Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera und Porsche 911 Turbo S im Test Lamborghini Gallardo und Porsche 911

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Hinter dem Beinamen Superleggera verbirgt sich der stärkste Lamborghini Gallardo. Der 570-PS-Exot trifft auf den Porsche 911 Turbo S mit 530 PS

Schon der erste Schrei ist markerschütternd. Nach wenigen Anlasserumdrehungen pressen zehn Schmiedekolben Verbrennungsabgase aus den noch kalten Brennräumen in die stimmgewaltige Auspuffanlage des Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera. Diese kommt – wie das ganze Konzept der „superleichten“ und zehn PS stärkeren Gallardo-Version – aus dem hauseigenen Markenpokal- Rennwagen. 70 Kilo speckte diese 208.726 Euro teure Straßenvariante gegenüber dem Basis-Gallardo ab. Die „S“-Version des Porsche 911 Turbo verfügt serienmäßig über alle fahrdynamischen Extras des normalen Turbo und natürlich 30 Extra-PS. Mit einem Grundpreis von 173.241 Euro ist der Zuffenhausener rund 35.000 Euro günstiger als der italienische Exot. Ob er sich auch fahrdynamisch durchsetzen kann?

 

Karosserie

Das Dach ist nur 1,17 Meter hoch, die Sitzflächen liegen gefühlt knapp über dem Asphaltniveau. In den Lamborghini steigt man hinunter, versucht mit den wenigen Einstellmöglichkeiten eine passende Position zu finden. Die Kohlefaserschalensitze sind Serie, ohne Aufpreis liefert Lambo aber auch bequemere Standardsitze. Die Innenbreite ist ordentlich, die Kopffreiheit genügt auch 1,85- Meter-Fahrern. Der große Cockpitträger schränkt allerdings das subjektive Raumgefühl stark ein.

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Der Porsche 911 überzeugt durch seine luftige Innenhöhe – trotz Schiebedach – und die funktionale, schlanke Innenarchitektur. Die minimalistischen Einzelsitze im Fond dienen dank umlegbarer Lehnen eher als zusätzliche Gepäckablage. Die gelernte Bedienung im Elfer sowie die gute Übersichtlichkeit erleichtern den Umgang mit dem Porsche im Alltag. Der umfangreichen Sicherheitsausstattung des Top-911 hat der Gallardo ebenfalls nur wenig entgegenzusetzen. Auch der Qualitätsanspruch des 911 liegt höher.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Turbo SLamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera
Raumangebot vorn1006056
Raumangebot hinten100150
Übersichtlichkeit704023
Bedienung/ Funktion1008577
Kofferraumvolumen10000
Variabilität10020
Zuladung/ Anhängelast801412
Sicherheit1509161
Qualität/ Verarbeitung200192185
Kapitelbewertung1000499414

 

Fahrkomfort

Ansprechende Komfortqualitäten standen bei beiden Konkurrenten nicht ganz oben im Lastenheft. Die adaptiven Dämpfer (PASM) im Porsche machen hier im Zusammenspiel mit den Serien-Sportsitzen dennoch einen guten Job. Der extrem straffe Superleggera spricht zunächst sensibel auf Unebenheiten an, leitet grobe Stöße aber ungefiltert nach innen weiter. Zudem eröffnen die lauten Innengeräusche eine Diskussion über den Sinn eines Radios im Lambo. Folgerichtig gibt es dieses nur optional. Die geringe Unterstützung der Sitze im Lendenwirbelbereich macht sich auf langen Strecken unangenehm bemerkbar

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Turbo SLamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera
Sitzkomfort vorn150138115
Sitzkomfort hinten100100
Ergonomie150128118
Innengeräusche50139
Geräuscheindruck1008670
Klimatisierung503936
Federung leer20010288
Federung beladen20010288
Kapitelbewertung1000618524

 

Motor und Getriebe

„Longitudinale Posteriore“ oder kurz LP bezeichnet beim Lamborghini Gallardo Superleggera die Einbaulage längs hinten des V10-Benzin-Direkteinspritzers. Die modifizierte Steuerelektronik bringt zehn Zusatz-PS hervor. Über das serienmäßige, sequenzielle Sechsganggetriebe und den variablen Allradantrieb gelangt die Kraft an die mit Semi-Slicks bestückten Leichtbauräder von Fuchs. Eine Launch-Control ermöglicht den Sprint von null auf 100 km/h in 3,4 Sekunden. Doppelt so schnell ist der 1487-Kilo-Flachmann nach weiteren sieben Sekunden. Super?

Ja, aber der 911 Turbo S legt noch einen drauf: 3,0 s bis Tempo 100, nur 10,0 s bis 200 km/h – unglaublich. Und dank Launch-Control und dem nahezu perfekten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe von ZF beliebig reproduzierbar. Der 530-PS-Biturbo-Boxer, ebenfalls mit Direkteinspritzung, legt sich fulminant ins Zeug, selbst beim Verbrauch: Mit 13,8 l/100 km unterbietet der 1,6- Tonnen-Porsche den Kontrahenten um 3,8 Liter pro 100 km. Der kleine 67-Liter-Tank begrenzt allerdings die Reichweite.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Turbo SLamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera
Beschleunigung150150150
Elastizität10000
Höchstgeschwindigkeit150139146
Getriebeabstufung1009694
Kraftentfaltung504949
Laufkultur1009082
Verbrauch32511947
Reichweite2578
Kapitelbewertung1000650576

 

Fahrdynamik

Zwar sind bei Temperaturen um 34 Grad auf dem Handlingskurs keine absoluten Spitzenzeiten umsetzbar, doch der Superleggera kann sich um 1,7 s vom Turbo S absetzen. Während das Getriebe in Normalposition nur zaudernd die Gänge einlegt, knallt es im „Corsa“- Modus ab dem zweiten Gang in Bruchteilen von Sekunden Gang für Gang rein. Das erst spät regelnde ESP lässt sich auch komplett deaktivieren. Kurz, der Gallardo bewegt sich verlässlich, präzise und mit kaum wahrnehmbarer Seitenneigung um den Kurs.

Die optionale Keramikbremse (14280 Euro) liefert beste Verzögerungswerte selbst bei härtester Beanspruchung. Die Dosierung gelingt allerdings weniger exakt als beim serienmäßigen Porsche-Pendant. Grundsätzlich neutral ausgelegt, bringen das massive Heck des Superleggera nur extrem provozierte Lastwechsel aus der Ruhe. In lang gezogenen Kurven fängt die Vorderachse leicht an zu stuckern. Die schnellen Richtungswechsel im Slalom liegen dem Gallardo dagegen eher. Ob Torque-Vectoring, mechanisches Hinterachsdifferenzial, dynamische Motorlager, neue Vorderachskinematik – der volle Einsatz der 700 Nm Drehmoment des 911-Motors bringt den Turbo S aus Kurven heraus trotzdem gern zum Übersteuern.

Beim harten Anbremsen vor Kurven meldet sich das Heck ebenfalls und drängt nach vorn. Mit der überaus präzisen Lenkung, die wesentlich mehr Servounterstützung besitzt als die des Italieners, lässt sich das aber gut parieren. Letztlich entscheiden auch die Semi-Slicks des Gallardo das Rennen zugunsten des Lamborghini. Auffällig: Der große Unterschied zwischen Kalt- und Warmbremswert (34,2 zu 32,1 m) zeigt, dass diese Reifen eine bestimmte Arbeitstemperatur benötigen.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Turbo SLamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera
Handling150121127
Slalom1008190
Lenkung10010093
Geradeauslauf503835
Bremsdosierung302422
Bremsweg kalt150114108
Bremsweg warm150119129
Traktion1008586
Fahrsicherheit150132135
Wendekreis20135
Kapitelbewertung1000827830

 

Umwelt und Kosten

Der Turbo S liegt nur knapp unter der oberen Wertungsgrenze für Grundpreise, der Lamborghini weit darüber. Nur bei der AZ Normausstattung bekommen beide die volle Punktzahl, der Lambo hat zudem eine dreijährige Fahrzeuggarantie. Für seine Wartungs- und Versicherungskosten lässt sich aber auch ein Zweitwagen anschaffen. Hier schlägt sich der wertstabile Porsche besser.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Turbo SLamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera
Bewerteter Preis67510
Wertverlust5000
Ausstattung252525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501925
Werkstattkosten20130
Steuer1064
Versicherung4030
Kraftstoff55197
Emissionswerte2500
Kapitelbewertung10008661

 

Fazit

Machen wir es kurz: Der neue Lamborghini Gallardo Superleggera ist mehr Rennwagen als Die schnellsten Supersportwagen im Vergleich und scheut Kompromisse wie der Teufel das Weihwasser. Überragende Handlingeigenschaften und ein Traum-Motor treffen auf eine karge Serienausstattung, geringen Komfort und eine ernüchternde Kostenbilanz. Den Vergleichstest gewinnt er so nicht.

Der Porsche 911 Turbo S muss sich dem Lamborghini nur auf dem Handlingkurs und im Slalom beugen. Die Extra-Power des Elfer führt zu beeindruckenden Sprintwerten – 10,0 Sekunden bis 200 km/h –, die knackige Abstimmung zu einigen Überraschungsmomenten hinter dem Lenkrad. Dieser 911 will am Limit mit Verstand bewegt werden. Der variable Allradantrieb samt Torque-Vectoring-System ist kein Allheilmittel, er dient der besseren Fahrdynamik, der bestmöglichen Beschleunigung aus Kurven heraus – dank 700 Newtonmeter Drehmoment mitunter auch im Drift.

Weitere Links:
>> Supersport-Vergleich: Die schnellsten Supersportwagen im Vergleich
>> Neuheiten: Supersportwagen-Pläne von BMW bis Porsche
>> Porsche gegen Audi: 911 Carrera S und RS5 im Test

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Turbo SLamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera
Summe500026802405
Platzierung12

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