BMW M6 gegen Mercedes SL 63 AMG BMW M6 | Mercedes SL 63 AMG

08.08.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Das neue, auf dynamik gedrillte BMW M6 Cabrio trifft auf den noch brachialeren Mercedes SL 63 AMG mit kompromisslosem AMG Performance Package – zwei sehr unterschiedliche Charaktere

Downsizing ist kein Verzicht, sondern im Fall des neuen BMW M6 Cabrio und des Der neue SL 63 AMG im ersten Fahrbericht sogar eine echte Bereicherung. Zwar sind die Motoren nun kleiner, aber keineswegs zurückhaltender. Mit 560 und 564 PS steht nach wie vor Leistung satt zur Verfügung.

 

Karosserie

Klare Verhältnisse beim Raumangebot: Der BMW bietet nicht nur im Fond Platz für zwei zusätzliche Sportwagen-Enthusiasten, sondern vorn auch deutlich mehr Bewegungsfreiheit für Fahrer und Beifahrer. Zumindest der Raum überm Kopf lässt sich im Mercedes schnell erweitern. Gut 20 Sekunden dauert es, bis das Klappdach aus feinem Aluminium im Heck des SL verschwindet. Nur einen Wimpernschlag länger benötigt der Sturmwarnung: Das neue M6 Cabrio im Fahrbericht für das Niederlegen seiner stramm sitzenden Stoffhaube, die immerhin vier Sitzplätze überspannen muss. Das Verdeck des BMW verschwindet dabei so elegant hinter den Rücksitzen, dass man auch bei geöffnetem Dach noch an das Gepäck herankommt. Beim Schwaben hingegen versperrt nicht nur die platzraubende Dachkonstruktion den Zugang zum Laderaum, auch das Ladevolumen schrumpft von 381 auf 241 Liter. Beim BMW bleiben immerhin noch 300 von 350 Litern nutzbar.

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Bei der Sicherheit hat wiederum der Stuttgarter mit serienmäßigem Presafe-System, Abstandsradar mit Bremseingriff und einem Aufmerksamkeitsassistenten die Nase vorn. Qualität und Verarbeitung liegen ebenfalls auf einem höheren Niveau. Vor allem bei den verwendeten Materialien zeigen die Affalterbacher Ingenieure mehr Liebe zum Detail. Der M6 hingegen punktet mit seiner extrem steifen Karosserie. Die zahlreichen Hartplastikflächen im Einstieg, an der Lenksäule und an den Flanken der ansonsten hochwertigen Sitze passen allerdings nicht so recht zum Anspruch der Marke.

KarosserieMax. PunkteBMW M6 CabrioMercedes SL 63 AMG
Raumangebot vorn1007872
Raumangebot hinten100280
Übersichtlichkeit703545
Bedienung/ Funktion1008884
Kofferraumvolumen1002327
Variabilität100610
Zuladung/ Anhängelast801712
Sicherheit150115119
Qualität/ Verarbeitung200180185
Kapitelbewertung1000570554

 

Fahrkomfort

Keine Frage: Mercedes und gediegener Komfort gehören zusammen – üblicherweise auch dann, wenn der AMG-Schriftzug einen Sternenkreuzer adelt. Kommen jedoch wie bei unserem Testwagen das AMG Performance Package (14.280 Euro) und das Performance Fahrwerk (1785 Euro) hinzu, verändert der Mercedes SL 63 AMG sein Wesen deutlich. Die damit verbundene um 30 Prozent straffere Fahrwerksabstimmung reduziert natürlich den Komfort. Im direkten Vergleich zum trotz sportlicher Grundausrichtung sehr harmonisch abgestimmten BMW dringen Fahrbahnkanten deutlich stärker bis zu den Insassen durch. Auch auf gut gepflegten Autobahnen bleibt der Aufbau des M6 ruhiger, während der SL selbst kleine Unebenheiten gern kommentiert – sogar dann, wenn seine Dämpfer im Comfort-Modus arbeiten.

Bei den M-Multikontursitzen (2200 Euro) zeigt sich der BMW von seiner besten Seite. Mit angenehmer Eigendämpfung versehen und vielfach einstellbar, verwöhnen sie den Fahrer auf langen Etappen mit angenehmem Komfort und bei der Kurvenhatz mit viel Seitenhalt. Das gilt im gleichen Maße auch für die Mercedes-Multikontursitze, die beim SL 63 AMG zum Serienumfang gehören. Nicht ganz so gut schneidet der Mercedes bei der subjektiven Innengeräusch-Wertung ab – besonders, wenn der Untergrund schlechter wird. Das harte Fahrwerk poltert nicht nur erheblich stärker als das des M6, sondern es löst zudem deutlich zu hörende Knister- und Knarzgeräusche aus. Das trübt den ansonsten guten Geräuschkomfort des SL.

FahrkomfortMax. PunkteBMW M6 CabrioMercedes SL 63 AMG
Sitzkomfort vorn150140140
Sitzkomfort hinten100160
Ergonomie150130127
Innengeräusche502730
Geräuscheindruck1006360
Klimatisierung504343
Federung leer200147137
Federung beladen200144137
Kapitelbewertung1000710674

 

Motor und Getriebe

Adieu Hochdrehzahl-Saugmotoren, willkommen Generation Turbo: Sowohl Mercedes als auch BMW setzen nun auf kleinere V8-Motoren mit Direkteinspritzung und Turboaufladung – wobei sich der Vergleich „klein“ hier nur auf die Vorgängermotoren mit noch größeren Hubräumen bezieht.

Allerdings könnten zwei vom Prinzip her ähnliche Motoren unterschiedlicher nicht sein. Der V8 des BMW hängt extrem feinnervig am Gas, verteilt seine Kraft über einen sehr breiten Drehzahlbereich und jubelt mit herrlichem Achtzylinder-Schlag der 7000-Umdrehungen-Marke entgegen. Der Mercedes, der dank AMG Performance Package zusätzliche 27 PS und 100 Newtonmeter mobilisiert, agiert deutlich spitzer. Der Bereich, in dem die 900 Newtonmeter wüten, ist schmal. Hinzu kommt, dass die Leistung per Gaspedal schwer zu dosieren ist. Auch der Siebenstufen-Automatik macht der plötzliche Kraftausbruch zeitweise zu schaffen – dann gönnt sich diese beim Hoch- und Herunterschalten eine kleine Gedenkpause. Erheblich besser arbeitet das BMW-Doppelkupplungsgetriebe mit dem M6-Triebsatz zusammen. Egal, ob im Automatikmodus sanft und komfortabel oder manuell betätigt, die M6-Schaltbox hat mit extrem kurzen Schaltzeiten immer die passende Antwort parat.

Nur beim Verbrauch hat der Münchener das Nachsehen. Zwar ist auch er wie der Redaktions-Blog: Boris Becker und seine Bekanntschaft mit dem neuen SL 63 AMG mit einem gut funktionierenden Start-Stopp-System ausgestattet, aber das extrem hohe Leergewicht von über zwei Tonnen fordert an der Zapfsäule seinen Tribut. Im Vergleich zum fast 200 Kilogramm leichteren Mercedes verbraucht der M6 mit 15,1 Litern auf 100 km 0,6 Liter mehr Kraftstoff.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW M6 CabrioMercedes SL 63 AMG
Beschleunigung150144145
Elastizität1000
Höchstgeschwindigkeit150111128
Getriebeabstufung1009588
Kraftentfaltung504846
Laufkultur1008682
Verbrauch32594106
Reichweite2588
Kapitelbewertung1000586603

 

Fahrdynamik

Trotz des hohen Gewichts ist der M6 eine Fahrmaschine par excellence. Und das, obwohl es für ihn nicht die aktiven Stabilisatoren und die Integral-Aktivlenkung gibt, die den normalen 6er-Modellen gegen Aufpreis noch mehr Fahrdynamik bringen sollen. Aber der M6 benötigt diesen Technik-Aufwand auch nicht, sondern überzeugt mit feinster Balance. Über die angenehm gleichmäßige Lenkung folgt er jedem Lenkbefehl mit absolutem Gehorsam, die Vorderachse setzt die Wünsche des Fahrers mit bestechender Präzision um. Eine ebenfalls glasklare Rückmeldung gibt auch das sensibel agierende Fahrwerk. Die vorderen und hinteren Achsträger sind beim M6 für eine präzise Radführung starr mit der Karosserie verschraubt. Der Bayer lässt sich spielerisch dirigieren, Kurskorrekturen sind jederzeit möglich. Zudem setzt er seine Kraft dank guter Dosierbarkeit und aktiven Sperrdifferenzials souverän in Vortrieb um. Das Fahrgefühl ist perfekt, der Grenzbereich auch bei abgeschaltetem ESP leicht kontrollierbar.

Der Mercedes mit Performance Package durcheilt jedoch die Slalomgasse und den Rundkurs einen Wimpernschlag schneller. Allerdings verlangt der Roadster dabei deutlich mehr Fingerspitzengefühl, sein Grenzbereich ist wesentlich schmaler. Der Lenkung fehlt es ein wenig an Rückmeldung, das ABC-Fahrwerk mit AMG-Abstimmung reduziert die Seitenneigung sowie das Gefühl fürs Fahrzeug, und der brachial einsetzende 900-Newtonmeter-Punch überfordert am Limit schnell die Hinterräder – trotz AMG-Sperrdifferenzials. Eine schnelle Runde mit dem SL bei deaktiviertem ESP verlangt daher viel Selbstdisziplin. Etwas mehr Rückmeldung und eine bessere Dosierbarkeit des Motors würden nicht nur den Fahrspaß steigern, sondern sicherlich auch den Abstand zum BMW vergrößern.

FahrdynamikMax. PunkteBMW M6 CabrioMercedes SL 63 AMG
Handling150113114
Slalom1007783
Lenkung1009680
Geradeauslauf504543
Bremsdosierung302118
Bremsweg kalt15099103
Bremsweg warm150105106
Traktion1004538
Fahrsicherheit150133126
Wendekreis20614
Kapitelbewertung1000740725

 

Umwelt und Kosten

Das Vergnügen, einen Mercedes SL 63 AMG inklusive AMG Performance Package zu fahren, muss teuer bezahlt werden – für 171.955 Euro könnte man den BMW M6 (131.000 Euro) direkt mit zahlreichen Extras opulent ausstaffieren. Oder die gut 40.000 Euro Preisdifferenz gleich noch in das SUV X3 xDrive20d als schicken Zweitwagen (39.700 Euro) investieren.

Die besseren Versicherungseinstufungen und Garantiebedingungen des Schwaben haben daher in der Kostenbilanz unterm Strich nur eine kosmetische Wirkung.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW M6 CabrioMercedes SL 63 AMG
Bewerteter Preis675211
Wertverlust5010
Ausstattung252525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502027
Werkstattkosten20118
Steuer1077
Versicherung401122
Kraftstoff551517
Emissionswerte258684
Kapitelbewertung1000197191

 

Fazit

Das BMW M6 Cabrio gewinnt diesen Test, weil es nicht nur deutlich günstiger ist als der SL 63 AMG, sondern auch dank seiner Ausgewogenheit, die sowohl den traumhaft agierenden Biturbo-Triebsatz als auch das präzise Fahrverhalten betrifft. Trotzdem ist der M6 mit über zwei Tonnen Leergewicht einfach viel zu schwer. Der radikalere SL 63 AMG profitiert von seiner neuen Aluminiumstruktur. Deutlich leichter und mit irrsinnigem Punch gesegnet, zeigt er dem M6 auf der Piste die Rücklichter – auch wenn er dabei deutlich mehr Fingerspitzengefühl verlangt. Die kompromisslose Ausrichtung geht aber zu Lasten des Komforts.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW M6 CabrioMercedes SL 63 AMG
Summe500028032747
Platzierung12

Tags:

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