Luxus-Cabrios: Maserati GranCabrio und Aston Martin DB9 Stürmische Zeiten

Im neuen Maserati GranCabrio sorgen 440 PS für die angemessene Windstärke. 477 Pferde stehen beim Aston Martin DB9 bereit – ein stürmischer Vergleich

Wahrscheinlich ist in Italien in den letzten 60 Jahren häufiger ein neuer Papst gewählt als ein neuer offener Maserati vorgestellt worden. Nur eine Handvoll Vorgängermodelle listet die Pressemappe zur Präsentation des Maserati GranCabrio auf der IAA 2009 auf – und vergisst dabei den einzigen echten Viersitzer in der Ahnenreihe: den Biturbo Spyder der 80er.

GranCabrio also. Der Name sorgte bereits auf der letztjährigen IAA für leichte Irritationen. Für uns Deutsche hört sich das möglicherweise zu unitalienisch an, nicht so musikalisch wie GranTurismo oder Quattroporte. Dabei ist der Name gar nicht so verkehrt. Denn der offene Maserati ist in der Tat ein großes Cabrio. Ein sehr großes. Der ebenfalls nicht sehr zierliche Getunt: Aston Martin DB9 Cabrio wirkt daneben klein und filigran. Fast fünf Meter Länge, etwa drei Meter Radstand und zwei Tonnen Gewicht – ein ausgewachsenes Auto eben. Das GranCabrio basiert auf dem Coupé GranTurismo, das ja ein leicht gekürzter zweitüriger Quattroporte ist. In der hektischen morgendlichen Rushhour in Rom fällt die Größe natürlich besonders auf.

Wie eine Yacht schiebt sich der Maserati durch Wogen von Punto, 500 und Smart, lässt sich von hurtigen Vespen umschwirren und hält stetigen Kurs nach Südwest. Der Aston Martin folgt im Kielwasser, kaum weniger lässig und eine Spur unauffälliger als der mächtige Maserati. Wer sich ein wenig bewundern lassen will, muss in beiden Luxus-Sportlern nur ein bisschen fester aufs Gas treten.

Und im Falle des GranCabrio die Sporttaste am Instrumentenbrett drücken. Belle Macchine sind in Rom immer noch gern gesehen, scheinen die Blicke der Passanten dann zu sagen. Und der Polizist, der von seiner Boxer-BMW winkt, animiert nur zum schnellen Überqueren der Kreuzung, weil eine Kolonne blaubelichteter Lancia Thesis mit wichtigem Inhalt Durchlass begehrt.

DER MASERATI IST EIN ECHTER VIERSITZER
Dennoch sind wir froh, als wir mit beiden Cabrios unbeschadet die Stadtgrenze erreichen. Auch wenn die Wolken aus Südwesten stürmische Zeiten versprechen. Nach einer Stunde wird der Verkehr dünner und die Straßen schmaler. Während Deutschland noch einmal im Schnee versinkt, freuen wir uns über trockene zehn Grad und öffnen die Stoffverdecke. Das geht natürlich in beiden Fällen vollautomatisch und praktisch gleich schnell.

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Das Dach des Maserati hat dabei den längeren Weg zurückzulegen. Denn im Gegensatz zum fast 20 Zentimeter kürzeren DB9 ist das GranCabrio ein echter 2+2, auf dessen Rücksitzen auch Erwachsene auf nicht zu langen Strecken untergebracht werden können. Im Aston dagegen sollte man den Fond nur im äußersten Notfall zum Personentransport nutzen. Zumal es im Briten bei schnellerer Fahrt deutlich luftiger zugeht als im Maserati.

Die Sitzprobe fällt dennoch zugunsten des DB9 aus, der zwar deutlich enger geschnitten ist, aber mit seiner tiefen Sitzposition und den sehr bequemen Sportsitzen behaglicher wirkt. Im Italiener sitzt man dagegen etwas hoch in modernem, kühlem Ambiente, und die straffen, etwas rutschigen Sitze bieten nur mäßigen Halt. Wir fahren weiter Richtung Küste, vorbei am vernebelten Castel Gandolfo, das Mittelmeer auf dem Navi-Bildschirm fest im Blick. Endlich können wir ein wenig mehr Gas geben.

Der musikalische Achtzylinder legt locker los, von den zwei Tonnen ist wenig zu spüren. Wie aus anderen Maserati-Modelle gewohnt, dreht er seidig, wenn auch nicht leise hoch und harmoniert so gut mit der ZF-Automatik, dass man die sequenzielle Schaltung des GranTursimo S keine Sekunde vermisst. Der Motor des Cabrios entspricht übrigens serienmäßig der S-Spezifikation des Coupés, 4,7 Liter und 440 PS also. Die 405-PS-Version mit 4,3 Liter Hubraum wird im Cabrio gar nicht angeboten.

ZWÖLFZYLINDER MIT GEDIEGENEM ANTRIEBSKOMFORT
Wenig Wahl hat auch der DB9-Kunde bei der Motorisierung. Er erhält den bekannten 5,9-Liter-Zwölfzylinder, der im DB9 seit dem Modelljahr 2008 477 PS leistet. In DBS, Rapide und V12 Vantage kommt der Motor ebenfalls zum Einsatz. Im DB9 wird er gern mit der Automatik namens Touchtronic genommen, die Aston-typisch über Drücktasten an der Mittelkonsole bedient wird. Diese ist auch in unserem weißen Reisewagen verbaut, und sie sorgt zusammen mit dem gewaltigen Zwölfzylinder für einen Antriebskomfort der ganz gediegenen Art. Wenn man es darauf anlegt, feuert er den DB9 in knapp unter fünf Sekunden auf 100 km/h und bis zu 306 km/h schnell.

Das alles geht im Maserati etwas langsamer vonstatten, selbst wenn langsam in diesem Fall nicht ganz das richtige Wort ist. Die Werksangaben versprechen 5,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und eine Spitze von 283 km/h. Mit geschlossenem Verdeck. Open Air sollen 274 km/h möglich sein. Selbst das kann man sich vorstellen, denn der GranCabrio-Pilot sitzt sehr gut geschützt hinter der sehr flachen Scheibe, sodass bei geschlossenen Seitenscheiben nur ein laues Lüftchen durch den Maserati zu wehen scheint. Da ist der DB9 ein wenig mehr der britischen Roadster-Tradition verpfl ichtet. Mütze und Schal sollten bei schnellerer Fahrt zur Grundausstattung gehören.

Wir erreichen die Küste kurz vor Nettuno, einer schier endlose Kette von Ferienwohnungen, billigen Pizzerien, Kreisverkehren und Iveco-Betonlastern. Aber Italien hat auch schönere Seiten. Ab und zu taucht rechts das Tyrrhenische Meer auf, dunkelgrau und heftig gegen den ockerbraunen Strand donnernd. Südlich der Stadt werden die Straßen wieder einsamer. Ein letzter Cappuccino-Stopp, dann tippen wir wieder das Hotel in Rom in die Navis. Hundert Kilometer, eine Stunde über die SS148 nach Norden. Gepäck haben wir keines dabei. Nur 173 Liter Ladevolumen hätten in den, hüstel, Kofferraum des GranCabrio gepasst. Und auch das nur, wenn das Ladegut durch den Schlitz zwischen Verdeckkasten und Querwand passt. Mehr geht in den DB9 zwar auch nicht rein, die Öffnung ist jedoch praxistauglicher.

Und die Preise? Gute Frage. Der DB9 ist ein wenig teurer. Oder mit anderen Worten: Für die Differenz können Sie sich einen Porsche Boxster kaufen. Ohne S. Heinrich Lingner

ASTON MARTIN DB9
Antrieb
V12-Zylinder - 4-Ventiler - Bohrung x Hub: 89,0 x 79,5 mm - Hubraum: 5935 cm3 - 477 PS (350 kW) bei 6000 /min  - 600 Newtonmeter bei 5000 /min - Sechsstufen-Automatik
Fahrwerk
Einzelradaufhängung rundum, Doppelquerlenker, Federn, Dämpfer, Stabilisatoren; ESP - innenbelüftete Scheibenbremsen rundum, ABS, Bremsassistent - Reifen vorn: 235/40 ZR 19; hinten: 275/35 ZR 19 - Felgen: v. 8,5 x 19; h. 9,5 x 19
Eckdaten
L/B/H: 4710/1875/1300 mm - Radstand: 2740 mm - Leergewicht: 1930 kg - 0 - 100 km/h: 4,8 s - Höchstgeschwindigkeit: 306 km/h - Normverbrauch: 14,6 l SP / 100 km - Preis: 182.415 Euro

MASERATI GRANCABRIO
Antrieb
V8-Zylinder - 4-Ventiler - Bohrung x Hub: 94,0 x 84,5 mm - Hubraum: 4691 cm3 - 440 PS (350 kW) bei 7000 /min - 490 Nm bei 4750 /min - Sechsstufen-Automatik
Fahrwerk
Einzelradaufhängung rundum, Doppelquerlenker, Federn, akt. Dämpfer (Skyhook), Stabilisatoren; ESP - innenbelüftete Scheibenbremsen rundum, ABS, Bremsassistent - Reifen vorn: 245/35 ZR 20; hinten: 285/35 ZR 20 - Felgen: v. 8,5 x 20; h. 10,5 x 20
Eckdaten
L/B/H: 4881/1915/1353 mm - Radstand: 2942 mm - Leergewicht: 1980 kg - 0 - 100 km/h: 5,3 s - Höchstgeschwindigkeit: 283 km/h - Normverbrauch: 15,4 l SP / 100 km - Preis: 132.770 Euro

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