Supersportler Vergleich 2013: McLaren 12C Coupé vs. Mercedes SLS AMG Black Series Die Überflieger

30.08.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Duell der Superlative zwischen McLaren 12C Coupé und Mercedes SLS AMG Black Series: Welcher Extremist bietet neben Geschwindigkeit und Pferdestärken das bessere Gesamtpaket im Vergleichstest?

Es ist gar nicht lange her, da waren McLaren und Mercedes noch dicke Freunde, erfolgreich in der Formel 1 unterwegs und bauten gemeinsam ein Straßenauto – den Mercedes SLR McLaren. 2009 war Schluss mit der britisch-deutschen Liaison, und die Schwaben stellten den komplett selbst entwickelten SLS AMG auf das Parkett der IAA. Auch im Rennsport ging man ab der folgenden Saison getrennte Wege. Nur ein Jahr später konterte McLaren mit dem Straßensportler 12C Coupé, dessen letzte Ausbaustufe mit 625 Pferdestärken nun im Vergleichstest auf die radikalste, 631 PS starke Black Series-Variante des Mercedes SLS AMG trifft.

 

Karosserie

12C-Piloten werden wahrscheinlich nur ein desinteressiertes „So, so!“ für SLS-Fahrer übrig haben, die sie auf das üppigere Raumangebot des Silberpfeils aufmerksam machen. In der Tat dürften die im Vergleich deutlich engeren Abmessungen zwischen den Innentürverkleidungen und von Sitz bis Dachhimmel im McLaren keinen Einfluss auf die Kaufentscheidung haben. Entweder man will ihn oder nicht. Da stört der enge Fußraum im Briten genauso wenig wie die lange SLS-Haube, deren Ende man nur erahnen kann – oder die Mini-Heckscheibe des McLaren 12C. Auch für Kofferraumvolumen und mögliche Zuladungen interessieren sich in diesem Segment wahrscheinlich nur wenige. Wichtig hingegen ist eine reichhaltige Sicherheitsausstattung, und da hat der SLS – typisch Daimler – die Nase vorn. Einen Spurwechsel-Assistenten und die Rückfahrkamera gibt es nur im Black Series, dafür hat nur der 12C serienmäßig eine Einparkhilfe für vorn und hinten.

Auch die Bedienung im AMG kennen wir von Mercedes. Das Comand-System erklärt sich beinahe von selbst (4343 Euro), die Klimaregler sitzen zentral, und an den Kombi-Hebel für Blinker sowie Scheibenwischer gewöhnt man sich schnell. Im Briten findet man sich ebenfalls gut zurecht. Die Klimaknöpfe sitzen hier in den Türen, und die Getriebe-Bedienung hat drei Tasten: N, D, R. Wer mag, kann natürlich mit den massiven Schaltwippen immer ins Geschehen eingreifen. Mit der Bedienung des durchgestylten Infotainment-Systems „IRIS“ muss man sich dagegen zunächst einmal konzentriert auseinander setzen.

KarosserieMax. PunkteMercedes SLS AMG Black SeriesMcLaren 12C Coupé
Raumangebot vorn1007965
Raumangebot hinten100
Übersichtlichkeit703532
Bedienung/ Funktion1008575
Kofferraumvolumen10030
Variabilität10000
Zuladung/ Anhängelast80
Sicherheit1506046
Qualität/ Verarbeitung200190185
Kapitelbewertung1000452403

 

Fahrkomfort

Laut sind sie beide, aber der kurz übersetzte Neuheit: alles über die "Black Series"-Version des Mercedes SLS AMG ist noch lauter, sodass es bereits bei gemächlichem Autobahntempo im Innenraum dröhnt. Dafür bietet er die bessere Ergonomie mit ausreichend großem Ablage- und Handschuhfach. Nur die schlecht erreichbaren Türgriffe bei geöffneten Flügeln trüben ein wenig den guten Gesamteindruck.

Fürs Justieren der elektrisch einstellbaren McLaren-Sitze (3140 Euro) muss man blind unter die rechte Wade greifen, Ablagen sind schlecht erreichbar und das Touchscreen-Display kann man bei Sonneneinstrahlung kaum noch ablesen.

Beim Federungskomfort macht der Faszination Auto: auf Tour mit 12C und Lamborghini Gallardo eine bessere Figur, vor allem auf der Autobahn liegt der Brite erstaunlich ruhig. Das Black Series-Fahrwerk ist in der Grundstellung straffer, verarbeitet Unebenheiten aber noch akzeptabel – adaptive Dämpfer sind in beiden Sportlern Standard. Die SLS-Karosserie gerät allerdings mehr in Bewegung.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes SLS AMG Black SeriesMcLaren 12C Coupé
Sitzkomfort vorn150128130
Sitzkomfort hinten100
Ergonomie150119115
Innengeräusche5026
Geräuscheindruck1004045
Klimatisierung503840
Federung leer200115117
Federung beladen200115117
Kapitelbewertung1000557570

 

Motor und Getriebe

Erst den mittigen „Active“-Knopf drücken, dann die Regler für Antrieb und Fahrwerk auf „Track“ drehen, zu guter Letzt ein kurzer Druck auf die kleine „Launch“-Taste – und der McLaren 12C ist bereit für die Sprint-Orgie. Linker Fuß auf die Bremse, den rechten voll aufs Gas. Die Drehzahlnadel verharrt zitternd bei etwa 3200 Umdrehungen. „Boost ready“ zeigt das Display an. Wir lupfen das Bremspedal, und mit leichtem Schlupf schießt der Brite los. Tempo 100 knackt er nach drei Sekunden, 200 stehen nach nur 8,9 Sekunden an – und der Vorwärtsdrang lässt nicht nach. Der schwerere Mercedes SLS ist nicht ganz so schnell, erreicht die Werksangabe von 3,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h aber locker. Im Vergleich zur SLS-Stangenware ist die Black Series-Hinterachse kürzer übersetzt und die siebte Fahrstufe des Doppelkupplungsgetriebes (DCT) kein Schongang, um Geräuschniveau und Verbrauch zu senken. Folge: Bei Tacho 130 liegen bereits 3000 Touren an, und im siebten Gang läuft der AMG bei 315 km/h in den Begrenzer. Bis dahin dreht er aber sauber und linear über das gesamte Drehzahlband bis 8000 Touren hoch. Eine Bevormundung durch automatisches Hochschalten gibt es nicht, und im Gegensatz zum normalen SLS sind die Reaktionszeiten des Getriebes auf Schaltwippen-Befehle erfreulich kurz.

Auch der McLaren dreht gern groß auf, allerdings passiert unter 3000 Umdrehungen vergleichsweise wenig. Erst dann holen die beiden Turbolader tief Luft und pressen diese mit maximal 1,2 bar in die Brennräume. Doch der 12C kann’s auch ganz gelassen – zum Beispiel mit 2300 /min bei 130 km/h. Lediglich 5200 Touren dreht der von Ricardo gebaute V8-Biturbo bei Tempo 300. Die niedrigeren Drehzahlen machen sich auch an der Zapfsäule bemerkbar, deren Anzeige nach 100 Kilometern bei 16,4 Litern verharrt. Der handgefertigte, 6,2 Liter große V8-Saugmotor von AMG braucht 0,8 Liter mehr des teuren Super Plus.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes SLS AMG Black SeriesMcLaren 12C Coupé
Beschleunigung150146150
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150139150
Getriebeabstufung1009098
Kraftentfaltung504838
Laufkultur1007578
Verbrauch3255470
Reichweite2576
Kapitelbewertung1000559590

 

Fahrdynamik

Egal, was diese Sportcoupés für Qualitäten haben: Eigentlich zählt ausschließlich Dynamik. Ein paar Zahlen gefällig? Mit 72,4 km/h pfeilt der Black Series wie auf Schienen durch die 180 Meter lange Slalomgasse. Kein Zucken, kein Mucken. Auf der 3,63 Kilometer langen Handlingstrecke des Continental-Testgeländes ist wiederum der McLaren König. Nur 1:32,8 min braucht der 12C für eine Runde – Rekord. Nie war einer im Vergleichstest schneller. Der SLS ist zwar fünf Zehntel langsamer, schafft dafür aber mit seinen Michelin Pilot Sport Cup 2-Reifen mehrere Runden auf demselben Zeiten-Niveau. Der Pirelli P Zero Corsa des 12C ist dagegen nur für zwei fliegende Runden gut, danach sinkt sein Grip-Level langsam, aber stetig.

Im Grenzbereich wirkt der SLS ruhiger, man fährt entspannter als im 12C, dessen plötzlich brachialer Turboschub Respekt einflößt. Die mögliche Querbeschleunigung ist in beiden Coupés extrem – dank Front- und Heckspoiler, Diffusor sowie verkleidetem Unterboden. In Kurven leitet das „Brake Steer“-System genannte elektronische Differenzial des McLaren variabel und automatisch überschüssige Kraft vom entlasteten kurveninneren Hinterrad an das kurvenäußere. Trotzdem untersteuert der Brite am Limit notorisch. Erst wenn man durch plötzliche Gaswegnahme einen Lastwechsel provoziert, lenkt das Heck mit oder schwenkt aus.

Der SLS Black Series liegt einen Hauch satter, reagiert gutmütiger auf Lastwechsel und untersteuert weniger stark. Durch seine lineare Leistungsentfaltung und das sensibel arbeitende E-Differenzial verlieren die Hinterräder nicht plötzlich die Haftung, sollte man kurvenausgangs einen Tick zu früh auf dem Gas sein. Lob verdient auch die AMG-Lenkung, die zackiger anspricht, direkter ist und mehr Rückstellkräfte aufbaut.

Das Gefühl am 12C-Volant wirkt etwas synthetisch, außerdem bleibt ein kleiner Totpunkt um die Mittellage, der einen bis 250 km/h zu permanenten Korrekturen nötigt. Erst wenn man noch schneller fährt und der durch das Flügelwerk generierte Anpressdruck weiter steigt, beruhigt sich der Vorderbau des Briten spürbar.

Extrem wie fast alle Eigenschaften dieser Supersportler sind auch ihre Verzögerungswerte. Mit kalten Karbon-Keramik-Scheiben (12.010 Euro) benötigt der 12C aus Tempo 100 nur 32,5 Meter bis zum Stillstand (SLS 33,5 m). Ist die Bremsanlage warm gelaufen, beißen die Zangen des Mercedes besser zu und der 1635 Kilo schwere Flügeltürer steht bereits nach 31,3 Metern (McLaren 31,7 m). Zwar wird der SLS-Pedalweg unter Dauerbelastung länger und das Gefühl weicher, trotzdem bleibt die Verzögerung mit durchschnittlich 12,32 m/s2 konstant und auf einem sehr hohen Level.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes SLS AMG Black SeriesMcLaren 12C Coupé
Handling150138140
Slalom10010099
Lenkung1009590
Geradeauslauf503532
Bremsdosierung302729
Bremsweg kalt150115125
Bremsweg warm150137133
Traktion1006562
Fahrsicherheit150128125
Wendekreis2055
Kapitelbewertung1000845840

 

Umwelt und Kosten

In gewissen Kreisen spricht man nicht über Geld, man hat es einfach. Werkstattkosten, Wertverlust und Versicherungseinstufungen kann man in dieser Liga nicht pauschal errechnen. Fest steht aber, dass man auch hier kein Schnäppchen machen kann. Und von niedrigen Steuern oder Spritkosten darf man ebenfalls nicht ausgehen.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes SLS AMG Black SeriesMcLaren 12C Coupé
Bewerteter Preis67500
Wertverlust50
Ausstattung252222
Multimedia501716
Garantie/Gewährleistung502721
Werkstattkosten20
Steuer1056
Versicherung40
Kraftstoff55911
Emissionswerte251920
Kapitelbewertung10009996

 

Fazit

Ja, auch Supersportler haben Alltagsqualitäten, das zeigt dieser Vergleichstest. Mit drei Kapitelsiegen landet der Mercedes SLS AMG Black Series einen sehr knappen Punktsieg. Raumangebot, Sicherheitsausstattung und Bedienung sind einfach besser als im McLaren 12C.

Der Brite kontert mit seinen Sprinter-Qualitäten, höherem Top-Speed und vergleichsweise niedrigem Verbrauch. Fahrdynamisch liegen beide auf einem extrem hohen Niveau – in Sachen Kosten sowieso.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes SLS AMG Black SeriesMcLaren 12C Coupé
Summe500025122499
Platzierung12

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