Leistungs-Druck - Diesel-Limousinen Leistungs-Druck

30.11.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Vier Limousinen mit kräftigen Common-Rail-Diesel-Triebwerken: Der geliftete Alfa Romeo 156 2.4 JTD mit neuem Fünfzylinder-Motor trifft auf Audi A4 2.5 TDI, BMW 320d und Volvo S60 D5. Schafft es der Italiener, sich durchzusetzen?

Wenn es um die Wahl des Motors geht, dann müssen Audi- und Volvo-Interessenten nicht lange nachdenken: ein Selbstzünder muss es sein - so verfügen zwei Drittel aller neu zugelassenen Audi A4 und Volvo S60 über Dieselmotoren. Alfa Romeo gilt zwar als Mitbegründer des Common-Rail-Konzepts (Weltpremiere 1997 im Alfa 156), die Alfisti geben sich aber etwas zurückhaltender: Bei jedem zweiten Alfa 156 handelt es sich um einen JTD. Eingefleischte BMW-Fans können dem Diesel-Prinzip am wenigsten abgewinnen. Trotz einer umfangreichen Leistungspalette und einer vergleichsweise moderaten Preisgestaltung im Vergleich zu den Benzinern entscheiden sich nur 38 Prozent aller 3er-Käufer für einen Diesel.

 

Karosserie

Der im Juli 2003 behutsam renovierte Alfa 156 wirkt mit seinem dominanten Kühlergrill und den neuen Scheinwerfern mit verchromten Ringelementen deutlich reifer als der Vorgänger. Der Innenraum vermittelt mit geschmackvollen Ledersitzen (2000 Euro), in Rot schillernden Instrumenten und zahlreichen Applikationen im Alu-Look italienisches Sportwagen-Ambiente. Schade, dass die fehlende umklappbare Rücksitzbank, die gewöhnungsbedürftige Bedienung und Verarbeitungsmängel eine bessere Platzierung verhindern. Während der Alfa dieses Jahr runderneuert wurde, präsentiert sich der Audi seit seiner Einführung vor drei Jahren unverändert. Deshalb wollen die Ingolstädter 2004 ein Facelift vornehmen. Auch das Cockpit mit Vierspeichen-Lenkrad und zahlreichen kleinen Digital-Anzeigen könnte eine Erneuerung vertragen. Dank breiter Armauflagen, großer Ledersitze (1865 Euro) und viel Beinfreiheit bietet der A4 im Vergleich zum Alfa ein deutlich größeres Raumgefühl. Die umklappbaren Rücksitze (280 Euro) erweitern das Stauvolumen auf 720 Liter. Mit 461 Kilo Zuladung darf der A4 fast 100 Kilo mehr Ballast an Bord nehmen als der 320d. Seit seinem Facelift 2001 blickt der BMW 3er grimmiger durch die schmalen Xenon-Scheinwerfer (790 Euro). Dank Sport-Lederlenkrad (270 Euro) und stark konturierter Sport-Ledersitze (1800 Euro) versprüht das 320d-Cockpit athletische M3-Atmosphäre. Den Ausgleich zu den eingeschränkten Platzverhältnissen im Fond und der vergleichsweise geringen Zuladung von 369 Kilogramm vermag der BMW durch seine gute Verarbeitung und eine umfangreiche Sicherheitsausstattung wieder herzustellen. Mit einer Länge von 4,57 und ei-ner Breite von 1,80 Meter entspricht der Volvo (Debüt 2000) in den Abmessungen denen des A4. Im Innenraum vermittelt der S60 durch funktionelle Schalter Oberklasse-Niveau; für Sicherheit sorgt ein System aus Seiten-Airbags (SIPS). Wegen der massigen Front-Bestuhlung fällt das Raumangebot im Fond kaum größer aus als im BMW. Trotzdem stellt Volvo den einzigen echten Fünfsitzer im Quartett nur hier gibt´s die dritte Kopfstütze und den mittleren Dreipunkt-Gurt serienmäßig.

KarosserieMax. PunkteBMW 320 dAudi A4 2.5 TDIVolvo S60 D5Alfa Romeo 156 2.4 JTD
Raumangebot vorn10060707365
Raumangebot hinten10055645754
Übersichtlichkeit7060525050
Bedienung/ Funktion10085858270
Kofferraumvolumen10049504741
Variabilität1001114205
Zuladung/ Anhängelast8032383533
Sicherheit150124121118113
Qualität/ Verarbeitung200190178167135
Kapitelbewertung1000666672649566

 

Fahrkomfort

Beim Federungskomfort vermag keiner der Konkurrenten an das hohe BMW-Niveau heranzureichen: Ob Bodenwellen oder Querfugen - die straffe Abstimmung der Federn und die sensibel ansprechenden Dämpfer meistern unterschiedliche Bedingungen souverän, ohne die Karosserie in Unruhe zu versetzten. Die gut konturierten Polster bieten zwar ein hohes Maß an Seitenhalt, sind aber eher auf eine sportlich ambitionierte Käuferschaft ausgerichtet. Volvo versucht in Sachen Federung mit dem S60 einen Mittelweg zwischen fahraktivem Anspruch und komfortabler Abstimmung einzuschlagen. Und tat- sächlich vermittelt der Schwede auf langen Bodenwellen einen gefälligeren Eindruck als der 320d. Kurze Stöße beim Überfahren von Querfugen schlagen hingegen umso deutlicher durch. Die breiten Ledersessel bieten zwar nicht so viel Seitenhalt wie die des BMW, erweisen sich auf Langstrecken aber als umso gemütlicher. Das Aluminium-Fahrwerk des Audi A4 zeigt etwas mehr Ausgewogenheit als das des Volvo. Die Stärken des A4 liegen vor allem in seiner akustischen Entkoppelung vom Fahrgeschehen harte Stöße und Abrollgeräusche dringen kaum bis zu den Passagieren durch. Der vermeintlich sportliche Alfa bildet das Schlusslicht in Sachen Fahrkomfort. Bereits auf ebener Fahrbahn überträgt die zu weiche Motoraufhängung Schwingungen an die Karosserie. Auf Unebenheiten reagiert der Italiener noch empfindlicher, und die nur träge reagierenden Dämpfer geben harte Stöße direkt an den Innenraum weiter. Da muss man schon Alfisti sein, um über die unharmonische Abstimmung wohlwollend hinwegzusehen.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 320 dAudi A4 2.5 TDIVolvo S60 D5Alfa Romeo 156 2.4 JTD
Sitzkomfort vorn15090958972
Sitzkomfort hinten10065706465
Ergonomie150130120135110
Innengeräusche5038413928
Geräuscheindruck10065646460
Klimatisierung5040374627
Federung leer200150140136118
Federung beladen200152138135122
Kapitelbewertung1000730705708602

 

Motor und Getriebe

Vier Common-Rail-Diesel von unterschiedlicher Bauart: Der auf mittlerweile 175 PS erstarkte Fünfzylinder im Alfa markiert in diesem Vergleich die Leistungsspitze. Dementsprechend verweist er die schwächere Konkurrenz auf die Plätze. Innerhalb von 8,4 Sekunden passiert der 156 2.4 JTD die 100-km/h-Marke, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 225 km/h. Die Drehfreude, die der Italiener dabei an den Tag legt, begeistert, er hängt äußerst spontan am Gas. Und in Anbetracht der Fahrleistungen gilt ein Testverbrauch von exakt acht Litern auf 100 Kilometern als akzeptabel. Einzig das hakelige Sechsgang-Getriebe trübt den Fahrspaß. Wesentlich präziser geben sich Audi und BMW, deren eng abgestufte Schaltboxen sich sehr präzise bedienen lassen. Der V6 TDI im A4 leistet 163 PS, der BMW-Vierzylinder 150 PS. Der Audi kann die Mehrleistung beim Sprint von null auf 100 km/h aber nicht ausspielen. Beide liegen jedoch gleichauf und absolvieren diese Disziplin in jeweils 9,3 Sekunden. Der Gleichstand beruht, neben einer kürzeren Gesamtübersetzung, auch auf dem Hinterradantrieb des BMW, der ihm einen Traktionsvorteil beim Beschleunigen gegenüber dem Audi verschafft. Geht es um den Zwischenspurt, ziehen Audi und Volvo am Münchener vorbei. Der 163 PS starke Fünfzylinder, übrigens die erste Selbstzünder-Eigenentwicklung der Schweden, tritt ebenfalls aus niedrigen Drehzahlen kraftvoll an. Der sonor, fast schon turbinenartig klingende Fünfzylinder gibt sich jedoch in den oberen Drehzahlregionen recht zugeschnürt. Zudem liegt seine Höchstgeschwindigkeit bei (elektronisch abgeregelten) 210 km/h. Die Fünfgang-Schaltung verfügt über lange Wege, der Verbrauch lag mit 8,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer im Test am höchsten. Am wenigsten schluckte der geschmeidig laufende BMW mit im Schnitt 6,8 Litern, der gut gekapselte Audi konsumierte mit 7,6 Litern nur unwesentlich mehr.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 320 dAudi A4 2.5 TDIVolvo S60 D5Alfa Romeo 156 2.4 JTD
Beschleunigung150152152149161
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15091978095
Getriebeabstufung10090908770
Kraftentfaltung50
Laufkultur10055535145
Verbrauch325172164157160
Reichweite2536363229
Kapitelbewertung1000596592556560

 

Fahrdynamik

Dass Alfa und BMW sich auf dem Handling-Kurs ein Kopf-an- Kopf-Duell liefern, war zu erwarten. Leichtfüßig umrunden sie Kurven aller Art. Das straffe 156er-Fahrwerk erwiest sich dabei als etwas neutraler als das des 320d, die Lenkung eine Spur direkter. Dafür gibt der BMW mehr Rückmeldung und fährt sich handlicher. Als Überraschung entpuppt sich der Volvo, denn er bleibt dem deutsch-italienischen Duo dicht auf den Fersen. Hinter seinem Geheimnis verbergen sich allerdings zwei Optionen: ein Sportfahrwerk für 990 Euro und Alu-Räder im Format 225/45 R 17 für 1000 Euro. Mit der gleichen Größe war auch der BMW ausgerüstet (Aufpreis: 1500 Euro). Auf dem Slalom-Parcours erreicht der Schwede sogar die zweitbeste Zeit hinter dem BMW, allerdings benötigt der S60 sehr große Lenkwinkel. Der komfortable Audi hat das Nachsehen. Der weich abgestimmte A4 umrundet Kurven wesentlich träger, die Karosserie neigt sich stärker zur Seite. Desweiteren fehlt es beim Herausbeschleunigen an Traktion. Leichte Lastwechselreaktionen fängt das ESP sicher ab. Der elektronische Schutzengel setzt beim Alfa zwar etwas später ein, hält aber auch diesen sicher in der Spur. Während den Volvo nichts aus der Ruhe bringt, greift die Elektronik im BMW hart und ruppig ein. Schaltet man das DSC ab, führt eine übertrieben forsche Fahrweise zu massiven Heckschwenks. Dafür glänzt der 320d mit gut dosierbaren Bremsen und den im Verhältnis besten Verzögerungswerten. Auch der Volvo steht recht früh, seine Anlage neigt aber zum Fading. Der Audi kann mit warmen Bremsen nicht ganz überzeugen. Den längsten Anhalteweg benötigt der Alfa, wobei sich der Wert mit warmen Bremsen verbessert. Auch sein großer Wendekreis ist nicht mehr zeitgemäß, Dieser wird vom Volvo noch überboten, der beim Rangieren fast schon den Platz eines Lkw benötigt.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 320 dAudi A4 2.5 TDIVolvo S60 D5Alfa Romeo 156 2.4 JTD
Handling15086828388
Slalom10037263427
Lenkung10070646567
Geradeauslauf5035373332
Bremsdosierung3038293029
Bremsweg kalt15012510510788
Bremsweg warm1501279711999
Traktion10035252830
Fahrsicherheit150100120117115
Wendekreis2036342528
Kapitelbewertung1000689619641603

 

Umwelt und Kosten

Mit einem Basispreis von 30 600 Euro ist der Audi der teuerste im Vergleich, dennoch bietet er den besten Gegenwert. Die Wartungskosten fallen niedrig aus, das Garantiepaket ist umfassend. Zudem erfüllt der TDI als einziger die strenge Schadstoffnorm nach Euro 4. Für den BMW sprechen niedrigere Versicherungseinstufungen und der zweitgüns-tigste Anschaffungspreis. Laut den Experten von DAT unterliegt der Münchener dem geringsten Wertverlust. Der Alfa 156 ist mit 27 000 Euro zwar das preiswerteste Angebot im Feld, seine schlechte Restwertprognose macht diesen Vorsprung jedoch zunichte. Im Mittelfeld rangiert der gutausgestattete Volvo S60, dessen höherer Verbrauch sich auch finanziell bemerkbar macht.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 320 dAudi A4 2.5 TDIVolvo S60 D5Alfa Romeo 156 2.4 JTD
Bewerteter Preis675210204208211
Wertverlust5058495242
Ausstattung2590939092
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5030352821
Werkstattkosten2048494646
Steuer1019271313
Versicherung4038363433
Kraftstoff5543424041
Emissionswerte2566745728
Kapitelbewertung1000602609568527

 

Fazit

Auf Grund seiner Ausgewogenheit ge-winnt der BMW 320d. Er liegt in drei von fünf Wertungen vorn. Gute Bremsen sprechen ebenso für den Münchener. Die Disziplinen Karosserie und Umwelt sind die Domäne des zweitplatzierten Audi A4 2.5 TDI. Der Volvo S60 kann zwar kein Kapitel für sich entscheiden, leistet sich aber auch keine gravierenden Schwächen. Der gerade geliftete Alfa 156 versprüht immer noch den meisten Charme. Der drehfreudige 2.4 JTD und das agile Handling überzeugen, trotzdem reicht es nur für den vierten Rang.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 320 dAudi A4 2.5 TDIVolvo S60 D5Alfa Romeo 156 2.4 JTD
Summe50003283319731222858
Platzierung1234

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