Mercedes A 45 AMG und Porsche Cayman S im Tracktest Schwaben-Sportler

20.01.2014

Stuttgart-Zuffenhausen und Affalterbach liegen nur einen Katzensprung weit auseinander. Ob der neue Mercedes A 45 AMG dem Porsche Cayman S auch auf der Rennstrecke nahe kommen kann, klärt der Tracktest

Soweit ist es inzwischen schon gekommen: Ein Porsche Cayman muss sich mit einer Mercedes A-Klasse messen, und das ausschließlich auf abgesperrter Piste. Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Seit Mercedes aus dem gemütlichen, Minivan-artigen Kompakten einen dynamischen BMW 1er- und Audi A3-Jäger gemacht hat, ist die Mercedes-Welt nicht mehr die gleiche. Und vor Kurzem setzten die Schwaben mit dem neuen A 45 AMG dem Ganzen noch die Krone auf. Im ersten Vergleichstest lederte er die Konkurrenten S3 und M135i auf der Rennstrecke gleich mal ab. Es muss also ein neuer Gegner her, mit dem sich der kleinste AMG messen kann. Da kommt der ebenfalls in diesem Jahr neu aufgelegte Porsche Cayman doch gerade recht.

 

UNTERSCHIEDLICHE ANTRIEBSKONZEPTE

Dass es für den Porsche keinesfalls eine Majestätsbeleidigung ist, sich mit der A-Klasse zu messen, wird beim Blick auf die Datenblätter rasch deutlich. Was die Leistung betrifft, hat der Zuffenhausener sogar das Nachsehen. 325 PS holt der Cayman S aus den 3436 Kubikzentimeter Hubraum seines Sechszylinder-Boxermotors, das maximale Drehmoment von 370 Newtonmetern liegt – typisch für einen freisaugenden Hochdrehzahlmotor – erst bei späten 4500 Touren an. Ihr Ende findet die Drehzahlorgie des Boxers bei 7800 Umdrehungen. Ganz anders der A 45 AMG: Unter seiner Motorhaube steckt ein aufgeladener Vierzylinder, der aus nur 1991 cm 3 unglaubliche 360 Pferdestärken presst – mit bis zu 1,8 bar Ladedruck. Damit ist dies der derzeit stärkste in Serie produzierte Vierzylinder-Turbo. Und auch das Drehmoment beeindruckt. 450 Nm liegen zwischen 2250 und 5000 Kurbelwellenumdrehungen an.

Doch Papier ist ja bekanntlich geduldig. Auf abgesperrter Piste müssen die beiden Schwaben beweisen, was wirklich in ihnen steckt. Hier wird sich zeigen, ob der Mercedes A 45 AMG 4Matic dem Porsche Cayman S tatsächlich die Butter vom Brot nehmen kann. Zum Auftakt müssen die zwei Stuttgarter das Standard-Messprozedere über sich ergehen lassen. Als erstes steht die Beschleunigungsmessung aus dem Stand auf 100 km/h auf dem Programm. Dank Allradantrieb und einer Race Start-Funktion schießt der A 45 AMG katapultartig nach vorn und reißt die prestigeträchtige 100er-Marke bereits nach 4,5 Sekunden, weitere 12,5 s später zeigt der Tacho bereits 200 km/h an. Respekt! Doch trotz 35 PS weniger Leistung und lediglich Hinterradantrieb kann der Cayman S den Null-auf-100-Wert sogar noch um ein Zehntel toppen. 56 Prozent des Gewichts von 1411 kg lasten auf den 265er-Hinterrädern, die Launch-Control-Funktion, die Bestandteil des 2023 Euro teuren Sport Chrono-Pakets ist, lässt das Stuttgarter Reptil nahezu schlupffrei und blitzschnell aus dem Stand nach vorn schießen. Bis 200 km/h nimmt er dem AMG 1,1 Sekunden ab und rennt weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 281 km/h. Ganz so locker lässt Mercedes die Leine im Fall des A 45 AMG da nicht. Bei 250 km/h fangen ihn die elektronischen Zügel ein, erst gegen 2261 Euro Aufpreis wird die Bergrenzung auf 270 km/h heraufgesetzt.

Nächster Testpunkt: der Bremstest. Beide Sportler verzögern mit rundum innenbelüfteten und gelochten Bremsscheiben. Für den Porsche Cayman gibt es gegen happige 7319 Euro Aufpreis sogar eine Karbon-Keramikbremse, doch auch mit der Stahlvariante verzögert der Porsche vehement (kalt/warm: 33,4/32,0 Meter) und steht jeweils rund einen halben Meter eher als der AMG. Doch nicht nur hier bleibt der Mercedes, der sowohl die frontlastige Gewichtsverteilung (62 zu 38 Prozent) als auch den höheren Schwerpunkt kompensieren muss, dem Sportwagen Cayman erstaunlich nahe auf den Fersen. Auch beim Slalom tanzt er mit 69,8 km/h enorm schnell und wankarm um die Pylonen und überzeugt dabei mit seinem sehr zackigen Einlenkverhalten. Aber auch hier hat der Cayman schließlich die Nase vorn. Mit sagenhaften 71,1 km/h wedelt er durch den Hütchenparcours.

Doch genug mit dem Vorgeplänkel, was bei Sportlern wirklich zählt, ist die gezeitete Runde. Auf dem Contidrom, der Continental-Teststrecke, dürfen die beiden Schwaben-Sportler zeigen, was sie wirklich leisten. Als erster nimmt der Mercedes A 45 AMG den High Speed-Kurs unter die Räder. Er stürmt mit kernigem Klang und herrlichen Auspuffsalven nach vorn, das serienmäßige Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe legt die Gänge ruckfrei und fix nach. Erst extrem spät beginnt der Mercedes, über die 235er-Vorderräder zu schieben. Zum Übersteuern ist er nur bei abgeschaltetem ESP über einen provozierten Lastwechsel zu bewegen, dann aber drängt das Heck recht deutlich nach außen, lässt sich aber problemlos wieder einfangen. Beim harten Anbremsen vor der Spitzkehre nach Start/Ziel kommt etwas Unruhe in die Sache, da das Heck recht leicht wird. Die Leistung der Bremse lässt auch nach mehreren schnellen Runden nicht nach, die Dosierbarkeit nicht zuletzt wegen des nun längeren Pedalwegs schon. Aus der engen Spitzkehre sprintet der AMG ohne Traktionsverluste nach vorn und stürmt mit 190 km/h durch die darauffolgende Rechtskurve. Das anschließende Kurvengeschlängel durcheilt der Kompaktsportler mit imposanter Agilität bei gleichzeitig sehr hoher Fahrsicherheit. Am Ende stoppt die Uhr bei 1:41,0.

Der AMG hat also vorgelegt – und der Porsche legt nach. Wird die Sport-Plus-Taste gedrückt, mutiert der Cayman S vom bemerkenswert komfortablen Sportcoupé zum reinrassigen Vollblutsportler. Der Boxermotor dreht heiser kreischend hoch, die Musik spielt sich dabei zwischen 4500 und knapp 8000 Touren ab. Das Doppelkupplungsgetriebe (2826 Euro) legt die Gänge blitzartig und mit einem spürbaren Ruck ein und hält stets die optimale Übersetzung parat. Die erreichbaren Kurventempi liegen nochmals über denen des A 45, die Bremse verzögert auch unter extremer Belastung unnachgiebig und brilliert mit ihrem glasklaren Druckpunkt. Dank der exakten Lenkung lässt sich der Cayman S mit der Präzision eines Skalpells durch die schnellen Kurvenpassagen dirigieren und zeigt dabei keinerlei Zickigkeit, die man Mittelmotorsportlern oftmals nachsagt. Ganz im Gegenteil: Erst die hohe Fahrsicherheit und das große Vertrauen ins Fahrzeug erlauben es dem Piloten, das enorm hohe Potenzial auch ausloten zu können. Das Ergebnis ist eine Rundenzeit von 1:37,9, womit der Cayman S den Emporkömmling A 45 AMG auf der Rennstrecke eindeutig in die Schranken weist.

 

FAZIT

Der Mercedes A 45 AMG liefert für einen Kompakt-Sportler eine beeindruckende Performance ab – Hut ab und ein großes Lob nach Affalterbach. Gegen den Porsche Cayman S hat er dennoch, wenn auch zum Teil nur knapp, das Nachsehen. Der Cayman ist ein waschechter Sportwagen. Der hochdrehende Boxermotor und das überragende Handling lassen das Fahrerherz höher schlagen. Gleichzeitig ist er abseits des Tracks dank der sensiblen Federung das  komfortablere und zudem sparsamere Auto, allerdings auch deutlich teurer und weniger alltagstauglich.

TECHNIK
   

MERCEDES A 45 AMG
PORSCHE CAYMAN S PDK
Motor R4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo, Direkteinspritzung 6-Zylinder-Boxer, 4-Ventiler, Direkteinspritzung
Hubraum 1991 cm³ 3436 cm³
Leistung 265 kW / 360 PS bei 6000 /min 239 kW / 325 PS bei 7400 /min
Max. Drehmoment 450 Nm bei 2250 – 5000 /min 370 Nm bei 4500 – 5800 /min
Getriebe 7-Gang, Doppelkupplung 7-Gang, Doppelkupplung
Antrieb Allrad, permanent Hinterrad
Bremsen rundum: innenbel., gelochte Scheiben;
ABS, Bremsassistent
innenbel., gelochte Scheiben; ABS, Bremsassistent
Bereifung rundum: 235/35 R 19 Y (opt.);
Dunlop SP Sport Maxx RT
vorne: 235/35 R 19 Y;
hinten: 265/35 R 98 Y;
Pirelli PZero
L/B/H 4292/1780/1438 mm 4380/1801/1295 mm
Radstand 2699 mm 2475 mm
Leergewicht 1577 kg 1411 kg
MESSWERTE
   
0 - 100 km/h¹ 4,5 s 4,4 s
0 - 200 km/h¹ 17,0 s 15,9 s
Slalom 69,8 km/h 71,1 km/h
Bremsweg kalt/warm 33,9/32,7 m 33,4/32,0 m
Höchstgeschwindigkeit¹ 270 km/h (opt.) 281 km/h
EU-Verbrauch¹ 6,9 l SP/100 km 8,0 l SP/100 km
Test-Verbrauch 11,0 l SP/100 km 9,8 l SP/100 km
Grundpreis 49.683 Euro 66.944 Euro ²
¹ Werksangaben
² inkl. Doppelkupplungsgetriebe (PDK, 2826 Euro)

Alexander Lidl

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