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Maserati MC 12

Enzos Verwandter

Auf Basis des Ferrari Enzo entstand mit dem neuen Maserati MC 12 ein Sportwagen der Extraklasse. Die strassenversion des in der FIA-GT-Serie erfolgreichen Typs leistet 632 PS

Eckdaten
PS-kW632 PS (465 kW)
AntriebHeckantrieb, 6 Gang sequentiell
0-100 km/h3.80 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit330 km/h
Preisk.A.

Fünfundfünzig Rennsiege fuhr Maserati in seiner Motorsport-Historie insgesamt ein. Den letzten Formel-1-Sieg errang die Marke mit dem Dreizack beim Grand Prix von Südafrika in Kyalami 1967. 37 Jahre ist das nun her, und die einst glorreiche Rennhistorie von Maserati ist lange vorbei. Der neu entwickelte Bolide namens MC 12 soll die Rennsport-Historie der Marke in der FIA GT-Serie wieder aufnehmen. Dabei bedient sich Maserati der Hilfe des einstigen Hauptkonkurrenten Ferrari. Seit 1997 gehört Maserati offiziell zur Ferrari-Gruppe und zieht nunmehr Nutzen aus den technischen Entwicklungen der Kollegen aus Maranello. Mit ersten Erfolgen: Am 19. September 2004 gewannen der ehemalige Formel-1-Pilot Mika Salo und sein italienischer Kollege Andrea Bertolini das FIA-GT-Rennen auf der Rennversion des MC 12 in Oschersleben. Die Technik des Maserati MC 12 kommt von Ferrari: Chassis, Fahrwerk, Motor und Getriebe liefert der Supersportler Enzo. Sind die Unterschiede unter dem Blechkleid noch als marginal anzusehen, differieren die beiden optisch deutlich voneinander. In der Länge übertrifft die wohl gerundete Flunder aus Modena die kantigere Variante aus Maranello um sage und schreibe 44 Zentimeter. Beim Radstand misst der MC 12 ebenfalls deutliche 15 Zentimeter mehr. Im Gegensatz zu dem eckigen Ferrari Enzo besticht der 5,14 Meter lange Maserati-Flachbau durch weich verlaufende Proportionen. Einzig die vielfältig platzierten Kühlluftschlitze und -öffnungen, die eine optimale Kühlung des Motors, der Bremsen und einer ausgefeilten Aerodynamik dienen, unterbrechen die glatten Oberflächen des KarosserieKleids. Diese Karosserie-Einschnitte verleihen dem Aufbau trotz seiner stattlichen Abmessungen eine gefällige Leichtigkeit. Wer die Klappgriffe der aus Kohlefaser bestehenden Türen zieht, dem präsentiert sich im Innern des lediglich 1,20 Meter flachen Sportlers ungeahnter Luxus: Das in blauem Leder gehaltene Interieur schmücken zusätzlich angebrachte Carbonteile und hochwertiger Stoff. Selbst Klimaautomatik und elektrische Fensterheber gehören hier zum üblichen Lieferumfang, ebenso wie die im Mittelsteg untergebrachte typische Ovaluhr. Dort, auf dem Getriebetunnel, sind auch die Tasten für ASR, Fahrwerksabstimmung und Rückwärtsgang untergebracht. Einzig auf den sonst gewohnten Innenspiegel muss der Fahrer verzichten und stattdessen in die ähnlich einem stolzen Hirsch-Geweih abstehenden Außenspiegel blicken. Die vorzüglich geformten Sitzschalen drücken Fahrer und Beifahrer fest, aber noch ausreichend komfortabel an sich. Hinter dem nahezu rechteckig anmutenden Volant sitzt der Fahrer sehr bequem und mit ungeahntem Wohl-Gefühl: Nichts kneift oder zwickt. Die Schaltpaddel des elektro-hydraulischen Sechsgang-Getriebes befinden sich hinter dem Lenkradkranz. Die Instrumente sind bestens einzusehen, und die verarbeiteten Materialien gefallen durch sorgsame Einpassung. Die Anzeigen fallen in Zeiten der Digitalisierung vergleichsweise klassisch aus. Im Gegensatz zum Enzo hält der MC 12 neben dem mittig im Armaturenträger platzierten, hell unterlegten Drehzahlmesser weitere analoge Uhren für Kühlwasser-, Öltemperatur und Öldruck bereit. Der Geschwindigkeitsmesser, farblich ganz in Schwarz gehalten, rückt dezent beiseite. Platz für zwei ist in ausreichendem Maße vorhanden. Und selbst ein Gepäckabteil mit einem Fassungsvermögen von bis zu 150 Liter Ladevolumen hält der Maserati für die schnelle Passage zu zweit bereit. Auch auf Cabrio-Gefühle müssen die Insassen nicht verzichten. Das abnehmbare Dach aus Kohlefaser lädt mit wenigen Handgriffen zum automobilen Erlebnis unter freiem Himmel ein. Das Sahnestück im Maserati befindet sich zweifelsfrei hinter den beiden Schalensitzen: Mit seinen 632 PS zählt der MC 12 zu den absoluten Spitzensportlern. Die Motorleistung reduziert sich – gegenüber dem Enzo – durch geänderte Zylinderköpfe und eine abge-senkte Maximaldrehzahl im Maserati jedoch um 28 Pferdestärken auf dann immer noch kraftstrotzende 632 PS (Enzo: 660 PS). Das maximale Drehmoment des Triebwerks liegt bei 5500 Umdrehungen an, wobei bei 3000 Touren bereits 80 Prozent des Maximalwerts anliegen. Keine Frage, auch der Maserati-Motor ist mit allem gesegnet, was Ferraris Formel-1-Weltmeisterschmiede hergibt: Dazu zählen Graugussgehäuse, Trockensumpfschmierung mit insgesamt vier Ölpumpen sowie variable Steuerzeiten und Ansaugwege. Wenn der im Mittelsteg untergebrachte blaue Starterknopf gedrückt wird, erwacht der großvolumige Sechs-Liter-V12-Motor zum Leben. Der Donnerhall, der dann durch die vier Auspuffendrohre entweicht, sucht seinesgleichen. Das Fahrwerk entspricht weitestgehend ebenfalls dem des Enzo. Ein Alu-Hilfsrahmen übernimmt hierbei die Anlenkung der Räder, die von doppelten Querlenkern, Schraubenfedern und progressiven Dämpfer geführt werden. Vorn steht der MC 12 auf breiten Walzen er Dimension 245/35 ZR 19, hinten treibt die Hinterachse mächtige 345/35 ZR 19-Räder auf 19-Zoll-Alu-Rädern an. Die Sieben-Speichen-Felgen können durch einen Zentralverschluss aufbeziehungsweise abgezogen werden. Das Bremssystem von Brembo ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Mit einem Durchmesser von 380 Millimetern vorn und 335 Millimetern hinten fangen die innenbelüfteten und quer gebohrten Stopper den Boliden jederzeit sicher und mit optimaler Verzögerung ein. Hinter das Steuer des Boliden lassen die Maserati-Oberen noch niemanden. Bei unserer Mitfahrgelegenheit gab die Straßenversion eine glänzende Figur ab: Der unüberhörbare Zwölfzylinder hängt atemberaubend am Gas und quittiert jeden Gasstoß mit unbändigem Vortrieb. Dabei ist der Maserati in Anbetracht seiner Konzeption vergleichsweise komfortabel abgestimmt. Dennoch: Selbst in schnell durcheilten Kurven wirkt der 1335 Kilogramm schwere MC 12 stets stabil und richtungsgenau. Einzig die Gangwechsel, die durch die hinter dem Lenkrad angebrachten Schaltpaddel vorgenommen werden, ruckeln trotz einer minimalen Zugkraftunterbrechung von 150 Millisekunden an Fahrer und Mechanik. Auch der Preis für den MC 12 hat es in sich: Wer sich von 696000 Euro trennen kann, erhält einen Sportwagen der Superlative. Überdies sichert er sich eine Exklusivität, die selbst ein Ferrari Enzo nicht bieten kann. Entstanden vom Enzo noch 399 Fahrzeuge für den Erwerb, sind es im Falle des Maserati nur 50. Jeweils 25 MC 12-Modelle sollen 2004 und im folgenden Jahr an die betuchte Klientel veräußert werden – und alle Exemplare des 2004er-Jahrgangs sind bereits vergriffen. Tröstlich ist nur, dass Maserati für 2005 noch einmal gut zwei Dutzend Fahrzeuge bereit hält. Wer dann zu den glücklichen Besitzern zählt, nennt zweifelsohne ein automobiles Schmuckstück sein eigen. Sollten überdies die Italiener auf den Rennstrecken dieser Welt weitere Siege ein heimsen, steuert Maserati glorreichen Zeiten entgegen.

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Maserati MC 12

PS/KW 632/465

0-100 km/h in 3.80s

Heckantrieb, 6 Gang sequentiell

Spitze 330 km/h

Preis k.A.