Meilensteine der Auto-Technik Es geht voran

29.09.2011

ABS, Allrad, Airbags Diesel und Turbolader: Durch diese Meilensteine der Technik wurden unsere Autos sicherer, schneller und sparsamer

Neue Autos werden immer teurer? Klar, in ihnen steckt ja auch immer mehr Technik. Vor allem in den vergangenen 40 Jahren forschte und entwickelte die Automobilindustrie mit enormen Aufwand. Nicht immer mit bleibendem Erfolg – aber immer fleißig. Die Meilensteine der letzten vier Jahrzehnte sehen Sie auf diesen Seiten.

SERIEN-TURBO
Abgasturbolader dienten früher nur einem Zweck: mehr Leistung. Dabei heizt der Lader den Brennräumen wie ein Blasebalg ein. Doch die Verbrennung unter höherem Druck machte sich an der Zapfsäule bemerkbar. Das war auch beim ersten Großserienmodell mit Turbolader so, dem BMW 2002 Turbo. Wegen der kleinen Turbine leistete der Zweiliter damals rekordverdächtige 170 PS. Heute helfen Turbolader beim Sparen: Dank der Aufladung können Motoren mit wenig Hubraum ähnliche Leistungswerte erreichen wie größere Aggregate (Downsizing). Und durch elektronische Steuerung entfalten die Turbos nur dann ihr volles Potenzial, wenn es wirklich nötig ist.

ANTI-BLOCKIER-SYSTEM
Wer heutzutage den Führerschein macht, wird von dem Begriff „Stotterbremse“ kaum noch etwas hören. Mittlerweile sind nahezu alle Neuwagen serienmäßig mit einem Antiblockiersystem ausgerüstet und lassen sich auch dann leicht beherrschen, wenn stark gebremst wird. Wer früher bei einer Vollbremsung lenken wollte, musste kurz vom Pedal gehen, um das Blockieren der Räder zu verhindern. Entwickelt wurde das erste mechanische ABS schon in den 60er-Jahren. Doch erst die elektronische Variante von Bosch zog erstmals in die Serienproduktion ein. Gegen hohe Aufpreise wurde 1978 zunächst die S-Klasse, später auch der 7er BMW damit ausgestattet.

ALLRADANTRIEB
Fahrzeuge mit Allradantrieb gab es schon Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Doch der starre Zuschaltantrieb war meist nicht für den normalen Straßenbetrieb geeignet. Die Entwicklung des Permanentallrads, bei dem die Drehzahlen der beiden Achsen über ein Differenzial ausgeglichen werden, fand erst in den 60er Jahren statt. Audi brachte das System 1980 mit dem Ur-Quattro zur Groß-Serienreife und entwickelte den Permanentallradantrieb bis heute zur Perfektion.

AIRBAG
Die Idee des Luftsacks, der bei einem Aufprall die Insassen schützt, ist einfach und stammt aus den 50er-Jahren. Zwei Jahrzehnte später kam es zu den ersten Einsätzen im Auto. Diese amerikanischen Systeme (Cadillac, Buick) wurden mit Druckluft betrieben, sorgten aber bei ihrer Entfaltung für schwere, mitunter tödliche Verletzungen. Mercedes hingegen experimentierte mit einem Textilbeutel, der durch eine pyrotechnische Treibladung aufgepumpt wird – das Erfolgsrezept. In der S-Klasse feierte dieser Airbag 1980 Premiere.

DIESEL-DIREKTEINSPRITZUNG
Die frühen Serienmotoren mit direkt in den Brennraum einspritzendem Diesel nagelten in italienischen Nutzfahrzeugen von Fiat. Die Fiat-Tochter Magneti Marelli entwickelte für das Aggregat eine elektronische Einspritzung und konnte den unkomfortablen Lauf kultivieren. Im Fiat Croma von 1987 arbeitete der 92 PS starke Zweiliter-Motor dann zum ersten Mal in der Serie.

ALUMINIUM-KAROSSERIE
Gewichtsersparnis war in der Automobilindustrie auch schon früher ein wichtiges Thema. Anfangs experimentierte man mit dem leichten Werkstoff Aluminium. Das erste Auto, das weitgehend aus Alu bestand, war der Honda NSX. Audi baut seit 1994 Autos mit selbsttragender Aluminium-Karosserie (Audi Spaceframe).

ESP
Wer hat nicht noch die Bilder der umgekippten A-Klasse nach dem Elchtest im Kopf? Mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm wäre das nicht passiert. Drum rüstete Mercedes damals sämtliche A-Klassen mit dem System aus, das bei drohender Schleudergefahr bestimmte Räder abbremsen kann, um das Fahrzeug zu stabilisieren. Ein teures Unterfangen. Doch von da an war das von Mercedes und Bosch entwickelte ESP jedem geläufig.

BENZIN-DIREKTEINSPRITZUNG
Schon der Supersportwagen von Mercedes-Benz von 1954 war mit diesem System ausgerüstet – allerdings nicht elektronisch gesteuert wie bei modernen Varianten. Weil hier das Benzin nicht mehr wie bisher in das gemeinsame Ansaugrohr aller Zylinder eingespritzt wird, sondern direkt in jeden einzelnen Brennraum, lässt sich die Kraftstoffmenge besser dosieren und die Verbrennung optimieren. Was mit dem GDI-Motor von Mitsubishi einst in der Großserienproduktion begann, mündet heute in Verbrauchswerten von etwa fünf Litern je 100 Kilometer (Golf TSI).

HYBRID
Das erste Fahrzeug, das mit Verbrennungs- und Elektromotor ausgestattet war, bauten Ferdinand Porsche und Ludwig Lohner schon vor mehr als 100 Jahren. Das erste in großer Stückzahl produzierte Hybridauto ist der Toyota Prius der zweiten Generation von 1997 – mittlerweile gibt es ihn in dritter Generation.

PUMPE-DÜSE
Dieses Einspritzverfahren ist durch Volkswagen berühmt geworden und hat Ende der 90er- Jahre einen wahren Dieselboom ausgelöst. Turbodiesel erreichten nun endlich sportliche Fahrleistungen – und das bei absolut geringem Verbrauch. Allerdings hat sich auch bei VW das günstigere Common-Rail-System durchgesetzt, das auch bei niedrigen Drehzahlen hohe Drücke erzeugen kann und unabhängig vom Nockenantrieb einspritzen kann.

AKTIVES FAHRWERK
Das erste Auto, das ein vollaktives Fahrwerk besaß, war der Mercedes CL (Baureihe C215) aus dem Jahr 1999. Durch die elektronisch geregelten, aktiven Dämpferelemente konnte das Auto Wank- und Nickbewegungen komplett ausgleichen und den Federungskomfort den Bedürfnissen der Insassen anpassen.

KERAMIKBREMSE
Als Hochleistungsbremse ist die Scheibe aus dem Wunderwerkstoff Karbon-Keramik besonders für Supersportwagen interessant. Dort verrichtet sie trotz oft extremer thermischer und mechanischer Belastungen ihre Arbeit auf höchstem Niveau – und das bis zu 300 000 Kilometer lang.

START-STOPP
Kraftstoff kann nicht nur während der Fahrt gespart werden, sondern auch im Stand. Unter der Bezeichnung BMW Vision EfficientDynamics Concept rüstet BMW seine 1er- und 3er- Modelle schon seit einigen Jahren mit dieser und anderen spritsparenden Maßnahmen aus.

LED-SCHEINWERFER
Was sich bei Rücklichtern längst durchgesetzt hat, hält nun auch Einzug in die Scheinwerfertechnik. LEDs sind langlebiger, sparsamer und heller als alle bisherigen Lichtquellen. Zudem lassen sie sich in beliebiger Stückzahl kombinieren und schenken Designern neue Möglichkeiten der Fahrzeuggestaltung.
Markus Schönfeld

AUTO ZEITUNG

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