Mittelklasse-Limousinen im Vergleich: Mercedes C 250 BlueTEC vs. BMW 325d Auf Augenhöhe

16.09.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

BMW 3er oder Mercedes C-Klasse – das ewige Duell geht in die nächste Runde. Ausgerüstet mit kräftigen wie sparsamen Bi-Turbodieseln, beanspruchen beide den Thron im Segment der Premium-Mittelklasse-Limousinen für sich. Vergleichstest

Seit 1975 ist die dynamische 3er-Reihe die tragende Säule im BMW-Modellprogramm. Mercedes stieg erst 1982 mit dem im Volksmund „Baby-Benz“ genannten Typ 190, dem Vorläufer der C-Klasse, in das Mittelklasse-Segment ein. Die Rollen waren fortan für viele Jahre stets gleich verteilt: Der BMW war der Sportliche, der Mercedes der Komfortable. Doch von Generation zu Generation näherten sich beide Kontrahenten immer weiter an. Der 3er wurde geräumiger und komfortabler, und die C-Klasse lernte schließlich das Kurvenflitzen.

Die aktuellsten Ausbaustufen sind mehr denn je Alleskönner, die verschiedenste Ansprüche erfüllen möchten. Doch welcher der vielseitigen Limousinen gelingt der schwierige Spagat zwischen Sportlichkeit und Reisekomfort am besten? Zur Klärung treten an: der BMW 325d mit 218 PS und der Mercedes C 250 BlueTEC mit 204 PS.

 

KAROSSERIE

Geräumiger BMW, hochwertiger Mercedes

Premium-Mittelklasse-Modelle verfügen heutzutage über eine wahre Flut an Funktionen, von denen vor gar nicht allzu langer Zeit selbst ein Oberklasse-Fahrer nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Entsprechend wichtig ist ein übersichtliches und logisch strukturiertes Bedienkonzept. Der BMW 3er profitiert von einem der momentan besten Bediensysteme überhaupt.

über den iDrive-Controller auf der Mittelkonsole gelingt das Einstellen von Navigation, Multimedia oder Telefonie mühelos. Klar strukturierte Menüs helfen bei der Orientierung maßgeblich. Die weiteren Stärken des BMW-Innenraums: die tadellose Ergonomie sowie das gute Raumangebot.

Umstieg in den Mercedes: Mit einem satten Geräusch fällt die Tür ins Schloss. Das gesamte Interieur verströmt ein hohes Maß an Solidität. Sämtliche Materialien fühlen sich hochwertig an und vermitteln den Eindruck, dass dies auch etliche Jahre so bleibt. Tasten, Schalter und Regler rasten feinfühlig und exakt. Ganz klar, die aktuelle C-Klasse spielt in Sachen Material- und Verarbeitungsgüte eine Klasse höher als der 3er, der beispielsweise im unteren Bereich der Mittelkonsole mit wenig handschmeichelndem Hartplastik enttäuscht.

Dafür bietet der Mercedes etwas weniger Platz. Gerade hinten sitzen Erwachsene im BMW aufgrund des besseren Raumangebots spürbar entspannter als im Mercedes. Und auch die Bedienung der zahlreichen Funktionen geht im Benz weniger intuitiv von der Hand als beim BMW – und das, obwohl der Schwabe verschiedene Arten der Bedienung offeriert.

Die C-Klasse überlässt es nämlich dem Nutzer, ob er Infotainment, Klimatisierung und das allgemeine Fahrzeug-Set-up mit einem Dreh-/Drücksteller oder über eine darüber liegende berührungssensitive Oberfläche steuert. Allerdings macht der Mercedes seinem Fahrer das Leben mit seiner verschachtelten Menüstruktur unnötig schwer – jedenfalls anfänglich. Nach einer gewissen Eingewöhnung verliert das komplexe System einiges von seiner Undurchsichtigkeit.

Pluspunkte sammelt der Daimler durch seine umfassende Sicherheitsausstattung. Kaum ein Mittelklasse-Modell bietet derzeit so viele Assistenten, darunter einen Müdigkeitswarner (Serie), einen City-Notbremsassistenten (1148 Euro) oder eine 360-Grad-Kamera (1607 Euro).

BMW 325d Mercedes C 250 BlueTEC
218 PS 204 PS
0-100 km/h in 6,4 s 0-100 km/h in 7,3 s
Hinterradantrieb Hinterradandtrieb
Spitze 245 km/h Spitze 247 km/h
6,5 l D/100 km 6,2 l D/100 km
Grundpreis: 41.500 Euro*
* inkl. 8-Stufen-Automatik
Grundpreis: 44.030 Euro

 

FAHRKOMFORT

Dank Luftfederung schwebt der Benz fast

Die aktuelle C-Klasse sieht nicht nur ein bisschen aus wie eine geschrumpfte Version des Mercedes S-Klasse, sie eifert dem Luxusliner auch in Sachen Komforteigenschaften nach. Momentan einmalig in der Mittelklasse ist die optionale Luftfederung, die mit 1416 Euro zu Buche schlägt und zusätzlich mindestens die Ausstattungslinie Avantgarde für 1250 Euro bedingt.

Langstreckenfahrer dürften das Geld dafür gern ausgeben, denn im Verbund mit den dazugehörigen adaptiven Dämpfern lässt die Luftfederung die C-Klasse zu einem soften Gleiter werden. Im Komfortmodus spricht sie auf Unebenheiten ungemein sanft an. Auch von tiefen Schlaglöchern bekommen die Passagiere an Bord nur wenig mit – selbst wenn das Fahrzeug voll beladen ist.

Wie gut ein Sportfahrwerk mit adaptiven Dämpfern (1100 Euro) harmonieren kann, beweist hingegen der BMW 325d. Trotz der strafferen Grundabstimmung verarbeitet der Bajuware Fahrbahnschäden mit großer Kompetenz. Auf harmloseren Unzulänglichkeiten im Asphalt spricht das Set-up fast genauso sensibel an wie das des Mercedes.

Erst auf wirklich schlimmen Wegstrecken gerät der straffere 3er leicht ins Hintertreffen und lässt seine Gäste die Beschaffenheit der Straße deutlicher spüren. Auch bei voller Beladung stößt der BMW eher an seine Grenzen. Auf Bodenwellen schwingt seine Karosserie stärker nach, während der Mercedes hier die Ruhe selbst bleibt.

 

MOTOR/GETRIEBE

Der Mercedes ist sparsamer als sein Gegner

Beide Kontrahenten setzen jeweils auf einen doppelt aufgeladenen Vierzylinder-Dieselmotor mit Common-Rail-Direkteinspritzung. Das 2,2-Liter-Aggregat des Mercedes verfügt zwar über etwas mehr Hubraum als das 2,0-Liter-Aggregat des BMW, leistet aber 14 PS weniger. In der Praxis präsentiert sich der 325d trotz des eher geringen Leistungsplus als das merklich spritzigere Auto.

Dementsprechend nimmt er dem Mercedes C 250 BlueTEC beim Beschleunigen aus dem Stand auf 100 km/h immerhin rund eine Sekunde ab. In der Höchstgeschwindigkeit sind sich beide nahezu einig (245 zu 247 km/h), jedoch zeigen sich in der Geräuschentwicklung einige Unterschiede. Während der Mercedes einzig im Stand kernig nagelt, bleibt der BMW auch beim Fahren akustisch präsent.

Eine Klasse für sich ist indes die Achtstufen-Automatik des BMW 325d, die mit einem Zuschlag von 2150 Euro zwar nicht unbedingt günstig, aber trotzdem ihren Preis absolut wert ist. Das von ZF zugelieferte Getriebe wechselt die übersetzungen im automatischen Modus schnell und treffsicher. Im manuellen Programm reagiert es darüber hinaus nahezu verzögerungsfrei auf die Vorgaben des Fahrers, der die Schaltstufen entweder über Wippen am Lenkrad oder vom Wählhebel selbst aus vorgeben kann.

Die weich schaltende Siebenstufen-Automatik des Mercedes, die im Fall des C 250 BlueTEC serienmäßig an Bord ist, agiert insgesamt etwas gemächlicher. Gerade im manuellen Modus kommt sie nicht an die Spontaneität des BMW-Getriebes heran. Dafür ist der Daimler die sparsamere Limousine. Auf 100 km verlangt sein Triebwerk im Mittel 6,2 Liter Kraftstoff, während der 325d im AUTO ZEITUNG-Verbrauchszyklus für dieselbe Distanz 6,5 Liter benötigt.

 

FAHRDYNAMIK

Die Paradedisziplin des agilen BMW 325d

Der BMW 3er ist generell ganz seiner Tradition verpflichtet und auch derzeit unbestritten eines der fahrdynamischsten Exemplare unter den Premium-Mittelklasse-Limousinen. Das gilt auch für den 325d, der im Vergleich zum C 250 BlueTEC den fahraktiveren Eindruck hinterlässt.

Offensichtlich wird dies auch auf unserem Handlingkurs, den der mit einem überaus spontanen Einlenkverhalten gesegnete BMW rund eine Sekunde schneller umrundet als der Mercedes. Die gefühlvolle und präzise Lenkung des 3er überträgt Richtungswechsel ansatzlos. Kurven nimmt der Münchner Bestseller neutral und mit hoher Geschwindigkeit.

Der Stuttgarter Konkurrent ist gleichfalls kein konsequenter Sportmuffel. Jedoch fehlt ihm das letzte Quäntchen an Direktheit, um den BMW ernsthaft in Bedrängnis bringen zu können. Die Mercedes C-Klasse fühlt sich aufgrund ihrer etwas gefühlloseren Lenkung und des nicht ganz so spontanen Einlenkverhaltens ein wenig behäbiger an als der leichtfüßige 3er. Dafür läuft der Daimler stoischer geradeaus.

Etwas, das der Münchner auch bei deaktivierten Fahrhilfen allenfalls vom Hörensagen kennt, sind Traktionsprobleme. Während der Mercedes beim Ausgang aus engen Kurven bei vollem Leistungseinsatz mit den Hufen scharrt, bringt der BMW seine Kraft ohne große Verluste auf die Straße. Dennoch: überaus fahrsicher sind beide Kontrahenten. Dazu tragen auch standfeste wie kräftig zupackende Bremsanlagen ihren Teil bei.

Mit kalten Stoppern stehen beide Premium-Limousinen nach einer Vollbremsung aus 100 km/h nach rund 36 Metern. Bei warmer Anlage verringert sich der Brems- weg in beiden Fällen auf sehr gute 34,8 Meter. Allerdings vermittelt der Mercedes ein etwas teigiges Gefühl im Bremspedal – der BMW verfügt über einen klarer definierten Druckpunkt.

 

UMWELT/KOSTEN

Die Premium-Limousinen sind nichts für Sparfüchse

Zu den wenigen Schattenseiten der C-Klasse  zählt eindeutig die Preisgestaltung. Wer sich für den C 250 BlueTEC entscheidet, sollte über ein stattliches Budget verfügen. Schon der Grundpreis ist mit 44.030 Euro definitiv kein Pappenstiel. Zwar sind darin bereits die erwähnte Siebenstufen-Automatik, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, 16-Zoll-Leichtmetallräder oder auch eine Klimaautomatik mit zwei Zonen enthalten.

Allerdings können durch die zahllosen verlockenden Extras in der Preisliste, wie zum Beispiel Panorama-Schiebedach (2103 Euro), Standheizung (1630 Euro), Allradantrieb (2380 Euro) oder das schicke AMG Line-Ex- und Interieurpaket (zusammen 4522 Euro), noch viele, viele Tausender dazukommen. Voll ausgestattet bringt es der Mittelklasse-Benz sage und schreibe auf über 82.000 Euro.

Aber auch der BMW 3er ist alles andere als ein Schnäppchen. In seinem Basispreis von 39.350 Euro (41.500 Euro inklusive Automatik) sind zwar ebenfalls Leichtmetallräder (in 17 Zoll), eine Klimaautomatik, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie die automatische Fahrlichtsteuerung enthalten.

Aber auch das markiert bei Weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange. In Vollausstattung, die unter anderem Extras wie das Navi-Paket Connected Drive (3100 Euro), eine TV-Funktion (990 Euro), das M-Sportpaket (4100 Euro) oder eine Individual-Lederausstattung für 2800 Euro umfasst, sind für Bajuwaren immerhin über 75.000 Euro fällig.

Das Kostenkapitel entscheidet der 325d indes nicht nur aufgrund seines günstigeren Preises für sich. Auch die Werkstattkosten fallen mit 505 Euro per anno etwas günstiger aus als beim Daimler, bei dem mit jährlichen Wartungsaufwendungen von 775 Euro gerechnet werden muss. Außerdem verliert der BMW im Lauf der Jahre etwas weniger an Wert. Dass der Punktevorsprung auf den C 250 BlueTEC nicht größer ausfällt, liegt an den knauserigeren Garantieleistungen, die BMW auf seine Produkte gewährt.

Während Mercedes eine 30-jährige Garantie gegen Durchrostung und eine ebenfalls 30-jährige Mobilitätsgarantie gibt, muss der BMW-Kunde mit zwölf Jahren Garantie gegen Duchrostung beziehungsweise fünf Jahren Mobilitätsgarantie leben.

 

FAZIT

Der Mercedes C 250 BlueTEC ist ein typischer Mercedes: komfortabel, hochwertig, sparsam und dank vieler Assistenzsysteme ungemein sicher – aber eben auch sehr teuer.

Der BMW 325d ist ein typischer BMW: fahraktiv, spurtstark und spielend leicht zu bedienen. Außerdem fällt sein Innenraum – gerade hinten – etwas geräumiger aus als der des Mercedes.

Schlussendlich sichert sich die C-Klasse einen hauchdünnen Sieg mit einem Vorsprung von gerade einmal 14 Zählern. Insgesamt jedoch gilt: Da beide Limousinen ihre ganz spezifischen Reize und Charaktereigenschaften mitbringen, ist die Entscheidung für eine der Premium-Limos am Ende reine Geschmackssache – und eine Frage des Budgets.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Marcel Kühler

Tags:
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