Mercedes-Benz E60 AMG (W124): Classic Cars Die erste E-Klasse als AMG

von Julian Islinger 09.06.2017
Inhalt
  1. Mercedes E60 AMG (W124) ist ein Wolf im Schafspelz
  2. Der V8 leistet zwischen 374, 381 und sogar 400 PS
  3. Gebrauchter E60 AMG heute schon ab 50.000 Euro

Der Mercedes-Benz E60 AMG (W124) fasziniert seine Fans heute noch genauso wie 1993. Eine Huldigung an den optisch dezenten Bürger-Benz, unter dessen braver Schale ein V8-Kern mit bis zu 400 PS auf seine Entfesselung wartet.

Schon bei seiner Geburt war der Mercedes-Benz E60 AMG ("124) ein echter Knaller ... und ein Schläfer zugleich! Allein die zugehörige Typenbezeichnung lässt den Kenner mit der Zunge schnalzen, basiert der E60 AMG doch auf dem 1990 vorgestellten Mercedes-Benz 500 E mit V8-Motor, welcher schon ohne Werkstuning von AMG das Spitzenmodell der Baureihe markiert und heute zu den begehrtesten Autos an der Schwelle vom Young- zum Oldtimer gehört. Der in enger Zusammenarbeit mit Porsche in Zuffenhausen entstandene 500 E bringt Fahrleistungen auf die Piste, die eines Sportwagens würdig sind: 5 Liter Hubraum, 326 PS (240 kW) stark, in nur 6,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h bescheren ihm den Titel "Wolf im Schafspelz" – und das völlig zu Recht. Gleiches gilt dann natürlich auch für den nochmals stärkeren Mercedes-Benz E60 AMG, der ähnlich unscheinbar daherkommt. Gut, sowohl E60 als auch 500 E sind mit einer dezent muskulös gezeichneten und tiefergelegten Karosserie samt voluminöseren Kotflügel vom Rest der W124-Baureihe zu unterscheiden, doch der erste Blick verrät nur wenig von der Power, die unter der Haube des braven Bürger-Benz schlummert und auf ihre Entfesselung wartet.

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Mercedes E60 AMG (W124) ist ein Wolf im Schafspelz

Nur 10.479 Exemplare des 500 E werden bis 1995 gebaut – bereits zusammengezählt mit dem in weit geringerer Stückzahl gefertigten Mercedes-Benz E 60 AMG (W124), mit dem er sich Produktionsstatistik teilt. Letzterer treibt das Konzept der Powerlimousine dann endgültig auf die Spitze. Oder besser gesagt: Die damals noch eigenständig operierende Tuning-Schmiede AMG, seit 1990 mit Mercedes-Benz in einen Kooperationsverhältnis, hat sich an der W124-Baureihe so richtig austoben dürfen. Denn AMG erhielt für den E60 von Mercedes lediglich die 500-E-Rohkarossen, machte daraus aber eine Tugend und behielt die bürgerliche Form, den hohen Nutzwert und die Alltagstauglichkeit der E-Klasse bei gleichzeitiger Performance-Optimierung bei. Dafür spricht auch das gediegene Interieur, welches mit schwarzem Leder und großzügig drapiertem Wurzelholz einen durch und durch edlen Eindruck macht und von AMG makellos verarbeitet wurde. Optisch also Understatement, weswegen man heute so ein Auto mitunter auch Schläfer nennt; ein Hinweis darauf, dass die enorme Leistung vor dem Anlassen der Maschine durch kaum etwas verraten wird!

 

Der V8 leistet zwischen 374, 381 und sogar 400 PS

Wenn er dann angelassen wird, den verwöhnt der Motor des Mercedes-Benz E60 AMG (W124) mit einem wohligen Grollen, welches unter Druck zu einem echten Drehzahlgewitter anwachsen kann. Kein Wunder: Der 6.0-Liter-V8 ist die konsequente Evolution des M119-E50-Motors, der den 500 E befeuerte, und bot der AMG-Truppe mit seinen 326 PS die perfekte Vorlage für ihr Tuningwerk. Im E60 geht der Achtzylinder anfangs mit 374, später dann mit mächtigen 381 PS zu Werke. Hört man sich im Kreise echter AMG-Enthusiasten um, dann können mitunter auch schon mal mehr als 400 PS am E60 AMG gemessen werden. Flankiert werden diese Leistungen durch 580 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 3800 Umdrehungen, was in den frühen 90ern sogar einem Supersportwagen zu höchster Ehre gereicht hätte. Das Ergebnis dieser Leistungswerte sind dann Fahrmessungen, die Kinnladen gen Bordstein klappen lassen. Den Sprint von 0-100 km/h erledigt der E60 AMG in gerade mal 5,6 Sekunden (bzw. 5,4 Sekunden) und der V8 hätte es gut und gerne auf 295 km/h bringen können, wäre er nicht wie sein Kollege 500 E bei 250 km/h abgeregelt! Das Viergang-Automatikgetriebe aus dem 500 SL setzt die vorhandene Kraft stantepede in Vortrieb um!

 

Gebrauchter E60 AMG heute schon ab 50.000 Euro

Wie viele Mercedes-Benz E60 AMG das AMG-Werk in Affalterbach verlassen haben, ist heute leider nicht mehr genau zu rekonstruieren, da diese in der Produktionsstatistik des 500 E mit eingeflossen sind. Mehr als 147 Stück dürften es aber nicht gewesen sein. Wer sich heute die Power-Limousine in die Garage stellen möchte, muss also aufmerksam den Gebrauchtwagenmarkt studieren – und bereit sein, die entsprechende Summe Geld auf den Tisch zu legen. Verglichen mit dem Neupreis kommt man dabei heute allerdings etwas günstiger weg: Statt der 190.000 DM aus den 90ern findet man gepflegte E60 derzeit schon ab 50.000 Euro. 

Mercedes-Benz E60 AMG (W124)
Bauzeitbraum1993 bis 1995
Motor6.0-Liter-V8
Hubraum5956 ccm
Leistung374 bis 381 PS bei 5500/min
Drehmoment580 Nm bei 3800/min
Beschleunigung 0 auf 100 km/h5,6 bis 5,4 Sek.
Höchstgeschwindigkeit250 km/h (abgereg.)
Gewicht1700 kg
Verbrauch15,1 l/100km
Neupreis (1993)ca. 180.000 DM

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