Autozulieferer Grammer: Machtkampf mit Hastor Entscheidung im Wirtschaftskrimi Grammer gegen Hastor?

von Julian Islinger 24.05.2017

Für VW, Audi, Mercedes, BMW, Opel und Ford baute Grammer Kopfstützen, Armlehnen und Mittelkonsolen. Nun steckt der Autozulieferer in der Krise. Grund: Der größte Anteilseigener der Firma ist der bosnische Hastor-Clan. Und dieser will den Betrieb umkrempeln.

Der bayerische Autozulieferer Grammer steckt in der Krise. Das liegt nicht etwa an den Umsätzen – ganz im Gegenteil. Der sechste Rekordumsatz in Folge, der Gewinn verdoppelt, die Dividende erhöht - viele Vorstandschefs würden gerne mit dieser Bilanz vor ihre Aktionäre treten. Doch Grammer-Chef Hartmut Müller hat ganz andere Probleme. Denn der größte Anteilseigner des Autozulieferers, die umstrittene, bosnische Investorenfamilie Hastor, will alles auf den Kopf stellen - und erschreckt damit Kunden wie Mitarbeiter. Den Hastors gehört die Prevent-Gruppe, die im vergangenen Sommer im Streit mit VW einfach ihre Lieferungen gestoppt und die Bänder in Wolfsburg und Emden lahmgelegt hatte. Anschließend unterschrieb VW einen Vertrag mit Bezugsverpflichtungen für sechs Jahre. Die Hastors kritisieren, dass Grammers Gewinnmargen unterdurchschnittlich seien. Die Firma mit Sitz in der Oberpfalz baue für VW, Daimler, BMW und andere Autokonzerne vor allem Mittelkonsolen und Kopfstützen. Kleiner, aber profitabler sei hingegen das Geschäft mit Sitzen für Traktoren und Lastwagen. Insgesamt machte das Unternehmen 2016 mit 12.000 Mitarbeitern 1,7 Milliarden Euro Umsatz und 45 Millionen Euro Gewinn. Für die Hastors zu wenig, denn Armlehnen und Kopfstützen seien keine Hightech-Produkte, mit denen man hohe einstellige Margen erwirtschaften könne.

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VW und Prevent finden Einigung

 

Entscheidung im Machtkampf Grammer vs. Hastor

Der Machtkampf um Grammer zeigt schon jetzt erste Spuren. So habe sich der Auftragseingang im ersten Quartal 2017 praktisch halbiert. Nach dem Vorstoß der Hastors bei Grammer hatten Großkunden angekündigt, ihre Geschäftsbeziehung zu überprüfen. So lägen manche Aufträge noch auf Eis, andere seien an die Konkurrenz gegangen. Denn in der Branche weiß man, dass der Hastor-Clan lediglich eine kurzfristige Gewinnoptimierung im Blick habe. Nicht nur die bayerische Metallindustrie sieht die Zulieferstruktur für die Autohersteller im Land in Gefahr, sondern auch die Politik. Da am 24.05. bei der Hauptversammlung erwartungsgemäß die Fetzen zwischen Firmenvorstand und dem Hastor-Clan fliegen werden, mischte sich auch das Bundeswirtschaftsministerium in den Machtkampf ein. So sagte der Staatssekretär Matthias Machnig (SPD) im Vorfeld in Berlin: "Die künftige Entwicklung eines heute erfolgreichen Unternehmens darf nicht aufs Spiel gesetzt werden."

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Konzentration der Zulieferer

 

Hauptversammlung für Grammer Loose/Loose-Situation

Die Abstimmung auf der Hauptversammlung stand am Nachmittag noch aus. Ganz unabhängig vom Ausgang stünden Grammer harte Zeiten bevor. Setzten sich die Hastors durch, würden der Vorstand und fünf Aufsichtsräte bei Grammer abgesetzt werden. Der bosnische Clan hätte dann faktisch die Kontrolle im Betrieb. Scheiterten sie, hätte Grammer einen mit dem Vorstand zerstrittenen Großaktionär an Bord. Und die Hastors geben sich hartnäckig. Die Familie werde nach der Hauptversammlung nicht einfach verschwinden. Sie habe auch keine Absicht, ihr Aktienpaket nennenswert aufzustocken, ließ ein Anwalt des Clans vermelden. Mit 25,1 Prozent hätten die Hastors allerdings schon ein Vetorecht und könnten alle wichtigen Entscheidungen blockieren. Und ob der von Grammer kurz vor der Hauptversammlung als zweitgrößter Aktionär an Bord geholte chinesische Autozulieferer Jifeng mitstimmen durfte, werde womöglich in fünf Jahren der Bundesgerichtshof klären.

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