Preisliste kann man aber alle Komfort- und Hightech-Exzesse hinter sich haben.

Bei den Benzinern wie auch bei den Dieselmotoren konzentriert sich Audi – abgesehen vom 3.2 FSI – auf aufgeladene Direkteinspritzer. Die Spannweite reicht von 120-PS-Vierzylindern als Benziner und Diesel bis hin zu den großen Maschinen der Dreiliter-V6-Klasse. Überall ist eine Automatik zu haben, Allradantrieb (quattro) gibt es ab dem 140-PS-Diesel.

Apropos Auto pur: Der A4 ist ebenso übersichtlich wie funktional. Leichte Kritik könnte einem höchstens für die MMI-Bedienung des Multimedia-Systems einfallen, das zwar auf Anhieb zu beherrschen ist, aber nie ohne den einen oder anderen Blick nach unten auskommt.

REDUKTION AUF DAS WESENTLICHE: DER BMW 3er
Genau in diesem Fach hat der bayrische Rivale BMW früher am meisten Schelte bekommen – und ist mit der aktuellen iDrive-Variante im Dreier aber um einen Hauch am Audi A4 vorbeigezogen: Eng um den Mehrachs-Controller gruppierte Knöpfe mit fühlbaren Anrampungen lassen einen nach kurzer Eingewöhnungsphase jeden Menüpunkt ohne Sichtablenkung ertasten, die Funktion des gesamten Systems ist ebenso blitzschnell wie schlüssig.

Welcher ist der Richtige: Die große VW-Passat-Kaufberatung

Überhaupt Bedienung: Der Dreier wirkt in diesem Vergleich beinahe wohltuend einfach, die „Fahren, Basta“-Philosophie hat System. Der 3er will einfach nur das fahraktivste, reduzierteste Auto seiner Klasse sein – und genau das merkt man dem mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen, aber ausgereiften BMW an.

Kompakte Abmessungen, die gut einzuparken und zu überblicken sind sowie auch auf der emotionalen Seite alle Sympathiepunkte holen: Dieses Auto ist eine knappe halbe Schuhnummer kleiner als der A4 und glatte zwei im Vergleich mit Boliden wie dem Passat oder dem Peugeot 508 – der Münchner wirkt einfach drahtiger, aufgeweckter, bescheidener.

Dieses Handling-Konzentrat muss man sich jedoch paradoxerweise als Luxus leisten können und wollen. Denn als Familienkutsche taugt der 3er nur bedingt, sein Raumangebot ist besonders im Fond gerade noch ausreichend. Hinzu kommt, dass der Dreier kein billiges Vergnügen ist, ein wenig Ausstattungsluxus treibt den Kaufpreis mit großen Schritten in für diese Klasse verblüffende Regionen.

Die Vierzylinder-Sauger, mit denen BMW bei den Benzinern einsteigt, glänzen zwar mit einer sehr komplexen Benzin-Direkteinspritzung und recht günstigen Verbräuchen – müssen sich aber von den aufgeladenen Motoren der Konkurrenz abhängen lassen. Der BMW-typische Fahrspaß kommt erst mit den großen Reihensechszylindern auf. Bei den Dieselmotoren entspannt sich das Bild. Hier bietet BMW durchweg exzellente Triebwerke – sowohl was den Verbrauch als auch das Temperament anbelangt.

Von Audi bis VW: Alle aktuellen Kaufberatungen

Am Ende ist der BMW Dreier wohl die kompromissloseste Wahl: viel Geld für ein spritziges, lustvolles Automobil, das mit dem typisch ausgereiften BMW-Charisma daherkommt und dafür weder allzu viel Komfort noch Platz bietet.

EBENSO KOSTSPIELIG WIE HARMONISCH: DIE C-KLASSE
Auch Mercedes leistet sich in diesem Segment ein kleines Auto, die C-Klasse ist kaum größer als ein Dreier-BMW. Um die hohen Preise zu rechtfertigen, haben die Stuttgarter beim aktuellen Facelift kräftig angepackt: Das Interieur wirkt sowohl durch eine Vielzahl von Metall-Akzenten als auch große Zierleisten oder ein Lenkrad mit metallisch glänzender Zierspange deutlich hochwertiger als das des Vorgängers. Den größten Beitrag zum neuen Oberklassen-Look leistet allerdings der nun fest in der grob genarbten Instrumententafel integrierte Multimedia-Monitor. Die vorherige Ausfahr-Lösung sah dagegen doch stets arg gebastelt aus.

Auch im Mercedes kann die Multimedia-Navigations-Bedienung über den Drück/Dreh-Steller des Comand-Systems überzeugen. Im Vergleich sind hier noch weniger Knöpfe zu bewältigen, da Mercedes fast ausschließlich auf Menübedienung setzt und nicht – wie beispielsweise BMW beim aufwändigen iDrive – eine Funktions-Doppelung durch Hard-Keys, also Knöpfe, anbietet.

Funktional ist die C-Klasse über jeden Zweifel erhaben, kleinere Eigenarten wie die Einhebelbedienung für Scheibenwischer und Blinker kompensiert der kompakte Mercedes durch Spezialitäten wie die Sitzeinstellungslogik in der Tür oder die genial einfache Tempomat-Bedienung.

Außer dem neu gestalteten Interieur und einem deutlich sportlicheren Exterieur glänzt die C-Klasse mit Mercedes-typischen Sicherheits-Features wie zum Beispiel Müdigkeitserkennung, Abstandsradar oder Toter-Winkel-Warner, die aus den größeren Klassen nun langsam nach unten schwappen.

Motorseitig stellt Mercedes die C-Klasse bei den Vierzylinder-Benzinern vollständig auf direkteinspritzende Turbomotoren um, in Verbindung mit Heckantrieb und Handschaltung ist immer auch eine Start-Stopp-Automatik mit an Bord. Letzteres gilt ebenfalls für die drehmomentstarken Vierzylinder-Dieselmodelle.

Der wahre Reiz der teuren C-Klasse liegt jedoch in den für Mercedes-typischen Marken-Genen: Sie ist ausgewogen, komfortabel, maßvoll; mit dem Facelift bekommt der kleine Benz dazu eine schöne Schippe Frische und Dynamik ab.

GROSS, GESCHMEIDIG, ENGAGIERT: DER PEUGEOT 508
Im Vergleich dazu ist der Peugeot komplett neu: Während der Vorgänger 407 noch mit aggressivem Haifischmaul auf Kundenfang ging, ist der neue 508 elegant und zurückhaltend gestylt. Ein dickes Plus ist in Sachen Größe und Raumangebot zu verbuchen, der Peugeot 508 fährt schon beinahe in der Oberklasse mit. Besonders im Fond machen sich diese üppigen Abmessungen bemerkbar, aber auch in der ersten Sitzreihe profitieren Fahrer und Beifahrer vom großzügigen Raumangebot.

Stilistisch setzt Peugeot auf geschmackvolle Harmonie, das Cockpit wirkt modern, übersichtlich und wertig. Komplizierter wird es dann, wenn größere Komfort-Ausstattungsumfänge zu verwalten sind: Peugeot verteilt die Bedienelemente zwischen Lenkrad (14 Tasten!), Instrumententräger und einer Dreh/Drück-Steller-Einheit auf der Mittelkonsole, hinzu kommt ein Ausklapp-Fach links der Lenksäule, in dem sich die Bedienung für das optionale Head-up-Display verbirgt – eine zusätzlich aus der Instrumentenhutze ausfahrende, reflektierend beschichtete Glasscheibe. Das wirkt am Ende nicht wirklich unfunktional, aber doch sehr beschäftigt.

Überschaubarer geht es im Motorraum zu, es kommen sechs Triebwerke zum Einsatz. Das Angebot startet mit zwei 1,6-Liter-Benzinern als Sauger und Turbo und wird darüber hinaus hauptsächlich von Dieselmotoren (112 bis 204 PS) bestritten.

Der Peugeot ist der Günstigste des Quintetts. Mit seinem Charakter wendet er sich an Freunde der komfortablen Langstrecke, die eine elegante Alternative zum deutschen Mainstream suchen. Und die bekommen ein routiniert gemachtes Automobil mit anspruchsvollem Ausstattungsniveau.

VIELSEITIGER PERFEKTIONIST: DER VW PASSAT
An dieser Stelle lässt sich die aktuelle Bestandsaufnahme der Mittelklasse hervorragend mit dem VW Passat abschließen. Dank jüngst erfolgter Erneuerung ordnet er sich nun optisch widerstandslos zwischen Jetta und Phaeton ein, das regelrecht neutrale Design unterstreicht damit einerseits die globale Marken- Botschaft und lässt andererseits der Technologie den Vortritt.

Und die war ja schon immer so humorlos-werthaltig, wie es nun auch das Design sein darf: Mit dem Passat stellt VW nichts anderes als einen ressortübergreifenden Klassen-Maßstab auf die Räder. Unter der Haube bietet VW für jeden Anspruch etwas – vom Basis-Benziner über die effizienten Power-Diesel der Dienstwagen-Klasse bis hin zum beinahe unanständigen 300-PS-V6 – und richtet dieses umfangreiche Menü dabei auch gern mit dem exzellenten Doppelkupplungsgetriebe oder Allradantrieb an.

Seine schiere Größe setzt der Passat ohne Vertun in ein überaus geräumiges Interieur um. Drei Ausstattungslinien sortieren die Kaufwilligen in anspruchslose A-nach-B-Fahrer, wertkonservative Freunde des kleinen Ausstattungsglücks und investitionsfreudige Konsumjünger vor: Der Passat ist schlichtweg für alle da. Seine Funktionalität ist ohne Fehl und Tadel.

In der Mittelklasse ist wieder Musik drin. Wer am Ende den Ton angibt, wird demnächst ein ausführlicher Vergleichstest klären. Die Mercedes C-Klasse und der VW Passat sind deutlich aufgewertet worden. Die deutschen Hersteller sind jedenfalls enger zusammengerückt.

Die eigentliche Überraschung ist aber der neue Peugeot 508, der sich in diesem ersten Vergleich durchaus als günstige Alternative in seinem Fahrzeugsegment anbietet.
Johannes Riegsinger

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Alle technischen Details und Preise im Überblick

TECHNIK

AUDI A4 BMW 3er
MERCEDES C-Klasse
Motor Diesel:
88 kW/120 PS
bis 176 kW/240 PS;
Benziner:
88 kW/120 PS
bis 195 kW/265 PS
Diesel:
85 kW/115 PS
bis 210 kW/286 PS;
Benziner:
105 kW/143 PS
bis 225 kW/306 PS
Diesel:
88 kW/120 PS
bis 170 kW/231 PS;
Benziner:
115 kW/156 PS
bis 225 kW/306 PS
Fahrwerk v.: Fünflenkerachse,
Federn, Dämpfer,
Stabilisator;
h.: Mehrfachlenkerachse,
Federn, Dämpfer,
Stabilisator; ESP.
Lenkung: Zahnstange,
Servo, hydraulisch
v.: McPherson-Federbeine,
Querlenker, Zugstreben,
Stabilisator;
h.: Mehrfachlenkerachse,
Federn, Dämpfer,
Stabilisator; DSC (ESP).
Lenkung: Zahnstange,
Servo, elektro-mechanisch
v.: McPherson-Federbeine,
Dreifachlenker,
Stabilisator;
h.: Mehrfachlenkerachse,
Federn, Dämpfer,
Stabilisator; ESP.
Lenkung: Zahnstange,
Servo, hydraulisch
L/B/H (mm) 4703/1826/1427 4531/1817/1421 4591/1770/1447
Radstand 2808 mm 2760 mm 2760 mm
Kofferraum 480 l 460 l 475 l
Preise Diesel:
31.600 € bis
46.300 €
Benziner:
30.100 € bis
43.650 €
Diesel:
29.700 € bis
45.900 €
Benziner:
28.900 € bis
45.500 €
Diesel:
32.814 € bis
47.540 €
Benziner:
32.695 € bis
48.909 €

TECHNIK

PEUGEOT 508 VW Passat
Motor Diesel: 82 kW/110 PS
bis 150 kW/204 PS²;
Benziner: 88 kW/120 PS
bis 115 kW/155 PS
Diesel: 77 kW/105 PS
bis 125 kW/170 PS;
Benziner: 90 kW/122 PS
bis 220 kW/300 PS
Fahrwerk v.: McPherson-Federbeine,
Doppelquerlenker (Doppel-
Dreieckslenker, entk.
Achssch.¹), Stabilisator;
h.: Mehrfachlenkerachse,
Federn, Dämpfer, Stabi.;
ESP.
Lenkung: Zahnstange,
Servo, elektro-hydraulisch
v.: McPherson-
Federbeine, Querlenker,
Stabilisator;
h.: Mehrfachlenkerachse,
Federn, Dämpfer, Stabi.;
ESP.
Lenkung: Zahnstange,
Servo, elektro-mechanisch
L/B/H (mm) 4792/1853/1456 4874/1820/1470
Radstand 2817 mm 2712 mm
Kofferraum 515 l 565 l
Preise Diesel:
23.950 € bis 39.100 €²
Benziner:
23.050 € bis 32.000 €
Diesel:
26.225 € bis 38.000 €
Benziner:
24.425 € bis 41.425 €

¹ nur in Verbindung mit Variante "GT"; ² Ausstattungsvariante "GT"

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