Lamborghini Reventón Dunkler Engel

10.09.2009

Der 650 PS starke Nach- fahre des legendären Countach wird in einer limitierten Auflage von 20 Stück gefertigt

Eckdaten
PS-kW650 PS (478 kW)
AntriebAllradantrieb, 6 Gang sequentiell
0-100 km/h3.4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit340 km/h
Preis1.000.000,00€

Viel zu schnell! Das mattgraue Projektil tobt donnernd um eine Felsnase, hier oben auf der schmalen Bergstraße in den Apenninen. Und plötzlich ist da nichts als Abgrund, Geröll, Dornensträucher. Vier innenbelüftete, kuchenplattengroße Keramikbremsscheiben verschmelzen bitterböse fauchend mit Sechskolben-Bremssätteln zu glühenden Energieschluckern. Kaum zu glauben, wie das Gerät nun knapp vor dem Genickbruch des Fahrers verzögert, regelrecht in eine Wand aus solidem Vollgummi brät.

Runterschalten. Dreimal schlägt die linke Hand das Kohlefaser-Schaltpaddel hinter dem Lenkrad an, der Zwölfzylinder brüllt bestialisch unter den Zwischengas-Stößen, während das sequenzielle Getriebe blitzschnell herunterschaltet. Die Bremswirkung des V12-Motors ist durch den Allradantrieb beinahe überirdisch. Trotzdem. Es wird nicht reichen. Zu eng hier oben. Der Lamborghini Reventón mit der Plakette No. 0/20 scheint wohl doch nicht – wie vorgesehen – ins Lamborghini-Museum unten in SantAgata Bolognese zu wandern, sondern allem Anschein nach binnen Lidschlag-Dauer eine Kohlefasertrümmer-Schneise in die friedliche Flora der Reggio Emilia ziehen. Die AUTO ZEITUNG wird nie wieder einen Lamborghini bekommen, und ich habe Schuld daran. Jetzt gleich.

Bleibt der Griff in die Trickkiste. Runter von der Bremse. Grip-Potenzial an den Reifen freigeben für entschlossenes Einlenken. Jetzt ist es eh egal, ob du mit Tempo 60 oder 80 einschlägst. Die einzige, winzige Chance, diesen Tag noch zu retten, besteht darin, wider Erwarten die gemeine Hundekurve zu kriegen. Also rum. 1000000 Euro kondensierte italienische Leidenschaft zu versenken, wäre doch mit Sicherheit Anlass für eine schwere diplomatische Grippe zwischen Italien und Deutschland. Runter von der Bremse. Jetzt. Sofort.

Und dann schlittern 1,7 Tonnen Metall und Kohlefaser nur wenige Zentimeter weiter geradeaus. Gerade so lange, bis die 245 Millimeter breiten 18-Zöller vorn genug Grip aufgebaut haben, um das flache Geschoss fest anpacken zu können. Millisekunden später meldet die Lenkung glasklar von der Front: jetzt! Grip steht, entschlossen eindrehen! Und es funktioniert. Der mattgraue Koloss zuckt nach rechts. Plötzlich öffnet sich die Straße erneut. Bahn frei. Uff!

Das Adrenalin steht mir an der Halskrause. Jetzt habe ich erst recht Blut geleckt. Verdammt, kann man mit diesem Auto fahren. Gleich wieder Vollgas. 650 PS und 660 Newtonmeter reißen an, dass es einem die Tränen in die Ohrmuscheln treibt. Der 6,5-Liter-V12 schnappt mit einem tierischen Höllenorgel-Fräsen die Drehzahlleiter hoch. Leichter Stoß gegen das rechte Schaltpaddel, hochschalten. Kaum hat man das aus Kohlefaser beinahe kunstvoll gefertigte Schaltpaddel berührt, liegt auch schon der nächste Gang an.

So könnte man stundenlang dahintoben. Sich regelrecht treiben lassen auf der explosiven Laola-Welle des Motors, immer wieder eingefangen von den brutal zupackenden Bremsen, einzementiert in das phänomenale Grip-Potenzial – sowohl längs- als auch querdynamisch – des Allrad-Chassis. Dieser Ritt auf dem Stier zerkaut eine durchschnittliche Physis aber nach wenigen Minuten. Der Kopf scheint an einem Hals aus schmerzender Götterspeise zu hängen, die Arme sind von den Schlägen der Fahrbahn weichgetrommelt, die Sitzposition in den engen Sitzschalen hat eh von Beginn an nicht wirklich gepasst. Man müsste zehn Zentimeter kleiner sein – und durchtrainiert.

Müsste, müsste, müsste. Ein Lamborghini Reventón ist – ebenso wie der Murciélago LP640, auf dem er im Wesentlichen basiert – kein Auto für Herr Müsste und Frau Könnte. Er hat keinen anderen Daseinszweck, als zu irritieren, zu provozieren, zu kitzeln, aufzuregen. Genau genommen ist er nicht einmal ein Auto. Nicht einmal ein Fahrspaß-Auto. Der Reventón zerschlägt dich. Brüllt dich nieder. Lässt dich kunstvoll leiden. Sein Speed ist immer nur illegal, cruisen kann man in diesem verkappten Stealth-Eurofighter ebenso gut wie Joggen auf Manolo Blahniks.

Gelegentlich kann man nicht einmal in den laufenden Straßenverkehr einbiegen, weil man schlicht und einfach nicht sieht, was und wann da hinten wer kommt. Einparken? Gar rückwärts? Vergessen Sies. Verbrauch? CO2? Das wollen Sie gar nicht wissen, und es gibt eine Menge Leute, denen man auch besser nichts darüber erzählt. Und weil das eben so ist, erheben wir den Lamborghini Reventón kurzerhand zur Kunstform. Erst so wird er seine Million Euro wert, wird der sagenhafte Aufpreis auf den nahezu baugleichen Murciélago – ein 219000-Euro-Schnäppchen – erklärbar. Alles irrational. Nur 20 Menschen weltweit – und, tja, ich – werden je in den Genuss kommen, einen Reventón zu fahren. Dieses sagenhafte Tier aus einem dunklen Keller. Mit seinem berückenden Design, das Betrachter aus jeder Perspektive in einen süßen Wahnsinn treibt. Selbst die in LED-Bauweise ausgeführten Rücklichter, Blinker und die Rückfahrleuchte machen sprachlos.

Und bereits beim Blick in die Instrumenten-Röhre aus Kohlefaser, in der drei TFT-Bildschirme auf abstruse Weise alle Aggregatzustände des Lamborghini Reventón anzeigen, wird klar, dass man sich diesem Auto-Haute Couture-Wesen nicht bei klarem Verstand nähern kann, sondern die Ekstase braucht: Wie die zarten Schwingen eines Hightech-Vogels entfaltet sich die Drehzahl am jeweils eingelegten Gang, rechts sprudelt beinahe philosophisch die Geschwindigkeit, und über allem wacht das G-Force-Meter. Allein das ist eine Million wert. Irgendwie. Johannes Riegsinger

Fazit

Technische Daten
Motor 
ZylinderV12, 4-Ventiler
Hubraum6496
Leistung
kW/PS
1/Min

478/650
8000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
660
6000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang sequentiell
AntriebAllradantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. gel. Keramikverbundscheiben
h: innenbel. gel. Keramikverbundscheiben
Bereifungv: 245/35 R 18
h: 335/30 R 18
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1700
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.4
Höchstgeschwindigkeit (km/h)340
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch21.3l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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