Reportage: Land Rover Experience in Bolivien Das letzte Abenteuer

01.08.2011

Bolivien ist das am wenigsten erschlossene Land Südamerikas und damit genau die richtige Herausforderung für die Land Rover Experience. Eine Reise zwischen Anden und Amazonas

"Raus damit. Schnell. Alles muss raus!“ Mein Gott, wie peinlich. Dabei hat er bestimmt schon Schlimmeres gesehen – schließlich ist er Arzt. Doch wenn sich einem der Magen umdreht, ist das selbst ohne Publikum ziemlich unangenehm. „Höhenkrankheit“, diagnostiziert er. „Sie packt dich mit einem Mal. Da kannst Du nichts machen. Nur schnell runter vom Berg, sonst...“ Danke Doc. Es geht schon. Wir können weiter. Es sind nur noch 60 Meter zurück zu den Autos.

Doch knapp fünf Kilometer über dem Meeresspiegel können 60 Meter zum zähen Marathon werden. Die Lunge pumpt, das Herz rast, und im Schädel hämmert einem stechender Schmerz die Erinnerung ins Bewusstsein, dass man erst heute morgen nach anderthalbtägiger Anreise auf dem höchsten Flughafen der Welt gelandet ist. Dann der direkte Umstieg in den Land Rover Defender und im Konvoi Stoßstange an Stoßstange mitten durchs Millionengewusel von La Paz bis zum kunterbunten Markt in El Alto. Erdnüsse, Alpaca- Wolle, Cocablätter, getrocknete Lamaföten – Kulturschock in 4.200 Metern Höhe und Auftakt für die Land Rover Experience Tour, deren Teilnehmer aus 25.000 Bewerbern ausgewählt wurden.

AUF DEM ANDENPASS MUSS DIE UNTERSETZUNG RAN
Außerhalb der Stadt schraubt sich der Tross aus 14 Defendern jetzt auf dem unwegsamen Pass La Cumbre vorbei an Alpacaherden Richtung Himmel. Selbst den voll ausgerüsteten Geländewagen ist die Belastung hier oben anzumerken. Mühsam schaufeln ihre Turbolader die ultradünne Luft in die Brennräume, mit jedem Höhenmeter verlieren sie an Leistung. Nur die eingelegte Untersetzung entlastet Motor und Kupplung auf dem unwegsamen Untergrund.

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Es ist ein karger, unwirtlicher Lebensraum hoch über den Wolken. Doch das Panorama ist überwältigend. Fast unendlich erstrecken sich die unberührten Anden in alle Richtungen, zerfurcht von schroffen Tälern, gekrönt von schneebedeckten Sechstausendern in der Ferne. Die Luft ist klar, doch das gleißend helle Licht lässt einen die Augen zu schmalen Schlitzen zusammenkneifen. Wieder der Kopfschmerz. Was? Welcher ist jetzt der höchste Berg? Wo beginnt das Nachbarland Peru? Wo kann man den Titicaca-See erkennen? Ein Foto hält den Augenblick fest. Der Genuss muss warten. Jetzt geht es erst mal wieder runter.

EINZIGER WEG INS TAL: DIE STRASSE DES TODES
Die Vorfreude auf dickere Luft hält sich in Grenzen, wenn der einzige Weg ins Tal „Camino de la Muerte“ heißt: die Straße des Todes. Noch bis vor wenigen Jahren war sie die einzige Verbindung zwischen La Paz und den fruchtbaren, niederschlagsreichen Yungas rund um das kleine Städtchen Coroico. Lange galt der nördliche Yungas-Pass mit bis zu 300 Todesopfern pro Jahr als gefährlichste Straße der Welt. Schon auf den ersten Metern säumen zusammengenagelte Holzkreuze den Weg. Nur eine Autospur breit klammert sich der Camino an die schroffe Ostklippe der Anden.

Als Pfad gab es ihn schon zur Inkazeit vor rund 500 Jahren. Doch erst in den 1930er Jahren wurde er von paraguayischen Strafgefangenen zu einem befahrbaren Weg aus dem Fels gesprengt. Jetzt führt er mit unzähligen Spitzkehren 3.500 Höhenmeter steil bergab – rechts der Fels, links der Abgrund und die ewige Wolkendecke, die sich vom Amazonasbecken das Andenmassiv hinaufschiebt. Als der Konvoi von oben in die Wolken eintaucht, wird es neblig und feucht. Kleine Wasserfälle prasseln auf das Dach. Unter den Offroadreifen: rutschiger Lehmboden und Schottersteine. Eine falsche Bewegung am Lenkrad, und der Defender gesellt sich zu den nie geborgenen Auto- und Lastwagenwracks tausend Meter unter ihm. Eine Leitplanke zwischen Leben und Tod gibt es nicht. 60 Kilometer im Schritttempo auf dem Grenzpfad zwischen Himmel und Hölle.

BERGABFAHRT: PLÖTZLICH HERRSCHT LINKSVERKEHR
Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz in Bolivien, das man spätestens jetzt kennen sollte. Wer runter fährt, fährt außen. Das soll Bergabraser zur Mäßigung zwingen. Denn außen heißt links, und links heißt direkt am Abhang. Man sucht sich eine Stelle, wo das Passieren gelingen könnte, dann müssen selbst Übelkeit und Kopfschmerz verschoben werden. Höchste Konzentration ist gefragt.

Mit dem Rad an der Abrisskante und dem ungefilterten Blick in die tiefe Schlucht quetscht man sich aneinander vorbei. Ein waghalsiges Manöver. Unvorstellbar, dass sich hier bis vor kurzem auch Busse und LKW durchquälten. Dass die Land Rover Experience Tour quer durch Bolivien keine Kaffeefahrt wird, war vorher klar. Manchmal wird einem die Brisanz eines Abenteuers aber erst hinterher so richtig gewahr, weil man währenddessen viel zu sehr beschäftigt ist.

TURBO-AKKLIMATISIERUNG IM PARADIES
Auf seinen letzten Kilometern entschädigt der Camino de la Muerte für alle Strapazen und Ängste. Auf seinem tiefsten Punkt in 1.295 Metern Höhe rund um Yolosa schlängelt sich der Pfad unterhalb der Wolkendecke durch dichten, tiefgrünen, tropischen Nebelwald. Mannshohe Farne wachsen darin, Papageien fliegen hindurch, kleine Flüsse kreuzen den Weg. Und endlich strömt wieder dicke, feuchte Luft in die Lungen. Das Ziel für heute heißt Coroico auf 1.715 Metern. Nach der Tour durch die karge Mondlandschaft auf dem Anden-Plateau wirkt das verträumte Städtchen am Fuße des Uchumachi-Berges wie das Paradies auf Erden.

Coroico ist ein Garten aus Palmen und Orchideen, den man nur ungern verlassen will. Doch für die nächsten Tage stehen viele 100 Offroad-Kilometer auf dem Programm. Sie sollen dem Land-Rover-Konvoi noch mehr Gesichter von Bolivien zeigen, ihn in andere traumhafte Orte wie Mapiri oder Sorata führen. Es wird noch höhere Pässe geben und noch schönere Landschaften. Aber dieser Abend gehört Coroico. Und als die Sonne fast senkrecht hinter dem Tal verschwindet, öffnet sich die Wolkendecke und gibt den Blick auf einen tiefschwarzen Sternenhimmel frei. Jetzt, kann man es spüren – das Abenteuer. Die Turbo-Akklimatisierung war erfolgreich. Willkommen in Bolivien!
Markus Schönfeld

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