Mazda 3 vs. Ford Focus & Renault Megane: Vergleichstest Gefahren im Sparen

15.10.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit attraktiven Preisen nimmt der neue Mazda 3 die Kompakt-Konkurrenz ins Visier. Kostenbewusst halten Ford Focus und Renault Megane dagegen. Doch wie gut ist günstig? Die Antwort gibt der Vergleichstest

Erinnern Sie sich noch? Vor zehn Jahren, als der erste Mazda 3 debütierte, kostete der Liter Super gut einen Euro. Derzeit sind dafür rund 1,60 Euro zu bezahlen. Es sieht nicht so aus, als ob sich bis zur Markteinführung der dritten Generation des japanischen Kompakten am 18. Oktober daran etwas ändert. Angesichts der davongaloppierenden Unterhaltskosten können Sie vor Wut rot anlaufen oder überlegen, ob Sie sich für einen der getesteten Kompakten mit ultra-sparsamen Benzinern entscheiden und das künftig gesparte Spritgeld in Extras wie etwa eine feuerrote Metallic-Lackierung investieren. Das kostet Sie zwischen 530 (Mazda) und 555 Euro (Ford Focus) und ist nervenschonender. Der Renault Megane steht kurz vor einem Facelift (Anfang 2014).

 

Karosserie

Trotz der schräg abfallenden Dachlinie leidet man im Fond des neuen Mazda 3 nicht unter Platzangst. Da zwickt es im Renault Megane schon eher. Vorn bieten alle drei keinen Anlass zur Klage. Bei der Bedienung setzt Mazda serienmäßig auf eine Kombination aus Dreh-Drück-Steller und Touchscreen für die Steuerung des Infotainments. Via gekoppeltem Smartphone kann man sich beispielsweise E-Mails vorlesen lassen oder Internet-Radio hören. Das System funktioniert dank der übersichtlichen Menüführung im Großen und Ganzen gut. Doch gibt es auch Verbesserungspotenzial: So ist beispielsweise das Menü „Sicherheit“, unter dem sich der  Notbremsassistent ein- und ausschalten lässt, nur per Touchscreen und nicht per Multifunktionsknopf anwählbar. Eine diesbezügliche Nachfrage bei Mazda ergab, dass die Software bis zur Markteinführung  noch einmal überarbeitet wird. Der zentrale Drehknopf in der Armaturenbrettmitte des Ford wirkt wie ein Dreh-Drück-Steller, es ist aber keiner. Der Drehring dient der Lautstärkeregelung, gescrollt wird gewöhnungsbedürftig per Cursor-Tasten. Auch sind die Tasten, welche den auf dem Bildschirm angezeigten Funktionen zugeordnet sind, nicht auf Anhieb zu identifizieren.

Gut: Der Focus besitzt wie der Renault Stationstasten für die Radiosender. Die Bedienung für die Navigationseinheit im Renault wirkt etwas wackelig. Der elektronische Wegweiser funktioniert aber ansonsten zuverlässig, sieht man einmal von dem vergleichsweise langsamen Arbeitstempo bei der Routenberechnung ab. Ansonsten zeigt der Megane wie auch der Mazda eine recht wertige Verarbeitung. Der Ford gönnt sich dagegen teilweise recht großzügige Spaltmaße. Zeitgemäß ist die  Sicherheitsausstattung des Japaners, die in der Ausstattung „Sportline“ (3000 Euro Aufpreis gegenüber der Basis-Version) serienmäßig ein Headup-Display für die Anzeige von Geschwindigkeit und Navigationshinweisen umfasst. Fürs Reisen hält der Ford Focus mit 537 Kilogramm die höchste Zuladung bereit, der Mazda mit 1250 Litern dafür das größte maximale Kofferraumvolumen.

KarosserieMax. PunkteFord Focus 1.0 EcoBoost Mazda 3 SKYACTIV-G 120 Renault Megane ENERGY TCe 115 eco2
Raumangebot vorn100686867
Raumangebot hinten100555653
Übersichtlichkeit70373536
Bedienung/ Funktion100828586
Kofferraumvolumen100303135
Variabilität100273226
Zuladung/ Anhängelast80373632
Sicherheit150747762
Qualität/ Verarbeitung200144147147
Kapitelbewertung1000554567544

 

Fahrkomfort

Im Alltag gefällt der Mazda 3 mit praxisgerecht angebrachten Schaltern und einem großen Navigations-Bildschirm. Der digitale Drehzahlmesser ist aber zu klein geratenen. Auch das Ablagenangebot im Innenraum geriet spärlich. Die kreisrunden Türtaschen fassen allenfalls Wasserflaschen. Die Einstellung der Rücksitzlehnen per Rastmechanismus ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Da sind Ford-Fahrer besser dran. Im Focus stört der zu klein geratene Bildschirm im Armaturenbrett. Den Renault-Alltag erschwert ein tiefer Ladeboden im Kofferraum.
Und das Radio sitzt im Megane etwas zu weit unten in der Mittelkonsole.Die Polster der Mazda-Vordersitze entpuppen sich als eine Spur zu weich, ganz im Gegensatz zum angenehm straffen Ford-Gestühl. Die Fond-Passagiere freuen sich im Japaner dafür über eine bestens konturierte Rückenlehne. Im Renault sitzen die Fahrgäste je nach Größe vor allem hinten mit etwas zu stark angewinkelten Beinen.

Als einziger fährt der Mazda mit einer serienmäßigen Zweizonen-Klimaautomatik vor. Das steigert das Wohlbefinden an Bord ebenso aufpreisfrei wie der niedrigste Fahrgeräuschpegel des Testtrios. Wenn es aber über schlechte Straßen geht, findet der Mazda seinen Meister. Zwar verarbeiten seine Feder-Dämpfer-Elemente Fahrbahnkanten und Schlaglöcher recht ordentlich. Was aber das Ansprechverhalten angeht, so kann er nicht mit der Sensibilität des Focus konkurrieren. In voll beladenem Zustand gerät der Mazda dann auch spürbar an seine Grenzen. Der Renault wirkt gegenüber den beiden Konkurrenten etwas überdämpft, denn seine Karosserie gerät schon bei leichten Fahrbahnunebenheiten in Bewegung. An der Zuladungsgrenze geht er mit verschlissenem Asphalt recht souverän um, ohne aber an die Ford-Qualitäten heranzureichen.

FahrkomfortMax. PunkteFord Focus 1.0 EcoBoost Mazda 3 SKYACTIV-G 120 Renault Megane ENERGY TCe 115 eco2
Sitzkomfort vorn150132125127
Sitzkomfort hinten100666866
Ergonomie150125122125
Innengeräusche50293330
Geräuscheindruck100606063
Klimatisierung50343734
Federung leer200139135130
Federung beladen200137129132
Kapitelbewertung1000722709707

 

Motor und Getriebe

Für den Mazda 3 setzen die Söhne Nippons auf einen 2,0-Liter-Saugmotor mit 120 PS und Benzin-Direkteinspritzung, der mit 14:1 so hoch wie kein anderer Serienbenziner verdichtet ist. Den dabei entstehenden hohen Verbrennungstemperaturen rücken die Japaner mit einer speziellen Abgaskrümmerführung zur besseren Wärmeableitung zu Leibe, den Stickoxiden mit einer speziellen Kat-Beschichtung. Ein Aufwand, der sich lohnt, denn mit nur 5,9 Litern Super Testverbrauch stellt der Mazda 3 die Konkurrenz in den Schatten (Ford: 6,2 Liter, Renault: 6,7 Liter). Hinzu kommt, dass er den besten Sprintwert (9,2 Sekunden von null auf 100 km/h) und die höchste Endgeschwindigkeit (195 km/h) innerhalb des Trios erreicht. Dank des mit 210 Nm höchsten Drehmoments liefert er ordentlichen Vortrieb. Den fühlbar einsetzenden Turboschub der Konkurrenzmotoren vermisst man erst im direkten Vergleich.

Mustergültig fällt die Schaltpräzision des Mazda-Getriebes aus, dessen obere Gänge aber zu lang übersetzt sind, was sich in schlechten Elastizitätswerten niederschlägt. In der Laufkultur bleibt der Japaner etwas hinter der Konkurrenz zurück. Ganz im Gegensatz zum Mégane,  denn die Vibrationsarmut dessen 115 PS starken 1,2-Liter-Turbos dürfte in der Vierzylinder-Liga kaum zu toppen sein. Das konsequenteste Downsizing betreibt Ford: Im Focus arbeitet ein Dreizylinder-Turbo mit 125 PS, ebenfalls mit Benzin-Direkteinspritzung, aber nur einem Liter Hubraum. Bemerkenswert, wie sich das Motörchen ins Zeug legt und mit kaum für möglich gehaltener Drehfreude begeistert. Und er ist so gut entkoppelt, dass keine Vibrationen zu den Passagieren durchdringen.

Motor und GetriebeMax. PunkteFord Focus 1.0 EcoBoost Mazda 3 SKYACTIV-G 120 Renault Megane ENERGY TCe 115 eco2
Beschleunigung1509610497
Elastizität100726668
Höchstgeschwindigkeit150484942
Getriebeabstufung100848878
Kraftentfaltung50313331
Laufkultur100656269
Verbrauch325264270254
Reichweite25171717
Kapitelbewertung1000677689656

 

Fahrdynamik

Im Handling zeigt der Mégane an der Haftgrenze eine moderate Untersteuertendenz. Leichte Lastwechselreaktionen lässt der Schleuderschutz zu, bevor er punktgenau einsetzt. So soll es sein. Verbesserungswürdig ist dagegen das giftige Ansprechverhalten der Renault-Bremse, die im warmen Zustand allerdings mit der besten Verzögerung aufwartet. Deutlich agiler noch als der Franzose benimmt sich der Japaner in Kurven. So liefert seine Lenkung eine Spur mehr Fahrbahnkontakt und folgt Befehlen noch spontaner als die des Megane. Bei abrupter Gaswegnahme keilt das Mazda-Heck aber recht heftig aus, bevor es vom DSC (ESP) mit Nachdruck eingefangen wird. Bei Tests mit deaktiviertem Schleuderschutz kommt der Japaner bei Lastwechseln quer. Auch bei der Traktion und den Bremsleistungen steht der Mazda 3 hinten an. Wie gekonnt man einen Kompaktwagen abstimmen kann, beweist der Ford. Bevor er an die Reifenhaftgrenze gelangt, hat er bereits etwas höhere Kurventempi als der Renault erreicht. Seine Lenkung spricht gefühlvoll an, und im Grenzbereich wirkt er weniger nervös als sein japanischer Konkurrenz. Seine Bremse lässt sich ähnlich gut dosieren wie die des Mazda, liefert aber kürzere Bremswege. Die beste Traktion innerhalb des Testfeldes vervollständigen das positive, fahrdynamische Bild.

FahrdynamikMax. PunkteFord Focus 1.0 EcoBoost Mazda 3 SKYACTIV-G 120 Renault Megane ENERGY TCe 115 eco2
Handling150665658
Slalom100695972
Lenkung100828079
Geradeauslauf50403940
Bremsdosierung30212119
Bremsweg kalt150686266
Bremsweg warm150896290
Traktion100474246
Fahrsicherheit150130125130
Wendekreis20131113
Kapitelbewertung1000625557613

 

Umwelt und Kosten

Der bewertete Testwagenpreis von 21.095 Euro beim Ford enthält 675 Euro für die montierten 17-Zoll-Alu-Räder mit 215er-Bereifung. Damit ist der Focus der Teuerste. Für den Renault sind mit 17-Zoll-Rädern (350 Euro) 20.700 Euro fällig. Der Mazda 3 trat als einziger mit Standardbereifung zum Test an und ist mit 20.290 Euro der günstigste Kandidat. Die Werkstattkosten für den Japaner schätzt der ADAC mit 570 Euro pro Jahr deutlich günstiger ein als die der Konkurrenten. Die infolge des größeren Hubraums höhere Kfz-Steuer von 58 Euro pro Jahr gleicht der Mazda mit dem geringsten Wertverlust und den niedrigsten Kraftstoffkosten mehr als aus. Der Ford Focus ist lediglich in der Vesicherung billiger als die Konkurrenten, während der Mégane nur beim Anschaffungspreis und der Ausstattung mit dem Mazda konkurrieren kann. Überdies gibt es beim Japaner drei Jahre Garantie auf die Technik. Er erringt nicht nur deswegen den Kapitelsieg.

Kosten/UmweltMax. PunkteFord Focus 1.0 EcoBoost Mazda 3 SKYACTIV-G 120 Renault Megane ENERGY TCe 115 eco2
Bewerteter Preis675264271267
Wertverlust50252625
Ausstattung25172323
Multimedia50232422
Garantie/Gewährleistung50273327
Werkstattkosten20141412
Steuer1010910
Versicherung40373635
Kraftstoff55434441
Emissionswerte25222322
Kapitelbewertung1000482503484

 

Fazit

Mazdas neuer Dreier ist auf der Höhe der Zeit. In der gut verarbeiteten Karosserie steckt moderne Antriebstechnik, die dank des niedrigen Verbrauchs die Haushaltskasse schont. Auch bei der Ausstattung gibt er sich keine Blöße. Abgerundet wird das Bild von einem agilen Fahrverhalten. Mit kürzeren Bremswegen und besserer Traktion hätte der Mazda 3 statt des zweiten Platzes vielleicht sogar Chancen auf den Sieg gehabt. Den erringt der Ford Focus. Er schneidet in den genannten Punkten besser ab und bietet neben hoher Fahrdynamik auch noch ein großes Maß an Fahrkomfort. Der Renault Megane landet auf dem dritten Platz. Er ist zwar ausgereift, aber auch schon in die Jahre gekommen und steht kurz vor einer Überarbeitung. Nach wie vor prima ist die Laufkultur seines Motors.

Gesamtbewertung

Max. PunkteFord Focus 1.0 EcoBoost Mazda 3 SKYACTIV-G 120 Renault Megane ENERGY TCe 115 eco2
Summe5000306030253004
Platzierung123

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