Fahrbericht Mercedes B-Klasse Electric Drive 2013 Elektromotor mit Schub

10.10.2013

Die AUTO ZEITUNG fuhr exklusiv in der neuen Mercedes B-Klasse mit Elektroantrieb mit. Entwicklungsvorstand Thomas Weber erklärt Chefredakteur Volker Koerdt das Auto mit der Technik von Tesla im Detail

Bei dieser B-Klasse ist fast alles anders. Bedeutet schnelles Beschleunigen bei Verbrennungsmotoren meist ein lautes Brüllen der Aggregate, flüstert die B-Klasse dabei beinahe lautlos vor sich hin. Außerdem könnte man diese B-Klasse fast schon als T-Modell bezeichnen, nicht weil sie der üblichen Nomenklatur der Kombibezeichnungen von Mercedes folgt, sondern weil T hier für Tesla steht.Tatsächlich befindet sich unter dem Blech des in Rastatt gebauten Kompaktvans die Technik aus dem Tesla Model S. Lediglich eine schwächere Batterie mit 28,5 kWh Energiegehalt unterscheidet die B-Klasse in der Technik von der Limousine aus Palo Alto.


Als erster Deutscher mit Hochleistungsbatterietechnik


Die Schwaben sind damit der erste deutsche Hersteller, der komplett auf die Technik der sogenannten Hochleistungsbatteriezellen setzt. 3696 sind es genau. Hergestellt werden sie von Panasonic. Über 100 kW bringt der Elektromotor auf die Vorderräder. Der Schub ist beeindruckend: „Der geht wie Schmidts Katze, Überholen überhaupt kein Problem“, lächelt Weber und drückt das „Gaspedal“ durch. Nur etwas über acht Sekunden vergehen, bis die B-Klasse lautlos 100 km/h erreicht. „Das Ziel war es, ein fünfsitziges, voll alltagstaugliches Auto auf die Räder zu stellen“, so Weber weiter. Realisiert wurde das durch die flache Batterietechnik im Wagenboden. Letzterer wurde um 40 mm abgesenkt, damit genügend Kopf- und Beinfreiheit für die Insassen  verbleiben. Die  Batterie selbst ist nur 130 mm hoch, inklusive Kühlung und Ummantelung ist der sogenannte Energy-Space nur 180 mm hoch. Um die Bodenfreiheit zu erhalten, wurde die B-Klasse um 40 mm höher gesetzt. Die neuen Einfassungen der Radhäuser und die Schweller kaschieren das geschickt. Die B-Klasse lenkt sauber ein und liegt satt auf der Straße, dabei ist sie nicht ganz so weich und komfortabel abgestimmt wie die Modelle mit Verbrennungsmotor.

Der Tribut an das Mehrgewicht von 220 kg und die Höherlegung ist ein etwas straffer abgestimmtes Fahrwerk, um eine zu große Ausfederung zu verhindern. Besonders angenehm: Die B-Klasse verzögert beim Gaswegnehmen so gleichmäßig wie ein Auto mit Verbrennungsmotor ohne übertriebene Rekuperation. Die wiederum kann über die Paddles am Lenkrad gesteuert werden. Mit dem linken lässt sich die Rekuperation in zwei Stufen aktivieren, mit dem rechten Paddle kann sie dementsprechend wieder zurückgenommen werden. Für besonders effizientes Fahren verfügt die B-Klasse über eine Segelfunktion, wenn der Antriebsstrang komplett entkoppelt wird.

Eine besondere Isolationstechnik mit wärmedämmenden Folien in den Scheiben und eine Belüftung mit minimaler Leistungsaufnahme soll die Reichweite auf bis zu maximal 200 km verlängern. Obwohl das Auto noch aus der Vorserie stammt, waren Geräuschkomfort und Qualität schon top. 2014 erfolgt der Marktstart in den USA, im Herbst soll die B-Klasse Electric Drive ihre Karriere dann in Europa starten. Der Erfolg hängt auch maßgeblich davon ab, was die Kunden für das Auto bezahlen müssen. „Die Preisgestaltung orientiert sich am Wettbewerb“, lächelt Weber vielsagend. Er könnte damit durchaus den BMW i3 gemeint haben.

Mercedes B-Klasse Electric Drive  Technische Daten


Motor Asynchron-Elektromaschine
Max.Leistung über 100 kW/136 PS
Max. Drehmoment 310 Nm
Getriebe Konstantübersetzung
Antrieb Vorderrad
Batterie Lithium-Ionen; 28,5 kWh; Ladezeit für 100 km Norm-Reichweite (NEFZ): 1,5 h bei 400 V
Reifen 255/50 R 19
L/B/H 4359/1812/1595 mm
Radstand 2699 mm
MESSWERTE
 
0 - 100 km/h¹ ca. 8 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 160 km/h (elektronisch abgeregelt)
Reichweite1,2 200 km
KOSTEN  
Grundpreis keine Angabe
1 Werksangaben
2 nach Eu-Norm (NEFZ)

Unser Fazit

Obwohl es sich hier noch um ein Vorserienfahrzeug handelt, macht die B-Klasse Electric Drive einen erstaunlich ausgereiften Eindruck. Mit 200 Kilometer Reichweite, guten Fahrleistungen und uneingeschränktem Raumangebot ist die B-Klasse ein harter Brocken für die Konkurrenz.

Volker Koerdt

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