Lust an der Last Lust an der Last

30.11.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Praktische Kombis gibt es genug: Mit 200 PS ist der Octavia Combi RS der stärkste Serien-Skoda aller Zeiten. Der Tscheche vereint die Vielseitigkeit dieser Fahrzeuggattung mit der Power des VW Golf GTI. Er muss sich am gleich starken Opel Astra Caravan 2.0 Turbo und am BMW 325i Touring messen lassen

So viel steht fest: Unsere drei Kandidaten eignen sich mit ihren üppig bemessenen Motorisierungen um die 200 PS nicht nur als brave Reisebegleiter für Familie und Freizeit. Diese Sportkombis versprechen – bei sehr ähnlichen Fahrleistungen – auch jede Menge Spaß. So weit also die Gemeinsamkeiten. Der Unterschied, der sofort ins Auge fällt, lässt sich in eine Zahl fassen: 10000 Euro, jedenfalls beinahe. So groß ist die Preisdifferenz zwischen dem Günstigsten dieses Dreiervergleichs, dem Opel Astra Caravan 2.0 T, und dem BMW 325i Touring. Deshalb dreht sich dieser Test der AUTO ZEITUNG um die spannende Frage: Ist der günstigste Kauf auch der beste?

 

Karosserie

Obwohl die drei Kombis von der Leistung her gut im Futter stehen, teilen sie es ihrer Umgebung nicht mit. BMW und Opel unterscheiden sich kaum von ihren schwächeren Versionen, nur der Skoda setzt auf eine sportliche Note. So rollt das neue Topmodell Octavia RS auf 18 Zoll großen Rädern, dahinter glänzen grün lackierte Bremssättel. Modifizierte Stoß-fänger mit Spoilerlippe vorn und ein Doppelrohrauspuff am Heck runden den Auftritt nach außen hin ab. Auch bei den Abmessungen geht Skoda einen anderen Weg. Mit einer Länge von knapp 4,58 Metern überragt der Octavia seine Kontrahenten um einige Zentimeter, was sich positiv auf das Platzangebot auswirkt. Er stellt die größte Kopf- und Beinfreiheit bereit, doch gegen die üppige Innenbreite des BMW kann der Tscheche nichts ausrichten. Deutlich beengter ist es im Opel Astra besonders hinten. Hier fehlt es, wie beim BMW auch, an genügend Kniefreiheit. Geht es hingegen um die Transporteigenschaften, rutscht der BMW mit seiner Coupéartig abfallenden Dachlinie weit zurück (460 - 1385 Liter), während sich der Skoda mit einem Stauvolumen von 580 bis 1620 Litern am schluckfreudigsten zeigt. In der goldenen Mitte liegt der Opel mit 500 bis 1690 Litern. Obendrein hat der Rüsselsheimer mit stolzen 510 Kilogramm die höchste Zuladung von allen. Zur Version mit asymmetrisch geteilter Rückbank gibt es alternativ eine dreigeteilte Variante (180 Euro Aufpreis), die auch sehr variabel ist. Beim BMW ist nur die Rücksitzlehne teilbar. Weitere Punkte sammelt der Opel bei der Sicherheitsausstattung mit serienmäßigen Bi-Xenonscheinwerfern und Kurvenlicht. Dass er am Ende in diesem Kapitel den Skoda ziehen lassen muss, liegt am üppigeren Platzangebot des Tschechen und an der höherwertigen Anmutung seiner Materialien. Hinsichtlich Qualität und Verarbeitungsgüte setzt sich allerdings der BMW unangefochten an die Spitze. In Sachen Haptik und Optik macht ihm keiner seiner Konkurrenten etwas vor.

KarosserieMax. PunkteBMW 325 i TouringSkoda Octavia Combi RSOpel Astra Caravan 2.0 T
Raumangebot vorn100727168
Raumangebot hinten100656765
Übersichtlichkeit70666560
Bedienung/ Funktion100809084
Kofferraumvolumen100638071
Variabilität100434350
Zuladung/ Anhängelast80333235
Sicherheit150103103111
Qualität/ Verarbeitung200187180175
Kapitelbewertung1000712731719

 

Fahrkomfort

Der Bayer findet den besten Kompromiss aus Sportlichkeit und Fahrkomfort. Dementsprechend sensibel meistert er Bodenwellen aller Art. Das feinfühlige Ansprechverhalten seiner Federung und der niedrige Geräuschpegel überzeugen. Dieser Zustand ändert sich auch dann nicht, wenn er mit maximaler Last unterwegs ist. Der komfortabel ausgelegte Astra Caravan absorbiert hingegen Querfugen etwas bockiger. Dafür spricht der Rüsselsheimer mit maximaler Zuladung von allen am geschmeidigsten an und schlägt als einziger selbst auf derben Bodenwellen nicht durch und das, obwohl er das meiste Gewicht mit sich herumschleppen darf. Als enttäuschend entpuppt sich der Skoda. Seine unterdämpft wirkende Hinterachse wird auf ausgeprägten Querfugen unangenehm angeregt, grobe Fahrbahnunebenheiten schluckt der Tscheche nur mit Widerwillen. Dafür erfreuen die exklusiv im Octavia RS eingesetzten Sportsitze mit guter Schenkelauflage und viel Seitenhalt. Besser kann es nur noch der BMW. Seine perfekt konturierten Sportsitze verfügen außerdem über eine elektrische Einstellmöglichkeit der Seitenabstützung. Sie kosten allerdings auch 600 Euro extra. Dem dünnen Gestühl im Opel fehlt es an genügend Schulterunterstützung. Zudem hat man das Gefühl, mehr auf als in dem Sessel zu sitzen. Anders verhält es sich dagegen im Fond. Hier reist man im Astra am bequemsten, da er von allen die längste Schenkelauflage bietet.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 325 i TouringSkoda Octavia Combi RSOpel Astra Caravan 2.0 T
Sitzkomfort vorn150959288
Sitzkomfort hinten100727476
Ergonomie150122132120
Innengeräusche50342522
Geräuscheindruck100766864
Klimatisierung50333220
Federung leer200136130132
Federung beladen200134110136
Kapitelbewertung1000702663658

 

Motor und Getriebe

Sowohl der Skoda als auch der Opel treten mit Zwei-Liter-Turbomotor an. Die Leistung beträgt bei beiden 200 PS. Im Vergleich zum Astra arbeitet der Octavia jedoch mit Benzindirekteinspritzung. Das Aggregat kommt aus dem VW-Konzernregal und stammt aus dem Golf GTI. Dank Turboaufladung schlagen im Opel und im Skoda zwei sportliche Herzen. Im Vergleich zu seinen Konkurrenten verfügt der Skoda über ein sehr spontanes Ansprechverhalten über das gesamte Drehzahlband hinweg. Der Astra gibt sich nicht minder spritzig, tritt aber aus niedrigen Touren nicht ganz so kraftvoll an wie der RS. Auch gefällt die Sechsgang-Schaltung im Skoda besser, die nur noch vom präzisen und mit kurzen Wegen schaltbaren BMW-Getriebe geschlagen wird. Der 325i verzichtet zwar auf eine Turboaufladung, dafür nicht auf Hubraum. So leistet der 2,5-Liter-Sechszylinder 218 PS und begeistert neben seiner seidenweichen Laufruhe mit einer sehr gleichmäßigen Kraftentfaltung. Innerhalb von 7,2 Sekunden sprintet der Bayer auf Tempo 100 (Opel: 7,7; Skoda: 7,8 Sekunden) und fährt auch in fast allen anderen Beschleunigungsdisziplinen dem Feld auf und davon. Wenn es sein muss, bis zur Spitze von 243 km/h (Opel 230, Skoda 238 km/h). Doppelt gut: Der Durst des Bayern hält sich trotz besserer Fahrleistungen in Grenzen. So schluckte er im Schnitt 10,9 Liter auf 100 Kilometern, während der Testverbrauch des Skoda bei 11,7 und des Opel bei 11,8 Litern lag.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 325 i TouringSkoda Octavia Combi RSOpel Astra Caravan 2.0 T
Beschleunigung150163157158
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150113108100
Getriebeabstufung100929086
Kraftentfaltung50333735
Laufkultur100757069
Verbrauch325131123122
Reichweite25191412
Kapitelbewertung1000626599582

 

Fahrdynamik

Auf dem Handlingparcours spielt der Skoda seine Trümpfe aus: Mit den schnellsten Rundenzeiten lässt er die Konkurrenz hinter sich. Die ausgeprägte Handlichkeit verdankt der Octavia RS zum einen seiner sportlichen Abstimmung samt serienmäßiger 18-Zoll-Bereifung, zum anderen seiner präzise dem Kurs folgenden Lenkung. Hauptverantwortlich ist dafür jedoch der spontan ansprechende Zwei-Liter-Turbo, der bereits aus niedrigen Drehzahlen so kraftvoll zubeißt, dass selbst der äußerst agile BMW nur noch die Rücklichter sieht. Zu hohes Kurventempo baut der fahrsichere Tscheche allerdings spürbar untersteuernd ab und bekommt beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren Traktionsprobleme. Ganz anders der BMW, der dank Heckantrieb und ausgewogener Gewichtsverteilung seine Kraft am besten auf die Straße bringt. Zudem fährt sich der 3er Touring noch agiler und folgt noch unmittelbarer den Lenkbefehlen. Auf Lastwechsel reagiert der Bayer hingegen mit einem leicht eindrehenden Heck, das aber immer gut kontrollierbar bleibt. Auch der stets gutmütig agierende Opel weist ein sicheres Fahrverhalten auf. Zwar schiebt er bei der Kurvenhatz wesentlich früher mit den Vorderrädern zum Kurvenaußenrand hin, doch können ihn selbst provozierte Lastenwechsel nicht aus der Ruhe bringen. Als einziger im Vergleich verfügt der Astra-Turbo über eine elektronisch geregelte Dämpferabstimmung (IDS-Plus). Über eine Sport-Taste am Cockpit kann der Fahrer darüber hinaus per Knopfdruck Dämpferhärte, ESP-Regelung und die Gasanahme des Motors verändern. Dennoch vereitelt die im Gegensatz zum dreitürigen Astra GTC weichere Fahrwerksauslegung des Astra-Kombis allzu sportliche Ambitionen. Hinzu kommt, dass die synthetisch ansprechende Servolenkung des Rüsselsheimers wenig Fahrbahnkontakt vermittelt und wie auch die des Skoda nicht frei von Antriebseinflüssen ist. Auf der sicheren Seite liegen alle drei beim Thema Bremsen. Doch dem BMW gelingen mit 36,2 (kalt) und 35,2 Metern (warm) die besten Verzögerungswerte. Zudem lässt sich das Bremspedal des Bayern am exaktesten dosieren, während in Opel und Skoda bei sehr starker Belastung das Pedalgefühl etwas nachlässt.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 325 i TouringSkoda Octavia Combi RSOpel Astra Caravan 2.0 T
Handling150120123116
Slalom100616062
Lenkung100767365
Geradeauslauf50383133
Bremsdosierung30201818
Bremsweg kalt150128115114
Bremsweg warm150138133129
Traktion100664944
Fahrsicherheit150135135137
Wendekreis2014149
Kapitelbewertung1000796751727

 

Umwelt und Kosten

Ganz klar: Den niedrigsten Grundpreis kann der Opel Astra vorweisen. Mit 24710 Euro für die Sport-Variante ist er fast 10000 Euro günstiger als der BMW. Die umfangreiche Serienausstattung und die niedrigen Aufpreise für die wenig verbleibenden Extras relativieren aber den Skoda-Grundpreis von knapp 27000 Euro schnell: Er erweist sich unter dem Strich als das beste Angebot. Zurückstecken müssen Opel und Skoda bei den Versicherungseinstufungen. Hier kann der BMW die Konkurrenz in allen Belangen unterbieten. Besonders der Astra muss Federn lassen. Interessant für Leasingkunden: Bei der Vollkasko-Einstufung liegt die getestete 200-PS-Version fünf Klassen über der kaum langsameren 170-PS-Variante. Das bedeutet einen Mehrpreis von rund 580 Euro pro Jahr. Der größere Hubraum des BMW-Sechszylinders sorgt zwar für höhere Steuern, jedoch dürften die 35 Euro Mehraufwand kaum ausschlaggebend sein. Während BMW nur eine zweijährige Technikgarantie anbietet und Opel sich die Mobilität ab dem dritten Jahr zusätzlich bezahlen lässt, gewährt Skoda die umfangreichste Absicherung.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 325 i TouringSkoda Octavia Combi RSOpel Astra Caravan 2.0 T
Bewerteter Preis675331351358
Wertverlust50556163
Ausstattung25485049
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50142818
Werkstattkosten20434143
Steuer10404343
Versicherung40403634
Kraftstoff55312930
Emissionswerte25818075
Kapitelbewertung1000683719713

 

Fazit

Sieht man von seinem hohen Grundpreis und dem kleineren Gepäckabteil einmal ab, scheint am BMW niemand vorbeizukommen. Er gewinnt drei Kapitel und fährt den Gesamtsieg ein. Er findet einen sehr gelungenen Kompromiss aus Fahrkomfort und Agilität. Zudem sorgt sein seidenweicher Sechszylinder für gute Fahrleistungen bei angemessenem Verbrauch. Trotz dieses Endergebnisses sind der zweitplatzierte Skoda und auch der Opel, der auf dem dritten Rang landet, klar eine Empfehlung wert. Der Octavia RS leistet sich bis auf die unausgewogene Federung keine großen Schwächen. Für den Astra 2.0 T spricht neben seiner vorbildlichen Sicherheitsausstattung, der guten Variabilität und der hohen Zuladung sein günstiger Preis.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 325 i TouringSkoda Octavia Combi RSOpel Astra Caravan 2.0 T
Summe5000351934633399
Platzierung123

Tags:
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