Mehr Lust als Last - Edle Kombis mit Diesel Mehr Lust als Last

30.11.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Es tut sich was in der Welt der Edel-Kombis. Die modellgepflegte C-Klasse soll dem neuen Jaguar X-Type Estate und der Konkurrenz von Audi und BMW Paroli bieten

Dass Kombis in erster Linie für den Transport schwerer Lasten angeschafft werden, ist längst Geschichte. Der alltägliche Blick auf die zahlreichen leeren Ladeflächen von Audi Avant, BMW Touring & Co. im Straßenbild beweist: Kombifahren hat sich zum Ausdruck eines Lebensgefühls entwickelt. Rationale Kriterien wie Kofferraumvolumina oder Anschaffungspreise treten bei der Kaufentscheidung oftmals zu Gunsten von Design und Image in den Hintergrund. Kurzum: Das Klientel der Lifestyle-Kombis verfährt immer öfter nach dem Motto: mehr Lust als Last.

 

Karosserie

Die Wandlung des Jaguar X-Type zum Kombi kommt den Insassen vor allem im Fond zugute, denn im Estate genießen die Passagiere eine spürbar größere Kopffreiheit als in der Limousine. Bei Bedarf stehen bis zu 1415 Liter Laderaum zur Verfügung. Das ist zwar allenfalls Kompaktklasse-Niveau (VW Golf Variant: 1470 Liter), stellt aber im Kreis der Testkonkurrenz das Maximum dar. Dafür mangelt es dem Briten noch ein wenig an Verarbeitungsqualität, wie der stellenweise lose Dachhimmel beweist. Immerhin entschädigt er bereits in der Basis-Version Classic mit großzügigen Sapelli-Mahagoni-Holzeinlagen im Armaturenbrett. An die umständliche Klimaanlagen-Bedienung via Touchscreen muss man sich allerdings erst gewöhnen. So lässt sich die Luftverteilung nicht direkt regeln, sondern erfordert den Umweg über die Klima-Menü-Taste. Wo der Jaguar auf Edelholz setzt, kontert der Mercedes ab sofort mit mehr Sportlichkeit. So haben die Stuttgarter Abschied vom Küchenwaagen-Design des Tachos genommen und nun vier gut ablesbare Rundinstrumente installiert, die über alles Notwendige informieren. Im Zuge des Facelifts geriet die Betätigung des Heckwischers allerdings in den ohnehin bereits mit Blinker-, Fernlicht- und Scheibenwischerbetätigung überfrachteten Lenkstockhebel. Dafür bietet die Karosserie des Stuttgarters die beste Übersichtlichkeit im Quartett. Dennoch überholt der Audi A4 Avant den Schwaben. Er bietet das großzügigste Raumangebot, eine Verarbeitung, die einen hohen Reifegrad erkennen lässt, sowie eine durchweg gute Funktionalität. Ähnliches gilt für den BMW, der jedoch beim Platzangebot deutlich hinter Mercedes und Audi zurückfällt. Zwar glänzt der Münchner - ebenso wie die beiden anderen Deutschen - mit einer guten Sicherheitsausstattung, doch die Fond-Kopfstützen passen mit ihrem unterdimensionierten Einstellbereich nicht so recht ins Bild eines hochwertigen Lifestyle-Kombis.

KarosserieMax. PunkteBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TAudi A4 Avant 1.9 TDIJaguar X-Type Estate 2.0 D
Raumangebot vorn10060697055
Raumangebot hinten10055586557
Übersichtlichkeit7060656060
Bedienung/ Funktion10090788570
Kofferraumvolumen10060645962
Variabilität10023302315
Zuladung/ Anhängelast8035363836
Sicherheit150131128128113
Qualität/ Verarbeitung200190185190170
Kapitelbewertung1000704713718638

 

Fahrkomfort

Vor allem auf Langstrecken zeigt sich, dass Komfort nach wie vor zu den klassischen Mercedes-Tugenden zählt. Frei von störenden Windgeräuschen und dank einer wirkungsvollen Motorkapselung zählt die C-Klasse zum Besten, was man derzeit in dieser Klasse kaufen kann. Dazu trägt die gelungene Feder-Dämpfer-Abstimmung bei, die sowohl im beladenen wie unbeladenen Zustand ein hohes Schluckvermögen aufweist. Dass das Bessere des Guten Feind ist, beweist einmal mehr der BMW. Seine Federelemente sprechen noch eine Spur sensibler an und lassen den Bayern geschmeidig über Querfugen, Bodenwellen und Schlaglöcher gleiten. Davon kann im Audi Avant keine Rede sein, dessen Hinterachse Asphaltunebenheiten wesentlich schlechter abfängt. Der an sich komfortabel abgestimmte Jaguar beeinträchtigt das Wohlbefinden der Insassen auf schlechter Fahrbahn durch erhebliches Karosseriezittern. Bei maximaler Zuladung verschlechtert sich der Federungskomfort insbesondere auf Querfugen deutlich. Daran haben auch die 225/45er-Reifen im 17-Zoll-Format ihren Anteil.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TAudi A4 Avant 1.9 TDIJaguar X-Type Estate 2.0 D
Sitzkomfort vorn150951009588
Sitzkomfort hinten10065707068
Ergonomie150130125120110
Innengeräusche5034363432
Geräuscheindruck10065705564
Klimatisierung5040413737
Federung leer200150140140145
Federung beladen200153150147140
Kapitelbewertung1000732732698684

 

Motor und Getriebe

Mit der Modellpflege erhielt der Motor im C 220 CDI eine Überarbeitung. So leistet der Common-Rail-Diesel der zweiten Generation fortan 150 statt bisher 143 PS. Zudem sorgen zwei gegenläufig rotierende Ausgleichswellen nun dafür, dass der Vierventiler sehr vibrationsarm läuft. Geblieben ist hingegen eine leichte Anfahrschwäche, die die Kraft etwas verzögert einsetzen lässt. Obwohl der Mercedes willig bis in den roten Bereich hineindreht und mit 340 Newtonmetern über das höchste Drehmoment verfügt, zieht er den anderen jedoch nicht davon. Denn das Sechsgang-Getriebe senkt in den oberen Gängen die Drehzahl soweit, dass die C-Klasse nur dann den Anschluss behält, wenn der Fahrer fleißig schaltet. Dieses gelingt dank verbesserter Schaltpräzision nun einfacher. An die hohe Präzision der BMW-Schaltbox reicht der Mercedes dennoch nicht heran. Noch knackiger und mit kürzeren Wegen arbeitet das Fünfgang-Getriebe des Jaguar. Seine kurze Übersetzung sorgt dafür, dass der Reihenvierzylinder im X-Type Estate beim Zwischenspurt mit dem Mercedes gleichzieht. Der kultivierte Zwei-Liter mit 130 PS stammt von der Konzernmutter Ford und verfügt über eine Overboost-Funktion, die das maximale Drehmoment von 330 auf kurzfristig 350 Newtonmeter erhöht. Mit einem Verbrauch von 7,9 Liter Diesel auf 100 km zeigt der X-Type Estate den größten Durst. Dass es trotz gleicher Leistung auch sparsamer geht, beweist der Audi A4 1.9 TDI. Er genehmigte sich im Schnitt 7,3 Liter auf der Teststrecke und liegt somit auf gleichem Verbrauchsniveau wie der – allerdings leistungsstärkere – Mercedes. Der Ingolstädter wandelt Gasbefehle sogar noch lustvoller um als der Brite - und zwar so spontan, dass der Test-Audi beim Sprint von null auf 100 km/h mit 9,8 Sekunden sogar die Werksangabe von 10,2 Sekunden unterbot. Vom kultivierten Klangbild eines Mercedes, BMW, oder Jaguar ist der TDI mit Pumpe-Düse-Einspritzung hingegen weit entfernt. Auch die etwas hakelige Sechsgang-Schaltung sorgt für Punktabzug. Der seidenweiche 320d besitzt eine gleichmäßige Kraftentfaltung, hält sich akustisch zurück und beschleunigt in rasanten 9,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Dies beschert ihm die Spitzenposition und trägt dazu bei, dass der Münchner in der Summe aller Motor-Getriebe-Eigenschaften am meisten überzeugt. Hohe Reisetempi lassen sich mit allen vier Kombis realisieren. Die Spitze markiert der Mercedes mit 218 km/h ( BMW 216 km/h). Der Audi fällt mit 206 km/h etwas zurück. Der Jaguar verfehlt mit 198 km/h als einziger die magische 200-km/h-Hürde.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TAudi A4 Avant 1.9 TDIJaguar X-Type Estate 2.0 D
Beschleunigung150150146147142
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15086887668
Getriebeabstufung10090768092
Kraftentfaltung50
Laufkultur10055554050
Verbrauch325165167167161
Reichweite2532323829
Kapitelbewertung1000578564548542

 

Fahrdynamik

Direct Control nennt Mercedes die neue Auslegung der gelifteten C-Klasse, die neben besserer Schaltbarkeit und einer optimierten Lenkung auch sensibler ansprechende Federelemente umfasst. Das modifizierte Fahrwerk und die gut sieben Prozent direktere Lenkung haben das Fahrverhalten der neuen C-Klasse spürbar verbessert. Auf dem Handlingparcours zeigt sie sich weniger untersteuernd und sehr stabil. Und sollte es der Fahrer mit abgeschaltem ESP übertreiben, meldet sich der elektronische Helfer aus dem Hintergrund spontan eingreifend zurück. Die neue Lenkabstimmung vermittelt zwar ein besseres Fahrgefühl, an die feinfühlige und punktgenaue BMW-Lenkung kommt sie jedoch nicht heran. Dafür kann der Bayer mit dem lammfrommen Verhalten der C-Klasse nicht mithalten. Bei provozierten Lastwechseln mit deaktiviertem DSC (ESP) bekommt der Fahrer alle Hände voll zu tun, um das nervös ausscherende Heck wieder einzufangen. Davon bleibt man im Audi verschont: Selbst mit ausgeschaltetem ESP lässt sich der A4 nicht aus der Ruhe bringen. Die starke Seitenneigung und große Lenkwinkel vermitteln jedoch, wie beim Jaguar, weniger Fahrspaß als im BMW. Bei der Fahrsicherheit operiert der Jaguar auf ähnlich hohem Niveau wie der Audi.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TAudi A4 Avant 1.9 TDIJaguar X-Type Estate 2.0 D
Handling15084838178
Slalom10049483655
Lenkung10070565552
Geradeauslauf5034353735
Bremsdosierung3038302935
Bremsweg kalt150126108104110
Bremsweg warm15013210293100
Traktion10035372531
Fahrsicherheit150100125125115
Wendekreis2037363434
Kapitelbewertung1000705660619645

 

Umwelt und Kosten

Der mit optionalem Rußpartikelfilter (580 Euro) ausgerüstete, wertstabile C 220 CDI erfüllt die EU-4-Abgasnorm. Diese erreicht auch der BMW 320d seit diesem Monat. Allerdings besitzt der Münchener keinen Partikelfilter. Folglich ist sein Schadstoffausstoß höher. Dennoch: Günstige Wartungskosten, eine niedrige Kfz-Steuer und das beste Garantiepaket (zusammen mit dem A4), sichern dem 3er einen knappen Sieg vor dem C 220. Wesentlich schlechter präsentieren sich Audi und Jaguar, die nur nach EU 3 zertifiziert sind. Der Jaguar verspielt im Kostenkapitel Punkte durch kurze Inspektionsintervalle und die dadurch bedingten hohen Werkstattkosten.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TAudi A4 Avant 1.9 TDIJaguar X-Type Estate 2.0 D
Bewerteter Preis675205199207207
Wertverlust5058625842
Ausstattung2593899392
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5035303532
Werkstattkosten2044414335
Steuer1035312119
Versicherung4038374133
Kraftstoff5542424241
Emissionswerte2577816768
Kapitelbewertung1000627612607569

 

Fazit

Den 3er-BMW vermag auch eine aufgefrischte C-Klasse nicht vom Thron zu stoßen. Dennoch zeigt der geringe Punktabstand, dass die Entscheidung für einen der beiden letztendlich eine Geschmacksfrage ist. Unerreicht ist die Langstreckenqualität des Mercedes. Der Audi besticht durch das bessere Platzangebot, lässt aber bei der Laufkultur Wünsche offen. Der neue Jaguar leistet sich keine gravierenden Schwächen – die überzeugende Antriebseinheit und die Exklusivität der Marke werden so manchen Individualisten ansprechen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TAudi A4 Avant 1.9 TDIJaguar X-Type Estate 2.0 D
Summe50003346328131903078
Platzierung1234

Tags:
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