McLaren F1: V12-Supersportler im Fahrbericht Das Ding geht 391 km/h!

24.03.2017

Die Urgewalt seines bayerischen V12-Motors machte der McLaren F1 1993 zum schnellsten Sportwagen der Welt. Wie schnell er tatsächlich ist, wurde erst 1998 ermittelt.

Ehra-Lessien bei Wolfsburg, 31. März 1998, halb zwei nachmittags. Es war ein trüber Tag auf der Hochgeschwindigkeits-Teststrecke des VW-Konzerns. Doch McLaren-Chefkonstrukteur Gordon Murray schwitzte vor Nervosität, als sich Testfahrer Andy Wallace ins Auto schwang. Auf Knopfdruck sprang der BMW-V12 an, hektisch sägte er im Leerlauf. Wallace legte den ersten Gang ein und fuhr los. Nun erst, zwei Monate bevor der letzte von 107 McLaren F1 fertiggestellt werden sollte, klärte sich die letzte offene Frage: Wie schnell war der schnellste Sportwagen seiner Zeit bei abgeschaltetem Drehzahlbegrenzer? Wallace gab Vollgas, schaltete bei 58 km/h in den zweiten Gang, bei Tempo 95 in den dritten und – kaum sieben Sekunden nach dem Start – bei 170 in den vierten. Während Murray zuschaute, wie der schwarze, für den Versuch noch einmal präparierte Prototyp „XP5“ auf die überhöhte erste Kurve zu jagte, erinnerte er sich daran, wie er im September 1988 nach dem verlorenen Grand Prix von Monza mit den TAG-McLaren-Chefs Ron Dennis, Creighton Brown und Mansour Ojjeh in der Wartehalle des Mailänder Flughafens gesessen und die Idee entwickelt hatte, den absolut perfekten Straßensportwagen zu bauen. Wie er das Team rekrutiert und in einem zehnstündigen Meeting am 8. März 1990 das Konzept eines 1000 Kilo schweren Dreisitzers aus Kohlefaser mit zentralem Fahrersitz präsentiert hatte. Wie BMW-Motorenkonstrukteur Paul Rosche ins Spiel kam, der Freund aus gemeinsamer Formel-1-Zeit bei Brabham. Auf dem Oktoberfest 1990 sagte Rosche zu, einen maßgeschneiderten V12 zu liefern. Murray erinnerte sich auch daran, wie Rosche ihn Wochen später anrief und in breitestem Bajuwaren-Englisch verkündete: „Goardenn, Ei häff en Äntschinn for ju!“

 

McLaren F1: Bis zum Veyron war er der Schnellste

Am 28. Mai 1992 zeigte McLaren das neue Auto im Rahmen des Grand Prix von Monaco erstmals der Öffentlichkeit. In der finalen Phase, vom 21. bis 23. Dezember 1992, schuftete das Team ohne Schlafpause, rund um die Uhr, damit der Prototyp „XP1“ an Weihnachten fertig zur Probefahrt war. Murray dachte auch zurück an den 8. August 1993, als Formel-1-Pilot Jonathan Palmer während der Hitzetests in Nardo mit dem damals noch 580 PS starken „XP3“ sensationelle 371 km/h erreichte, nachdem Nachwuchs-Pilot Mika Häkkinen zuvor bei 350 km/h das Getriebe um die Ohren geflogen war. Murray dachte an die Sternstunde dieses Projekts, den 18. Juni 1995, als „01R“, der auf 600 PS gedrosselte Renn-Prototyp, die 24 Stunden von Le Mans gewann und drei weitere McLaren F1 GTR unter die ersten Fünf kamen. Da meldete sich Wallace aus dem Cockpit: „Ich fahre jetzt mit 215 km/h aus der Steilkurve am hinteren Ende der Strecke und gehe auf Topspeed.“ Vor dem McLaren lag eine zehn Kilometer lange Gerade. Er fraß sie auf. Bei 251 km/h schaltete Wallace in den fünften Gang, wenige Sekunden später, bei 321 km/h, in den sechsten. Der Motor hämmerte in seinem Nacken, die Getriebeöl-Temperatur kletterte auf 115 Grad Celsius und stieg langsam weiter. Bis zum Erscheinen des Bugatti Veyron war der McLaren F1 das schnellste je gebaute Straßenauto – und er ist heute noch das kompromissloseste. Die Gesetze von Leichtbau und Aerodynamik bestimmten die Gestaltung sämtlicher Komponenten. Spoiler waren für Designer Peter Stevens tabu, der F1 saugt sich mit dem Unterboden an die Fahrbahn. Nur der Blinkerhebel, die Rückleuchten und die Türschlösser sind Großserienteile. Die Klimaanlage wiegt halb so viel wie bei einem normalen Auto. Kenwood entwickelte für HiFi-Freak Murray eine Anlage mit ultraleichten Lautsprechern und CD-Wechsler, aber ohne Radio. Nur selten wurden Extremlösungen zu Gunsten der Alltagstauglichkeit fallen gelassen: Widerwillig akzeptierte Murray 18 Kilo schwerere Bremsscheiben aus Stahl, weil die Karbon-Anlage nur warmgefahren gute Werte lieferte. Die Bremse besitzt weder ABS noch Servo. Nichts wurde eingebaut, was den unmittelbaren Kontakt zwischen Fahrer und Maschine verfälschen könnte. „386 – 388 – 389…“ Wallace zählte die letzten km/h-Schritte mit. Bei 391 verharrt die Anzeige: „Mehr als 391 geht nicht. Aber das ist auch schon ganz anständig, oder?“ Bugatti brauchte 1001 PS, um diesen Wert zu übertreffen.

Karsten Rehmann

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