Mercedes C 250 vs. Audi A4 2.0 TFSI, BMW 320i und Volvo S 60: Mittelklasse im Test Griff nach den Sternen

04.07.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR /GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Noch nie steckte in einer Mercedes C-Klasse so viel Substanz. Im ersten Stelldichein muss sie gegen die Premium-Konkurrenz von Audi, BMW und Volvo ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Reicht es, um in der Mittelklasse vorneweg zu fahren? Vergleichstest

Ist es jetzt tatsächlich die neue C-Klasse oder doch Stuttgarts Topmodell, die Mercedes S-Klasse? Front und Heck sind dem nach eigenem Verständnis „besten Auto der Welt“ wie aus dem Gesicht geschnitten, erst die Größenverhältnisse entlarven W205 als die deutlich kleinere Mittelklasse-Limousine. Doch nicht nur optisch orientiert sich der Neuling an der Luxuslimousine, sondern auch technisch. Mit einer Armada an Assistenzsystemen, der neuesten Infotainment-Generation samt Touch-Oberfläche und einer erstmals in dieser Klasse erhältlichen Luftfederung möchten die Stuttgarter dem Markenslogan „Das Beste oder Nichts“ gerecht werden und den Konkurrenten BMW 3er, Audi A4 und Volvo S 60 die Rücklichter zeigen.

Ob dies gelingt und die C-Klasse den eigenen Ansprüchen gerecht wird, klärt der Vergleichstest der vier Stufenheck-Modelle  mit Benzinern in der 200-PS-Klasse.

 

KAROSSERIE

Die Bedienung im BMW 3er setzt Maßstäbe

Obwohl der Mercedes im Vergleich zum Vorgänger um knapp zehn Zentimeter gewachsen ist, kommt bei den Passagieren davon nur wenig an. Die Fondinsassen können sich zwar dank des 2,84 langen Radstands über etwas mehr Beinfreiheit als bisher freuen, üppig ist das Platzangebot aber nicht.

Besonders die Kopffreiheit dürfte für eine Mittelklasse-Limousine ruhig etwas größer ausfallen. Damit liegt der Mercedes auf Augenhöhe mit dem Volvo S 60. A4 und vor allem der 3er sind großzügiger geschnitten. Dafür erwartet die Passagiere der ersten Reihe im C 250 ein Armaturenbrett, das nicht nur optisch, sondern auch in Bezug auf die verwendeten Materialien ganz schön was hermacht.

Die Qualitätsanmutung entspricht eher der Ober- denn der Mittelklasse, und mit Detailverliebtheiten wie den fein klickenden Lüftungsdüsen weht im Stuttgarter  gar ein Hauch Filigranität, den man sonst eher in einem Audi findet. Wenn Mercedes noch Nachlässigkeiten wie den ungleichmäßigen Fugenverlauf der Rückleuchten oder den beim Umklappen der Rücksitzlehnen lose flatternden Kofferraumteppich in den Griff bekommt, hat der Benz künftig die Nase vorn.

Solange muss er sich den Spitzenplatz mit dem im Interieur nicht ganz so hochwertigen, ansonsten aber extrem penibel verarbeiteten Audi teilen. Die Detailqualität des BMW 3er ist inzwischen zwar besser geworden, in puncto Anmutung trennt ihn zur süddeutschen Konkurrenz aber nach wie vorein gutes Stück. Der Volvo S 60 kann qualitativ überzeugen und wird dem Premium-Anspruch der Schweden gerecht.

Auch bei der Bedienung haben die Stuttgarter großen Aufwand betrieben – allerdings mit durchwachsenem Ergebnis. Erstmals kommt ein Touchpad zum Einsatz. Damit können nicht nur wie im BMW Zeichen eingegeben werden, mit ihm lässt sich das Comand-System ebenso wie mit dem bekannten Dreh-Drück-Steller bedienen, zusätzlich kann man einige Funktionen per Gestensteuerung aufrufen. Mercedes wäre besser beraten gewesen, die Touch-Oberfläche wie bei BMW in den Dreh-Drück-Steller zu integrieren anstatt zwei vollwertige Bedienelemente auf engstem Raum zu konzentrieren, was dem Benutzer keinen wirklichen Mehrwert bietet und eher verwirrt als hilft.

Offensichtlich wollte man das Rad aber lieber neu erfinden statt die Konkurrenz nachzuahmen. Auch die Menüführung und der nach wie vor verschachtelte Bordcomputer lassen hier noch Luft nach oben. Positiv zu bewerten ist allerdings, dass zumindest die wichtigsten Assistenzsysteme nun separat oberhalb des Lichtschalters bedient werden können. Und im Gegensatz zur großen S-Klasse findet sich in der edlen Schalterleiste für die Klimatisierung auch jeweils eine Taste für die Klimaanlage.

Der Maßstab bleibt somit das iDrive-System von BMW, das klar strukturiert und einfach zu bedienen ist. Da reicht auch das MMI-System von Audi nicht heran, das im A4 ohne Touch-Oberfläche und mit einem vergleichsweise kleinen Bildschirm auskommt. Beim Volvo missfallen die vielen kleinen Tasten auf der dadurch etwas unübersichtlichen Mittelkonsole, einige Funktionen sind in den Tiefen der Untermenüs versteckt. Dass der Mercedes das Kapitel dennoch gewinnt,  liegt  an  der reichhaltigen, zum Teil optionalen Sicherheitsausstattung, die in dieser Klasse Maßstäbe setzt.

Audi A4 2.0 TFSI
BMW 320i Mercedes C 250
Volvo S60 T4
225 PS 184 PS 211 PS 180 PS
0-100 km/h in 7,0 s 0-100 km/h in 7,1 s 0-100 km/h in 6,9 s 0 - 100 km/h in 8,4 s
Vorderradantrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb Vorderradantrieb
Spitze 250 km/h Spitze 235 km/h Spitze 250 km/h Spitze 225 km/h
Grundpreis: 36.050 Euro Grundpreis: 36.000 Euro Grundpreis: 40.936 Euro Grundpreis: 31.200 Euro

 

 

FAHRKOMFORT

C-Klasse setzt auf traditionelle Mercedes-Werte

Der neue Mittelklasse-Benz sieht nicht nur aus wie eine kleine S-Klasse, er fährt sich auch so. Das bedeutet: In Sachen Fahrkomfort gibt es in seinem Segment derzeit nichts Besseres – jedenfalls wenn die aufpreispfichtige Kombination aus Luftfederung und adaptiven Dämpfern für 1416 Euro mit an Bord ist. Dieses Set-up stellt sich als empfehlenswerte Investitionheraus, denn kein anderes Fahrzeug im Feld überspielt Unzulänglichkeiten auf der Wegstrecke derart gekonnt wie der Daimler.

Das sensible Ansprechverhalten auf alle Arten von Fahrbahnschäden und der tolle Abrollkomfort entsprechen fast schon Oberklasse-Niveau. Dem hat vor allem derAudi A4 mit seinem Standard-Fahrwerk wenig entgegenzusetzen. Der Ingolstädter leitet kleinere und größere Unebenheiten deutlich ungefilterter in die Karosserie.

Und auch gegen die gleichfalls mit adaptiven Dämpfern bestückten Konkurrenten von BMW und Volvo hat der Audi das Nachsehen. Der 3er federt seinerseits zwar sensibel an, zeigt bei voller Beladung jedoch stärkere Karosseriebewegungen. BMW und Volvo verarbeiten Querfugen und Gullydeckel nicht ganz so geschmeidig wie die C-Klasse, der 3er fällt zudem mit lauteren Abrollgeräuschen auf.

Zum Thema Sitzkomfort: Auch in dieser Disziplin gibt die neue C-Klasse den Ton an. Weitreichende Einstellmöglichkeiten, angenehme Sitzposition und anschmiegsame Polsterung – die Vordersitze begünstigen ermüdungsfreies Reisen auf langen Strecken maßgeblich. Grundsätzlich gilt dies ebenfalls für die Fauteuils der Konkurrenten. Allerdings lässt beispielsweise der Audi Seitenhalt im Schulterbereich vermissen, während das glatte Leder im Volvo flotte Kurvenfahrten zur Rutschpartie werden lässt.

 

MOTOR /GETRIEBE

Der Mercedes C 250 ist sparsam und schnell

Soweit ist man sich einig: In allen Kandidaten arbeiten Vierzylinder-Motoren mit Turboaufladung und Direkteinspritzung. Mit 225 PS aus zwei Liter Hubraum steht der A4 vom Leistungsangebot her an der Spitze der Nahrungskette in diesem Vergleichstest. Allerdings kommt er aufgrund seines Frontantriebs nur mühsam aus den Startlöchern und liegt beim Sprint von null auf Tempo 100 mit 7,0 Sekunden lediglich eine Zehntelsekunde vor dem 41 PS schwächeren 320i.

Das manuelle Getriebe erfreut mit kurzen Wegen, schaltet sich aber recht knorpelig. Der Mercedes entscheidetmit seinem 211 PS starken Treibsatz den stammtischträchtigen Standardsprint mit 6,9 Sekunden hauchdünn für sich, rennt ebenso wie der Audi bis zu 250 km/h schnell über die Autobahn und verbraucht auf der AUTO ZEITUNG-Normrunde wie der Volvo S 60 mit 8,1 Litern pro 100 Kilometer am wenigsten.

Der kultivierteste Motor ist im Bug des BMW zu finden. Der 184 PS starke  Vierzylinder des 320i ist zwar nicht unbedingt ein Ausbund an Temperament, geht dafür aber leise und vibrationsarm seiner Arbeit nach. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 8,4 Litern je 100 Kilometer platziert sich der Münchner in der Mitte des Testfeldes. Dafür kann der 3er mit der 2350 Euro teuren Achtstufen-Sportautomatik das beste Getriebe vorweisen. Es wechselt die Übersetzung sehr schnell und reagiert im manuellen Modus äußerst spontan auf Schaltbefehle.

Das nominell schwächste Triebwerk ist der 1,6 Liter große Vierzylinder des Volvo S 60. Mit seinen 180 PS fährt der Schwede bei den Fahrleistungen etwas hinterher. Null bis Tempo 100 erledigt  er in gemächlicheren 8,4 Sekunden, und auf der Autobahn gewinnen die Fahrwiderstände bereits bei 225 km/h die Oberhand. Dafür entschädigt das kultivierte Triebwerk mit seiner homogenen Leistungsentfaltung und dem bereits erwähnt geringsten Testverbrauch.

 

FAHRDYNAMIK

Die Traktionsprobleme werfen den Audi zurück

Der neue Benz kann zwar auch dieses Kapitel klar für sich entscheiden, dies liegt aber in erster Linie an den im Vergleich zum BMW besser verzögernden Bremsen. Während der 3er mit kalten wie warmen Stoppern rund 36 m zum Notankern aus Tempo 100 bis zum Stillstand benötigt, steht der C 250 rund eineinhalb Meter eher. In puncto Agilität kam bereits das Vorgängermodell dem Dreier sehr nahe und lag nur knapp dahinter. Zum Überholen reicht es auch mit der neuen Generation der C-Klasse nicht.

Trotz 27 PS weniger unter der Haube fährt der 320i auf dem Handlingkurs nur eine Zehntelsekunde Rückstand auf den Mercedes ein und punktet dabei mit seinem präzisen und leichtfüßigen Fahrverhalten sowie der exakten Lenkung (Sportlenkung für 450 Euro), die die beste Rückmeldung bietet. Der Benz wirkt im direkten Vergleich einen Hauch schwerfälliger, die optionale Komfort-Direktlenkung (238 Euro) operiert mit etwas weniger Feedback. Das um die Mittellage stramme Lenkgefühl wird mit zunehmendem Lenkwinkel leichter, was dem Fahrer das Gefühl für die Gripverhältnisse an der Vorderachse nimmt. Im Gegenzug besticht der C 250 mit der höchsten Fahrsicherheit, stoischem Geradeauslauf und guter Traktion.

Das kann man vom Audi A4 2.0 TFSI nicht gerade behaupten. Sein Frontantrieb ist auf der verwinkelten Handlingstrecke überfordert und bringt die Kraft in den ersten beiden Gängen beim Herausbeschleunigen aus den Kurven kaum auf den Boden. Zudem trüben Antriebseinflüsse die Bewertung der Lenkung, die sich ohnehin synthetisch anfühlt. Somit und auch wegen der stärksten Tendenz zum Untersteuern fährt der mit 225 PS stärkste Wagen im Feld beim Handling einen deutlichen Rückstand auf BMW und Mercedes ein. Auf öffentlicher Straße und mit gemäßigtem Gasfuß geht die Traktion des A4 durchaus in Ordnung – zumindest solange die Straßen trocken sind. Punkte gutmachen kann der Ingolstädter mit seiner standfesten und vehement verzögernden Bremsanlage.

Einen erfreulich guten Eindruck hinterlässt der Volvo S 60 auf dem abgesperrten Rundkurs. Trotz Frontantriebs hat er nur wenig Probleme, seine – wenn auch deutlich geringere – Kraft auf den Asphalt zu bringen. Doch nicht nur das. Er lenkt zackig ein, hält den Kurs auch im weiteren Kurvenverlauf und liefert zum Beweis der guten Agilität die beste Slalomzeit ab. Wegen der indirekt übersetzten Lenkung mit ihren großen Lenkwinkeln und des großen Wendekreises fühlt sich der Schwede aber unhandlicher an als er tatsächlich ist.

 

UMWELT/KOSTEN

Der Volvo S 60 ist das günstigste Angebot

Das Kostenkapitel ist das einzige, das die Mercedes C-Klasse in diesem Vergleichstest nicht für sichentscheiden kann. Das verhindert der gegenüber der Konkurrenz erheblich höhere Grundpreis – der allerdings bei Weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange darstellt. Mit allen zur Verfügung stehenden Optionen erreicht der Mittelklasse-Daimler problemlos Oberklasse-Preisregionen.

Im Prinzip gilt dies auch für die beiden bayerischen Wettbewerber, die ebenfalls kein sonderlich billiges Vergnügen sind. Das günstigste Auto in diesem Quartett ist der Volvo S 60. Er punktet mit dem niedrigsten Einstandspreis sowie seinem zu erwartenden Wertverlust, der geringer als bei den Wettbewerbern ausfällt. Am klaren Gesamtsieg der neuen Mercedes C-Klasse ändert dieser Umstand indes nichts mehr.


FAZIT

Mit der neuen C-Klasse hat Mercedes tatsächlich eine kleine S-Klasse auf die Räder gestellt und fährt an die Spitze des Segments. Fahrkomfort, die Anmutung des Innenraums sowie das Sicherheitsniveau haben Oberklasse-Niveau. Kritik gibt es dennoch: In puncto Bedienung haben es die Stuttgarter wie schon bei der S-Klasse verpasst, einen größeren Schritt nach vorn zu machen.

Wie es besser geht, zeigt der bestens bedienbare BMW 3er. Mit seiner überzeugenden Antriebseinheit, den agilen Fahreigenschaften und dem guten Platzangebot landet er auf dem zweiten Platz. Rang drei geht an den soliden Audi A4, der etwas angejahrt wirkt. Schlusslicht wird der Volvo S 60 – und ist dennoch eine attraktive Alternative in der von den Deutschen dominieren Premium-Mittelklasse.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Marcel Kühler, Alexander Lidl

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