Unsicher: Lada Priora Kombi im Test Lada Priora Kombi

07.09.2011

Priora heißt die größte Baureihe von Lada. Vor allem der Kombi verspricht viel Auto fürs Geld. Von Sicherheit ist aber nicht die Rede

Eckdaten
PS-kW98 PS (72 kW)
AntriebVorderrad, 5 Gang manuell
0-100 km/h10.6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit183 km/h
Preis9.990,00€

Es gibt Hersteller, die bieten ihren Kunden weniger Auswahl als Lada. Schließlich besteht das Modell-Programm des deutschen Importeurs aus der 1er und 2er-Baureihe, die jeweils mit Stufen-, Kombi- und Schrägheck zu haben sind, sowie aus dem knorrigen Geländewagen Niva, der fast so unverwüstlich scheint wie Keith Richards und der wie der greise Rolling Stone vermutlich sogar Atomschläge unbeeindruckt überstünde. Porsche kam lange Zeit mit weniger Varianten bestens zurecht. Der große Verkaufserfolg stellt sich bei Lada dennoch seit Jahren nicht ein, obwohl die Preispolitik der gestalterisch biederen Personenwagen perfekt zur allmählich abebbenden „Geiz ist geil“-Bewegung passt: 9990 Euro kostet der Top-Kombi Priora 2171 – wirklich nicht viel für einen Fünftürer mit minimal 444 Liter Kofferraumvolumen, das sich durch Umlegen der daunenweich gepolsterten Rücksitzbank auf immerhin 1020 Liter erweitern lässt – asymmetrisch geteilte Lehnen und eine Ladefläche ohne störende Stufen inklusive.

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Zwei Airbags und ABS hin oder her: In Sicherheitsbelangen enttäuscht der billige Jakob aus Russland und ist keine Alternative zu ähnlich teuren Gebraucht-Kombis aus Europa oder Japan. Man ist schließlich nicht allein auf der Straße. Und manches Manöver macht man nicht freiwillig, es wird einem aufgezwungen vom unachtsamen Fahrer eines anderen Autos. Bedenklich ist auch das Fahrverhalten des Priora, der mit einer weichen Grundabstimmung und manierlichem Anfedern einen passablen Komfort bietet: Bei einem simulierten Ausweichmanöver mit etwa 70 km/h, wie es auf der Landstraße jederzeit erforderlich sein kann, fühlten sich mehrere Tester endlich einmal wie Sebastian Vettel – allerdings in einem seiner schlechteren Momente. Denn beim doppelten Spurwechsel bricht der Priora ebenso unkontrollierbar aus wie Vettels Red Bull, als der in Spa Jenson Button überholen wollte, ihm in die Flanke rauschte und für mehrere zehntausend Euro Kleinholz produzierte. Bei diesem Preis erwartet niemand hochwertige Textilien oder verschwenderisch aufgeschäumten Kunststoff. Man richtet sich auf den Priora ein wie auf einen Urlaub in der rustikalen Berghütte. So wird man auch nicht enttäuscht. Das Auto wirkt innen so einfach wie außen, aber ganz und gar nicht wie ein Blender. Es ist die ehrliche Haut, die einem im Schaufenster zufl üstert: Was du hier siehst, das bekommst du auch. Nicht mehr.

Nicht mehr? Ja nun, eigentlich doch. Denn wer hätte für diesen Preis einen 98 PS starken 1,6-Liter-Motor erwartet? Einen Doktortitel in Laufkultur kann der Vierventiler zwar nicht vorweisen, denn bei höheren Drehzahlen klingt er brummig-stumpf und angestrengt. Doch da der vollgetankte Priora Kombi gerade einmal 1105 kg auf die Waage bringt, geht es regelrecht dynamisch voran, wenn der Fahrer in seinem großen, leidlich bequemen Sitz das kleine Gaspedal durchtritt und den Motor drehen lässt. 10,6 Sekunden auf 100 km/h sind ein strammer Wert, und die vom Werk versprochene Spitze übertrifft der Testwagen laut Tacho jedenfalls sehr deutlich.

 

LADA PRIORA KOMBI: KRITISCHES FAHRVERHALTEN

Man sollte das gebotene Temperament allerdings nicht allzu unbesorgt nutzen. Wenn es so etwas gibt wie Hochgeschwindigkeits-Untersteuern: Der Priora hat es erfunden mit seinem sturen Geradeausschieben in langen Autobahnkurven, das mit der ungenauen Lenkung nicht ohne Konzentration auszugleichen ist. Weniger Tempo ist also angeraten – auch der anschwellenden Fahrgeräusche wegen. Doch ein Garant für sicheres Ankommen ist das auch nicht, wie die Fahrversuche zeigen: Die Bremstests haben wir nach der vierten Messung abgebrochen, weil sich der Weg von 100 km/h bis zum Stillstand von anfangs 41 Metern auf 63 Meter verlängerte und das Bremspedal toter Mann spielte.

Bedenklich ist auch das Fahrverhalten des Priora, der mit einer weichen Grundabstimmung und manierlichem Anfedern einen passablen Komfort bietet: Bei einem simulierten Ausweichmanöver mit etwa 70 km/h, wie es auf der Landstraße jederzeit erforderlich sein kann, fühlten sich mehrere Tester endlich einmal wie Sebastian Vettel – allerdings in einem seiner schlechteren Momente. Denn beim doppelten Spurwechsel bricht der Lada Priora ebenso unkontrollierbar aus wie Vettels Red Bull, als der in Spa Jenson Button überholen wollte, ihm in die Flanke rauschte und für mehrere zehntausend Euro Kleinholz produzierte.

Zwei Airbags und ABS hin oder her: In Sicherheitsbelangen enttäuscht der billige Jakob aus Russland und ist keine Alternative zu ähnlich teuren Gebraucht-Kombis aus Europa oder Japan. Man ist schließlich nicht allein auf der Straße. Und manches Manöver macht man nicht freiwillig, es wird einem aufgezwungen vom unachtsamen Fahrer eines anderen Autos.

Enttäuschende Erkenntnis nach einer Test-Bekanntschaft, in deren Verlauf sich ein Auto taumelnd und miserabel bremsend um alle Sympathien brachte und dadurch letztendlich doch als Hochstapler auf niedrigem Niveau enttarnte: In keinem anderen Auto aus aktueller Produktion ist der Fahrer so bitterlich auf einen Schutzengel angewiesen wie im Lada Priora Kombi. Eine Christophorus-Plakette, wie sie einst an vielen Armaturenbrettern prangte, sollte serienmäßig sein.
Michael Harnischfeger

Technische Daten
Motor 
Zylinder4-Zylinder, 4-Ventiler
Hubraum1596
Leistung
kW/PS
1/Min

72/98
5600 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
154
4000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5 Gang manuell
AntriebVorderrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Scheiben
h: Trommeln
Bereifungv: 185/65 R 14
h: 185/65 R 14
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1105
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)10.6
Höchstgeschwindigkeit (km/h)183
Verbrauch 
Testverbrauch7.8l/100km (Super)
EU-Verbrauch6.3l/100km (Super)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)154

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