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Lamborghini Gallardo Spyder

Das blaue Wunder

Mit dem Lamborghini Gallardo Spyder bietet die italienische Edelschmiede ab Frühjahr einen offenen Sportwagen an, den Crockett und Tubbs, mit Sicherheit sofort gegen ihren alten Ferrari eintauschen würden

Eckdaten
PS-kW519 PS (382 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 6 Gang sequentiell
0-100 km/h4.30 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit314 km/h
Preis167.620,00 €

Früher rasten die beiden Super-Detektive der TV-Kultserie Miami Vice, Sonny Crockett und Rico Tubbs, bei der Verfolgung von Gangstern mit diversen Ferrari durch die Straßen von Miami. Bei einer Neuauflage der Sendung würden sie sicherlich auch heute noch in einem rassigen Sportwagen mit hohem Tempo und quietschenden Reifen ihrem Job nachgehen. Ob sie dafür allerdings weiterhin mit einem Ferrari an die fahrdynamischen Grenzen gehen würden, darf seit der Präsentation des neuen Lamborghini Gallardo Spyder bezweifelt werden. Den Extremsportler der Spezialisten aus Sant’ Agata bei Bologna konnten wir rund um die VIP-Metropole Miami erstmals näher begutachten. Hier interessiert nur, was wirklich neu ist. Das konnten wir bei unseren Fahrten mit dem offenen Star aus Italien deutlich feststellen. Denn selbst die vom Staraufkommen verwöhnten und fast schon gelangweilten Bewohner Miamis blieben beim Anblick des Gallardo Spyder staunend stehen und begafften ihn ganz unverhohlen. Die Sonderfarbe Celeste Phoebe, auf Deutsch schlicht Hellblau, passt perfekt in diese Gegend und steigert den Aufmerksamkeitsgrad nochmals erheblich. Dazu gesellt sich die schon vom Coupé bekannte Keilform mit der weit vorn positionierten Fahrgastzelle und dem langen bulligen Heck, das den kraftvollen Motor beherbergt. Die hochgezogene Seitenlinie mit der tiefen Sitzposition gestattet den Neugierigen allerdings nur einen flüchtigen Blick auf die Passagiere. Bleibt das Stoffverdeck geschlossen, gleicht die Silhouette des Spyder nahezu der des Coupés, und vom Innenraum ist noch weniger zu sehen. Aber wer will bei schönem Wetter und einem solchen Zuschaueraufkommen schon freiwillig geschlossen durch die Gegend fahren? Hier gilt schließlich mehr denn anderswo das Motto "sehen und gesehen werden". Also den Knopf in der Mittelkonsole drücken, und das Spektakel, das eines Stars würdig ist, kann beginnen: Zunächst hebt sich die komplette Motorhaube leicht an, fährt dann ein Stück nach hinten und schwenkt anschließend nach oben. Gleichzeitig fährt die Heckscheibe senkrecht nach unten, und das Stoffverdeck faltet sich zusammen, um hinter der leicht nach vorn versetzten Rückwand der Fahrgastzelle quasi über dem Motor zu verschwinden. Klappe wieder runter, nach vorn rutschen, verriegeln, fertig. Benötigter Zeitaufwand: etwa 17 Sekunden. Sechs Hydraulikzylinder sind für den vollautomatischen Betrieb des Dachmechanismus zuständig. Damit das Verdeck vollständig in der Versenkung verschwindet, haben die Lambo-Designer die Kohlefaser-Motorhaube etwas höher gezogen. Aus optischen Gründen wurde sie zudem mit neu geformten Lüftungsschlitzen ausgestattet. Was zählt ist Leistung. Extreme Leistung. Nicht nur optisch, auch akustisch geht der Gallardo Spyder ab Frühjahr auf Kundenfang. Wie beim Coupé stehen der offenen Version satte 520 Pferdestärken für exzellente Fahrleistungen zur Verfügung. Wer es drauf anlegt, erreicht aus dem Stand nach 4,3 Sekunden die 100-km/h-Marke. Dafür ist nur ein einziger Schaltvorgang nötig – vom ersten in den zweiten Gang. In der von uns gefahrenen E-Gear-Version bedeutet das: Ein leichtes Heranziehen der rechten Wippe am Lenkrad reicht aus, und schon ist der nächste Gang eingelegt. Das sequenzielle Getriebe arbeitet in der jetzt überarbeiteten Form schneller und ruckärmer als zuvor. Mit der Souveränität des exakt geführten und mit offener Schaltkulisse versehenen manuellen Sechsgang-Getriebes kann es aber immer noch nicht mithalten. Ob handgeschaltet oder sequenziell, wer das Gaspedal weiter durchtritt merkt, wie der Zehnzylinder, dessen roter Drehzahlbereich erst bei 8000 Umdrehungen beginnt, bis zur Höchstgeschwindigkeit von 314 km/h ( bei geöffnetem Dach 307 km/h) ohne merkliches Nachlassen des Vortriebs beschleunigt. Wie die Miami Vice-Cops es allerdings immer geschafft haben, mit glatten Seidensakkos und frisch gekämmten Haaren aus ihren Rennern zu steigen, bleibt ein Rätsel. Denn von einer zugluftfreien Fahrt kann trotz der tiefen Sitzposition keine Rede sein. Der Spyder braucht keine Sirene. Dank Allradantrieb feiert der Fahrer die Beschleunigungsorgie ohne durchdrehende Räder. Aber es wäre ja langweilig, könnte man nicht irgendwie auf sich und die vorhandene Potenz aufmerksam machen. Also: wenn schon keine quietschenden Räder, dann wenigstens ein satter Auspuffsound. Satt ist jedoch gar kein Ausdruck für das, was die Lambo-Techniker da entwickelt und installiert haben. Der Zehnzylinder faucht und brüllt, dass es eine wahre Freude ist. Ob Tunnel oder Häuserschlucht, jeder Stoß mit dem Gaspedal wird in Beschleunigung und in mindestens ebenso gewaltigen Sound umgesetzt. Von den Betonwänden wird diese Geräuschkulisse dann nochmals in vielfacher Lautstärke zurückgeworfen. Wo andere die Hupe einsetzen, tippt der Sypder-Pilot kurz aufs Gas. Das klingt nicht nur weit besser, es ist auch erheblich cooler und passt viel besser zum Image von Crocket und Tubbs. Geld darf keine Rolle spielen. Wer in dieser Fahrzeugliga mitmischen und sich präsentieren will, darf selbstverständlich keine Geldsorgen haben. 167 620 Euro soll der offene Gallardo, den es hierzulande ab April gibt, kosten. Das sind knapp 20 000 Euro mehr, als man für das Coupé bezahlen muss. Mit diesem Preis wird die himmelblaue Flunder für echte Detektive wohl ein unerfüllter Traum bleiben. Jürgen Schramek

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Lamborghini Gallardo Spyder

PS/KW 519/382

0-100 km/h in 4.30s

Allradantrieb, permanent, 6 Gang sequentiell

Spitze 314 km/h

Preis 167.620,00 €