Fahrbericht: McLaren MP4 12C Spider British Open

06.11.2012

Der MP4-12C erhält im kommenden Modelljahr auf Wunsch ein Dach zum Öffnen – und heißt dann Spider. Auch die Leistungskur auf 625 PS ist neu. Die ersten Eindrücke in unserem Fahrbericht

Eigentlich bleibt alles wie gehabt. Karbon-Monocoque, Alu-Hilfsrahmen, Kunststoff-Karosserie. Diese Zutaten kennen wir bereits vom Coupé MP4-12C. Der technische Unterschied zum McLaren MP4-12C Spider sind 40 Kilogramm weniger Gewicht und garantiert freie Sicht auf den Himmel dank Hardtop zum Klappen.

Einmal bis 17 gezählt, und das dreiteilige Kohlefaser-Dach ist in einer kleinen Nische zwischen Motor und Sitzen verstaut – selbstverständlich per Knopfdruck und vollelektrisch. Schließlich befinden wir uns in der Upper Class des Automobilbaus. Und in der ist man wohl gern bereit, für die offene Variante 22.950 Euro mehr auf den Tisch zu legen als für das Coupé. Womit wir beim zweiten Unterschied sind und der Frage, warum McLaren aus dem für die meisten Menschen extrem hohen Kaufpreis von 231.650 Euro nicht eine runde Summe gemacht hat.

 

leichte KlaPPdach-techniK auS deutSchland

Für Entwicklung und Bau des Dachsystems ist der deutsche Spezialist Webasto verantwortlich, der bereits Erfahrung mit Cabrio-Dächern für Sportwagen der 300-km/h-Plus-Liga hat. Ist das Dach geschlossen, gibt es sogar 52 Liter mehr Stauraum als im Coupé – maßgeschneiderte Stoffbeutel sind inklusive. Auch ein Windschott in Form einer kleinen Heckscheibe gehört dazu. Es steht zwischen den Überschlagschutz-Höckern und kann stufenlos und ebenfalls per Knopfdruck versenkt werden, reduziert die Luftverwirbelungen im Cockpit aber kaum. Vielmehr erhöht es die Klangqualität, denn selbst bei geschlossenem Verdeck kann man es herunterfahren, um den V8-Sound noch ungefilterter zu genießen. Der ist markant und kann auch laut, klingt beim Dahingleiten bis 3000 Touren aber niemals nervig dröhnig, sondern im Vergleich mit dem 458 Italia von Ferrari beinahe etwas zurückhaltend.

Neu ist auch, dass der 3,8 Liter große Bi-Turbo nun 25 PS mehr entwickelt und seinen Leistungszenit jetzt bei 7500 Umdrehungen pro Minute erreicht. Kunden, die sich dieses Jahr bereits ein MP4-12C Coupé gekauft haben, bekommen die 25 Extra-Pferdestärken kostenlos beim nächsten Inspektions-Check per Software-Update. Und wem die neue Türentriegelung per Knopfdruck nicht gefällt, kann diese im 2013er-Modell auf den ursprünglichen Hand-Wisch-Sensor aus dem Coupé anno 2012 zurückrüsten lassen.

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Doch all das ist nur Theorie. Also einsteigen, anlassen, einatmen. Stehen die Drehregler für Antriebseinheit und Fahrwerk auf „N“ wie Normal und das von Zulieferer Graziano gebaute Doppelkupplungsgetriebe im Automatik-Modus, rollt man im McLaren MP4-12C Spider so entspannt und komfortabel wie in einer sportlich bereiften Mittelklasse-Limousine. Selbst spanisches Kopfsteinpflaster und leicht verwitterte Landstraßen schluckt das Supersport-Cabriolet gekonnt weg – trotz breiter Niederquerschnittsreifen rundum und 19-Zöllern vorn sowie 20-Zöllern an der Hinterachse. Da macht es gar nichts aus, wenn man auf einer der vielen Serpentinenstraßen der Costa del Sol mal ein paar Kilometer hinter einem Kieslaster im Schneckentempo bummelt.

Auf der nächsten Geraden drücken wir einmal kräftig aufs Gaspedal, schon ist der Brummi passiert – und wir bekommen eine leise Ahnung davon, was man mit einem Leistungsgewicht von 2,32 kg/PS so alles anstellen kann.

 

Auch ohne ESP bleibt der 12C SPider beherrschbar

Also ab auf die Rennstrecke. Wir drücken einmal den „Active“-Knopf, quasi die Entsicherung des Spider. Denn erst jetzt können wir Fahrwerk sowie Getriebe und Motor auf „S“ wie Sport oder „T“ wie Track stellen. Doch wirklich entsichert ist der offene 12C dadurch nicht, eher entfesselt. Purer, radikaler, schneller. Aus der Boxengasse sprinten wir mit Hilfe der Startautomatik, dabei hämmert der von Ricardo gebaute Mittelmotor im Stand wie ein Presslufthammer, während er genug Druck aufbaut für die Maximalbeschleunigung. Dann lassen wir den Spider über den 5,4 Kilometer langen Kurs fliegen. Schon mit der P Zero-Standardbereifung von Pirelli lenkt der Spider, Coupé - und dann? McLaren kündigt Erweiterung der Modellpalette an messerscharf ein wie ein Gokart – zackiger geht’s nur noch mit den optionalen, profilarmen Corsa-Pneus.

In Hochgeschwindigkeitskurven wird der McLaren vom ausfahrbaren Heck-Spoiler unterstützt, der sich bei hartem Verzögern als unterstützende Luftbremse („Airbrake“) hoch aufstellt und auch im Grenzbereich für eine gute Balance im Auto sorgt – egal, ob das ESC (ESP) eingeschaltet ist oder Pause hat. Am Limit untersteuert der 12C Spider zunächst, einen Hang zum Übersteuern hat das Cabrio jedoch nicht – trotz des bärenstarken Drehmoments von 600 Newtonmetern zwischen 3000 und 7000 Touren. Drifts muss man schon provozieren, erfordern jedoch kundige Hände.

„Und, wie fährt der Spider?“, fragt mich Cheftestfahrer Chris Goodwin nach meiner Fahrt aufgeregt. „Wenn ich ehrlich bin: wie das Coupé …“ antworte ich vorsichtig und erwarte ein enttäuschtes Entwickler-Gesicht. Doch Goodwin grinst zufrieden. „Genau das wollte ich hören!“ Es bleibt also alles wie gehabt.
Paul Englert

TECHNIK
 

McLaren MP4-12C Spider
Motor V8-Zylinder, 4-Ventiler, Bi-Turbo
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 3799 cm³
Leistung 460 kW / 625 PS bei 7500 /min
Max. Drehmoment 600 Nm bei 3000 – 7000 /min
Getriebe 7-Gang, Doppelkupplung
Antrieb Hinterrad
Fahrwerk rundum:
Doppelquerlenker, Federn, adaptive
Dämpfer, aktiver Wankausgleich;
ESC (ESP)
Bremsen rundum:
innenbelüftete und gelochte Scheiben;
ABS, Bremsassistent
Bereifung Pirelli P Zero;
v.: 235/35 ZR 19;
h.: 305/30 ZR 20
Felgen v.: 8,5 x 20;
h.: 11 x 20
L / B / H 4509 / 2093 / 1203 mm
Radstand 2670 mm
Leergewicht / Zuladung 1451 kg
Kofferraumvol. 144 / 196 ³ Liter
Abgasnorm Euro 5
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
 
0-100 km/h¹ 3,1 s ²
Höchstgeschwindigkeit¹ 326 km/h
EU-Verbrauch¹ 11,7 l SP / 100 km
CO2-Ausstoß¹ 279 g/km
KOSTEN  
Grundpreis 231.650 Euro
¹ Werksangaben; ² mit Pirelli P Zero Corsa-Bereifung (10.000 Euro inkl. extraleichter Schmiedefelgen); ³ bei geöffnetem / geschlossenem Dach

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