Lincoln Continental Mark III Cabrio: Traumwagen Great Wide Open

24.10.2014

Nicht nur wegen seiner schieren Größe begeistert das Lincoln Continental Mark III Cabrio mit 375 PS starkem 7,0-Liter-V8. Ein Traumwagen

Unter dem blauen Himmel, draußen in der grenzenlosen Weite“, singen Tom Petty and the Heartbreakers 1991 im Hit „Into the Great Wide Open“, und die Passage in den Lyrics könnte auch ganz prächtig zum Inbegriff des offenen amerikanischen Straßenkreuzers, dem Lincoln Continental Cabriolet, passen.

Denn mehr Himmel über einem offenen Auto geht kaum, und zur Erkundung grenzenloser Weiten bringt die US-Car-Ikone vor allem eines mit: Komfort, Komfort und nochmals Komfort.

 

Der Continental geht bis in die 1940er-Jahre zurück

Bereits 1940 vergibt die Lincoln Motor Company – innerhalb der Ford Motor Company für die Fahrzeuge der Oberklasse zuständig – die Modellbezeichnung Continental. Ausgerüstet mit einem 5,0-Liter-Zwölfzylinder, 130 PS und 155 km/h Höchstgeschwindigkeit werden die Luxus-Automobile  – mit einigen Jahren Unterbrechung aufgrund des Zweiten Weltkrieges – bis 1948 gebaut.

Erst 1956 taucht der Name Continental bei der Ford Motor Company wieder auf – diesmal in anderer Form. Sie werden nun bei der Continental Division gebaut, einer 1952 gegründeten Ford-Tochter, deren Fahrzeuge noch eine Stufe oberhalb der ohnehin schon luxuriösen Lincoln-Modelle Capri und Premiere angesiedelt sind.

Entsprechend werden die Continental-Modelle von 1956 bis 1960 denn auch nicht als Lincoln, sondern unter der nobleren Eigenmarke Continental vermarktet. Erst von 1961 an steht der Continental schließlich wieder als offizielles Lincoln-Topmodell in den Showrooms.

Doch die 1956 vollzogene Positionierung von Continental als ernstzunehmender Gegenpol zu Luxus-Importfahrzeugen wie etwa von Rolls-Royce funktioniert alles andere als gewünscht. Das erste Modell der neuen Mark-Serie, der im Oktober 1956 auf dem Pariser Salon vorgestellte Continental Mark II, ist zu aufwändig konstruiert, wird noch dazu in Handarbeit gefertigt und erreicht so trotz des hohen Verkaufspreises von rund 10.000 US-Dollar keine Kostendeckung.

Etwa 1000 Dollar legt die Konzernmutter Ford bei jedem verkauften Wagen drauf. Insgesamt werden 1956 und 1957 nur 1769 Einheiten gebaut, und man weiß bei Ford, das ein wirtschaftlicher Erfolg des Luxuswagen-Konzepts nur über die kostensenkende Gleichteile-Verwendung aus der Großserie funktionieren würde.

Bei unserem Fotomodell, das uns freundlicherweise von RD Classics, einem der führenden europäischen US-Car-Händler in Emmerich, zur Verfügung gestellt wurde, handelt es sich um den unter dieser Maßgabe entwickelten Nachfolger, den Continental Mark III aus dem Jahre 1958. Der Continental Mark III entstand in einem brandneuen Werk in Wixom, Michigan, zusammen mit dem für jenes Jahr ebenfalls neuen Ford Thunderbird.

Von Handarbeit war jetzt keine Rede mehr. Während es beim Vorgänger Continental Mark II aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erst gar nicht mehr zu den weiteren, neben dem Coupé geplanten Karosserievarianten kam, debütierte der Continental Mark III von Anfang an in drei Versionen auf dem Markt: als Limousine, Coupé und Cabriolet.


Die Basis für den Mark III lieferte der Premiere


Technisch basiert der Mark III auf dem für dieses Modelljahr ebenfalls neu konstruierten Lincoln Premiere. Statt eines Rahmens besitzt er eine selbsttragende Karosserie, und die Abmessungen sind deutlich gewachsen.

Wie beim Vorgänger ist ein V8-Motor für den Antrieb zuständig, dessen Hubraum nun jedoch gewaltige sieben anstatt bisher sechs Liter beträgt, die für 375 an Stelle von 300 PS gut sind.

Ein höherer Kühlergrill, schräg gestellte Doppelscheinwerfer, scharf zulaufende Heckflossen und flüssig in die Karosserie einlaufende Chromstoßstangen sind markante optische Kennzeichen.

Eine technische Besonderheit leisten sich die geschlossenen Versionen beim Heckfenster: Der Mark III verfügt über eine schräg nach innen gestellte, quasi leicht überdachte Heckscheibe, die via Elektroantrieb per Knopfdruck geöffnet und geschlossen werden kann.

Das entstehende Frischluft-Gefühl bringt dem Heckfenster den Namen „Breezeway Window“ ein.

Eine weitere exklusive Technik stellt die optional erhältliche, aber als problematisch angesehene Luftfederung dar, mit der jedoch nur rund zwei Prozent der 1958 gebauten Continental Mark III ausgerüstet waren.

Fahrdynamisch kann sich der Continental Mark III mit seinem V8-Motor durchaus sehen lassen. Das 90-Grad-V-Triebwerk verfügt über 109,22 Millimeter Bohrung und 93,98 Millimeter Hub, was ein Hubvolumen von 7045 Kubikzentimetern ergibt.

Die Ventilsteuerung erfolgt mittels zentral platzierter, untenliegender und per Kette von der Kurbelwelle angetriebener Nockenwelle und über Stößelstangen und Kipphebel.

Dank Hydrostößeln erübrigen sich eine Kontrolle und das sonst in Abständen notwendige Nachjustierung des Ventilspiels. Die Gemischaufbereitung übernimmt auch bei diesem V8 in bekannter Manier ein Vierfach-Vergaser.

 

Leistungsunterschiede bei US- und Export-Version

Stramme 375 PS generiert der im Verhältnis von 10,5:1 verdichtende Motor bei 4800 Umdrehungen pro Minute, und das maximale Drehmoment von 664 Newtonmetern liegt bei 3100 Touren an. Die Kraftübertragung übernimmt eine Dreigang-Automatik mit Drehmomentwandler und Dreigang-Planetengetriebe.

Damit sind trotz des hohen Leergewichts von 2260 Kilogramm 190 km/h Höchstgeschwindigkeit möglich; in rund elf Sekunden sind aus dem Stand 100 Stundenkilometer erreicht. Beschaulicher gehen die für den Export bestimmten Continental, wie sie etwa auch in die Schweiz geliefert wurden, zu Werke.

Prinzipiell technisch identisch, ist ihr Triebwerk lediglich auf 7,25 verdichtet und leistet 300 PS bei 4600 Umdrehungen pro Minute. Ebenso drastisch ist der V8 in punkto Drehmoment beschnitten: 557 und damit mehr als 100 Newtonmeter weniger liegen bei 3100 Touren an.

Entsprechend reduziert sich die Höchstgeschwindigkeit nominell auf 180 km/h, und insbesondere Beschleunigung und Durchzugsvermögen leiden spürbar. Allerdings besitzen nüchterne Zahlenwerte gerade im Falle des Continental Cabriolets eher akademischen Charakter.

Beim genüsslichen Cruisen und stilvollen Flanieren mit dem 5,72 Meter langen Schlachtschiff zählen völlig andere Werte, etwa der gekonnte Mix aus souveränem V8-Blubbern und dazu zeitgenössisch passend ausgewählter Musik für die Unterhaltung an Bord.

An Nummer-1-Hits fehlte es in den US-Charts 1958 nämlich nicht. Danny and the Juniors landeten mit „At the Hop“ einen Bestseller, The Champs schenkten „Tequila“ aus, und Elvis Presley landete mit „Don't“ einen seiner zahlreichen Ohrwürmer.

So würde sich das Continental Cabriolet geradezu prächtig als Party-Urlaubs-Cruise-Mobil eignen. Platz im Innenraum ist derart reichlich vorhanden, dass man glatt Fußball drin spielen könnte, und der von Fahrwerk und Sitzpolstern servierte Komfort schreit geradezu nach einmal Hollywood zurück. Frei nach Tom Petty: Into the Great Wide Open.

LINCOLN CONTINENTAL MARK III CABRIO (Bj.: 1958): Technische Daten und Fakten
V8-Zylinder; 2-Ventiler; Hubraum: 7045 cm3; Vierfach-Vergaser; Leistung: 276 kW/375 PS bei 4800/min; max. Drehm.: 664 Nm bei 3100/min; Dreigang-Automatik; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkar. mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: Trapez-Dreieckquerlenker; hinten: Starrachse, Längsschubstreben; v./h. Schraubenfedern, Stoßdämpfer; Bremsen: v./h. Trommeln; Reifen: v./h. 9,50-14
Eckdaten
L/B/H: 5720/2035/1435 mm; Radstand: 3327 mm; Leergewicht: 2260 kg; Bauzeit: 1958; Stückzahl: 3.048; Preis (1958): 6283 US-Dollar
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 11 s; Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h; Verbrauch: 18-25 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:  45.000 Euro
Zustand 3:  28.000 Euro
Zustand 4:  14.000 Euro
Wertentwicklung: stagnierend
Definition der Zustandsnoten

Jürgen Gassebner

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