Mercedes 220 SE vs. Opel Kapitän P: Vergleich Blitz trifft Oberhaupt

21.05.2015

Er gilt als der beste Kapitän aller Zeiten: Opels 1959 vorgestellter Typ P-LV verkaufte sich sensationell gut – doch das Prestige eines Mercedes SE erreichte er nie. Vergleich

Wer im Jahre 1959 das Geld für eine Limousine der Oberklasse locker hatte, für den hielt der deutsche Markt einige Leckerbissen bereit. Bei BMW war nach wie vor der „Barockengel“ mit seinem Achtzylinder das Maß der Dinge.

Mit seinen geschwungenen Formen wirkte er damals allerdings schon wie ein Dinosaurier, dazu verdammt, von den scharfkantigen Heckflossen der Konkurrenz filetiert zu werden.

Borgwards neuer P100 debütierte erst im September 1959. Serienstart: 1960. Die Fans der Marke mussten sich in Geduld üben – oder sie schauten nach Stuttgart oder Rüsselsheim, wo gänzlich neue Modelle von sich reden machten.

 

Opels Kapitän schickte sich an, nach den Sternen zu greifen

Der Luxuswagen war in seinen Dimensionen gewachsen und geriet im Stil nochmals amerikanischer. Seit 1953 war er nun schon der vierte Kapitän auf der Rüsselsheimer Kommandobrücke.

Tester und Publikum kamen kaum noch nach bei so viel frischem Blech mit Blitz vorn dran. Im Schwäbischen machte die Einheitskarosserie des flammneuen W111 Schluss mit der Ponton-Behaglichkeit der frühen 50er-Jahre.

Mit neuer glattflächiger Karosserie und modischen Peilkanten fürs Heck brachen die Sternenjünger ins neue Jahrzehnt auf – und waren der Konkurrenz in vielerlei Hinsicht weit voraus.

Doch so zukunftsweisende Errungenschaften wie Einspritzanlage, Sicherheitsfahrgastzelle und modernes Fahrwerk hatten ihren Preis. Opel hingegen senkte sogar den Listenpreis.

Eine Kampfansage ans Oberhaus. Mehr Auto fürs Geld bot seinerzeit keiner, denn Hauptkonkurrent Ford hatte dieses Marktsegment noch lange nicht für sich erschlossen, und auch in Wolfsburg tat sich nichts, denn der dort gerade in der Entwicklung befindliche Typ 3 (VW 1500) war so gerade eben Mittelklasse. Mehr aber auch nicht.

Doch auch wenn der Opel P 2.6 (werksinterner Code P-LV) in einer Liga mit dem Mercedes W111 spielen wollte, so trennten die beiden doch Welten im Fahrzeugbau. Und das merkt man auch heute noch.

Der Kapitän empfängt mit großen Türen und plüschigen Einzelsitzen vorn, die leider so gut wie gar keinen Seitenhalt bieten. Der Innenraum wirkt einen Tick zu verspielt für eine Fahrzeugklasse, die sich an gesetztere Semester mit einer Brieftasche voll hart verdienter D-Mark wendete.

Der Walzentacho des Kapitäns mit Farbcode für die gefahrene Geschwindigkeit (grünes Band bis 50 km/h, gelbes bis 80, darüber rot) ist dem Zeitgeist geschuldet, doch immerhin noch recht gut ablesbar.

Überhaupt lässt sich dem großen Opel in puncto Bedienung nur wenig Schlechtes nachsagen. Die Dreigang-Schaltung rastet präzise ein, die damals mitunter von Testern bemängelten Pedale mit dem weiten Weg von Gas zur Bremse erscheinen mit einem bisschen guten Willen nicht übel.


Die Rundumsicht ist hervorragend, solang es nicht regnet


Denn das Wischfeld ist ein schlechter Witz. Ein weiteres Sicherheitsmanko: Das rechte Knie des Fahrers kommt schon bei einer überraschenden Gewaltbremsung mit den massiven Griff der Feststellbremse schneller auf Du-und-Du, als einem lieb sein kann.

Die Lenkung erweist sich als relativ gefühllos. Der Opel wankt zudem in Wechselkurven wie ein Schiff – eigentlich ja ganz passend für einen Kapitän, zumal der Seegang gut zu beherrschen ist.

Doch gerade im Vergleich zum Mercedes war das fahrwerkstechnisch einfach zu wenig, denn was die Schwaben 1959 präsentierten, lag nahe an der Perfektion für jene Zeit.

Unser 220 SE-Testwagen hat allerdings auch besondere Vorteile – dank seines Besitzers Carl Simons, der in sehr gute Reifen und ein strafferes Fahrwerk investiert hat.

Damit zirkelt der W111 sauber um jede Ecke. Die Lenkung gehorcht weit präziser als die des Opel. Der Kapitän mit seinen drei Gängen (plus Overdrive) gerät bei voller Kraftentfaltung trotz erheblich schmalerem PS-Budget weit weniger ins Hintertreffen, als man zunächst vermuten würde.

Denn das volle Drehmoment des hubraumstarken Rüsselsheimers liegt bereits unter 2000 Umdrehungen an und bleibt lange Zeit auf hohem Niveau. Damit lädt er zu schaltfaulem Fahren und zum Cruisen ein.

Der Mercedes bietet nicht mehr Platz als der Opel. Und auch die Rundumsicht ist ganz ähnlich. Doch die Heckflosse spielt beim Sitzkomfort ihre Stärken aus. Die vorderen Einzelsitze geben mehr Halt, und auch hinten reist man bequemer.

Weitere Pluspunkte sammelt der 220 SE b bei der Sicherheit, denn nicht nur die in Crashtests erprobte Fahrgastzelle mit Knautschzonen davor und dahinter machten ihn zum innovativeren Auto, sondern auch die Innenraumgestaltung mit nachgiebigen Materialien.

Zudem sind die viel größeren Heckleuchten im Dunkeln besser erkennbar. Damals war sich die Fachwelt einig: Mercedes baut das bessere Auto. Doch auch Opel hatte mit dem P-LV alles richtig gemacht, denn nie zuvor hatten sich so viele Käufer für den Kapitän begeistert.

Wer heute einen Klassiker der Oberklasse aus jenen Tagen sucht, ist aber beim Mercedes besser aufgehoben. Denn Oberklasse verkörpert nun mal der Benz viel mehr als der Opel – und zeitloses Design und Eleganz zählen mehr als kurzlebige Mode.

Mercedes 220 SE b W111 (Bj.: 1959-65): Technische Daten und Fakten
R6-Zylinder, vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; eine obenl. Nockenwelle, Kettenantrieb; Gemischbildung: Bosch Zweistempel-Einspritzpumpe; Bohrung x Hub: 80,0 x 72,8 mm; Hubraum: 2195 cm3; Verdichtung: 8,7; Leistung: 88 kW/120 PS bei 4800/min; maximales Drehmoment: 189 Nm bei 3900/min; Viergang-Getriebe; Lenkradschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttr. Ganzstahlkar. mit vier Türen; Radaufhängung vorn: Doppel-Querlenker, Stabi.; hinten: Eingelenk-Pendelachse, Schubstreben, Ausgleichsfeder; v./h. Schraubenfedern, Teleskopstoßd.; Kugelumlaufenkung; Bremsen: v./h. Trommeln, Servo; Reifen: 7.25–13; Stahl-Räder: 5 x 13
Eckdaten
L/B/H: 4875/1795/1500 mm; Radstand: 2750 mm; Spurweite v./h.: 1482/1485 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1380/1875 kg; Tankinhalt: 65 l; Bauzeit: 1959 bis 1965; Stückzahl (220 SE b): 66.086; Preis (1959): 14.500 Mark
Fahrleistungen1
Beschleun.: 0 auf 100 km/h in 14,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h; Verbrauch: 14,0 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2: 25.000 Euro
Zustand 3: 12.800 Euro
Zustand 4:    5400 Euro
Wertentwicklung: leicht steigend
Definition der Zustandsnoten

Opel Kapitän P (Bj.: 1959-63): Technische Daten und Fakten
R6-Zylinder, vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; eine seitliche Nockenwelle, Stirnradantrieb; Gemischbildung: ein Fallstromvergaser Opel 36 mm (Lizenz Carter); Bohrung x Hub: 85,0 x 76,5 mm; Hubraum: 2605 cm3; Verdichtung: 8,2; Leistung: 66 kW/90 PS bei 4100/min; maximales Drehmoment: 191 Nm bei 1900/min; Dreigang-Getriebe; Lenkradschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttr. Ganzstahlkarosserie mit vier Türen; Radaufhängung vorn: Doppel-Querlenker, Schraubenfedern, Stabi.; hinten: Starrachse (Banjo-Typ), vier Blatt-Halbf. ; v./h. Teleskopstoßdämpfer; Kugelumlauflenkung; Bremsen: v./h. Trommeln; Reifen: 7.00–14; Stahl-Räder: 5 x 14
Eckdaten
L/B/H: 4831/1812/1512 mm; Radstand: 2800 mm; Spurweite v./h.: 1378/1374 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1340/1820 kg; Tankinhalt: 55 l; Bauzeit: 1959 bis 1963; Stückzahl: 145.618; Preis (1959, L-Ausstattung): 10.675 Mark
Fahrleistungen1
Beschleun.: 0 auf 100 km/h in 16,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h; Verbrauch: 12,0 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:  18.600 Euro
Zustand 3:  10.700 Euro
Zustand 4:     4400 Euro
Wertentwicklung: stagnierend
Definition der Zustandsnoten

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