Mercedes-AMG GT S vs. Lamborghini Huracan: Supersportwagen-Vergleich Pech & Schwefel

19.01.2015

Egal ob böse schwarz oder giftig gelb – Lamborghini Huracán und Mercedes-AMG GT S sind die Antipoden des Sportwagen-Universums 2015. Ein Vergleich der Unvergleichlichen

Typisch Lamborghini. Bereits aus dem Motor-Anlassen so ein Drama zu machen: Ein kleiner Kick mit dem Zeigefinger der rechten Hand schnippt die rote Abdeckung über dem Startknopf nach vorn, die Rakete ist entsichert und kann gelauncht werden. Eigentlich ist das ja Spielzeug für große Jungs – aber irgendwie funktioniert die Nummer jedes Mal:

Unwillkürlich atmet man vor dem Druck auf den Startknopf noch einmal durch, überlegt sich, ob man gleich wirklich die Apokalypse in Gang setzen und die Welt mittels gefährlicher Ypsilon-Strahlung in ein schwarzes Loch schießen will – dann drückt man entschlossen den „Ja, ich möchte furchtbar eins auf die Zwölf bekommen“-Knopf, grinsend wie ein ganzer Kinderhort drei Tage vor Weihnachten. Willkommen in der Welt vom Lamborghini Huracán LP 610-4.

610-PS-Zehnzylinder in Mittelmotor-Anordnung, Allradantrieb, Stealth-Jagdflugzeug-Design, theatralisch und aggressiv bis in die letzte Karosseriefalte: Der Huracán ist einer der heißesten Sportwagen der Saison 2015. Über 67.000 Euro preisgünstiger besiedelt der Mercedes-AMG GT selbst als 510 PS starkes S-Modell das andere Ende des Sportwagen-Spektrums.

 

Lamborghini Huracan und Mercedes-AMG GT S im Vergleich

Hier herrscht nicht der exaltierte Wahnsinn, sondern Sinn und Sinnlichkeit werden fein ausbalanciert. Lediglich in einer Hinsicht gönnt sich der Mercedes eine kleine Slapstick-Einlage: Mit einem in Herzschlag-Rot glühenden Startknopf empfängt er seinen Fahrer, das Spiel mit der Imagination funktioniert also auch hier.

Und einen Knopfdruck später wackeln im Mercedes-AMG GT S die Wände: Klappenauspuff und die auf Randale programmierte Motorsteuerung sorgen für harziges V8-Bollern und rotzigen Hardrock-Sound. Gegen das brachiale Auspuff-Feuer des GT im Schiebebetrieb oder bei durchgerissenen Schaltvorgängen klingt AC/DCSänger Brian Johnson wie ein Chorknabe.

Spätestens hiermit ist die Palette an gezielten Provokationen aber auch schon weitestgehend ausgeschöpft, der Mercedes-AMG GT wendet sich zunehmend dem ernsten Fach zu. Nicht einmal die spektakulären Flügeltüren des SLS hat er geerbt und sich stattdessen einer einzigen Mission verschrieben: ernsthafter Konkurrent des Porsche 911 werden.

Die Messlatte liegt also hoch, erfolgreich ist nur eine Mischung aus nahezu humorloser Grenzbereichs-Kompetenz, bestechender Alltagstauglichkeit und fantastischer Fahrbarkeit.

Der Lamborghini Huracán hat an dieser Stelle längst eine völlig andere Ausfahrt genommen und sich in ein Unterhaltungs-Parallel-Universum verabschiedet, das von gekonnt inszenierten Showelementen lebt. Beispiel gefällig?

Obwohl der Huracán nicht mehr mit dem kompromisslos reinklopfenden sequenziellen Getriebe des Gallardo unterwegs ist, provoziert er durch gezielte Schaltmomentenüberhöhung besonders im Corsa-Modus ordentliche Genickschläge bei den Schaltvorgängen und fühlt sich dabei sagenhaft bissig an …

Das Cockpit des Lamborghini profitiert und leidet gleichzeitig am Mittelmotor-Layout: Während die Sicht nach vorn durch den tief eingebauten Armaturenträger herrlich intensiv ist, bleibt alles hinter den Ohren des Fahrers unbekanntes Terrain. Innerstädtisches Rückwärtsausparken ohne lotsende Passanten oder Heckkamera? – Schlicht unmöglich!

 

SCHWANKENDE QUALITÄT BEIM HURACAN

Die extrem geschnittene Pilotenkanzel wirkt auf den ersten Blick ungemein stringent, auf den zweiten Blick aber auch sehr durchgestylt: Selbst die Lamellen der Lüftungsdüsen werden in Signatur-Wellen gezwungen, die Typo der Instrumenten-Anzeigen ist vom Grafik-Designer auf cool getrimmt, und die teuren Sportschalensitze (6128 Euro) sehen aus, als kämen sie aus der Zeichenstube des Alien-Designers H.R. Giger. Dabei schwankt die Qualität zwischen bombensolide und verblüffend lieblos:

Elemente wie die blanken Kunststoff-Gehäuse der Lüftungsdüsen oder die gratige Plastik-Lenkradspange haben in einem 200.000-Euro-Auto nichts zu suchen. Die reine maschinenhafte Verarbeitung des gesamten Autos ist aber schon wieder sehenswert.

Und dann krächzt eh der Zehnzylinder los, wir treiben das Ufo in Richtung Autobahn und setzen den Blinker links. Vollgas. Eine halbe Sekunde später tut einem das Herumgekrittele an Kleinigkeiten schon leid:

Der 610-PS-V10 lädt so erbarmungslos durch, dass einem die schiere Beschleunigung heiß durch die Adern schießt wie ein Koffeinschock. Absurde, raum-greifende, den Rest der Welt in sofortige Rückwärtsbewegung versetzende Geschwindigkeit.

Auf Landstraßen muss man sich einarbeiten, der Lamborghini besitzt nicht die sofortige Zugänglichkeit eines Porsche oder das perlende Handling eines Ferrari. Wer hier besonders am Kurveneingang zu hart presst, bekommt leichtes Untersteuern serviert. Es gilt also, den Fahrstil zu adaptieren: dosiert hinein in die Ecke, dann mit brutaler Traktion raus.

Wer das lang genug übt und beherrscht, ist ganz vorn dabei. Wenn der schwefelgelbe Mercedes-AMG GT S aber partout nicht aus dem Rückspiegel verschwinden will, liegt das daran, dass der Affalterbacher deutlich leichter zu fahren sowie besser kontrollierbar ist und viel besser durchzieht:

Während der Lamborghini immer etwas Drehzahl und extrem konzentrierte Fahrweise benötigt, ist der GT mit großartiger Lässigkeit unterwegs. 53 Prozent Fahrzeuggewicht auf der Hinterachse sorgen für tolle Traktion, dynamische Motorlager machen den GT beim Brennen steif und beim Cruisen komfortabel, die 650 Newtonmeter seines Biturbo-V8 liegen bereits im Drehzahl-Souterrain an.

Böse zuschnappend peitscht der V8 den GT voran, das Doppelkupplungsgetriebe zappt die Gänge fast unmerklich und mit irrer Geschwindigkeit durch. Und wenn es sein muss, dreht der Kraftlackel aus Affalterbach aber auch jubelnd obenraus. Dazu serviert der GT sahnige Kontrolle und extreme Grenzbereichsfestigkeit – dem ersten Vergleich mit einem Porsche 911 Turbo sehen wir gespannt entgegen.

Am Parkplatz wankt der Huracán-Fahrer etwas verspannt herüber, er staunt über den großen Kofferraum des GT, nickt beim Anblick des komfortablen, geräumigen und exzellent verarbeiteten Cockpits anerkennend – und dann nimmt er doch wieder das Science Fiction-Ufo aus Italien. In diesem Leben kommen die beiden nicht mehr zusammen.

TECHNIK
   

MERCEDES-AMG GT S
LAMBORGHINI HURACÁN
Motor
V8-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo, Direkteispr.
V10-Zylinder, 4-Ventiler, Direkteispr.
Hubraum 3982 cm³ 5204 cm³
Leistung 375 kW / 510 PS bei 6250/min 449 kW / 610 PS bei 8250/min
Max. Drehmoment 650 Nm bei 1750-4750 /min 560 Nm bei 6500 /min
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
L/B/H 4546/1939/1288 mm 4459/1924/1165 mm
Leergewicht/Zuladung 1645 kg ca. 1545 kg (trocken: 1422 kg)
FAHRLEISTUNGEN    
0-100 km/h 3,8 s 3,2 s
Höchstgeschwindigkeit 310 km/h 326 km/h
Verbrauch 9,6 l S/100 km 12,5 l S/100 km
Grundpreis 134.351 Euro 201.705 Euro

Johannes Riegsinger

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