Mercedes C-Klasse Coupé 2015: Abnahmefahrt Moderne Kunst

06.07.2015

Auf der IAA 2015 fallen die Hüllen beim neuen Mercedes C-Klasse Coupé. Wir nahmen schon jetzt bei der Abnahmefahrt Platz und waren ein Teil des feinen Blickfangs

Ein schöner Rücken kann auch entzücken? Von wegen! Zwar fängt diese Mercedes C-Klasse tatsächlich alle Blicke. Doch von der Kunst der schönen Kehrseite ist der jüngste Prototyp aus der Garage von Baureihenleiter Christian Früh noch weit entfernt. Denn es sind nicht die aufreizenden Kurven und die knackigen Proportionen, an denen die Augen haften bleiben. Sondern es ist eine schnöde Klebefolie, die den Silberling aus der Masse heraus hebt. Aber das soll sich bald ändern: Zur IAA (19.9. bis 27.9.2015) in Frankfurt zieht Früh blank und rollt als dritte Spielart der C-Klasse das neue Coupé ins Rampenlicht.

 

Premiere auf der IAA 2015: Mercedes C-Klasse Coupé 

Natürlich geht es dabei vor allem ums Design. Doch der Zweitürer will den Puls nicht nur mit scharfen Linien und verführerischen Proportionen beschleunigen. Sondern so, wie eine schöne Frau nicht nur angeschaut werden will, so will auch das Coupé an die Hand genommen und zu einem heißen Tanz geführt werden. Und das funktioniert auch im Tarnkleid schon so gut, dass einem selbst auf dem Beifahrersitz warm ums Herz und feucht am Rücken wird: Wenn der Klappenauspuff lustvoll gurgelt und Früh dem 245 PS starken Benziner über die Nebenstraßen rund um Sindelfingen treibt, dann glaubt man ihm aufs Wort, dass wir hier in der jüngsten und lebendigsten Variante der C-Klasse sitzen.
 
Dafür hat Frühs Mannschaft einiges getan: Man kauert in Sportsitzen, die nicht nur kräftiger ausgeschnitten sind und mehr Seitenhalt bieten, sondern die auch 20 Millimeter näher am Bodenblech montiert sind. Sie hat das Fahrwerk noch einmal 15 Millimeter abgesenkt und so stramm absgetimmt, dass man im Sportmodus jetzt tatsächlich einen Unterschied spürt. Sie hat die Programmierung der Automatik geändert und vor allem hat sie einen neuen Klappenauspuff eingebaut, der eine feurige Musik zu Frühs heißem Tanz spielt.
 
So sehr das C-Klasse Coupé dem Fahrer schmeichelt, so sehr müssen die Hinterbänkler Kompromisse machen. Zwar sitzt man auf der weiter nach vorn gewanderten Rückbank überraschend gut und mit ein bisschen Gemeinsinn in der ersten Reihe reicht hinten sogar die Kniefreiheit. Doch bis man erst einmal in den Fond geklettert ist, muss man sich ordentlich verrenken. Da ist es fast schon ein Hohn, dass sich der Vordermann jetzt nicht einmal mehr zum Anschnallen umdrehen muss. Denn genau wie in den Coupés von E- und S-Klasse gibt es jetzt auch für die zweitürige C-Klasse erstmals einen Gurtbringer.
 
Damit die Geschichte von Lust und Leidenschaft glaubwürdig bleibt  und das Coupé tatsächlich zum Pulsbeschleuniger für die C-Klasse wird, hat Früh die Motorpalette ein wenig zusammen gestrichen. Die Basstriebwerke passen so gar nicht zum sportlichen Anspruch und der Plug-In-Hybrid verbietet sich bei dem ohnehin schon geschrumpften Kofferraum von selbst. Also beginnt der Spaß beim C 180 mit 156 PS – und endet wahrscheinlich nur vorübergehend bei den 510 PS des Mercedes-AMG C 63 S Coupé. Denn wenn es ein Auto gibt, für das sich bei AMG mal wieder eine „Black Series“ aufdrängt, dann dieses.
 
Schick, sportlich und zumindest in der ersten Reihe ohne Einschränkungen alltagstauglich: Mit dem neuen Coupé hat Mercedes nicht nur gute Karten beim Schaulaufen mit der Konkurrenz – selbst wenn der Vierer BMW im nächsten Jahr analog zum Dreier ein Facelift bekommt und für 2016 auch der Nachfolger des Audi A5 auf dem Plan steht. Sondern der neue Benz in Bausch und Bogen könnte auch die interne Hackordnung gehörig durcheinander bringen. Denn so frisch und lebendig, wie sich die zweitürige C-Klasse anfühlt, stempelt sie das Coupé der E-Klasse gar vollends zum Altherren-Auto ab. Und als wäre das noch nicht genug, geht es bald auch dem E-Klasse Cabrio an den Kragen. Denn dass die C-Klasse bald auch oben ohne vorfährt, ist in Stuttgart buchstäblich ein offenes Geheimnis.

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