Mazda MX-5 Roadster 2.0 und Mini Cooper S Roadster im Vergleichstest Mazda MX-5 Roadster 2.0 | Mini Cooper S Roadster

09.04.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die schwarzen Stoffdächer sind nur für den Notfall bestimmt. Diese zwei Spaßmacher muss man einfach ungefiltert genießen

Nach mehr als 20 Jahren auf dem Markt und fast einer Million gebauten Exemplaren muss sich der Mazda MX-5 nichts mehr beweisen. Er ist der meistverkaufte Roadster weltweit und steht auch in seiner dritten Generation so konsequent wie kein anderer für automobilen Purismus.

Jetzt taucht mit dem Mini Roadster ein blutjunger Rivale in diesem Revier auf. Mit nur zwei Sitzen, flacher Frontscheibe und einfacher Stoffkapuze will er sich klar vom konventionellen Mini Cabrio absetzen und genau so cool sein wie der Nippon-Roadster. Als Mini Cooper S Roadster mit kräftigem Turbo-Benziner bringt er sich ehrgeizig für den ersten Titelkampf in Stellung.

 

Karosserie

„Oben ohne“ heißt die Devise im Roadster-Duell, und so werden die zwei ungefütterten Kapuzen vor dem Test abgestreift. Das gelingt in beiden Autos in Sekundenschnelle, wobei der Mechanismus im Mazda MX-5 Roadster 2.0 weniger fummelig ist. Eine halbe Drehung am Griff, und schon bewegt sich das Verdeck wie von selbst nach hinten.

Während man den Druck zum Einrasten hinter den Sitzen beim Mazda noch von innen aufbringen kann, muss man beim Mini kurz aussteigen. Dafür hat der Brite bei den Platzverhältnissen die Nase vorn. Hier können sich selbst Großgewachsene nicht beschweren. Allerdings wird die Übersicht durch die flachere Frontscheibe, die höhere Gürtellinie und das pummelige Heck eingeschränkt.

Bei geschlossenem Verdeck sind zudem die Seitenfenster zu klein ausgeschnitten. Mini spendiert dem Roadster immerhin serienmäßig eine hintere Einparkhilfe. Wer im Mazda Platz nimmt, fühlt sich wie in einen Maßanzug gesteckt (Recaro-Sportsitze: 1.200 Euro), aus dessen japanischer Konfektionsgröße man ab mehr als 1,85 Meter Körperlänge aber schnell etwas herauswächst.

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Dafür gefällt die Rundumsicht dank der niedrigen Seitenlinie und des flachen Hecks. In das passen übrigens gerade 150 Liter Gepäck – der Mini kann dagegen 240 Liter verstauen und mit einer Durchreiche glänzen. Wer im Mazda hinter der mittleren Klappe einen Zugriff zum Kofferraum erwartet, wird nur ein kleines Fach und die Tankdeckelentriegelung entdecken.

Ebenso versteckt sind die zwei Getränkehalter, die man unter der verschiebbaren Armauflage in der Mittelkonsole findet. Überhaupt wirkt das Mazda-Cockpit bis in den letzten Winkel durchdacht und trotz seiner Schlichtheit sehr liebevoll verarbeitet. Im Mini sind einige Materialien zwar wertiger, hier und da stört aber spröder Kunststoff das Gesamtbild.

KarosserieMax. PunkteMazda MX-5 Roadster 2.0Mini Cooper S Roadster
Raumangebot vorn1004750
Raumangebot hinten10000
Übersichtlichkeit704440
Bedienung/ Funktion1007876
Kofferraumvolumen100011
Variabilität10005
Zuladung/ Anhängelast8065
Sicherheit1507382
Qualität/ Verarbeitung200148144
Kapitelbewertung1000396413

 

Fahrkomfort

Durch die weiten Einstellbereiche von Lenkrad und Sitzen wird jeder im Mini eine bequeme Sitzposition finden. Ablagen und Getränkehalter gibt es wie im konventionellen Mini genug. Und im Gegensatz zum Mazda bleibt hinter den Rückenlehnen jeweils noch ein kleiner Stauraum im Handtaschenformat übrig.

Nur die Ellenbogen stoßen bei schnellen Schaltwechseln an die klappbare Mittelarmlehne. Dafür gefallen die Kniefreiheit zur Seite und die weich gepolsterte Lederbestuhlung (ab 1.100 Euro). Die mit Alcantara bezogenen Recaro-Varianten im MX-5 halten einen in Kurven zwar fester im Griff, lassen sich für längere Touren aber nicht weit genug nach hinten schieben.

Beim Lenkrad fehlt obendrein eine Längseinstellung, und wer lange Beine hat, kann die Türfächer und die seitlichen Getränkehalter unter Ulk verbuchen. Stören können im Mazda auch die Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten. Wo man im Mini Cooper S Roadster gelassen auch längere Autobahnstrecken übersteht, wird es im MX-5 ab Tempo 130 richtig laut.

Dafür rollt der Japaner trotz Bilstein-Sportfahrwerk (Serie ab Sports-Line) unaufgeregter durch Stadt und Land. Die Federung liefert insgesamt den harmonischeren Eindruck ab. Fahrbahnabsätze, Schlaglöcher und Querfugen filtern Federn und Dämpfer sanfter heraus als im sehr straffen Mini.

Für beide Autos lässt sich optional ein kleines Kunststoff-Windschott bestellen (Mazda: 129 Euro; Mini: 190 Euro), das zwischen die Überrollbügel gesetzt wird. Auch hierbei entpuppt sich die japanische Variante als schnell und einfach angebracht. Im Mini sind zwei Handgriffe zusätzlich nötig.

FahrkomfortMax. PunkteMazda MX-5 Roadster 2.0Mini Cooper S Roadster
Sitzkomfort vorn1508892
Sitzkomfort hinten10000
Ergonomie1508183
Innengeräusche501115
Geräuscheindruck1002024
Klimatisierung502727
Federung leer200115112
Federung beladen200115112
Kapitelbewertung1000457465

 

Motor und Getriebe

Während der Mazda MX-5 in seiner stärkeren Ausführung (160 PS) auf einen klassisch saugenden Zweiliter-Kurzhuber setzt, faucht unter der Hutze der Mini-Haube ein giftiger 1,6-Liter-Turbomotor. Der schickt seine 240 Newtonmeter ausschließlich an die Vorderräder, was ihm beim Ampelstart konzeptionell einen kleinen Nachteil zum heckangetriebenen Mazda MX-5 Roadster 2.0 verschafft.

Doch das Mini-Aggregat hat mit 184 PS genug Dampf, um den Sprint auf 100 km/h zu gewinnen. Deutlicher wird das Kräftemessen beim schaltfaulen Überholvorgang aus niedrigen Drehzahlen. Wo der Cooper S nach kurzem Durchatmen schon bei 1600 Umdrehungen mit dem vollen Drehmoment anschiebt, kann der Mazda seine 188 Nm erst bei 5000 Touren aufbringen.

Für Höchstleistung muss man im Japaner einmal mehr zum Schalthebel greifen. Und gerade das macht den Reiz des MX-5 aus. Nirgendwo sonst lassen sich die Gänge so kurz, knackig und schnell wechseln, reagiert der Motor dankbarer auf hohe Tonlagen jenseits der 6000er-Marke.

Dabei hängt er gierig am Gas und erwidert hellwach jede Bewegung des rechten Fußes. Jetzt macht das kernige Auspuffgeräusch klar, dass es sich beim MX-5 um einen echten Sportler handelt. Auch das ständige Grummeln und Fauchen des Mini fasziniert – erst recht, wenn man die Sporttaste in der Mittelkonsole gedrückt hat (130 Euro).

Dann reagiert der Motor spontaner auf Gasbefehle und quittiert plötzliches Pedal-Lupfen mit potentem Sprotzen aus dem Abgas-Doppelrohr. Im Alltag vermisst man im Cooper S aber eine leise Gangart, wie sie der MX-5 bei niedrigen Drehzahlen vorhält. Auf der AUTO ZEITUNG-Normrunde sticht hingegen der moderne Mini-Motor. Der Turbo-Direkteinspritzer verbraucht 7,9 Liter auf 100 km, während der Zweiliter- Sauger 8,5 Liter verlangt.

Motor und GetriebeMax. PunkteMazda MX-5 Roadster 2.0Mini Cooper S Roadster
Beschleunigung150121122
Elastizität1007186
Höchstgeschwindigkeit1506373
Getriebeabstufung1007068
Kraftentfaltung503335
Laufkultur1006462
Verbrauch325220232
Reichweite25109
Kapitelbewertung1000652687

 

Fahrdynamik

Dass der Mini seine Kraft über die Vorderräder auf die Straße bringen muss, merkt man dem potenten Cooper S schon auf den ersten Metern im Handlingparcours an. Zwar hält sich der Traktionsverlust auch in Kurven in beachtlichen Grenzen, die Antriebseinflüsse in der ansonsten sehr präzisen Lenkung sind aber deutlich spürbar.

Zudem läuft der Mini Cooper S Roadster auch bei Geradeausfahrt gern Spurrillen nach. Da bewegt sich der Mazda – der übrigens über 100 kg leichter ist als der Mini – mit klassischem Antriebskonzept auch wegen seiner leichten, gefühlvollen Lenkung deutlich gelassener durch das Kurvengeschlängel.

Im Gegensatz zum brettharten Briten neigt er sich dabei MX-5-typisch auffällig stark zur Seite. Doch selbst im Grenzbereich bleibt er durch seine ausgeglichenere Gewichtsbalance lange neutral, lässt sich nur mit starken Lastwechseln und ausgeschaltetem ESP zum Übersteuern provozieren.

Der Mini überrascht bei deaktiviertem Schleuderschutz hingegen schon nach leichtem Gaslupfen in Kurven mit einem schnellen Einlenken des Hecks. Wer darauf nicht vorbereitet ist, blickt plötzlich in die Richtung, aus der er gekommen ist. Mit kundiger Hand kann man das agil mitlenkende Heck aber auch für schnelle Rundenzeiten nutzen und am Ende den deutlichen Leistungsvorteil des Cooper S ausspielen.

Beim Slalom hat der MX-5 gegen das nur 3,73 Meter lange Wiesel ohnehin keine Chance. Da kann der gerade 1.142 Kilogramm schwere Mazda nur mit seinen hervorragenden Bremsen kontern. Mit kalten oder heißen Scheiben steht er nach bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 nach etwa 35 Metern – das ist im Schnitt ein Meter weniger als der Mini. Doch auch er liefert hervorragende Werte.

FahrdynamikMax. PunkteMazda MX-5 Roadster 2.0Mini Cooper S Roadster
Handling1508285
Slalom1008486
Lenkung1007573
Geradeauslauf504238
Bremsdosierung302019
Bremsweg kalt1509983
Bremsweg warm1509385
Traktion1004035
Fahrsicherheit150130115
Wendekreis202115
Kapitelbewertung1000686634

 

Umwelt und Kosten

MX-5-Fahrer sind Puristen, das zeigt sich auch in der übersichtlichen Ausstattungsliste (eine Seite lang). Elektronischen Schnickschnack wie Kurvenlicht, automatisch abblendende Spiegel oder einen Regensensor gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. Dafür freuen sich die Kunden über eine faire Preisgestaltung. 24.490 Euro kostet der Mazda MX-5 Roadster 2.0 mit dem Zweiliter-Motor und Stoffverdeck.

Damit ist er immer noch über 2.000 Euro günstiger als der Mini Cooper S Roadster (26.750 Euro). Für diesen Preis bekommt man den MX-5 schon in der Vollausstattung Sports-Line. Zusätzlich verliert der Brite durch teurere Versicherungseinstufungen und die magere Zweijahresgarantie (Mazda: 3 Jahre). Dafür muss man beim Japaner höhere Steuern und einen größeren Wertverlust einkalkulieren.

Kosten/UmweltMax. PunkteMazda MX-5 Roadster 2.0Mini Cooper S Roadster
Bewerteter Preis675221206
Wertverlust502324
Ausstattung252021
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung503328
Werkstattkosten201517
Steuer1089
Versicherung403736
Kraftstoff553637
Emissionswerte259087
Kapitelbewertung1000483465

 

Fazit

Für Roadster-Fans bietet sich mit dem neuen Mini eine Alternative zum MX-5. Auch wenn er in einigen Details noch nicht die Reife des Klassikers besitzt, überzeugt der Cooper S doch mit mehr Platz, guter Ausstattung, agilem Handling und imposanten Fahrleistungen. Der puristische Mazda hält mit lupenreiner Fahrdynamik, sehr guten Bremsen und besserem Federungskomfort dagegen. Dass er obendrein noch günstiger ist, sichert ihm am Ende den Sieg.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMazda MX-5 Roadster 2.0Mini Cooper S Roadster
Summe500026742664
Platzierung12

Tags:

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