Luxusliner mit Allradantrieb von Audi, BMW und Mercedes im Vergleichstest Audi A8 4.2 FSI quattro, BMW 750i xDrive, Mercedes S 500 4MATIC

28.04.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die Luxusliner von Mercedes, BMW und Audi zählen zur vornehmsten Art, auf Reisen zu gehen. Mit dem neuen A8 will Audi den Standard in der Business-Class nochmals erhöhen

Das Gesetz schien für alle Zeiten gültig: Der deutsche Adel trägt Stern! Es gab einfach keine Alternative zur großen Limousine von Mercedes. Und was die S-Klasse an Bord hatte, galt als Nonplusultra im Automobilbau. Den Putschversuchen von BMW konnte sie sich jahrzehntelang widersetzen – erst jetzt macht ihr der 7er den Thron ernsthaft streitig. In der mittlerweile fünften Generation hat der BMW 2009 die Vorherrschaft bei den Verkaufszahlen in Deutschland übernommen. Weltweit liegt die S-Klasse allerdings vorn. Doch auch Audi greift nun in der vierrädrigen Oberliga an. Der neue A8 der Ingolstädter ist eine klare Kampfansage an BMW und Mercedes.

 

Karosserie

Dass die drei deutschen Luxusliner bis zu vier Passagieren ein herrschaftliches Raumangebot in absolutem Luxusambiente bieten, versteht sich von selbst. Nur im Audi könnten sich kritische Sitzriesen an der seitlichen Wulst im Dachhimmel stören. Ansonsten herrscht Gleichstand. Vor mangelnder Übersicht wegen der ausladenden Karosserie-Dimensionen brauchen Fahrer übrigens keine Angst zu haben – es gibt jede Menge elektronische Helfer, die das Einparken und Rangieren zum Kinderspiel machen.

Auch die Bedienung der vielen Funktionen von Radio, Navi und Klima gestaltet sich nach kurzer Eingewöhnungszeit bei allen absolut problemlos. Bonus im Audi: Mit dem kleinen Touchpad können Zahlen und Buchstaben sogar während der Fahrt eingegeben werden, ohne dass der Fahrer die Augen von der Straße lassen muss.

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Bei der Verarbeitungsqualität setzt der A8 der dritten Generation ohnehin neue Maßstäbe. Jede noch so kleine Ledernaht, jedes noch so versteckte Scharnier und jeder einzelne Knopf ist mit solch einer Hingabe verarbeitet, dass man beim Umsteigen in die Kontrahenten zum akribischen Pingel mutiert.

In der zweifellos perfekt verarbeiteten S-Klasse fühlt man sich gerade mal solide aufgehoben. Im BMW könnte man sich gar von mikroskopisch kleinen Ungleichmäßigkeiten bei einigen Nähten ablenken lassen. Im Audi A8 findet man dagegen rein gar nichts zu kritisieren. Selbst die Aufteilung im Motorraum wirkt wie von einem Designer entworfen. Ein Wunder, dass dieses Kunstwerk auch fahren kann. Und wie!

KarosserieMax. PunkteAudi A8 4.2 FSI quattroMercedes S 500 4MATICBMW 750i xDRive
Raumangebot vorn100949494
Raumangebot hinten100919593
Übersichtlichkeit70383838
Bedienung/ Funktion100838083
Kofferraumvolumen100424841
Variabilität100333
Zuladung/ Anhängelast80514943
Sicherheit150127128113
Qualität/ Verarbeitung200197194185
Kapitelbewertung1000726729693

 

Fahrkomfort

Nicht nur ein fürstliches Raumangebot wird von einem Auto der Luxusliga erwartet, auch an den Fahrkomfort werden höchste Anforderungen gestellt. Audi, BMW und Mercedes haben aufwändige Fahrwerke an Bord mit Mehrfachlenkern vorn und hinten sowie adaptiven Dämpfern, deren Charakteristik per Tastendruck vorwählbar ist.

Mercedes S-Klasse und Audi A8 sind sogar serienmäßig mit einer Luftfederung ausgestattet. Das Zusammenspiel von Federn und Dämpfern klappt bei beiden sensationell, sodass – egal ob leer oder über 2,5 Tonnen schwer – jedes Rad äußerst sensibel anspricht und souverän über Querfugen, Kanaldeckel sowie Buckelpisten fährt.

Das Schluckvermögen der Fahrwerke scheint dabei keine Grenzen zu kennen. Erstaunlich: Karosserie und Fahrwerk wirken oft wie voneinander entkoppelt: Unten filtern Federn und Dämpfer jede Unebenheit heraus, oben thront sanft und ohne große Bewegungen der Aufbau.

Das Stahlfahrwerk des 7er-BMW ist etwas straffer abgestimmt, spricht weniger sensibel an, und die Karosserie ist mehr in Bewegung – vor allem bei voller Beladung. Der Münchner sackt außerdem an der Hinterachse oft etwas nach, was besonders im Fond zu spüren ist. Beim Autobahnkomfort trennen die drei deutschen Duell in der Premiumliga: Audi gegen BMW aber nur Nuancen, wobei der neue A8 mit einem tollen Geräuscheindruck glänzt.

Hinten und vorn liegt der Sitzkomfort in allen drei Autos auf höchstem Niveau. Dabei machen es vorn vielfältige Einstellmöglichkeiten sowohl 1,70 Meter als auch über zwei Meter großen Personen leicht, die perfekte Position zu finden. Allerdings ist die Luxus- Bestuhlung nicht billig: Audi verlangt 2300 Euro, bei BMW sind 2200 Euro, bei Mercedes 2023 Euro fällig.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A8 4.2 FSI quattroMercedes S 500 4MATICBMW 750i xDRive
Sitzkomfort vorn150140140140
Sitzkomfort hinten100969496
Ergonomie150124122124
Innengeräusche50474343
Geräuscheindruck100909385
Klimatisierung50474747
Federung leer200185185182
Federung beladen200185185160
Kapitelbewertung1000914909877

 

Motor und Getriebe

Mit der geringsten Leistung und dem kleinsten Hubraum scheinen die Chancen für den neuen A8 4.2 FSI gegen die stärkere Konkurrenz auf dem Papier geklärt. Allerdings bewahrheitet sich die alte Weisheit, dass weniger oft mehr ist, auch in diesem Test. Denn der Audi ist über 200 Kilo leichter als der BMW und bringt auch im Vergleich zum Mercedes gut 100 Kilogramm weniger Masse auf die Waage.

Resultat: Bei den Fahrleistungen hat der A8 seine Konkurrenten im Griff. Sein zudem bildschöner Achtzylinder mit Benzin-Direkteinspritzung begeistert dabei mit rassiger Drehfreude, angenehmer Laufkultur und einer wohl komponierten V8-Symphonie. Selbst der spontane Antritt bei Überholmanövern gelingt dem A8 besser als seinen drehmomentstärkeren Gegnern.

Während der 500er-Mercedes sich eine kurze Gedenksekunde gönnt, bevor das Motormanagement den V8 und die Siebengangautomatik harmonisiert und Vortrieb befiehlt, schießt der Audi schon davon. Die neue Achtstufenautomatik des Ingolstädters (von ZF) reagiert dabei genauso verzögerungsfrei und gefühlvoll wie der spritzige Motor.

Selbst der leistungsmäßig überlegene und alles andere als träge reagierende Antriebsstrang des BMW kommt da nicht so schnell in die sprichwörtlichen Gänge – von denen dem BMW auch nur sechs zur Verfügung stehen.

Die acht einzelnen Fahrstufen des Audi und die energieschonenden Maßnahmen, wie die überwiegende Batterieladetätigkeit in den Brems- und Schubphasen, sorgen zudem für einen in dieser Klasse zurückhaltenden Umgang mit dem Kraftstoff. Lediglich 13 Liter zerstäuben die Einspritzdüsen auf 100 Kilometern.

Das ist vor allem gegenüber dem mit der gleichen Technik arbeitenden, aber mit 15,2 Litern recht schluckfreudigen BMW ein guter Wert. Der Sparsamste ist jedoch der große Mercedes. Der Schwabe gönnt sich lediglich 12,8 Liter aus dem großen 90-Liter-Tank und erzielt damit auch die größte Reichweite im Test.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A8 4.2 FSI quattroMercedes S 500 4MATICBMW 750i xDRive
Beschleunigung150137137136
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150909090
Getriebeabstufung100989194
Kraftentfaltung50484848
Laufkultur100949794
Verbrauch32513413892
Reichweite2512138
Kapitelbewertung1000613614562

 

Fahrdynamik

Die Liebe zum Detail dokumentiert sich beim neuen A8 nicht nur durch die Qualität der Materialien und die Verarbeitung, sondern auch durch die technische Basis. Hier stimmt einfach alles.

Dank seines exzellent abgestimmten ESP, geringer Karosseriebewegungen und der guten Rückmeldung der Dynamiklenkung (1300 Euro), bei der sich Kraftaufwand und Lenkwinkel manuell oder automatisch variieren lassen, folgt der Audi der vorgegebenen Linie wie auf Schienen. Der deutlich schwerere BMW baut zwar durch seine serienmäßige Wankstabilisierung weniger Seitenneigung auf, schiebt aber im Grenzbereich stärker über die Vorderräder nach außen.

Sicher, ruhig und dabei narrensicher folgt der Mercedes den beiden Bayern. Deren Kurventempo erreicht er allerdings nicht.

Die gute Vorstellung des A8 bei der Fahrdynamik wird von den sehr gut dosierbaren und standfesten Bremsen zusätzlich untermauert. Sowohl mit kalten als auch mit warmen Bremsen braucht er weniger als 35 Meter, um aus Tempo 100 bis zum Stillstand zu kommen. Hier kann die schwere Konkurrenz trotz sehr guter Werte ebenfalls nicht mithalten.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A8 4.2 FSI quattroMercedes S 500 4MATICBMW 750i xDRive
Handling150958994
Slalom100625860
Lenkung100886985
Geradeauslauf50454044
Bremsdosierung30221922
Bremsweg kalt1501038896
Bremsweg warm1501049692
Traktion100808080
Fahrsicherheit150140138135
Wendekreis20482
Kapitelbewertung1000743685710

 

Umwelt und Kosten

Der neue Audi A8 ist nicht billig, aber in diesem Vergleich der Günstigste. Niedrige Versicherungseinstufungen und gute Garantiebedingungen bescheren ihm die beste Kostenbilanz. Nur bei der Wartung trumpft der 7er auf. In den ersten fünf Jahren sind die Inspektionen bis auf die Verschleißmaterialien bei BMW kostenlos.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A8 4.2 FSI quattroMercedes S 500 4MATICBMW 750i xDRive
Bewerteter Preis675594245
Wertverlust50332
Ausstattung25142514
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282720
Werkstattkosten20151217
Steuer10766
Versicherung40181713
Kraftstoff55232417
Emissionswerte25798183
Kapitelbewertung1000246237217

 

Fazit

Der neue Audi A8 hat den Thron in der Luxusklasse erobert. Er ist penibel verarbeitet, erfrischend agil und wohltuend komfortabel – so lässt er der Konkurrenz keine Chance. Aber die Mercedes S-Klasse, die in diesem Vergleich älteste Luxuslimousine, bleibt in Schlagdistanz. Ihr größtes Manko ist der Preis. Mercedes lässt sich den schwäbischen Luxus teuer bezahlen. Der unter Beladung mäßige Komfort und der hohe Verbrauch kosten den schweren 7er BMW wertvolle Zähler.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A8 4.2 FSI quattroMercedes S 500 4MATICBMW 750i xDRive
Summe5000324231743059
Platzierung123

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