Mercedes 500 E/Porsche 928 S4: Classic Cars Kult-Benz trifft Osterei

04.05.2016

Was haben ein Porsche 928 S4 (Spitzname "Osterei") und der Mercedes 500 E gemeinsam, um sich in diesem Vergleichstest auf Augenhöhe zu begegnen? Beide tragen einen Fünfliter-V8 vorn unter der Haube, beide kommen aus dem Stuttgarter Porsche-Werk!

Fremdaufträge gab es im Hause Porsche immer wieder einmal. In den Achtzigerjahren beispielsweise arbeitete die Entwicklungsabteilung in Weissach für Airbus und gestaltete das Cockpit des neuen Passagierflugzeuges. Ende der 90er entwickelten Porsche-Ingenieure das flexible Sitzkonzept des Opel Zafira. Und wenige Jahre später konstruierte Porsche Engineering einen V2-Motor für Harley-Davidson. Dass für einen anderen Hersteller ein ganzes Auto, noch dazu ein sportliches, im Porsche Werk 1 in Stuttgart-Zuffenhausen gefertigt wird, war 1990 allerdings doch etwas Besonderes. Der Grund: Das Familienunternehmen Porsche steckte in einer tiefen Krise und konnte seine Fertigungsanlagen mit nur noch rund 30.000 Autos pro Jahr nicht auslasten. Mercedes wiederum suchte einen Partner für eine sportlich ausgelegte Top-Version oberhalb des 300 E in der Baureihe W124. So kam es, dass Porsche-Ingenieure durch Feinschliff an Fahrwerk und Motor mithalfen, einen echten Porsche-Schreck mit vier Türen auf die Räder zu stellen. Angesichts der Eckdaten des 500 E konnten potenzielle Käufer des eigenen Modells 928 S4 durchaus ins Grübeln kommen: Hier wie dort steckte ein Fünf-Liter-V8 unter der Haube, jeweils mit vier Ventilen pro Brennraum. Sattes Drehmoment und souveräne Leistungsentfaltung garantierten beide, der Porsche demonstrierte sogar praktische Qualitäten mit einzeln umklappbaren Rücksitzlehnen.

 

Mercedes 500 E trifft auf Porsche 928 S4 im Vergleich

Dafür bot der Mercedes den beiden hinten Mitreisenden mehr Platz und war noch einen Tick stärker: Gegenüber dem 500 SL Roadster holten die Entwickler 30 Newtonmeter mehr aus dem Motor heraus und steigerten dessen maximales Drehmoment auf 480 Newtonmeter. Da konnte der 928 S4, mit seinen 430 Newtonmeter gewiss nicht schwach auf der Brust, nicht mehr ganz mithalten. Im Test der AUTO ZEITUNG belegte der 500 E prompt, dass er trotz seines 200 Kilo höheren Gewichts nahezu auf Augenhöhe mit dem Porsche 928 lag. Der Standardsprint von 0 auf 100 km/h ging zwar mit einem Wimpernschlag zugunsten des 928 S4 (6,3 Sekunden mit Automatik) aus, aber 6,5 Sekunden waren für eine 1830 Kilo schwere Limousine ein Fabelwert, den ansonsten nur Konkurrenten vom Schlage eines BMW M5 erreichten. Den Kilometer mit stehendem Start legte der 500 E in 26,3 Sekunden zurück und stand damit auch in dieser Disziplin dem Porsche (25,9 Sekunden) kaum nach. Nur in der Höchstgeschwindigkeit musste sich der Mercedes deutlich geschlagen geben, einerseits wegen seiner relativ kurz gewählten Hinterachsübersetzung, andererseits aufgrund der Abregelung bei 250 km/h. Ohne diese Handicaps wären theoretisch über 280 km/h möglich gewesen, rechnete man damals aus. Der Porsche, durch keinen Chip gebremst, rannte 265 km/h, war dabei allerdings im Innenraum lauter. Im Mercedes dagegen waren bis Tempo 190 praktisch keine Windgeräusche zu hören. Gemessen an den Maßstäben ihrer Zeit zeigten sich beide Boliden fahrwerksseitig zwar eher von der harten Seite.

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1991 war der Porsche teurer, heute der Mercedes

In unseren moderner Zeiten per Tastendruck verstellbarer Fahrwerke mit adaptiven Dämpfern ist man allerdings geneigt, die Feder-/Dämpfer-Abstimmung hier wie dort als gelungen und durchaus für lange Strecken geeignet einzustufen. Der nach dem Transaxle-Prinzip – Motor vorn, Getriebe hinten – konstruierte 928 S4 begeistert dabei durch sein ausgewogenes, sehr sicheres Fahrverhalten. Umso überraschender ist es wohl, dass auch der 500 E über enorme Sicherheitsreserven verfügt. Zwar wirkt er eine Spur schwerfälliger, dafür hält seine Antriebsschlupfregelung die 326 PS jederzeit wirkungsvoll unter Kontrolle. Er vereint auf beeindruckende Weise die Tugenden eines GT-Sportwagens mit den Vorzügen einer Limousine und bleibt dabei extrem unauffällig und kultiviert – ein Bär im Lammfell. Der 928 hingegen überzeugt seine Fans bis heute mit dem Charme seiner individuell geformten Karosserie. Als S4 bietet er zudem einen Reifegrad, der uneingeschränkte Solidität auf höchstem Niveau verspricht. Wer noch mehr Sportlichkeit anstrebt, sollte sich nach einem 928 GT umsehen: Der bekam damals nicht nur zehn PS mehr spendiert, sondern war auch nur mit Fünfgang-Schaltgetriebe zu bekommen, das für mehr Agilität sorgte.Porsche als Neuwagen rund 15.000 Mark teurer war als der Mercedes, liegt er heute laut Classic Data im Zustand 2 ein paar tausend Euro unter diesem. Dafür ist seine Ausstattung noch einen Tick umfangreicher und bietet beispielsweise eine Diebstahlwarnanlage serienmäßig. Mit einem Verbrauch jenseits der 15 Liter müssen die Besitzer in beiden Fällen rechnen. Aber am Ende stand und steht wohl immer noch die Frage: Welcher der beiden Klassiker bietet die Art von Fahrspaß, die zu mir passt? Die Antwort kann nur eine Probefahrt liefern.

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Technische Daten Mercedes 500 E Porsche 928 S4
Zylinder/Ventile V8/4 V8/4
Hubraum 4973 cm³ 4957 cm³
Leistung
bei
240 kW/326 PS
bei 5700/min
235 kW/320 PS
bei 6000/min
Max. Drehmoment
bei
480 Nm
bei 3900/min
430 Nm
bei 3000/min
Getriebe Vierstufen-Automatik Vierstufen-Automatik
Antrieb Hinterrad Hinterrad
0 - 100 km/h 6,5 s 6,2 s
Höchstgeschw. 250 km/h 265 km/h
Preis von 8.100
bis 29.000 Euro
von 8.700 
bis 25.400 Euro

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