Lamborghini Aventador SV: Supersportler im Fahrbericht Voll auf die Zwölf

28.06.2015

Der neue Lamborghini Aventador LP 750-4 Superveloce tritt mit 750 PS an. Fahrbericht von einem Ritt über die Rennstrecke in Barcelona

Es ist ja nicht so, dass sich das bisherige Topmodell der Lamborghini-Range, der Aventador, dem Mittelmaß verschrieben hätte: Angesichts von zwölf Zylindern, 700 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h ist auf den ersten Blick kein Mangel erkennbar. Oder sind nach knapp vierjähriger Bauzeit die Alterserscheinungen schon so weit fortgeschritten, dass Handlungsbedarf entstand? Gott bewahre.

 

Lamborghini Aventador SV: Fahrbericht des Supersportlers

Die „Skulptur extremer Dynamik“, so die Charakterisierung seitens des Centro Stile, hat den Status einer Design-Ikone, unterliegt zumindest optisch keinem Alterungsprozess. Rund ein Viertel der 4000 für 2015 geplanten Lamborghini-Verkäufe wird, so die Schätzung von Lamborghini-Boss Stefan Winkelmann, auf das Topmodell Aventador entfallen, maximal 600 davon auf die „reinste Essenz eines Lamborghini Supersportwagens“, auf den Superveloce, kurz SV genannt.

Er repräsentiert in der Tradition der SV-Varianten von Miura (1971 bis 1973), Diablo (1996 bis 2000) und Murciélago (2009 bis 2011) das Schnellste und Emotionalste, das Lamborghini zu bieten hat. Höhere Leistung, geringeres Gewicht und verbesserte Aerodynamik – das sind die gängigen Essentials, auf die nicht nur die Lamborghini-Klientel geradezu reflexartig anspricht. Ein Großteil der limitierten Sonderserie ist bereits verkauft, ungeachtet des um rund 70.000 Euro deutlich höheren Einstandspreises von 389.000 Euro.

Vermutlich wird es – wie bei allen Kleinserien dieser Art – der Sammlertrieb sein, der die Kaufentscheidung maßgeblich bestimmt. Denn wenn es allein um die mögliche Längs- oder Querdynamik ginge, dann lässt schon das Basismodell LP 700-4 keinen Wunsch unerfüllt: Schon er zoomt sich in 9,5 Sekunden auf Tempo 200, und erst bei 350 km/h muss er die Segel streichen. Auch auf der Nordschleife ging mit ihm die Post ab: 7.25 Minuten.

Und doch beharrt Entwicklungschef Maurizio Reggiani darauf, dass mit dem SV sämtliche Limits nach oben verschoben worden sind. Demzufolge soll er für den Sprint auf 100 km/h nur noch 2,8 Sekunden benötigen. In 8,6 Sekunden soll die 200-km/h-Hürde fallen, und schon nach 24,0 Sekunden hat er laut Werk Tempo 300 erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit wird etwas vage mit „über 350 km/h“ angegeben.

Weil die um 170 Prozent verbesserte Downforce den cW-Wert verschlechtert, muss auf einen signifikanten Tempozuwachs verzichtet werden. Nicht aber auf dem Nürburgring, der auch bei Lamborghini zum Zentrum fahrdynamischer Beweisführungen avanciert ist: So soll die neue SV-Variante die Sieben-Minuten-Schallmauer knapp durchbrochen haben. Das würde dem Zeit-Korridor entsprechen, in dem auch Porsche 918 und McLaren P1 unterwegs sind.

Anders als diese gut doppelt so teuren Konkurrenten schafft es der Lamborghini Aventador LP 750-4 SV mit eher konventionellen Mitteln, die Fahrfaszination für die Insassen bis zum Exzess zu steigern. Weder Hybrid- noch die mittlerweile angesagte Turbotechnik wird hier bemüht, sondern Motortuning nach konventioneller Art praktiziert: Mechanisches Feintuning mit dem Ziel, die innere Reibung des V12 zu minimieren und die Gas-Durchströmung im Einlass- und Auslasstrakt zu optimieren. Das Ergebnis sind 50 zusätzliche Pferdestärken bei leicht erhöhter Drehzahl (8500/min) – und das ohne den dabei sonst üblichen Verlust von Drehmoment.

So gleichmäßig, brutal und geschliffen die Leistungsentfaltung dieses in der Tradition großvolumiger Saugmotoren verbleibenden V12 auch ist: Die Mehrleistung von 50 PS allein macht den Kohl nicht fett. Eher ist es die Gewichtsreduzierung um 50 Kilogramm durch den zusätzlichen Einsatz von Kohlefasermaterialien, die den Zugewinn in Sachen Fahrdynamik erklärt. Aber halt: Bei einem Ausgangsgewicht von fahrfertig 1794 Kilogramm (LP-700-4) wird der eingesparte Zentner doch wohl auch nicht so stark ins Gewicht fallen, oder?

Nun, wie immer und überall ist es die Summe der Maßnahmen, die auch den Superveloce noch ein kleines Stück höher in den Fahrdynamik-Himmel katapultiert. Die Seitenkräfte, die der sicher noch immer mit über 1700 Kilogramm antretende SV beim ersten Fahrtermin auf dem 4,7 Kilometer langen Formel 1-Kurs Circuit de Catalunya bei Barcelona aubaute, wurden jedenfalls in den schnellen, langgezogenen Kurven schon mal zum Prüfstein für die untrainierten Nackenmuskeln.

 

Aventador SV: V12-Saugmotor mit 750 PS

Hat schon das Basismodell Querbeschleunigungen von bis zu 1,45 g aufgebaut, so dürfte der Superveloce diesbezüglich dank des hinzugewonnenen Abtriebs noch einmal deutlich zugelegt haben – nicht zu vergessen natürlich auch die segensreiche Unterstützung seitens der neuen Corsa-Semislick-Generation von Pirelli.

So wie die über ein aufwändiges Pushrod-System betätigten Dämpfer selektiv und sensibel auf Fahrbahnzustand und Fahrstil reagieren, so variabel arbeitet nun auch die neue, elektromechanische Lenkung in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit und dem gewählten Fahrmodus. Die elektronisch gesteuerte Haldex-Kupplung der vierten Generation ist nun imstande, im Bruchteil einer Sekunde bis zu 60 Prozent der Antriebskraft auf die Vorderachse zu übertragen.

Unter Gas zieht sich der Allradler damit so gewissenhaft und verlässlich aus der Kurve heraus, dass der Respekt vor der schieren PS-Gewalt in der Praxis ebenso schnell schwindet wie die Bedenken darüber, ob die gewaltige kinetische Energie auf Dauer im Zaum gehalten werden kann. Keine Angst: Das Vertrauen in die riesige Bremse ist gerechtfertigt.

Was der große, im Rücken der Besatzung grollende Sauger nicht mag, sind unnötige Spielereien am Gaspedal. Das geradezu erschrockene Ansprechen des V12-Saugers schon auf kleinste Gasbefehle und sein bei höheren Drehzahlen ruckartiges Zumachen in dem Moment, in dem der Fahrer seinerseits vor Schreck den Fuß vom Gas nimmt, stört die Harmonie im ansonsten neutralen Grenzbereich. Die Eingriffe der elektronischen Regelsysteme sind überdies nicht nur verlässlich, sondern in ihrer Darbietung auch so geschliffen, dass einem um die Unversehrtheit von Mensch und Maschine nicht Bange werden muss.

TECHNIK
 

Lamborghini Aventador LP 750-4 Superveloce
Motor V12
Hubraum 6498 cm3
Leistung 552 kW/750 PS
Max. Drehmoment 690 Nm
EU-Verbrauch1 16,0 l
CO2-Ausstoß1 370 g/km
Beschleunigung1 0-100 km/h in 2,8 s
Höchstgeschwindigkeit1 über 350 km/h
L/B/H 4835/2030/1136 mm
Kofferraumvolumen ca. 150 l
Leergewicht ca. 1700 kg
Grundpreis 389.000 Euro
1 Werksangaben

Unser Fazit

Der Aventador SV ist ein grandioses Stück Technik mit eingebauter Überflieger-Mentalität: von Natur aus gewalttätig, im Detail liebenswert und – was seine Perspektiven angeht – durchaus rekordverdächtig.

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