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Maserati Quattroporte

Grosswild

Er gehört zu den bedrohten Arten. Sein Bestand ist gefährdet, kleinere Rivalen wildern in seinem Revier. Doch der König der schnellen Reisewagen schlägt nun zurück

Eckdaten
PS-kW390 PS (287 kW)
AntriebHeckantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h5.20 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit275 km/h
Preis99.100,00 €

Dies ist kein normaler Modellwechsel, wie er pro Jahr hundert Mal und öfter stattfindet. Es ist keine turnusmäßige Staffelübergabe vom alten ans neue Modell mit der Marschrichtung "weiter so", und wie das erste Facelift aussieht, steht auch schon fest. Dies ist eine Renaissance, die gloriose Wiedergeburt eines totgeglaubten Klassikers. Der Maserati Quattroporte, in den 60er-Jahren Stammvater und Pate aller modernen Sportlimousinen, kehrt zurück zu alter Form und Größe. Auf den ersten Blick sichtbar machte dies eine Firma, die in den letzten 40 Jahren weder eng mit Maserati kooperierte noch dafür bekannt war, große Kreationen anderer Designer zu kopieren: Pininfarina. Battista "Pinin" Farina arbeitete nach dem Krieg zwar auch für Maserati als Karosserieschneider, bekam aber schon in den 50er-Jahren wenig Aufträge und war komplett aus dem Rennen, als einer seiner ehemaligen Schüler begann, herausragende Entwürfe für Einzelstücke in Modena abzuliefern: Pietro Frua. Frua war auch erste Wahl, als Maserati sich 1962 entschloss, neue Wege zu gehen und ein Auto zu bauen, das es so noch nie gegeben hatte. Eines, das Reisekomfort und reinrassige Rennsporttechnik vereinte, optisch eine Limousine, technisch aber ein Sportwagen mit vier Türen. Der schlichte Name war Programm: "Quattro Porte". Frua bewältigte die ihm gestellte Aufgabe mit Bravour. Auf dem Turiner Salon 1963 präsentierte Maserati seine neue "Vettura Berlina Quattro Porte". Die Limousine hatte den typischen hervortretenden Kühlergrill und die lange flache Motorhaube der Maserati-Sportwagen, aber darauf folgten, weit zurückversetzt, ein hohes Dach mit Panoramafenstern zwischen filigranen Pfosten und ein großformatiger Kofferraum. Der Quattroporte war schlanker, niedriger, moderner als die wuchtigen Karossen von Jaguar, Lancia oder gar Mercedes. Er war straffer, und er hatte einen Motor, der seine Rennsportwurzeln weder verbarg noch verschwieg. Der kompakte Achtzylinder mit vier obenliegenden Nockenwellen stammte vom Langstreckenrennwagen 450 S ab. Maserati verkleinerte nur Hub und Bohrung. Der Motor wurde kompakter und schwächer, aber sein heißer, hungriger Charakter blieb erhalten. Die erste Version leistete 260 PS und war gut für 230 km/h Spitze. Bei Version zwei saß ab 1966 sogar der gleiche aufgebohrte 4,7-Liter-V8 unter der Haube, der auch den neuen Maserati Ghibli befeuerte. Der Quattroporte stieß damit als erste Limousine in Fahrleistungsregionen vor, die bis dato Sportwagen vom Schlage eines Jaguar E-Type 4.2 vorbehalten waren. 773 Exemplare wurden bis 1971 gebaut, das hier vorgestellte Auto ist eines davon. Dann schlug die Ölpreiskrise zu. Fruas faszinierender Entwurf für einen Nachfolger blieb im Prototypenstadium stecken. Maserati wurde von Citroën geschluckt und dann an Alejandro de Tomaso weiterverkauft. Der Quattroporte lebte bis 1990 als Luxusdampfer mit einem Outfit von Giugiaro weiter. Dann schrumpfte er auf das Kompaktformat eines Fünfer-BMW und musste sich zeitweilig mit kleinen V6-Turbomotoren begnügen. Ab 1995 gab es immerhin wieder einen 3,2-Liter-V8, aber da war der Quattroporte längst klinisch tot, ein Schatten früherer Tage. Alle Modellpflege half nichts, 2001 schlief die Produktion sang- und klanglos ein. Der neue Quattroporte kommt also förmlich aus dem Nichts. Im September stand er plötzlich auf der IAA und radierte die jüngere Vergangenheit mit einem Schwung aus unserem Gedächtnis. Pininfarina übertrug das ursprüngliche Frua-Design meisterhaft in die Gegenwart. Der neue Quattroporte ist wieder eine stolze Fünf-Meter-Yacht, wohlproportioniert, verschwenderisch ausstaffiert und voller Reminiszenzen ans Original. Der klassische Grill tritt wieder hervor, die dreieckige C-Säule stützt das leichte Dach, die großen Räder signalisieren Sportlichkeit. Nur die Scheinwerfer beugen sich stärker als früher dem Diktat der Aerodynamik. Vor allem aber folgt der neue Quattroporte wieder Maseratis alten Konstruktionsidealen. Er besitzt den gleichen, heißen 4,2-Liter-V8 wie Coupé und Spyder und das gleiche, sequenziell schaltbare Getriebe, nur um eine softe Automatik-Funktion erweitert. Mit diesem Antriebsstrang ist der Quattroporte im Reich der Sportlimousinen wieder ein Löwe unter Elefanten; schlanker, schneller, bissiger als die Kolosse der Konkurrenz. Noch ist sein Grollen nur in Modena zu hören. Doch ab 2004 streift er wieder durchs Revier.

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Maserati Quattroporte

PS/KW 390/287

0-100 km/h in 5.20s

Heckantrieb, 6 Gang manuell

Spitze 275 km/h

Preis 99.100,00 €