Maybach Exelero & Maybach 57 S Paarlauf der Giganten

12.04.2011

Tief im Schwäbischen kam es zu einer Begegnung der ausserordentlichen art. Das im Auftrag von Fulda handgefertigte, über 351 km/h schnelle Mega-Coupé Exelero traf auf den stärksten Serien-Maybach aller Zeiten

Eckdaten
PS-kW700 PS (515 kW)
AntriebHeckantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h4.4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit255 km/h
Preisk.A.

Hoch droben in der automobilen Stratosphäre, dort, wohin selbst die edelsten Gefährte mit dem Stern nicht mehr reichen, ziehen die Giganten mit dem "Doppel-M" ihre Bahnen. Maybach ist die Steigerung von Mercedes. Was aber ist die Steigerung von Maybach? Die Antwort kommt in Gestalt eines schwarzen, 5,90 Meter langen und 2,14 Meter breiten Donnerkeils aus den Tiefen des Raumes geschossen: der Exelero. Im Auftrag des hessischen Reifen-Profis Fulda gebaut, stellt dieses Hyper-Mobil alles in den Schatten, was ihm in die Quere kommt. Eine in Sichtweite geratene Limousine strammsten Oberklasse-Formats etwa reduziert der Exelero mühelos auf Bollerwagen-Niveau. Schon einmal baute Maybach im Fulda-Auftrag einen Sportler der Superlative. Das für die damalige Zeit mit 200 km/h unerhört schnelle Maybach SW 38 Coupé (140 PS) startete 1939 als Reifen-erprobungsfahrzeug und ging in den Kriegswirren verloren. Jetzt kreierte eine vierköpfige Gruppe von Designstudenten der Fachhochschule Pforzheim unter den Fittichen von Professor Harald Leschke - Daimler-Designchef für Zukunftsprojekte - eine Neuauflage, bei der vieles erlaubt, eines aber strikt verboten war: Retro-Look. Heraus kam ein zweitüriges Geschoss, das sich stilistisch an der Schnittstelle zwischen "Star Wars"-Requisit und Offshore-Rennboot bewegt. Die technische Basis bildet der "kurze" Maybach 57, der - nomen est omen - mit gut 5,70 Meter Länge als veritabler Luxusliner ebenfalls eine äußerst stattliche Erscheinung ist. Eine Maybach-Limousine kommt nicht einfach an, sie fährt vor. Besonders, wenn es sich um ein werksseitig verfeinertes "Spezial"-Exemplar handelt. Den "S" verstehen die Schwaben als Statement an begüterte Zeitgenossen, die sich gelegentlich den Mühen des Selberlenkens unterziehen wollen. Zur Differenzierung von den beiden bislang angebotenen Modellen (57 und 62) trägt der Spezialist verchromte Gitterstäbe im Kühlergrill, der von in Wagenfarbe gehaltenen Scheinwerfereinfassungen flankiert wird. Weitere Kennzeichen sind die überarbeitete Heckschürze, betonte Auspuffendrohre sowie prägnante 20-Zoll-Felgen. Im Innenraum prunken feinst verarbeitete Edel-Materialien, ergänzt von einer großzügigen Carbon-Vertäfelung und reichlich verwendetem Klavierlack. Im Bug ruht der durch zwei Turbolader beatmete 6,0-Liter-Zwölfzylinder, der mit bislang 550 PS außerordentlich gut im Futter stand. Dank innermotorischen Feinschliffs und höherer Aufladung leistet er im S-Modell nunmehr 612 PS und erreicht den magischen Drehmomentwert von nicht weniger als 1000 Newtonmetern. Sollte doch einmal ein Chauffeur am Steuer sitzen, heißt es Obacht. Ein Tritt aufs Gaspedal drückt die Herrschaft im Fond nämlich mächtig ins Gestühl, denn der Sprint von null auf 100 km/h ist binnen fünf Sekunden vollbracht. Wegen des sportlicher abgestimmten Fahrwerks könnte "Johann" die 2,7 Tonnen wuchtige Fuhre sogar geschmeidig durch die Kurven zirkeln, würde aber wegen unbotmäßigen Verhaltens wahrscheinlich schleunigst an die Luft gesetzt, ohne die mögliche Spitze von 275 km/h je im aktiven Dienst erlebt zu haben. Die Schwaben versprechen bei alldem einen nach wie vor exzellenten Fahrkomfort - untermalt vom Säuseln des Zwölfzylinders. Ein Dreh am Zündschlüssel des parallel parkenden Exelero beendet derlei Gesäusel mit einem Donnerschlag. Der zu beiden Seiten ausatmende über-Maybach besitzt bis zur Straßenzulassung keine Endschalldämpfer und hämmert ein infernalisches Schallwellen-Stakkato in die Landschaft, gegen das sich das Brüllen mehrerer Löwenrudel ausnimmt wie nervöser Reizhusten. Die erste Begegnung Motorjournalist/ Modellstudie wird häufig von mahnenden Worten begleitet: "Bitte nicht zu schwungvoll reinsetzen, die Kopfstützen sind nur angenäht." Nicht so beim Exelero. Er ist voll einsatzbereit und verlangt nur wenige Kompromisse. Wer je am Steuer eines Mercedes saß, findet sich zurecht. Gänzlich ungewöhnlich ist hingegen die Art, wie er Fahrt aufnimmt. Um auf der Rennstrecke im süditalienischen Nardo die angepeilte Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h zu erreichen (gemessener Wert: 351,45 km/h), wurde eine besonders lange Übersetzung gewählt. Daher reißt es den 700 PS mächtigen 5,9-Liter-Zwölfzylinder nicht buchstäblich von der Stelle. Vielmehr dreht der mit zwei Turboladern bestückte Dreiventiler unter fulminantem Donnergrollen hoch und schiebt den Koloss zunächst verhalten, dann kraftvoll und schließlich übermächtig an. Mit kürzerer Übersetzung sind Katapultstarts möglich, die bei engagierten Straßenbauern blankes Entsetzen auslösen würden. Schließlich wuchtet das Maybach-Kraftwerk gigantische 1020 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Die Zeit, um den vorigenSatz zu lesen, reicht dem Exelero zum Sprint von null auf 100 km/h - nach 4,4 Sekunden ist der Fall erledigt. Den Bodenkontakt stellen Hochleistungsreifen der Dimension 315/25 ZR 23 sicher (Fulda Carat Exelero), die besonders für schwere und enorm leistungsstarke Geländewagen konzipiert wurden. Montiert auf speziell gefrästen Aluminiumfelgen (Stückpreis 11000 Euro), müssen sie den immensen Beschleunigungs- und Verzögerungskräften des pfeilschnellen und zudem 2660 Kilogramm schweren Coupés Stand halten. Das Fahrwerk entspricht weitgehend dem des 57er - ein ESP ist also an Bord. Der Wert des Exelero ist kaum zu quantifizieren. Er würde aber fraglos ausreichen, um den Schauraum einer Mercedes-Niederlassung leerzukaufen. Vor diesem Hintergrund erscheint der Tarif des Maybach 57 S als geradezu wohlfeil. Mit 417600 Euro ist man im Geschäft. Stefan Miete

Technische Daten
Motor 
ZylinderV12
Hubraum5908
Leistung
kW/PS
1/Min

515/700
5000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
1020
2500 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebHeckantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 315/25 ZR 23
h: 315/25 ZR 23
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)k.A.
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)4.4
Höchstgeschwindigkeit (km/h)255
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

Tags:
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