Vergleich Hybrid-Limousinen: Lexus GS 450h gegen Audi, BMW und Infiniti

08.01.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Limousinen im Vergleich: Lexus hat den Hybridantrieben den Weg geebnet. Der neue GS 450h soll jetzt den Führungsanspruch gegen die Hybrid-Konkurrenz von Audi, BMW und Infiniti untermauern

Hybridantriebe sind in Deutschland nicht sonderlich populär. Vor allem in der Oberklasse dominieren kraftvolle Dieselaggregate die Szene. Lediglich Lexus verzichtet gänzlich auf einen Selbstzünder in der gerade neu aufgelegten GS-Baureihe - die Japaner haben den Hybridantrieb zum eigenen Markenzeichen gemacht. Während andere Hersteller, vor allem die Deutschen, der Technologie nur wenig Augenmerk schenkten, hat die Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor der asiatischen Marke ein grünes Image verliehen, auf das andere Firmen nun neidvoll blicken.

Lexus bringt bereits die zweite Generation des GS-Hybriden auf die Straße - Audi und BMW haben ihre Oberklasse-Modelle dagegen erst sehr spät teilelektrifiziert. Auch Infiniti bietet mit dem aktuellen M35h erstmals ein Hybrid-Modell an. Wie gut sind die Konkurrenten des neuen GS 450h? Der Vergleichstest klärt, ob Lexus den Entwicklungsvorsprung gewinnbringend einsetzen kann.

 

Karosserie

Ganz egal, welche Art von Antrieb unter der Haube steckt, in der Oberklasse ist Platz und Ausstattung gefragt. Beim Raumangebot herrscht - zumindest was die Maße angeht - weitgehend Einigkeit. Das persönliche Gefühl entlarvt jedoch Unterschiede. So wird schnell deutlich, dass BMW die Raumausnutzung am besten beherrscht - Bewegungsfreiheit gibt es im 5er in alle Richtungen. Das gilt im gleichen Maße auch für den Audi. Selbst Lexus hat beim neuen GS ein europäisches Raumgefühl geschaffen und integriert den Fahrer nun besser ins Fahrzeug, als es bei den Vorgängern der Fall war. Lediglich die Einstellbereiche der Vordersitze dürften ein wenig größer ausfallen. Im Infiniti hingegen rücken Fahrer und Beifahrer spürbar dichter an die Türen. Auch die Beinfreiheit wird gegenüber seinen Mitstreitern durch den im vorderen Bereich sehr breiten Mitteltunnel stärker eingeschränkt. Hinten bildet der Infiniti in Sachen Raumökonomie ebenfalls das Schlusslicht.

Bei der Bedienung gibt sich der Infiniti umständlich. Der Lexus GS 450h lässt sich über den nicht sonderlich feinfühligen Zentralregler mit etwas Gewöhnung schon leichter bedienen. Beim Audi stört lediglich die großflächige Anordnung der MMI-Kontrolleinheit. Dass es auch kompakter geht, zeigt zum Beispiel die Schaltergruppierung im neuen Audi A3. Oder eben die Kombination aus Schaltern und Drehregler im ActiveHybrid 5 von BMW, die sich intuitiv handhaben lässt.

Warum allerdings für die Hybriden von Audi und BMW nur ein begrenzter Umfang der sonst üblichen Sicherheitsausstattung in diesen Modellreihen verfügbar ist, bleibt unverständlich. Im Gegensatz zu den beiden japanischen Autobauern gibt es für die beiden Deutschen keine aktive Geschwindigkeitsregelung. Auch das Head-up-Display, das Audi sonst allen A6-Kunden anbietet, bleibt dem A6 Hybrid vorenthalten. Allerdings sorgt auch Lexus hier für Verwunderung. Ordert man das gesamte Sicherheitspaket inklusive Nachtsichtassistenten und Head-up-Display, muss man nicht nur zur 15.750 Euro teureren Luxury-Line greifen, sondern nochmal 9000 Euro extra über den Verkaufstresen schieben. Bei Infiniti muss der Kunde höchstens 62.540 Euro ausgeben. Dann ist nicht nur bereits das große Sicherheitspaket mit an Bord, sondern die Karosserie schon mit einem Metallic-Lack überzogen.

Auch wenn Lexus in der Vergangenheit stets Qualität gepredigt hat, war sie nicht immer sichtbar. Beim neuen GS wird sie jetzt allerdings deutlich. Nur die leichten Knistergeräusche trüben den ansonsten guten Gesamteindruck. Die gute Verarbeitungsqualität der Kandidaten aus Ingolstadt und München versteht sich von selbst. Weniger Liebe zum Detail versprüht der Infiniti-Innenraum. Schlechte Passungen und Materialien werfen ihn hier zurück.

KarosserieMax. PunkteLexus GS 450hAudi A6 HybridBMW ActiveHybrid 5Infiniti M35h
Raumangebot vorn10087888885
Raumangebot hinten10070717168
Übersichtlichkeit7035343535
Bedienung/ Funktion10077823571
Kofferraumvolumen10039272623
Variabilität10001000
Zuladung/ Anhängelast8031342136
Sicherheit15097838897
Qualität/ Verarbeitung200176183178169
Kapitelbewertung1000612612542584

 

Fahrkomfort

Schnelle Autobahnetappen komfortabel zu absolvieren, gehört zu den primären Anforderungen an Oberklasse-Limousinen. Auch der neue Lexus ist genau darauf ausgerichtet. Ordentlicher Geradeauslauf, niedriges Geräuschniveau, solange der Antrieb nicht unter Volllast läuft, und das trotz sportlicher F-Sport-Abstimmung unseres Testwagens angenehme Fahrwerks-Set-up lassen lange Strecken entspannt vorüberziehen. Aber für den Lexus gilt wie für keinen anderen der vier Rivalen: je schneller, desto besser. Sobald die  Geschwindigkeit nämlich auf Stadttempo fällt, reagiert der GS recht hölzern und sperrig auf Kanten oder Querfugen. Trost spenden da glücklicherweise die komfortablen Sitze.

Noch mehr Unterstützung bieten allerdings die Sportsitze (635 Euro) des Audi A6. Auch die Integration des Fahrers ins Fahrzeug ist beim Ingolstädter etwas besser gelungen. Und obwohl Audi weder adaptive Dämpfer noch die geschmeidige Luftfederung für den Hybrid anbietet, agieren auch die Federn und Dämpfer feinfühliger als die des Lexus. Das sensible Ansprechverhalten und das gelassene Schluckvermögen bei hohem Tempo gefallen.

überzeugen kann aber nur der BMW. Während der Infiniti bei langsamer und bei schneller Fahrt stets leicht in Bewegung ist, gleitet der BMW regelrecht über die Piste - seine adaptiven Dämpfer (1300 Euro) finden für jeden noch so holprigen Untergrund die passende Antwort.

FahrkomfortMax. PunkteLexus GS 450hAudi A6 HybridBMW ActiveHybrid 5Infiniti M35h
Sitzkomfort vorn150125127134117
Sitzkomfort hinten10074747769
Ergonomie150115118121108
Innengeräusche5043464146
Geräuscheindruck10090889086
Klimatisierung5043444542
Federung leer200141144152131
Federung beladen200141144152131
Kapitelbewertung1000772785812730

 

Motor und Getriebe

Lexus hat mit dem Hybridantrieb der Marke ein umweltfreundliches Image verliehen. Was für BMW der Reihensechszylinder und für Audi der quattro-Antrieb ist, ist für Lexus die Hybridtechnologie. Den Verbund aus leistungsstarkem V6-Benziner und Elektromotor koordiniert ein leistungsverzweigtes Hybrid-Planetengetriebe mit zwei Untersetzungsstufen. Das komplexe System arbeitet derart harmonisch, dass die Antriebe der Konkurrenz hier klar das Nachsehen haben. Das feine Überblenden von Verbrennungs- und Elektromotor und das elegante Ausblenden der Antriebsquellen je nach Leistungsabfrage ist für den Fahrer nur im Display zu beobachten. Die spürbaren Rucke, die bei den beiden Achtstufen-Getrieben mit integriertem E-Motor von Audi und BMW auftreten, sind dem Lexus völlig fremd. Zudem managt das System des GS 450h den Ladezustand des Akkus deutlich effektiver. Vor allem der Audi führt dem Antrieb schon bei normaler Fahrt viel Elektrokraft zu, um artgerecht in Bewegung zu kommen. Resultat: Die Batterie ist schnell leergesaugt. Der  Konkurrenz gelingt es besser - einmal vom E-Motor in Schwung gebracht -, mit der Energie hauszuhalten.

Der leistungsmäßig unterlegene Hybridantrieb mit Vierzylinder-Verbrennungsmotor des Audi muss sich schwer mühen, um mit den Sechszylindern mithalten zu können. Der per EV-Schalter bei vollen Akkus abrufbare rein elektrische Fahrmodus kann zwar bei niedrigen Geschwindigkeiten mit kraftvollem Antritt punkten, aber unterm Strich nicht zu einem effizienten Umgang mit dem Kraftstoff beitragen. Wie der BMW, der erheblich lebendiger Fahrt aufnimmt und seine E-Power je nach Situation vorwiegend unterstützend einbringt, verbraucht der Audi 9,6 Liter Super auf 100 Kilometern. Das ist eindeutig zu viel für Fahrzeuge mit Hybrid-Logo auf der Karosserie. Selbst der Infiniti M35h steht hier besser da. Ihm genügen sieben Gänge und ein Hybridsystem, das über zwei Kupplungen V6-Motor oder E-Motor der Situation  entsprechend koordiniert. Etwas gewöhnungsbedürftig bleibt jedoch auch nach längerer Fahrt das zuschaltbare Eco-Pedal. Es erzeugt je nach Lastzustand selbständig Gegendruck im Pedal und soll damit unnötigen Gasbefehlen entgegenwirken. Aber selbst ohne Bevormundung bleibt der Infiniti recht genügsam: 8,9 Liter sind durchaus akzeptabel. Nur der Lexus arbeitet noch sparsamer. 8,4 Liter Durchschnittsverbrauch sind in dieser Klasse ein beeindruckender Wert. Lediglich das konstant hohe Drehzahlniveau bei voller Leistungsabfrage bleibt ist auch beim neuen GS eine Frage der Gewöhnung.

Motor und GetriebeMax. PunkteLexus GS 450hAudi A6 HybridBMW ActiveHybrid 5Infiniti M35h
Beschleunigung150128119128131
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15090839090
Getriebeabstufung10090808073
Kraftentfaltung5033243330
Laufkultur10085758381
Verbrauch325222199199210
Reichweite2515141215
Kapitelbewertung1000663594625630

 

Fahrdynamik

Das Ausloten des Grenzbereichs zählte in der Vergangenheit nicht unbedingt zu den bevorzugten Disziplinen der Lexus-Modelle. Aber die aktuelle GS-Generation schlägt ein neues Kapitel in puncto Fahrdynamik auf. Insbesondere die F-Sport-Modelle (Testwagen, 17.050 Euro Aufpreis) mit aktiver Allradlenkung mit variabler Übersetzung und üppiger 19-Zoll-Bereifung sind hier federführend. Und das nicht nur im Lexus-Programm, sondern auch in diesem Vergleich. Dabei gefällt vor allem der sehr sichere Grenzbereich. Lediglich der BMW hält da noch mit. Die Münchener bieten für den ActiveHybrid 5 weder den Wankausgleich noch die aktive Allradlenkung an. Dennoch kann der BMW mit klarem Feedback und willigem Einlenkverhalten überzeugen. Die stark ausgeprägte Tendenz zum Übersteuern wegen des schweren Batteriepakets im Heck lässt sich spielerisch selbst kontrollieren oder zuverlässig vom ESP beaufsichtigen.

Auch beim Audi wirkt sich die zusätzliche Last im Heck positiv auf das Einlenkverhalten aus. Ohnehin gefällt der A6 mit seinem sehr neutralen Fahrverhalten. Dass er Lexus und BMW ziehen lassen muss, liegt in erster Linie an seinem unterlegenen Antrieb, der ihn auf jeder Geraden zurückfallen lässt.

Der Infiniti hingegen leidet unter seiner stößigen Lenkung, einem unverhältnismäßig heftig einschreitenden ESP und den schlechten Bremsen. Vor allem der Lexus und der Audi zeigen hier bereits mit kalten Bremsen Top-Verzögerungswerte. Aber das Pedalgefühl des Audi variiert aufgrund der unharmonischen Abstimmung von Generator und hydraulischer Bremse stärker als bei der Konkurrenz.

FahrdynamikMax. PunkteLexus GS 450hAudi A6 HybridBMW ActiveHybrid 5Infiniti M35h
Handling15086748566
Slalom10058525749
Lenkung10079828471
Geradeauslauf5038414038
Bremsdosierung3020192218
Bremsweg kalt15093908363
Bremsweg warm15088878582
Traktion10042404035
Fahrsicherheit150126126122115
Wendekreis2010688
Kapitelbewertung1000640617626545

 

Umwelt und Kosten

Dass Hybridmodelle ihren Preis haben, ist bekannt. Daher verblüfft der erste Blick in die Preisliste des neuen Lexus GS 450h. Gerade einmal 1450 Euro kostet der Vorzeige-Hybrid in der Basisausstattung mehr als der Audi A6 Hybrid und sogar gut 8000 Euro weniger als der BMW ActiveHybrid 5. Wer aber ein Navigationssystem (2300 Euro), das bei Audi und BMW bereits zur Serienausstattung zählt, mitordern möchte, muss die 61.500 Euro teure Executive-Ausstattung bestellen. Das komplette Pre-Crash-Safety-System inklusive Nachtsichtassistenten für 9000 Euro gibt es sogar erst ab der Luxury-Ausstattung, die mit 70.500 Euro berechnet wird.

BMW und Infiniti erzielen zwar eine bessere Gesamtbilanz, das günstigste Gesamtpaket hat jedoch Audi geschnürt. Niedriger Grundpreis gute Versicherungseinstufungen zahlen sich unterm Strich aus.

Kosten/UmweltMax. PunkteLexus GS 450hAudi A6 HybridBMW ActiveHybrid 5Infiniti M35h
Bewerteter Preis6758511391114
Wertverlust501112911
Ausstattung2524232323
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5025282025
Werkstattkosten2014151310
Steuer109988
Versicherung4025323124
Kraftstoff5536333335
Emissionswerte2523222321
Kapitelbewertung1000252287251271

 

Fazit

In unserem Hybrid-Vergleich hat Lexus mit der neuen GS-Generation die Nase vorn. Und das nicht nur, weil der feine Antrieb sowohl bei den  Fahrleistungen als auch beim Verbrauch Überzeugungsarbeit leistet. Nein, selbst in Sachen Fahrdynamik kann der GS 450h die deutschen Rivalen hinter sich lassen. Der neue Lexus ist nicht nur ein guter Hybrid, er überzeugt auch als Gesamtpaket. Lediglich
die teuren Aufpreise trüben den durchweg guten Eindruck.

Der BMW ActiveHybrid 5 klettert auf Platz zwei. Er überzeugt nicht nur - wie von BMW gewohnt - fahrdynamisch, sondern kann auch mit dem besten Federungs- sowie Sitzkomfort den günstigeren Audi bezwingen. Der Audi A6 Hybrid mit Vierzylinder ist leistungsmäßig den Sechszylindern unterlegen und kann trotz bester Verarbeitung und guter Kostenbilanz nicht am kraftvollen BMW vorbeiziehen.

Platz vier geht an den Infiniti M35h. Zwar erweist sich der Hybridantrieb als kraftvoll und sparsam, aber bei Komfort und Fahrdynamik fehlt ihm noch eine große Portion Feinschliff.

Gesamtbewertung

Max. PunkteLexus GS 450hAudi A6 HybridBMW ActiveHybrid 5Infiniti M35h
Summe50002939289528562760
Platzierung1234

Tags:
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